Relativitäts- oder Absolutheitstheorie?

Von Jürgen Fritz, Mi. 01. Jul 2020, Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

Albert Einsteins 1905 und 1915 veröffentlichte spezielle und allgemeine Relativitätstheorie haben das Verständnis von Raum und Zeit, ja überhaupt unser Weltbild revolutioniert und wohl auch einen allgemeinen erkenntnistheoretischen, einen Wahrheits-, einen Bedeutungs-, einen ethischen, einen Werte- und Kultur-, ja sogar einen methodologischen Relativismus mit befördert. Doch hätte man die Relativitätstheorie nicht genauso gut Absolutheitstheorie nennen können?

Der absolute Raum und die absolute Zeit gehen verloren, eine absolute Geschwindigkeitsobergrenze kommt

Richtig ist, dass Einstein bereits mit seinen Überlegungen zur speziellen Relativitätstheorie, veröffentlicht 1905, die Vorstellung eines absoluten Raumes und einer absoluten Zeit hinfällig werden ließ, daher der Name „Relativitätstheorie“. Genauso richtig ist aber auch, dass es vor Einstein in der klassischen Newtonschen Mechanik keine absolute Höchstgrenze im Bereich der Geschwindigkeit gab. Die Skala war hier nach oben offen.

Es war Albert Einstein, der diese Offenheit beendete und eine absolute Grenze einführte: Kein Körper kann auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigt werden, egal wie viel Energie man ihm immer weiter zuführt, egal wie sehr man ihn immer weiter antreibt, weil mit der Geschwindigkeit die Masse des Körpers immer weiter ansteigt, genauer: weil dadurch seine Trägheit, sein Beharrungsvermögen immer weiter zunimmt.

Masse als Maß der Schwere und der Trägheit

Die Masse ist eigentlich ein Maß a) für die Trägheit eines Körpers, b) für seine Schwere, wie sehr der Körper Gravitationskräfte hervorruft. Dabei gilt: die träge Masse und die schwere Masse sind einander äquivalent, was durchaus nicht selbstverständlich ist. Wenn ein Körper doppelt so schwer ist wie ein anderer, dann ist er auch doppelt so träge (Äquivalenzprinzip).

Die Trägheit kann man sich metaphorisch wie das Bedürfnis eines jeden Köpers vorstellen, seinen Bewegungszustand nicht ändern zu wollen. Ruht der Körper, so „möchte er“, in Ruhe bleiben. Bewegt er sich, so „will er“ genau diese Bewegung so immer weiter vollführen und ändert seinen Bewegungszustand nur, wenn von außen Kräfte auf ihn einwirken, die ihn zu dieser Änderung zwingen, wenn ihm also Energie zugeführt wird, die seine kinetische Energie (Bewegungsenergie) ändert.

Die universale „Angst aller Körper“ vor der absoluten Grenze der Lichtgeschwindigkeit

Diese Trägheit, das wissen wir seit Einstein, nimmt aber mit der Geschwindigkeit zu. Die Masse eines Körpers m0 (früher „Ruhemasse“ genannt) beschreibt also nur noch das Beharrungsvermögen eines ruhenden Körpers und ist nur dann eine Eigenschaft des Körpers selbst. Sie beschreibt nicht mehr die Trägheit m eines bewegten Körpers, dessen Beharrungsvermögen mit seiner Bewegung zunimmt, je schneller er sich bewegt:

relativistische Massenzunahme nach v ? (Mathematik, Physik)

Je größer also die Geschwindigkeit v eines Körpers, desto „größer sein Unwille“ sich noch schneller zu bewegen, als ob er – intentionalistisch, also uneigentlich gesprochen – Angst hätte, die Grenzgeschwindigkeit c zu erreichen und als ob diese Angst umso größer würde, je näher er ihr kommt, so dass sein Widerstand gegen weitere Beschleunigungen dann immer größer wird.

Das was eine der Entdeckungen und revolutionären Neuerungen durch Einstein. Und dadurch ging die Offenheit der Skala bei Geschwindigkeiten verloren. So kam mit Einstein zum ersten Mal eine absolute Grenze bei Geschwindigkeiten, mithin bei Bewegungen in die Physik.

Einstein fand eine absolute Grenze und diese Erkenntnis gilt absolut und universal

Die Formulierung der Einsteinschen Relativitätstheorien im Volksmund, alles sei relativ, ist also so nicht richtig, trifft nicht den Kern dessen, was der geniale Physiker herausfand. Die Vorstellungen eines absoluten Raumes und einer absoluten Zeit mussten aufgegeben werden, ja. Einstein fand aber zugleich gerade eine absolute Grenze, die unüberschreitbar ist: die Lichtgeschwindigkeit c = 299.792,458 km/s (entspricht 0,78 der Entfernung Erde – Mond pro Sekunde, das Licht braucht also etwa 1,28 Sekunden vom Mond zur Erde).

Und diese Erkenntnis wiederum ist nicht relativ zu einer bestimmten Kultur oder einem bestimmten Land, einem bestimmten Beobachter, sondern sie ist absolut und gilt universal für alle Körper im gesamten Universum.

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