Letzter großer Traum geplatzt: Federer sagt Olympia ab

Von Jürgen Fritz, Mi. 14. Jul 2020, Titelbild: sky sport-Screenshot

Sein erstes großes Ziel, noch einmal Wimbledon zu gewinnen, hat letzte Woche nicht geklappt. Im Viertelfinale war Roger Federer überraschend chancenlos gegen den Polen Hubert Hurkacz ausgeschieden, verlor das erste Mal seit 19 Jahren glatt mit 0:3 Sätzen und erstmals überhaupt einen Satz in Wimbledon mit 0:6. Nun ist auch Federers zweiter letzter großer Traum vor seinem Karriereende geplatzt.

Auch Federers zweiter letzter großer Traum ist geplatzt

Mit nun 39,9 Jahren (am 8. August wird er 40) wollte Roger Federer endlich doch noch die Olympische Goldmedaille im Herreneinzel gewinnen, der einzig große Titel, der ihm in seiner unglaublichen Titelsammlung noch fehlt: 103 Turniersiege, darunter 20 Grand Slam-Titel (A) und sechs Siege bei ATP Finals (B). Einzig Olympisches Gold im Einzel (B) blieb ihm in seiner großartigen Karriere verwehrt.

Es wäre seine vierte Teilnahme bei Olympia gewesen nach 2004, 2008 und 2012, als er die Silbermedaille für die Schweiz gewann. Im Endspiel in London, auf dem Rasen von Wimbledon verlor er 2012 gegen den Briten Andy Murray. Vier Jahre zuvor, 2008, hatte er zusammen mit Stan Wawrinka die Goldmedaille im Herrendoppel gewonnen. Doch nun musste er die Teilnahme an den 32. Olympischen Sommerspielen in Tokio (23. Juli bis 8. August) komplett absagen. Am Dienstagabend ließ Federer über seinen Twitter-Account folgendes verlauten:

„Während der Sandplatz-Saison habe ich leider einen Rückschlag bei meinem Knie erlitten und muss akzeptieren, dass ich mich von den Olympischen Spielen in Tokio zurückziehen muss. Ich bin sehr enttäuscht, denn es war jedes Mal eine Ehre und ein Höhepunkt meiner Karriere, wenn ich die Schweiz vertreten habe. Ich habe schon mit der Reha begonnen und hoffe, dass ich später im Sommer auf die Tour zurückkehren kann.“

Boris Becker glaubt nicht mehr an eine Rückkehr des Tennis-Großmeisters nach Wimbledon

Boris Becker hatte vor wenigen Tagen angedeutet, dass die Niederlage in Wimbledon – Federers Turnier, das er achtmal gewonnen hat, mehr als jeder andere Spieler in der gesamten Geschichte seit 1877! – bei dem Altmeister tiefe Spuren hinterlassen wird. Becker glaubt, dass der FedExpress nicht mehr als Spieler an die Church Road zurückkehren wird. „Nach dem, was in dieser Woche passiert ist, glaube ich nicht, dass er noch einmal nach Wimbledon zurückkommt“, schrieb Becker in einer Kolumne für die Daily Mail.

Die klare Niederlage gegen Hurkacz habe Federer „geschockt“, glaubt Becker. Der Schweizer werde daher ins Grübeln kommen und genau darüber nachdenken, wie lang ein Jahr im Profi-Tennis sein kann. „Ich denke, Roger ist hier hergekommen und meinte, alles läuft nach seinem Plan. Er wollte sich von seinen Knieproblemen erholen, auf Sand fit werden und sich dann in eine gute Position bringen, um es in Wimbledon weit zu schaffen. Ich glaube nicht, dass er über den richtigen Zeitpunkt für einen Rücktritt nachgedacht hat, aber genau das wird er jetzt vielleicht tun“, deutete Becker das mögliche Ende von Federers Karriere an.

Die Art und Weise der Niederlage gegen Hurkacz habe „die Dinge verändert“. Becker glaubt, dass Federers ursprünglicher Plan noch die Saison 2022 umfasste: „Aber ich zweifele daran, dass dies jetzt noch der Fall ist.“ Zugleich betonte der dreifache deutsche Wimbledonsieger, dass er dem Schweizer auf keinen Fall vorschreiben wolle, was er zu tun habe: „Nur er weiß, wie es sich wirklich angefühlt hat, diesen Satz mit 0:6 zu verlieren. Außerdem hat es sich Roger verdient, auf die Weise abzutreten, die er bevorzugt. Er ist der populärste Spieler aller Zeiten und hat das Interesse am Sport weltweit in neue Sphären geführt. Er hat dem Spiel mehr als jeder andere gegeben.“

Der eleganteste und einer der erfolgreichsten Spieler aller Zeiten

Dem kann ich mich nur anschließen. Der Schweizer hat den Tennissport auf eine neue Höhe geführt, Rafael Nadal und Novak Djokovic, seine beiden Nachfolger, erst zu dem gemacht, was sie dann wurden und heute sind. Roger Federer ist die überragende Figur des Tennissports bei den Herren, nicht nur durch seine schier unfassbaren Erfolge über zwei volle Dekaden – 15 mal stand er am Jahresende unter den Top-Drei!, mehr als jeder andere in der Geschichte -, sondern vor allem auch durch seine grenzenlose Beliebtheit bei den Tennisfans weltweit, 18 mal wurde er von diesen zum beliebtesten Spieler des Planeten gewählt, und seine Art, Tennis zu spielen, die an Eleganz, Ästhetik und Grazie einmalig ist im Herrentennis seit die kleine Filzkugel in den 1870er Jahren begann, in der heutigen Form über das Netz zu fliegen.

Ich wünsche Roger schnellst- und bestmögliche Genesung und einen würdigen Abgang für nicht nur einen der größten Tennisspieler, sondern einen der größten Sportler aller Zeiten.

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