Union weiter weit vorne: So würde Deutschland heute wählen

Von Jürgen Fritz, Di. 15. Dez 2020, Update: 16. Dez 2020, Titelbild: © JFB

Am 26. September 2021 soll die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag stattfinden. Wie sieht es neun Monate zuvor aus? Wen würden die Deutschen heute wählen? Hier die Antwort: Die Union hätte ganz weit die Nase vorn, wäre zwei- bis sechsmal so stark wie alle anderen. Die Grünen wären vor der SPD auf Platz zwei, AfD, Linke und FDP alle im einstelligen Bereich, klar über fünf Prozent. Dabei droht der AfD ein großes Ungemach.

So würden die Deutschen derzeit wählen

Betrachten wir zunächst, wie die Bundesbürger im Falle von Bundestagswahlen aktuell votieren würden. Angegeben ist für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute,  die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Dies waren insgesamt sechs. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert dieser sechs einbezogenen Institute (für jedes Meinungsforschungs-Institut wurde jeweils nur die neueste Umfrage herangezogen) sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller sechs Werte:

  1. CDU/CSU: 35 – 37 % ==> 36,3 %
  2. GRÜNE: 17 – 20 % ==> 19,2 %
  3. SPD: 15 – 17 % ==> 16,1 %
  4. AfD: 810 % ==> 9,3 %
  5. LINKE: 78 % ==> 7,4 %
  6. FDP: 57 % ==> 6,2 %
  7. Sonstige: 4 – 7 % ==> 5,5 %

© JFB

Diese Werte sind so zu verstehen, dass es für jede Partei bzw. Bundestagsfraktion ein Fenster gibt, innerhalb dessen sie derzeit mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit läge. Die aufgeführten Zahlen stellen die Mitte dieses Fensters dar.

CDU/CSU bleiben das Maß der Dinge, AfD nur noch einstellig, FDP inzwischen wieder klar über 5 Prozent

Die Union bewegt sich weiter auf einem relativ hohen Niveau von über 35, sogar über 36 Prozent weit vor allen anderen. Ohne sie gäbe es nach wie vor keine realistische Möglichkeit einer Mehrheit im Parlament. Die Grünen konnten zwar ihre Werte von über 20 Prozent, 2019 kurzfristig sogar über 25 Prozent nicht halten, bewegen sich aber recht stabil bei Werten von weit über 15 bis fast 20 Prozent. Die SPD kann aktuell leicht zulegen, schafft es aber nach wie vor nicht, deutlich über 15 Prozent zu steigen und die Grünen zu überholen.

Die AfD bewegt sich seit Wochen nur noch im einstelligen Bereich und ihr droht weiteres Ungemach, dazu gleich mehr. Werte von 15 bis 17 Prozent und mehr dürften hier der Vergangenheit angehören. Die Linke bewegt sich seit Monaten auf konstantem, für sie eher niedrigem Niveau zwischen 7 und 8 Prozent. Und die FDP konnte sich die letzten zwei Monate von den 5 Prozent wieder wegbewegen auf jetzt 6 Prozent, hätte also derzeit sehr gute Chancen, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen.

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die fünf Institute, die (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, welche ausgewertet wurden, waren:

  • Allensbach, mittlerer Tag der Befragung: 04.12.2020, persönlich-mündliche Befragung von 1.022 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen
  • Kantar, mittlerer Tag der Befragung: 06.12.2020, telefonische Befragung von 2.374  zufällig ausgewählten Personen
  • Forschungsgruppe Wahlen, mittlerer Tag der Befragung: 08.12.2020, telefonische Befragung von 1.246 zufällig ausgewählten Personen
  • Infratest dimap, mittlerer Tag der Befragung: 08.12.2020, telefonische Befragung von 1.004 zufällig ausgewählten Personen
  • Forsa, mittlerer Tag der Befragung: 09.12.2020, telefonische Befragung von 2.503 zufällig ausgewählten Personen
  • INSA, mittlerer Tag der Befragung: 12./13.12.2020, internetbasierte Befragung von 2.002 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool (von JFB gegründet), hat damit eine recht breite Datenbasis von insgesamt 10.155 Befragten.

