Wer war der intelligenteste US-Präsident aller Zeiten?

Von Jürgen Fritz, Sa. 06. Jun 2020, Titelbild: CNN-Screenshot und YouTube-Screenshot

Donald Trump, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten, hält sich selbst nicht nur für schlau, sondern gar für ein Genie. Seine Beweisführung: Er habe es ja schließlich von einem sehr erfolgreichen Geschäftsmann zum Fernsehstar und zum US-Präsidenten gebracht. Doch welche US-Präsidenten waren wirklich ganz außergewöhnlich intelligent? Eine Studie des renommierten Professors für Psychologie Dean Keith Simonton kommt zu einem interessanten Ergebnis, bei dem einige Präsidenten herausstechen, ganz besonders aber einer.

John Quincy Adams auf Platz eins

Bereits vor drei Jahren gab es Diskussionen über die Intelligenz von Donald Trump. Der damalige US-Außenminister Rex Tillerson soll den Präsidenten in einem Meeting angeblich als “Deppen” bezeichnet haben. Trump reagierte beleidigt und forderte Tillerson zu einem IQ-Duell auf. Dazu kam es natürlich niemals. Manche halten Trump für den am wenigst intelligenten Präsidenten aller Zeiten, aber IQ-Experten meinen, Trump sei wohl intelligenter als angesichts seiner bizarren Auftritte angenommen werden könnte. Doch welche Präsidenten verfügten tatsächlich über ganz außergewöhnliche geistige Fähigkeiten? Einer scheint besonders herauszuragen.

Laut einer 2006 veröffentlichten Studie des renommierten Professors für Psychologie Dean Keith Simonton war John Quincy Adams (1767-1848), der sechste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, der vielleicht intelligenteste aller US-Präsidenten. Simonton hat über Jahrzehnte hinweg zu Themen wie Intelligenz geforscht und etliche Bücher dazu verfasst. In seiner Studie von 2006, damals war George W. Bush der amtierende Präsident, hat er 42 der ersten 43 US-Präsidenten untersucht. Ergebnis: Auf Platz eins landete John Quincy Adams. Dessen Vater John Adams war einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und von 1789 bis 1797 der erste Vizepräsident sowie nach George Washington von 1797 bis 1801 der zweite Präsident der USA.

Bereits als elf- und 13-Jähriger begleitete John Quincy seinen Vater auf dessen diplomatischen Missionen 1778 und 1780 in Frankreich und in den Niederlanden und eignete sich dabei exzellente Französischkenntnisse an. Deshalb begleitete er den Gesandten Francis Dana, der diese Sprache kaum beherrschte, 1781 als knapp 14-Jähriger als Privatsekretär nach St. Petersburg an den Hof von Katharina der Großen. Sein Studium der Rechtswissenschaften schloss John Quincy mit 20 Jahren an der Harvard University in Cambridge ab und praktizierte anschließend als Anwalt.

Der einzige Präsident, der den Eid nicht auf eine Bibel oder ein anderes religiöses Buch ablegte

Mit 27 wurde Adams zum Gesandten in die Niederlande berufen, später nach Portugal und Preußen, Russland und Großbritannien. Mit 30 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt. Seit 1818 war er zudem gewähltes Mitglied der American Philosophical Society. Von 1817 bis 1825, im Alter von 49 bis 57 Jahre, war Adams Außenminister im Kabinett von Präsident James Monroe.

Am 4. März 1825 trat Adams mit 57 Jahren die Präsidentschaft an, nachdem er sich gegen drei Mitbewerber, unter anderem Andrew Jackson durchgesetzt hatte. Bei seiner Amtseinführung war er der einzige Präsident, der den Eid nicht auf eine Bibel oder ein religiöses Buch ablegte, sondern auf die amerikanische Verfassung. Als Grund nannte Adams die Trennung von Kirche und Staat.

In Adams’ Amtszeit haben viele Bundesstaaten die Anforderung eines Mindestvermögens für die Teilnahme an Wahlen aufgegeben. So konnten bei den Präsidentenwahlen Ende 1828 dreimal so viele Wähler an der Wahl teilnehmen wie 1824 (wenngleich noch keine Frauen und keine freigelassenen Sklaven); ein Umstand, der dem erneut antretenden Jackson, der 1824 Adams nur knapp unterlegen war, zu seinem Wahlerfolg im Jahr 1828 verhalf.

