CSU droht bei Landtagswahl unter 40 Prozent zu rutschen – AfD vor SPD und den Grünen

Von Jürgen Fritz, Do. 28. Jun 2018

Hat die CSU ihre Courage zu spät entdeckt und kann dem Zug jetzt nur noch hinterherrennen, der langsam aber sicher immer mehr in Richtung AfD rollt, die von Anfang an klare Ansagen machte und daher als das glaubwürdige Original wahrgenommen wird, die CSU dagegen nur wie eine wenig glaubhafte Kopie erscheinen lässt? Vieles deutet darauf hin, so auch die aktuelle Umfrage von INSA bezüglich der anstehenden bayerischen Landtagswahl.

CSU nähert sich der absoluten Mehrheit nicht an, sondern entfernt sich sogar noch weiter

Für die CSU gibt es nur ein ganz großes Ziel: die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag halten. Denn das ist das Zentrum ihrer Macht. Unter den 180 Landtagsabgeordneten im Maximilianeum in München befinden sich derzeit 101 CSU-Abgeordnete (56 Prozent der Sitze). Bei der letzten bayerischen Landtagswahl vor fünf Jahren kam man auf knapp 48 Prozent der abgegebenen gültigen Zweitstimmen und über 14 Prozent der Kleinparteien scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde, so dass sie im Maximilianeum nicht abgebildet sind.  51 der letzten 56 Jahre konnte die CSU in Bayern alleine die Regierung stellen, einen Koalitionspartner brauchte man nur ein einziges Mal (2008 bis 2013 die FDP).

Von 48 Prozent ist die CSU in den letzten zwei Jahren aber weit entfernt und scheint sich nun sogar noch weiter zu entfernen. Laut der jüngsten, gestern veröffentlichten Umfrage von INSA für die BILD käme die CSU, wenn jetzt schon Landtagswahlen wären, nur noch auf ca. 41 Prozent, nochmals ein Prozentpunkt weniger als in der INSA-Umfrage vor zwei Monaten (bei der vor wenige Tage zuvor erstellten Umfrage des umstrittenen Forsa-Instituts kam die CSU sogar nur noch auf 40 Prozent).

FPD verliert fast jeden dritten Wähler – nur eine einzige Partei gewinnt dazu: die AfD

Die FDP verliert sogar zwei Punkte, was bei ihrem ohnehin schon geringen Zuspruch enorm viel ist. Ein Absinken von 7 auf 5 Prozent bedeutet, dass sie innerhalb von zwei Monaten jeden dritten bis vierten Wähler verloren hat. Bei Forsa kommt sie ebenfalls auf 5 Prozent, bei Civey Anfang Juni auf 4,8. Das heißt, für die FDP könnte es extrem eng werden mit der Fünf-Prozent-Hürde. Sollte sie diese knapp unterschreiten, zum Beispiel mit 4,99 Prozent, dann wären alle FDP-Stimmen verloren.

Alle anderen Parteien können aber weder von der leichten Einbuße der CSU noch der relativ großen Einbuße der FDP profitieren – außer einer: die AfD. Diese verbessert sich als einzige der größeren Parteien und steigt von 13 auf 14 Prozent (auf Bundesebene liegt sich sogar schon bei 15 bis 16 Prozent). Ansonsten profitieren nur die ganz Kleinen (Sonstige). Damit ist die AfD nun auch in Bayern an den Grünen vorbeigezogen und auch – man höre und staune – an der SPD, liegt mithin nun alleine auf Platz 2.

AfD jetzt alleine auf Platz 2

Hier das Ganze im Überblick:

  1. CSU: 41 %
  2. AfD: 14 %
  3. SPD: 13 %
  4. GRÜNE: 13 %
  5. Freie Wähler: 6 %
  6. FDP: 5 %
  7. LINKE: 3 %
  8. Sonstige: 5 %
2018-06-27-Insa

(c) Jürgen Fritz

Für die repräsentative Umfrage wurden die Antworten von 1.231 Teilnehmern aus Bayern berücksichtigt, die in einem Mix aus Telefon und Online Panel befragt wurden. Der Befragungszeitraum war vom 25. bis 27. Juni, die Umfrage ist also ganz aktuell.

Gewinne und Verluste und Regierungsbildung

Gegenüber der Landtagswahl 2013 ergeben sich damit folgende Gewinne und Verluste:

  1. AfD: + 14 %
  2. GRÜNE: + 4,4 %
  3. FDP: + 1,7 %
  4. LINKE: + 0,9 %
  5. Freie Wähler: – 3,0 %
  6. Sonstige: – 3,7 %
  7. CSU: – 6,7 %
  8. SPD: – 7,7 %

Bei diesem Ergebnis würde nicht nur die Linkspartei (SED) den Einzug in den bayerischen Landtag ganz sicher nicht schaffen, sondern auch für die FDP würde es enorm eng werden. Und die absolute Mehrheit wäre dahin für die CSU. Somit müsste diese sich einen Koalitionspartner aussuchen aus:

  • AfD
  • SPD
  • Grüne
  • Freie Wähler oder
  • FDP, sofern diese den Einzug in den Landtag schaffen sollte, wobei es bei (41 + 5) Prozent = 46 Prozent selbst dann sehr eng würde für eine schwarz-gelbe Mehrheit, da AfD + SPD + Grüne + Freie Wähler ebenfalls auf 46 Prozent kämen.

Seehofer- oder Merkel-Kurs?

INSA fragte die Teilnehmer der Umfrage auch zu ihrer Haltung im Asylstreit zwischen CDU und CSU. 54 Prozent der Befragten unterstützen demnach den Standpunkt von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der die Zurückweisung bereits registrierter Flüchtlinge und Migranten an der Grenze im Zweifelsfall im Alleingang durchsetzen will.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beharrt dagegen auf einer „europäischen Lösung“ und möchte auf dem EU-Gipfel heute und morgen mit anderen EU-Staaten hierüber verhandeln, was sie seit fast drei Jahren vergeblich versucht. Diesen Standpunkt unterstützten inzwischen lediglich noch 23 Prozent der Befragten. INSA-Chef Hermann Binkert zufolge stehe die Kanzlerin in dem Streit „auf verlorenem Posten“, was das bayerische Stimmungsbild angehe.

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Titelbild: YouTube-Screenshot vom bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der die CSU in die Landtagswahl führen wird

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