Der Spiegel muss weg!

Von Jürgen Fritz, Sa. 18. Aug 2018

Blickst du nicht auf, sondern in den Spiegel, siehst du nicht den Spiegel, sondern dich selbst. Was aber, wenn dir nicht gefällt, was du siehst? Und was, wenn der andere dir ein Spiegel ist?

Die Sehnsucht nach Gerechtigkeit

Eines der tiefsten Probleme des Mensch-seins besteht darin, dass wir Naturwesen sind, die Natur die Kategorie der Gerechtigkeit nicht kennt, wir gleichzeitig jedoch die Idee der Gerechtigkeit tief in uns tragen, uns gleichsam nach ihr sehnen, als ob sie uns von ferne in ihren Bann zöge, obschon wir sie noch nie sahen in Vollendung sahen, mithin Sehnsucht und Heimweh haben nach etwas, das es in der natürlichen Welt so gar nicht gibt beziehungsweise nur in winzigen Dosen, Sehnsucht nach etwas, das wir gar nicht wirklich kennen, irgendwie aber doch.

Da der gewöhnliche Mensch aber nicht genug Kraft in sich findet, diese andere Dimension gänzlich anders zu denken als das, was er kennt, sie aber doch irgendwie fühlen kann, weil sie in ihm ist, stellt er sie sich einfach so ähnlich vor wie die materielle Welt, in der er sich befindet und die ihm vertraut ist. Er verdinglicht quasi das rein Geistige, er versucht, es zu materialisieren, respektive genauer: Er versucht das Nicht-Greifbare für sich irgendwie greifbar zu machen, womöglich sogar zu personifizieren, wodurch etwas von jenem verloren geht, er aber andererseits etwas von ihm für sich und zu sich hinüberziehen kann, so dass er immerhin etwas davon zu fassen bekommt.

Der Verlust der Wahrheit

Zugleich geht aber mit dieser Erkenntnis, dass die Natur die Kategorie der Gerechtigkeit nicht kennt, eine Negation seiner selbst einher, weil ja der Mensch ein Teil der Natur, quasi deren Kind ist. Niemand möchte aber Kind von etwas sein, das keinerlei Sinn für Gerechtigkeit hat. Ergo versucht der schlichte Geist, der aber immerhin Geist ist, die Natur, mithin auch sich selbst, in ein gänzlich anderes Licht zu tauchen, indem er sich diese so ausmalt, dass sie voll von Schönheit, Güte und Gerechtigkeit sei. Nun kann er sich in dem, in welchem er sich immer schon befindet, wohl und aufgehoben fühlen, ist gleichsam mit sich selbst und der Welt gefühlsmäßig im Reinen.

Doch dabei verliert er den Kontakt zu einer andere Idee aus der anderen Dimension: der Wahrheit, da er sich die Natur und sich selbst schön redet, um es mit sich und in der Welt aushalten zu können. Dies wäre für ihn selbst kein großer Verlust, er kann sehr gut ohne diese andere Idee leben.

Der Spiegel muss weg!

Das Problem taucht erst dann auf, wenn ihm ein Alien in Menschengestalt, ein Wahrheitsliebhaber, wie diese Gestalten sich selbst bisweilen selbstgefällig nennen, begegnet, weil er in diesem quasi wie in einem Spiegel seine Wahrheitsvergessenheit erblickt und diesem Blick auf sich selbst im Spiegel kaum ausweichen kann. Was soll unser armer Tropf jetzt tun?

Der unvermeidliche Blick in den Spiegel eröffnet eine Dimension, die er nicht sehen möchte, eine Dimension, welche die mühsam gewonnene Behaglichkeit stört, ja zu zerstören droht! Der in den Spiegel Blickende, der sieht, was er nicht sehen möchte, muss also etwas tun. Nur was? Was soll er denn tun? Wäre da nicht die einfachste Lösung jene: „Der Spiegel muss weg!“?

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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