Die Entwurzelten oder: Die Mär vom „christlichen Abendland“

Von Jürgen Fritz, Mo. 03. Jun 2019

„Religion ist eine menschliche Erfindung, die sich schleichend ausbreitet. Man weiß sehr wohl, wie sie beginnt, wie sich schüchtern die ersten Kulte etablieren und dann entwickeln, wie die ersten Götter Gestalt annehmen und diverse Funktionen bekommen, und wie sich ihre Zahl verringert, bis es schließlich nur noch einen gibt.“ (Umberto Eco) „Religiöser Fundamentalismus ist das stärkste, massivste, allerdings meist auch attraktivste und faszinierendste, die Massen am meisten einnehmende und einfangende Motiv, weswegen jede Machtpolitik stets bedacht sein wird, eine Religion oder Konfession für ihre Ziele einzuspannen. Kein Zufall, daß der römische Kaiser Konstantin das immer stärker werdende Christentum zur Staatsreligion machte, obwohl er zu dem Zeitpunkt selbst noch kein Christ war.“ (Hubertus Mynarek)

Der entwurzelte Objektmensch, der sich damit wohl fühlt und gar kein Subjekt werden möchte

„Das Christentum gab dem Eros Gift zu trinken – er starb zwar nicht daran, aber entartete, zum Laster.“ – Friedrich Nietzsche

Der religiös-ideologisch zu Vergiftende wird, so es sich nicht um ein kleines, wehrloses, ganz auf die Erwachsenen angewiesenes und daher leicht zu indoktrinierendes Geschöpf handelt, das noch keine innere Bindung hat, meist erst einmal entwurzelt, entbunden, so sehr entwurzelt, dass in ihm, in seinem Innersten fast nichts mehr ist, um so Platz zu schaffen für das ideologische Gift, das nichts anderes neben sich duldet (erstes Gebot). So kann dieses sein inneres Wesen vollkommen durchtränken und er selbst wird es darum als das seine Identität maßgeblich Bestimmende empfinden und ansehen.

Kommt nun ein anderer und versucht, ihm diesen Zusammenhang klar zu machen, versucht mithin, ihn über sich selbst aufzuklären, um ihm so zu ermöglichen, sich selbst zu entgiften und zu sich selbst zu kommen, so empfindet jener ein solches Vorhaben gleichsam nicht als einen Akt der Befreiung, sondern als Angriff auf sich selbst, auf seine Person, auf seine Identität, da die Identifikation mit der giftigen Substanz meist so weit gedrungen ist, dass der Betreffende gar nicht mehr wüsste, was in seinem Innern bliebe, nähme man respektive nähme er selbst das Gift aus sich heraus.

Besonders deutlich sieht man dies an denen, die man in Afrika einfing, versklavte und dann nach Arabien oder später nach Nordamerika verschleppte, zusätzlich zur inneren Entwurzelung also auch noch räumlich entwurzelte, um sie dann zum Christentum oder zum Islam zu bekehren. Im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte wurden sie, da sie ja gar nichts mehr anderes kannten, die treuesten Anhänger eben jener Ideologien, deren Anhänger ihnen just diese Entwurzelung antaten, teilweise sogar im Namen jener Weltanschauung. Was sollten sie auch anderes tun, da sie ja in sich sonst nichts mehr vorfinden konnten? Schließlich haben sie niemals gelernt, sich selbst zu modellieren, was Kritikfähigkeit sich selbst gegenüber voraussetzt, als Bedingung der Möglichkeit des Übergangs vom Objekt zum Subjekt, von der Knetmasse zum Kneter der eigenen Masse.

