Laschet stößt bei Unionswählern auf größere Ablehnung als bei Linksparteianhängern

Von Jürgen Fritz, Do. 21. Jan 2021, Titelbild: ARD-Screenshot

Morgen wird rechtlich feststehen, was die knapp tausend Delegierten der CDU am Samstag online beschlossen haben, dass Armin Laschet der neue CDU-Vorsitzende ist. Nur 34 Prozent der Deutschen halten das für eine gute, 51 Prozent für keine gute Wahl. Das Überraschendste dabei: Die drei Parteien, bei deren Wähler Laschet die geringste Ablehnung erfährt, sind andere, nicht die CDU.

51 Prozent halten Laschet für keine gute Wahl als CDU-Vorsitzenden

„War Armin Laschet eine gute Wahl als Parteivorsitzender für die CDU?“ fragte Civey im Auftrag des SPIEGEL vom 16. bis 18. Januar tausende Personen und zog eine repräsentative Stichprobe von 5.109 Befragten. Das Ergebnis fiel nicht gerade berauschend aus für den NRW-Ministerpräsidenten. Nur 34 Prozent beantworteten diese Frage mit Ja, 15 Prozent waren unentschieden und 51 Prozent sagten: Nein, das war keine gute Wahl. Hier die Ergebnisse im Detail:

  • Ja, auf jeden Fall: 13 %
  • Eher ja: 21 %
  • Unentschieden: 15 %
  • Eher nein: 19 %
  • Nein, auf keinen Fall: 32 %

Fast jeder dritte Wähler hält das auf keinen Fall für eine gute Wahl und insgesamt mehr als die Hälfte (51%) antwortet mit: Nein. Noch interessanter ist aber bei welchen Anhängern Armin Laschet die größte und wo die geringste Ablehnung erfährt.

Laschet erfährt in der eigenen Partei mehr Ablehnung als bei den Wählern der SPD, der Grünen und sogar der Linkspartei

Die mit Abstand größte Ablehnung erfährt Laschet bei AfD-Anhängern, dann bei den Wählern der FDP und sonstiger Parteien:

„War Armin Laschet eine gute Wahl als Parteivorsitzender für die CDU?“

NeinUnentschiedenJa

  1. AfD-Anhänger: 90 % 6 %4 % 
  2. FDP-Anhänger: 68 % 10 %22 % 
  3. Sonstige-Wähler: 62 % 17 %21 % 
  4. CDU/CSU-Anhänger: 45 % 14 %41 % 
  5. Die Linke-Anhänger: 44 % 20 %36 % 
  6. Die Grünen-Anhänger: 41 %20 %39 %
  7. SPD-Anhänger: 40 %18 %42 %

Nur bei SPD-Wählern halten mehr Personen Laschet für eine gute als eine schlechte Wahl. Bei allen anderen überwiegen die Nein-Stimmen die Ja-Stimmen. Dies gilt auch für die Anhänger der CDU und der CSU. Und Laschet erfährt in der eigenen Partei mehr Ablehnung als bei den Wählern der SPD, der Grünen und sogar der Linkspartei.

„Insgesamt sind die Einschätzungen nicht gerade beruhigend für den neuen Parteivorsitzenden …“ kommentiert dieses Ergebnis der SPIEGEL. Was die CDU-Delegierten hier entschieden haben – JFB beleuchtete die Hintergründe ausführlich, Schmierentheater: Wie Laschet und diejenigen hinter ihm die Delegierten auf seine Seite zogen -, wirft doch viele Fragen auf.

Fast jeder zweite Unions-Anhänger spricht sich für konservativeren Kurs der CDU aus

Wie Civey weiter ermittelte, wünschte sich unmittelbar vor der Wahl des neuen CDU-Vorsitzenden nicht mal jeder Zehnte in der CDU/CSU einen „linksliberaleren“ Kurs, aber fast 50 Prozent sprachen sich für einen „konservativeren“ Kurs der CDU aus.

Civey-Screenshot

Dabei stehen Armin Laschet und Norbert Röttgen tendenziell für eine (modernisierte) Fortsetzung der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel, während Friedrich Merz für einen Kurswechsel steht, hin zu einer mehr wirtschaftsliberalen und konservativeren Ausrichtung der Partei.

Für einen konservativeren Kurs hatten sich in den vergangenen Jahren bereits vermehrt Kräfte aus der CDU ausgesprochen. Dies wurde unter anderem mit der geringen Unterscheidbarkeit zu den politischen Inhalten der SPD in der schwarz-roten Koalition sowie mit dem Aufstieg der AfD begründet.

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