Erneut Messeranschlag in Paris

Von Jürgen Fritz, Fr. 25. Sep 2020, Update: 26. Sep 2020, Titelbild: FRANCE 24-Screenshot

Im Zentrum von Paris sind heute Mittag mehrere Menschen von einem Bewaffneten mit einem großen Fleischermesser respektive einer Machete angegriffen worden. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der ehemaligen Redaktionsräume des Satiremagazins Charlie Hebdo, wo sich eine Art Gedenkstätte des islamistischen Massenmordanschlags vom Januar 2015 befindet.

Messeranschlag in Paris: zwei Schwerverletzte

Der Anschlag ereignete sich am Freitagmittag. Der Täter griff zwei Journalisten, ein Mann und eine Frau, einer Presseagentur, die gerade eine Zigarettenpause machten, mit einem großen Fleischermesser beziehungsweise einer Machete an. Die beiden sollen versucht haben, vor dem Angreifer zu fliehen, dieser schlug aber mit der Machete auf sie ein und verletzte sie beide schwer. Beide Opfer arbeiten bei der Presseagentur Première Ligne. Die Polizei war sofort mit einem Großaufgebot zur Stelle und forderte die Bevölkerung dazu auf, den Bereich im elften Arrondissement zu meiden.

Regierungschef Jean Castex kündigte an, sich ins Krisenzentrum des Innenministeriums zu begeben. Er sprach von einem „ernsten Vorfall“. Im Krisenzentrum werde er sich über die aktuelle Lage und Entwicklung informieren. Nach den Angaben des französischen Innenministers Gérald Darmanin handelt es sich bei dem Messerangriff um einen islamistischen Anschlag. Die Attacke vor dem früheren Sitz der Satirezeitung Charlie Hebdo sei „eindeutig ein islamistischer Terrorakt“, sagte er dem französischen Fernsehsender France 2. Es gebe kaum Zweifel, dass es ein weiterer „blutiger Angriff auf unser Land ist“, fügte Darmanin hinzu. Er habe die Polizeipräfektur außerdem gebeten, zu überprüfen, warum die Bedrohung in dieser Straße unterschätzt worden sei – auch wenn die Redaktion dort seit mehreren Jahren nicht mehr ihren Sitz habe.

Derzeit läuft in Paris ein Prozess gegen mutmaßliche Unterstützer der Terrorserie im Januar 2015, bei der auch die Redaktion von „Charlie Hebdo“ attackiert wurde. Das Magazin, dessen Redaktionsräume sich seither an einem geheimen, hoch gesicherten Ort befinden, hatte zuletzt erneut Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. Daraufhin wurde wieder Drohungen von Islamisten gegen das Magazin ausgesprochen.

Zwei Festnahmen

Kurze Zeit nach der Tat wurde ein Verdächtiger am unweit vom Tatort gelegenen Place de la Bastille festgenommen. Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 18-Jährigen. Dieser habe eine pakistanische Herkunft und soll blutverschmiert gewesen sein. Mittlerweile wird er als Hauptverdächtiger bezeichnet.

Innenminister Darmanin gab an, der junge Mann pakistanischer Abstammung sei polizeibekannt gewesen. Inn den Listen der potenziellen islamistischen Gefährder tauche er aber nicht auf.

Später wurde noch ein zweiter Mann, ein 33-Jähriger, in Gewahrsam genommen, der auf Videoaufnahmen zusammen mit dem Hauptverdächtigen zu sehen ist. Derzeit wird untersucht, in welcher Beziehung der 33-Jährige zu dem 18-Jährigen steht.

Seit Anfang September findet in Paris der Prozess gegen Unterstützer der islamistischen Massenmörder vom Januar 2015 statt

Der Terrorismusprozess um den blutigen islamistischen Anschlag auf „Charlie Hebdo“ läuft seit Monatsbeginn in Paris. Angeklagt sind 14 Personen, die die radikalmuslimischen Massenmörder unterstützt haben sollen. Bei der mehrtägigen Anschlagsserie waren im Januar 2015 insgesamt 17 Menschen brutal ermordet worden. Die Anschläge trafen nicht nur die Redaktion von „Charlie Hebdo“, sondern auch einen koscheren Supermarkt in Paris. Die drei Täter wurden damals von Sicherheitskräften erschossen.

Den Angeklagten wird vorgeworfen, in unterschiedlicher Weise bei der Vorbereitung der islamistischen Anschläge geholfen sowie einer terroristischen Vereinigung angehört zu haben. In den meisten Fällen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren. Beschuldigte sollen beispielsweise Waffen besorgt oder eine Unterkunft zur Verfügung gestellt haben.

Anlässlich des Prozessbeginns hatte die Satirezeitung erneut die Mohammed-Karikaturen gedruckt, durch die sie damals zur Zielscheibe von Islamisten geworden war. Daraufhin drohte das sunnitisch-islamistische Terrornetzwerk Al-Kaida mit einem erneuten Anschlag. Zudem musste die Personalchefin der Satirezeitung nach Morddrohungen von der Polizei an einen sicheren Ort gebracht werden.

Die Anschläge vom Januar 2015

Zwei maskierte Täter, die sich später zu Al-Qaida im Jemen bekannten, drangen am 7. Januar 2015 in die Redaktionsräume der Zeitschrift „Charlie Hebdo“ ein. Dort ermordeten sie elf Menschen, darunter einen zum Personenschutz abgestellten Polizisten. Außerdem verletzten sie mehrere weitere Anwesende. Auf ihrer Flucht töteten sie einen weiteren Polizisten. Zwei Tage später, am 9. Januar 2015, verschanzten sich die beiden Täter in Dammartin-en-Goële, wo sie schließlich von Sicherheitskräften erschossen wurden.

Im Zuge der Anschlagsserie wurden am 8. Januar im Süden von Paris eine Polizistin von einem weiteren schwerbewaffneten Täter erschossen. Dieser überfiel am Tag darauf den Supermarkt Hyper Cacher für koschere Waren im Pariser Osten. Dort ermordete er vier Menschen, nahm weitere als Geiseln. Auch dieser Täter bekannte sich telefonisch zum Islamischen Staat und erklärte, sein Vorgehen stehe in Verbindung mit dem Anschlag auf Charlie Hebdo. Bei der Erstürmung des Supermarktes wurde der Islamist durch die Sicherheitskräfte erschossen.

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