Mögliche Regierungskoalitionen

Für eine Mehrheit der Sitze im Bundestag wären (wegen der 5,5 Prozent für sonstige Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, nicht über 50, sondern) ca. 47,3 Prozent der Stimmen notwendig. Folgende Koalitionen wären zu erwarten und kämen auf …

  • SchwarzGrün: 55,5 %
  • SchwarzRot: 52,4 %
  • GrünRotDunkelrot: 42,7 %
  • SchwarzGelb: 42,5 %
  • GrünRotGelb (Ampel): 41,5 %

Derzeit hätte also sowohl Schwarz-Grün als auch Schwarz-Rot deutlich über 47,2 Prozent der Stimmen und damit eine klare Mehrheit der Sitze im Parlament. Grüne + SPD + Linkspartei (Grün-Rot-Dunkelrot), CDU/CSU + FDP (Schwarz-Gelb) und eine Ampelkoalition aus den Grünen + SPD + FDP wären von einer Mehrheit alle deutlich entfernt.

Die Einstufung der gesamten AfD als verfassungswidriger Verdachtsfall rückt immer näher

Ende letzter Woche berichteten mehrere Medien übereinstimmend, dass der AfD zu Beginn des nächsten Jahres ein einschneidende und nachhaltige Entscheidung ins Haus steht. Der Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang, hat angekündigt, dass bei der Innenministerkonferenz im Januar 2021 eine Entscheidung fallen soll, ob die gesamte AfD als rechtsextremistisch-verfassungswidriger Verdachtsfall eingestuft werden soll. In der Vorwoche war bereits bekannt geworden, dass der gesamte sächsische AfD-Landesverband vom Verfassungsschutz als extremistischer Verdachtsfall eingestuft worden ist. Zuvor waren bereits die kompletten Landesverbände in Thüringen und Brandenburg ebenfalls als verfassungswidrige Verdachtsfälle rubriziert worden.

Den Medienberichten zufolge steht nun die Einstufung der gesamten AfD in ganz Deutschland als rechtsextremistischer Verdachtsfall unmittelbar bevor. Dies könnte mittelfristig das Aus für die Partei bedeuten. Denn durch diese Einstufung durch den Verfassungsschutz könnten überall in Deutschland nachrichtendienstliche Mittel eingesetzt werden, um weitere Informationen und Beweise über die AfD zu sammeln, die diese verfassungsfeindlichen Bestrebungen belegen. Das dürfte zur Folge haben, dass immer mehr Beamte, Richter und Soldaten und dann wohl auch andere Bürger sich von dieser Partei lossagen werden.

71 Prozent der Deutschen sind für eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz

Doch wie sehen das die Bürger? Sind sie der Auffassung, dass die Alternative für Deutschland vom Verfassungsschutz beobachtet werden sollte? Interessant dabei ist ja, dass die AfD selbst sich massiv für Volksentscheide einsetzt. Was sagt nun dieses von der AfD ständig beschworene Volk über just diese Partei?

Während AfD-Politiker, so auch der erste Bundesvorsitzende („Bundessprecher“) Jörg Meuthen, nicht müde werden zu behaupten, den Verfassungsschutz als „von den Altparteien“ gegen sie politisch „instrumentalisierte Behörde“ zu bezeichnen, sieht das laut aktueller Civey-Erhebung eine Zwei-Drittel-, fast Drei-Viertel-Mehrheit der Bürger ganz anders und spricht sich klar für eine Beobachtung der AfD aus.

Ein Volksentscheid, welche die AfD ja so sehr gutheißt und herbeisehnt, würde in dieser Frage also gerade ihr selbst mächtige Probleme bereiten, da die überwältigende Mehrheit des Volkes diese Partei nicht nur niemals wählen würde, sondern darüber hinaus auch vollkommen ablehnt und als mindestens potentiell rechtsextremistisch-verfassungsfeindlich ansieht. Die AfD beruft sich mithin ständig auf eine Entität, welche sie gerade mit überwältigender Mehrheit völlig ablehnt.

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal – 3 EUR – 5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 50 EUR – 100 EUR