Gauland zeigt Größe

Von Jürgen Fritz, Mo. 4. Jun 2018

Die einen sehen wie Insassen einer geschlossenen Nervenheilanstalt überall ständig Gespenster: „kalkulierte Provokationen“, „Rassisten“, „Nazis“ und was weiß ich nicht noch alles. Die anderen möchten sich zum Teil schon fast sektenartig zusammenrotten und wer es wagt, Kritik auch nur an einem einzigen Wort eines AfD-Politikers zu üben, von dem möchte man sich am liebsten lossagen. Doch zum Glück gibt es noch einige Vernünftige, denen Reflexionsvermögen, Selbstkritikfähigkeit sowie Charakter noch nicht abhanden gekommen sind.

Die absurden Reaktionen auf Gaulands Fehlgriff seitens der Altparteien, der Mainstream- und anderer Journalisten

Was ist nicht wieder alles geschrieben worden? Ja, Alexander Gauland hat einen Fehler gemacht. Er hat ein Wort benutzt, welches in diesem Zusammenhang einfach nicht passend ist, auch wenn er es nur auf die zeitliche Dimension beziehen wollte. Aber das geht nicht bei solchen Verbrechen unvorstellbaren Ausmaßes, dass man sich ausschließlich auf die Zeitspanne fabriziert. Das hat mit Feingefühl zu tun und das hätte er wissen müssen. Ich hatte das gestern kritisiert und genau begründet, warum das nicht geht. Jetzt kommt aber das Entscheidende: Gauland hat nur einen unpassenden Ausdruck im Zusammenhang mit diesen unfassbar schlimmen Verbrechen benutzt. Er hat keine solche begangen und er hat diese auch nicht klein geredet, schon gar nicht gut geheißen, wie etliche Vertreter der Altparteien weniger gut informierte oder schlichter gestrickte Zeitgenossen glauben machen wollten.

Interessant war übrigens zu sehen, mit welch geistlosen Phrasen die artigen und meist nicht schlecht alimentierten Mainstreamjournalisten mal wieder kommentierten – und nicht nur diese! Von „kalkulierter Provokation“ war mal wieder zu lesen, von einem „Spiel mit Tabus“, Gauland wurde gar mit dem senilen Johannes Heesters in einem Atemzug genannt, er habe „wieder etwas Übles gesagt“, man sei – natürlich zu Recht – moralisch empört ob dieser „gezielten Provokation“.

„50 Mio. Kriegsopfer, Holocaust und totaler Krieg für AfD und Gauland nur ein ‚Vogelschiss‘! So sieht die Partei hinter bürgerlicher Maske aus,“ hetzte Merkels neue Kammerzofe, die noch immer auf der Suche ist, ihren ersten intelligenten Satz von sich zu geben. Es sei „eine Schande, dass solche Typen im Deutschen Bundestag sitzen“, schwadronierte der Generalsekretär der 17-Prozent-Partei, dessen Name man sich nicht merken muss. Und natürlich musste sich unbedingt die Hyper-Intelligenzbestie der Grünen – Katrin, das Universalgenie, die Frau, die über jedes Thema sprechen kann, ohne dabei jemals auch nur einen einzigen klugen Satz von sich geben – unbedingt zu Wort melden. Es  sei „ein unfassbarer Schlag ins Gesicht von allen Überlebenden des Holocaust, ihren Nachfahren und Angehörigen“, meinte die Grünen-Fraktionschefin. Unsere deutsche Geschichte habe „gezeigt, wie Nationalismus, Hass und Hetze in den Abgrund führen.“ Und so weiter und so fort.

Insassen der Geschlossenen gegen AfD-Sekte, dazwischen kaum noch etwas

Auf der Gegenseite schrieb eine Bekannte auf Facebook, jetzt würde sich die Spreu vom Weizen trennen. Sie meinte das wohl dergestalt, dass, wer jetzt Gauland kritisiere, für sie irgendwie raus sei. Denn: Gauland habe Recht, wenn er mit dem Vorschlaghammer den NS-Schuldkult weghämmern würde. Das sei nun mal nichts für Hasenfüße, die Tabus müssten endlich gebrochen werden.

Diese beiden extremen Reaktionen scheinen mir typisch für unsere Zeit und für unsere Gesellschaft. Die einen sehen wie Insassen einer geschlossenen Nervenheilanstalt überall ständig Gespenster„kalkulierte Provokationen“, „ganz üble Dinge“, „Nazis“ und was weiß ich nicht noch alles. Die anderen möchten sich zum Teil schon fast sektenartig zusammenrotten und wer es wagt, Kritik auch nur an einem einzigen Wort eines AfD-ler zu üben, von dem ist man zutiefst enttäuscht, bei einigen ist man dann sogar „raus“. Auf diesem Niveau bewegen sich längst die meisten Debatten. Die Fähigkeit zu differenziertem Denken, ja überhaupt zu denken, Kritik und Reflexionsfähigkeit wurden weitgehend zuschande gemacht. Genau diese Fähigkeiten sind aber die Grundlagen einer Demokratie, wenn diese auch nur ansatzweise etwas taugen soll.

Reflexionsvermögen, Selbstkritikfähigkeit und Charakter sind zum Glück noch nicht völlig verschwunden

So, meine lieben Leser, und nun das Positive. Zum Glück gibt es noch Personen, die diese Fähigkeiten nicht ganz verloren haben. Und siehe da, einer von ihnen ist Alexander Gauland, der Bundessprecher und Bundestagsfraktionsvorsitzende der AfD. Er verfügt offensichtlich a) über das Reflexionsvermögen und b) die Selbstkritikfähigkeit zu merken, dass diese Formulierung unpassend war. Und er hat c) die Größe, das öffentlich einzugestehen. Und wissen Sie was? Davor ziehe ich den Hut. Hier Gaulands Statement von heute:

„Ich habe in einer Rede vom 2. Juni 2018 vor dem Bundeskongress der Jungen Alternative meine tiefste Verachtung für den Nationalsozialismus mit einem Sprachbild zum Ausdruck gebracht, das für Missverständnisse sowie Missdeutung gesorgt hat. ‚Vogelschiss‘ ist und bleibt für mich der letzte Dreck, ein kreatürlicher Auswurf mit dem ich den Nationalsozialismus verglichen habe.

Ich muss aber zur Kenntnis nehmen, dass viele in dem Begriff eine unangemessene Bagatellisierung gesehen haben. Nichts lag mir ferner, als einen solchen Eindruck entstehen zu lassen, was sich aus dem übrigen Teil der Rede auch zweifelsfrei ergibt. Die entstandene Wirkung bedaure ich. Niemals war es meine Absicht, die Opfer dieses verbrecherischen Systems zu bagatellisieren oder gar zu verhöhnen.

Wann wohl die Verantwortlichen der Politik der letzten Jahrzehnte ihre ungleich schwerwiegenderen Fehler eingestehen werden?

Das, meine Damen und Herren, ist wohl eindeutig. Was ich mir von Politikern der Altparteien wünschen würde? Dass sie ebenfalls klar und unmissverständlich zu ihren Fehlern stehen und diese öffentlich eingestehen. Freilich reden wir hier in nicht wenigen Fällen von völlig anderen Dimensionen, nicht von einem falsch gesetzten Wort, sondern von Handlungen, die sich immer mehr als so gravierend herausstellen, dass sie unsere gesamte Kultur, unsere Gesellschaft und unsere Land zerstören könnten. Auf solche Eingeständnisse, so fürchte ich aber, werden wir noch sehr, sehr lange warten dürfen.

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Titebild: YouTube-Screenshot

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