Offenburg: Arzt in eigener Praxis erstochen

Von Jürgen Fritz, Do. 16. Aug 2018, letztes Update: Fr. 17. Aug 2018, 6:55 Uhr

Heute morgen gegen 8:45 Uhr. Ein Mann kommt ohne Termin in die Arztpraxis eines beliebten und angesehenen Allgemeinmediziners in der Offenburger Oststadt. Doch dieser Mann kommt nicht als Patient. Er möchte sich nicht behandeln lassen, sondern führt ganz anderes im Schilde. Und er trägt etwas bei sich: ein tödliche Waffe.

Ein tödlicher Angriff aus dem Nichts, ohne jede Vorwarnung

Der Mann, der ohne Termin und ohne Behandlungswunsch in die Praxis kommt, hat offensichtlich einen Plan gefasst. Denn er trägt ein Messer bei sich und mit diesem geht er sofort und ohne Vorwarnung auf den Arzt, Dr. Joachim T., los und sticht auf ihn ein. Die Verletzungen, die Dr. T dabei erleidet, sind so schwerwiegend, dass er nur kurze Zeit später, noch in den Praxisräumen verstirbt.

Auch eine hinzukommende Arzthelferin, Elke D.,wird durch die Messerattacke laut Offenburger Polizei schwer verletzt“. Sie muss ins Krankenhaus eingeliefert werden, ist aber nicht in Lebensgefahr. Schließlich lässt der Angreifer das Messer am Tatort fallen und ergreift die Flucht.

Schnell ist die Polizei mit einem Großaufgebot mit mehr als als 20 Einsatzfahrzeugen inklusive Bundespolizei, Hundestaffel und einem Hubschrauber im Einsatz und sucht nach dem geflüchteten Täter. Dieser wird von den Augenzeugen beschrieben als jüngerer, dunkelhäutiger Mann, der eine Mütze trägt.

Kurz nach 10 Uhr sichtet eine Streife der Bundespolizei dann einen Mann, auf welchen die Personenbeschreibung passt. Der Tatverdächtige kann an der Einmündung Freiburger Straße / Straßburger Straße, ca. 1,5 Kilometer vom Tatort entfernt, festgenommen werden.

Dringend tatverdächtig: ein 26-jähriger Somalier

Der Zugang zu der Hausarztpraxis im Erdgeschoss des modernen, mehrstöckigen Wohnhauses wird von der Polizei mit einem rot-weißen Flatterband abgeriegelt. Auf dem Boden kann man eingekreiste Spuren sehen. Beamte der Spurensicherung in weißen Kapuzen-Overalls machen sich vor und in dem Gebäude an die Arbeit. Das Messer, welches am Tatort gefunden wird, kann sofort gesichert werden.

In den folgenden Stunden erhärtet sich der Tatverdacht gegen den vorläufig Festgenommenen. Momentan deutet wohl alles darauf hin, dass die Polizei den Richtigen gefasst hat. Es handelt sich laut der gemeinsamen Presseerklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft um einen Afrikaner, der aus Somalia stammt. Er soll 26 Jahre alt sein. Über seinen Aufenthaltsstatus ist bislang noch nichts bekannt.

Somalia liegt im äußersten Osten Afrikas am Horn von Afrika. Die Somalier sind zu weit über 99 Prozent Muslime und zwar fast durchgehend Anhänger des sunnitischen Zweiges des Islam. Nach dem Sturz der autoritären Regierung 1991 kam es zum Bürgerkrieg, der bis heute andauert. Mehr als 20 Jahre lang gab es keine funktionierende Regierung. Auch die ab 2000 unter dem Schutz der internationalen Staatengemeinschaft gebildeten Übergangsregierungen blieben weitgehend erfolglos. Sie vermochten zeitweise nicht einmal die Hauptstadt unter ihrer Kontrolle zu halten. Weite Teile des Landes fielen in die Hände lokaler Clans, Warlords, radikal-muslimischer Gruppen oder Piraten.

Ganz Offenburg ist geschockt

Offenburg ist eine Stadt im Westen Baden-Württembergs, etwa 20 Kilometer südöstlich von Straßburg. Sie hat knapp 60.000 Einwohner und liegt in der Vorbergzone des Mittleren Schwarzwaldes, etwa in der Mitte zwischen Karlsruhe und und Freiburg im Breisgau. Offenburg wird auch als „Tor zum Schwarzwald“ bezeichnet.

Wie die Badische Zeitung berichtet, beschäftigt dieses Gewaltverbrechen die ganze Stadt. Vor allem die Menschen, die den Mediziner näher kannten, sind tief geschockt. Er hat seine Praxis als junger Arzt im Neubaugebiet am Kulturforum vor rund 20 Jahren im Erdgeschoss eines viergeschossigen Mehrfamilienhauses eröffnet und war sowohl als Mediziner wie auch als Mensch hoch geschätzt. Der Mann hinterlässt seine Ehefrau und eine Tochter.

Update, 18:10 Uhr: Der Somalier ist ein Asylbewerber

Bei dem Somalier, der dringend tatverdächtig ist, handelt es sich um einen Asylbewerber, der 2015 in die Bundesrepublik Deutschland einreiste. Dieser weigert sich bislang, gegenüber den Ermittlern Angaben zu machen. Er ist 26 Jahre alt, etwa 1,70 Meter groß, ist dunkelhäutig und hat kurze, schwarze Haare sowie eine schlanke Statur.

Update, 17.08.2018, 6:55 Uhr: Tochter sah ihren Vater sterben

Laut einem Staatsanwalt untersuchten Gerichtsmediziner nicht nur die Leiche von Dr. T., sondern auch die verletzte Artzhelferin und den tatverdächtigen Somalier auf verwertbare Spuren. Später heißt es: Der Tatverdacht gegen den Asylanten habe sich erhärtet. Die Hintergründe, warum der Arzt sterben musste und die Helferin schwer verletzt wurde, seien aber noch immer unklar.

Wie inzwischen auch bekannt wurde, sah die Tochter von Dr. Joachim T. ihren Vater in den Räumen der Praxis sterben. Eine Nachbarin, die direkt über der Praxis wohnt, gab gegenüber der Bild an, sie habe gehört, wie die Tochter des Arztes immer wieder „Papa, Papa!“ rief. Das Mädchen ist zehn Jahre alt.

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Weitere Quellen:

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Titelbild: Screenshot aus dem Film der Badener Zeitung

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