Vertrat die Sklaven in den Amistad-Prozessen

Anders als die meisten US-amerikanischen Präsidenten trat der nun 61-jährige John Quincy Adams nach dem Ende seiner Präsidentschaft im März 1829 weiter politisch in Erscheinung. Bei den Kongresswahlen 1830 gewann er die Wahl zum Repräsentantenhaus. Diesem gehörte er nach mehreren Wiederwahlen bis zu seinem Tod 1848 an. Er war unter anderem Vorsitzender eines Wirtschaftsausschusses, des Ausschusses für Indianerfragen und des Auswärtigen Ausschusses.

Adams war der einzige Ex-Präsident, der ins Repräsentantenhaus gewählt wurde und einer von nur zweien, die nach ihrer Amtszeit nochmals in den Kongress gewählt wurden. 1841 vertrat er mit Mitte 70 in den Amistad-Prozessen die Sklaven des spanischen Sklavenschiffes La Amistad, denen es gelungen war, gegen ihre Unterdrücker aufzubegehren und in den USA zu landen, vor dem Supreme Court. Er erreichte, dass sie nicht an Spanien ausgeliefert wurden, sondern als freie Menschen in ihre Heimat zurückkehren konnten. Adams lehnte außerdem eine Annexion von Texas ab, ebenso stellte er sich gegen den mexikanisch-amerikanischen Krieg, den er als Krieg um die Ausweitung der Sklaverei ansah.

Am 23. Februar 1848 knapp 19 Jahre nach seiner Präsidentschaft starb John Quincy Adams in seinem 81. Lebensjahr. Der am 3. Oktober 1984 entdeckte Asteroid (4372) Quincy wurde 1990 nach ihm benannt. Auch der Adams-Gletscher in der Antarktis trägt seinen Namen. Außerdem sind drei Countys in den Vereinigten Staaten nach ihm benannt. Adams, der in seiner Jugend auch die deutsche Sprache erlernt hatte, übersetzte in späteren Jahren das Versepos Oberon von Christoph Martin Wieland ins Englische und das so gut, dass Wieland mit der Übertragung sehr zufrieden gewesen sein soll.

Die intelligentesten und die am wenigsten intelligenten US-Präsidenten von Washington bis George W. Bush

Im Spielfilm Amistad aus dem Jahre 1997 wurde John Quincy Adams von dem großen Schauspieler Anthony Hopkins dargestellt. Adams Intelligenzquotient soll laut Simontons Studie 165 bis 175 betragen haben, noch höher als der von Thomas Jefferson, dem 3. Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Thomas Jefferson (1743-1826) war einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten und der hauptsächliche Verfasser der Unabhängigkeitserklärung von 1776. Von 1797 bis 1801 war er der zweite US-amerikanische Vizepräsident und von 1801 bis 1809 der dritte US-Präsident. Jefferson gilt als einer der einflussreichsten Staatstheoretiker der USA. 

Die laut Prof. Dean Keith Simonton intelligentesten US-Präsidenten:

  1. John Quincy Adams (1825-1829): 165 bis 175
  2. Thomas Jefferson (1801-1809): 145 bis 160
  3. John F. Kennedy (1961-1963): 139 bis 160
  4. Bill Clinton (1993-2001): 136 bis 159
  5. James Madison (1809-1817): 120 bis 160

Den niedrigsten IQ von Washington bis G.W. Bush hatten bis dahin:

  • Andrew Johnson (1865-1869): 111 bis 140
  • Zachary Taylor (1849-1850). 111 bis 140
  • George W. Bush (2001-2009): 111 bis 139
  • Warren G. Harding (1921-1923): 108 bis 140
  • James Monroe (1817-1825): 109 bis 139

Das Untersuchungsergebnis von Prof. Simonton

Genie Trump? Welche Präsidenten der USA wirklich intelligent waren ...

Liste der Intelligenzquotienten der US-Präsidenten von Washington bis G.W. Bush:   I-U = tiefster Wert, II-C = höchster Wert)

68 Prozent der Menschen haben einen IQ zwischen 85 und 115

Die beiden letzten Präsidenten, Barack Obama (2009-2017) und Donald Trump (2017-?) fehlen natürlich in dieser Untersuchung von 2006. Der IQ von Obama soll auf um die 145 eingeschätzt worden sein, womit er unter den Präsidenten im oberen Bereich liegen dürfte. Wo Trump hier einzuordnen ist, ist nicht bekannt.

Die IQ-Skala wird meist so bemessen, dass der Durchschnitt der Vergleichsgruppe genau bei 100 liegt und gemäß der Normalverteilung rund 68 Prozent der Personen dieser Referenzgruppe einen IQ von 85 bis 115 haben. Ca. 16 Prozent liegen unter 85 und ca. 16 Prozent über 115. Das heißt, alle früheren US-Präsidenten dürften klar im oberen Sechstel der Bevölkerung gelegen haben.

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