Die Besessenheit vom Gleichheitsfetisch: das perverse Menschenbild der Neomarxisten

Von Jürgen Fritz, Di. 10. Aug 2021, Titelbild: Gerd AltmannPixabay, CC0 Creative Commons

Postmoderne Marxisten haben ein latentes, teilweise offenes Ressentiment gegen Leistung und Erfolg, ja sind oftmals regelrecht leistungsfeindlich. Weshalb ist das so und warum sind Sozialisten so freiheitsfeindlich und so hochgradig gewaltaffin?

Leistung und Erfolg erzeugen vertikale Differenzen und verstoßen damit gegen Gleichheitsfetisch

Leistung zielt auf Erfolg ab. Erfolg aber verstößt gegen den Gleichheitsfetisch und postmoderne Sozialisten hassen alles, was gegen diesen Fetisch verstößt, der für sie ihr höchstes Gut, ihr höchster Wert ist. Sie sind keine Anhänger des Gleichheitsgrundsatzes – jeder darf gleichberechtigt am Wettkampf teilnehmen, keiner darf benachteiligt werden (Fairnessgebot und Gerechtigkeitsprinzip) -, sondern sie sind Anhänger des Gleichheitsfetischs: es darf keine Ungleichheit im Sinne einer vertikalen Differenz geben, es darf kein oben und kein unten geben, sondern nur Ungleichheit im Sinne der horizontalen Differenz (Buntheit, wobei alles gleichwertig sein muss). Der Sieger steht aber natürlich über dem Verlierer. Gewinnen ist nicht nur anders, sondern ist besser als Verlieren. Im Wettkampf zeigt sich, was man nicht gut kann und offenbart sich, wer etwas besser kann. Der Eine kriegt eine Medaille oder eine gute Note oder eine Geldprämie, der Andere kriegt keine Medaille, eine schlechtere Note oder eine geringere, womöglich gar keine Geldprämie.

Leistungsvergleiche führen also zur vertikalen Differenz, mithin zum Verstoß gegen den Gleichheitsfetisch. Daher werden sie als etwas Böses angesehen, das abgelehnt wird, obschon der Bessere ja nicht mit Verachtung auf den Schlechteren herabblicken muss, sondern auch sagen kann: „Komm, ich zeig dir, wie du besser werden kannst“. Tennisspieler und auch andere Sportler umarmen sich oft nach dem Wettkampf und empfinden mit dem Verlierer mit, weil sie ja wissen, wie es sich anfühlt zu verlieren.

Aus dem gleichen Grund, weil man keine vertikale Differenz will, wird das dreigliedrige Schulsystem (Hauptschule – Realschule – Gymnasium) abgelehnt oder gar ein viergliedriges mit Eliteschulen und Elitehochschulen, da solche Systeme natürlich auch gegen den Gleichheitsfetisch verstoßen.

Da die Natur vertikale Differenzen erzeugt, lehnen Neomarxisten die Natur selbst ab und versuchen, sie zu bekämpfen

Auch die Natur selbst verstößt gegen diesen, ihren Fetisch. Die ganze Evolution des Lebens basiert auf vertikalen Differenzen. Lebewesen sind unterschiedlich leistungsfähig und unterschiedlich gut an ihre Umwelt angepasst. Die weniger Leistungsfähigen und weniger gut Angepassten sterben aus, andere entwickeln sich im Laufe der Jahrtausende, Jahrmillionen und -milliarden immer weiter, bilden immer komplexere Strukturen, die im menschlichen Gehirn mit seinen 100 Milliarden Neuronen (Nervenzellen) und seinen 100 Billionen Synapsen, 100 Billionen neuronalen Verknüpfungen ihren bisherigen Höhepunkt findet. Die Entwicklung zum Menschen, der momentan an der Spitze dieser vertikalen Entwicklung steht, da er durch seinen höheren Intellekt allen anderen Lebewesen überlegen ist, ist quasi das vorläufige Resultat dieser Entwicklung, nicht nur in die Breite, sondern auch in die Vertikale.

Insofern lehnen die postmodernen Sozialisten im Grunde auch die Natur selbst ab, da diese sich weigert, sich dem sozialistisch-neomarxistischen Gleichheitsfetisch unterzuordnen, denn sie stattet nicht alle gleich aus, auch innerhalb unserer Spezies nicht, worunter wir natürlich fast alle leiden, weil wir uns gerne mit anderen vergleichen und dann nicht immer gut abschneiden. An diesem Leid setzen die Neomarxisten an und das macht sie so erfolgreich. Ein anderer Ansatz wäre zum Beispiel, die Menschen zu lehren, sich weniger mit anderen und mehr mit sich selbst zu vergleichen, mit dem Ich, das man war, das man ist und das man sein kann, sprich sich an sich selber und seinen Möglichkeiten, seinem Potential zu messen, sich auf seine eigenen Entwicklung zu konzentrieren und sich dabei mit anderen gegenseitig zu helfen.

