71 Prozent der Russen stehen hinter Putin, Tendenz steigend

Von Jürgen Fritz, Fr. 18. Mrz 2022, Titelbild: Levada-Center-Screenshot

Nach all den Selbstlügen der letzten Jahrzehnte wird nun direkt die nächste verbreitet, so von Olaf Scholz (SPD) und anderen: Das sei nicht Russlands, sondern Putins Krieg, als ob in all den Panzern, in all den Kampffliegern, die Bomben auf Krankenhäuser und Schulen abwerfen, hinter all den Raketenrampen, die zivile Ziele beschießen, hinter all den hunderttausenden Gewehren, die auf Ukrainer schießen, Putin stünde oder säße.

Nach jedem gewonnenen Krieg steigen Putins Zustimmungswerte in Russland auf über 70, 80 bis zu 90 Prozent

Die Wahrheit ist, wie von mir seit Wochen beschrieben: a) Der aktive Widerstand in der russischen Bevölkerung erstreckt sich auf weit unter 0,1 Prozent (146.000 Personen). Diejenigen, die wie Marina Ovsyannikova, die übrigens in Odessa (Ukraine) geboren wurde und deren Vater Ukrainer ist, irgendetwas tun, die den Mund aufmachen oder auf die Straße gehen, sind in der absoluten verschwindend geringen Minderheit. Das macht nicht einer von tausend Russen. Mehr als 999 machen entweder nichts oder unterstützen PutinUnd das, die Unterstützer, sind wiederum extrem viele, nicht nur 51 Prozent.

b) Nach jedem gewonnenen Krieg, nach jeder völkerrechtswidrigen Annexion, nach jedem erfolgreichen Überfall auf ein anderes Land steigen die Zustimmungswerte Putins auf 80 bis 90 Prozent. Und das geht seit 22 Jahren so:

  • Zweiter Tschetschenienkrieg ab 1999,
  • Georgienkrieg 2008,
  • Annexion der Krim 2014,
  • Angriff auf die Ostukraine im Donbas 2014,
  • Russischer Militäreinsatz in Syrien 2015 bis 2017,
  • Überfall auf die Ukraine am 24.02.2022.

Ohne Kriege fallen Putins Zustimmungswerte meist Richtung 60 Prozent, aber mit jedem weiteren Krieg steigen sie wieder auf über 70, 80, bis zu 90 Prozent. Putin exekutiert, was die übergroße Mehrheit der Russen, nicht alle, aber die übergroße Mehrheit (70, 80, 90 Prozent) will und honoriert (ansonsten wäre er doch nicht so beliebt!): Größe, Stärke, Durchsetzungskraft, Siege über den Westen, Vergrößerung des eigenen Herrschaftsgebietes (imperiales und hegemoniales Streben), Dominanz gegenüber kleineren, militärisch schwächeren Ländern.

Unser Feind ist nicht nur Putin, sondern das nach Hegemonie strebende, Freiheit, Menschenrechte und Demokratie bekämpfende Russland

Daher ist unser Feind ist nicht allein Putin. Dies zu behaupten, käme ein völlig unzulässigen abermals in die Irre führenden Verengung gleich. Dann wären ja mit einem Schuss oder mit dem natürlichen Ableben alle Probleme schlagartig weg. Wer das glaubt, der ist – mit Verlaub – recht naiv. Oder er liebt Selbstlügen, die es ihm gestatten, sich möglichst gemütlich und bequem einzurichten.

Unser Feind ist und wird auf Jahrzehnte bleiben, auch nach Putins Tod, das nach Hegemonie und imperialer Macht strebende, das die freiheitliche Demokratie und die Menschenrechte bekämpfende Russland, das ähnlich wie China dem westlichen, freiheitlichen, menschenrechtsbasierten Gesellschaftsmodell ein ganz auf Gewalt beruhendes autoritäres, autokratisches, menschenrechtsnegierendes Modell entgegensetzen und uns besiegen will.

Das ist die Realität. Diese kann man anerkennen und sich dem stellen oder man weicht der Wirklichkeit weiter aus, wie dies die letzten Jahrzehnte getan wurde. Die Realität verschwindet aber nicht, wenn man sie leugnet oder einfach nicht hinschaut. Irgendwann kommt sie dann und holt einen.

Quellen

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