Die entwurzelten Europäer und ihre Suche nach neuen Giften

„Das Christentum gab eine bestimmte Richtung unter Ausschließung aller anderen möglichen Richtungen.“ – Carl Gustav Jung

Der moderne Europäer ist nun aber nichts anderes als ein eben solcher Entwurzelter, der die Ursprünge unserer Kultur, unserer Denkweise, unser politischen Organisation, all unserer Wissenschaften gar nicht mehr kennt, der jeden Bindung dazu verloren hat. Schlimmer noch: Er ist ein Entwurzelter, der gar nicht mal weiß um diesen Zustand, denn er wurde ja nicht räumlich entwurzelt, sondern nur innerlich. Und weil er die Wurzeln Europas gar nicht mehr kennt, ja sie sogar als fremd empfindet, wenn er ihnen begegnet.

Diejenigen aber, die es schaffen, sich von Teilen des Giftes zu befreien, kriegen es meist doch nicht ganz aus sich heraus, denn es sickerte in alle Ritzen und hat eine enorme Haftfähigkeit. In den Tiefen bleibt so oft etwas von dem Gift zurück. Zugleich aber verspüren sie dann nicht selten eine innere Leere, weil das Trostspendende und Sinnstiftende jener Substanz jetzt nicht mehr da ist und ein anderer Trost, ein andere Sinnstiftung ebenfalls nicht mehr und noch nicht gegeben ist. Was tun sie also?

Sie suchen sich ein neues, irgendwie ähnliches Gift wie jenes, das sie schon kennen und das noch immer in ihren Ritzen steckt, ein solches, das wiederum nichts anderes neben sich duldet, um so die Leerstelle wieder zu besetzen, da sie nie gelernt haben, in sich etwas gänzlich anderes zu entwickeln.

Die Verfälschung der Jesus-Lehre und Vergottung Jesu durch Paulus von Tarsus

„Das Christentum predigt nur Knechtschaft und Unterwerfung. Sein Geist ist der Tyrannei nur zu günstig, als dass sie nicht immer Gewinn daraus geschlagen hätte. Die wahren Christen sind zu Sklaven geschaffen.“ – Jean-Jacques Rousseau

Der Islam ist nichts anderes als eine christliche Sekte, die sich irgendwann selbstständig machte und die, darauf deutet vieles hin, das Christentum früher oder später zu einer islamischen Sekte machen wird, bevor sie es ganz verschwinden und dem Vergessen anheim fallen lassen wird.

Die Jesus-Lehre, eine durch und durch jüdische solche, die auf keinen Fall mit dem Christentum gleichgesetzt werden darf, ist genauso wenig eine genuin europäische, eine genuin abendländische Erscheinung wie die Mohammed-Lehre. Bei beiden handelt es sich vielmehr um Importe aus dem Orient, um immigrierte Weltanschauungen aus dem Morgenland, wobei die jüdische Jesus-Lehre durch Paulus von Tarsus (in der heutigen süd-östlichen Türkei gelegen, im Grenzgebiet zu Syrien), den eigentlichen Begründer des Christentums, sehr stark verändert wurde. In diesem Punkt, dass Paulus (und andere) die ursprüngliche Jesus-Lehre deutlich veränderten, hatte Mohammed, der noch viel größere Verdreher, also durchaus Recht.

Paulus erschuf seine Christologie weitgehend aus dem Heidentum, insbesondere aus uralten Mysterienkulten, aus allem möglichen Lehren und Kulten, die vor zweitausend Jahren im Nahen Osten herumfleuchten, ignorierte dabei vielfach den geschichtlichen Jesus, dem er nach Quellenlage und historisch-kritischer Forschung höchstwahrscheinlich niemals persönlich begegnet war, vergöttlichte diesen, den Menschen, der sich selbst nie als göttlich bezeichnet hatte, der durch und durch Jude war, im Nachhinein, legte ihm Worte in den Mund, die dieser nie gesagt hatte (Verfälschung und Vergottung) und machte aus ihm den „Christus“, erfand mithin die christliche Erlösungslehre und importierte sie nach Europa.

Schlusswort

„Das ethische (genauer: moralische) Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.“ – Albert Einstein

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Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

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