Die Neomarxisten setzen sich dagegen auch über die Natur hinweg und lehnen beispielsweise das biologische Geschlecht ab, wenn jemand unter dem seinen leidet. Das geht inzwischen so weit, dass einige sogar behaupten, dies sei nur ein „soziales Konstrukt“, jeder könne sein Geschlecht frei wählen, unabhängig von den biologischen Gegebenheiten und Merkmalen. Man muss sich also gar nicht mehr umoperieren lassen (biologischer Eingriff in die Natur), wenn man sein Geschlecht ändern möchte. Es reicht, wenn man es einfach willentlich vollzieht und durch einen symbolischen Sprechakt vollzieht, indem man sagt: „Ab heute bin ich kein Mann mehr, sondern eine Frau“ (bzw. umgekehrt). Die postmodernen Sozialisten versuchen also, sich nicht nur von Unterdrückung durch andere Menschen zu emanzipieren (sinnvolle und notwendige Emanzipation), sie wollen sich vielmehr auch von der Natur emanzipieren, das heißt, sie negieren Naturgesetzmäßigkeiten, damit die Realität, wollen sich von dieser immer mehr lösen.

Magisches Denken und extremes Machtstreben

Das Ganze basiert auf magischem Denken, der Vorstellung, ein Wort bewirke tatsächlich Veränderungen innerhalb der physikalischen Welt, innerhalb der Wirklichkeit, der Geist könne allein durch den Gedanken, ohne dass er sonst etwas tun müsste, die Materie verändern und nicht nur die Vorstellung von der Wirklichkeit. Diese Differenz aus a) Welt und b) Vorstellung von der Welt wird sogar oftmals bestritten (ontologischer Idealismus oder besser: ontologischer Anti-Realismus): Die Vorstellung der Welt sei die Welt selbst. Dadurch kommt es natürlich zu einer Abkoppelung von der Realität.

Dem liegt der uralte magisch-sophistische Wahn zu Grunde, Worte seien nicht nur instrumentell (als Werkzeug), sondern auch existenziell (als ein Sein) Wirklichkeit. Sprache ist für den Sophisten gleichsam Macht und Marxisten und Neomarxisten geht es immer primär um Macht, nie um Wahrheit. Deshalb ist den postmodernen Sozialisten auch das Gendersprech so wichtig. Das gesprochene Wort ist für sie gleichsam etwas Materielles. Was sie aussprechen, muss nicht wahr sein im logischen Sinn, hat jedoch durch den magischen Akt des Sprechens eine eigene Existenz.

Zu sagen, was ist respektive durch einen Sprechakt Wirklichkeit zu erzeugen, ist daher sophistisch gesehen sogar noch mehr, nicht nur Machtausübung, sondern Realitätskonstruktion und Geschichtsgründung. Und wenn alle dem gleichen Wahn anhängen, fällt es auch lange Zeit nicht auf, dass es ein solcher ist (irgendwann meldet sich natürlich die Realität zu Wort, aber das kann man gemeinsam durchaus recht lange hinauszögern).

Sämtliche dem Gleichheitswahn widersprechende vertikale Differenzen in Gesellschaft und auch in der Sprache müssen ausgemerzt werden

Es darf aber keine Abweichung geduldet werden, die diese Konstruktion in Frage stellt oder sogar entlarven könnte. Jede Abweichung muss mit Gewalt unterdrückt oder zumindest vollkommen an den Rand gedrückt werden, so dass sie kaum noch sichtbar ist, vor allem keinen Einfluss entfalten kann. Wie alle Systeme, die nicht auf Wahrheit und Fakten aufbauen, ist auch dieses labil und muss daher vor Störungen durch Gedanken, Hinweise auf die Wirklichkeit und Widersprüche zu dieser geschützt werden.

Und in der Gesellschaft, aber auch in der Sprache müssen alle Differenzen, die auf eine vertikale Differenz hindeuten könnten, ausgemerzt werden, um den Gleichheitsfetisch nicht zu besudeln, der das höchste Gut, den höchsten Wert darstellt, dem sich alle unterzuordnen haben und keinen anderen Gott haben dürfen. Leistung und Erfolg aber sind andere Werte, die auf vertikale Differenz abzielen und damit dem Gleichheitsfetisch zuwider laufen. Ergo muss Leistungsdenken und Erfolgsstreben, das sich nach oben von der Mitte weg bewegt, überwunden werden und wird als etwas Negatives gebrandmarkt. Das Positive wird also zum Negativen und das Negative wird zum Positiven. Behinderte werden inzwischen teilweise schon als „etwas Besonderes“ tituliert.

Was wir hier sehen, ist nichts Geringeres als eine völlige Umwertung der Werte, bei der Abweichungen nach oben sanktioniert werden, weil damit gegen den Gleichheitsfetisch verstoßen wird und man sich damit gleichsam gegen diesen versündigt. Dass diese völlige Umwertung der Werte zu einem Niedergang und langfristig wohl Verschwinden jeder Hochkultur führt, muss wohl nicht eigens betont werden.

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