2045: Das Jahr der Apokalypse?

Ein Gastbeitrag von Michael Nitsche, Sa. 22. Sep 2018

Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Diese Grundfragen des Seins beschäftigen Menschen seit Jahrtausenden. Jeder dystopisch-literarische Text oder Roman hat zum Ausgangspunkt die Apokalypse, eine globale Katastrophe der Menschheit. Wobei die Warnung vor solchen Untergangsszenarien ja immer in der Hoffnung geschieht, diese doch noch abwenden zu können. Michael Nitsche erklärt, warum 2045 ein Schlüsseljahr sein könnte, beschreibt eine sehr realistische Apokalypse und vollzieht dabei den Übergang von der dystopischen Vision, also einer solchen mit negativem Ausgang, hin zur Utopie einer schöneren Welt.

Das Fermi-Paradoxon und was daraus abgeleitet werden kann

Beginnen werde ich meine Überlegungen mit einer These, die bisher – nach meinen Kenntnissen – noch nicht widerlegt wurde: Das Fermi-Paradoxon des Physikers Enrico Fermi aus dem Jahr 1950. Daraus folgere ich: Wir sind alleine im Weltall und die Apokalypse jeder hochentwickelten Zivilisation erfolgt 100 Jahre nach der Entdeckung der Kernspaltung. Dieser Zeitpunkt ist 2045 erreicht.

Zum Fermi-Paradoxon: Wir beobachten im Weltall keine weitere Zivilisation, die der unseren entspricht oder höher entwickelt ist, obwohl wir intensiv danach suchen. Was ist nun paradox an dieser Tatsache? Paradox daran ist, dass die Zeit ausgereicht hätte, die ganze Milchstraße zu besiedeln. Das auch mit unserer schon vorhandenen Weltraum-Technologie. Unsere Sonne gehört nicht zur ersten Generation von Sternen im Weltall. Viele Millionen Jahre vor uns gab es Sterne, die der Sonne ähnlich waren und die sicher auch von Planeten umkreist wurden.

Warum haben Zivilisationen, die viele Millionen Jahre vor uns entstanden sind, das nicht getan? Hätten sie es getan, dann könnten wir sie heute beobachten oder sie wären in unser Planetensystem eingedrungen, mit welchen Absichten auch immer. Von diesen Aliens lebt die Science-Fiction-Literatur. Doch wo sind sie, die Aliens? Bisher haben wir sie nicht gefunden, trotz des immer intensiveren Suchens. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sie wirklich gibt, sinkt mit jedem Jahr das vergeht und wir sie nicht finden.

Die wahrscheinlichste Lösung des Paradoxons: Jede Hochzivilisation strebt unweigerlich auf die Apokalypse zu

Ergo: Wir sind alleine im Weltall. Wie ist das aber zu erklären? Bei hunderten Milliarden von Galaxien mit hunderten Milliarden von Sternen in jeder einzelnen Galaxie und 14 Milliarden Jahre Evolution des Kosmos kann das doch gar nicht sein! Wieso sehen wir nirgends außerirdisches, intelligentes, hochentwickeltes Leben?

Die Erklärung könnte lauten: Sobald ein bestimmtes Niveau der Entwicklung erreicht ist, folgt jedes mal die Apokalypse. Deswegen geht es nicht weiter und deswegen sind keine anderen hochentwickelten Zivilisationen auffindbar. Wann wird nun unsere Apokalypse erfolgen? Meine These: 100 Jahre nach Entdeckung der Kernspaltung, also im Jahre 2045.

Die Apokalypse, ob sie nun 2045, früher oder später, tatsächlich stattfindet, muss nicht der absolute Untergang der menschlichen Zivilisation sein. Sicher scheint nur zu sein, dass die Zivilisation danach nicht die Eroberung des Weltalls auf ihre Fahnen geschrieben hat. Welche andere Erklärungen gäbe es, dass wir kein außerirdisches hochentwickeltes Leben finden können?

Die Rare-Earth-Hypothese

Die Lösung des Fermi-Paradoxons “Jede Hochzivilisation löscht sich 100 Jahre nach der Entdeckung der Kernspaltung aus“ wäre vollständig obsolet, wenn es außer unserer Erde keinen weiteren vergleichbaren Planeten im gesamten Universum gäbe. Das behauptet zumindest die Rare-Earth-Hypothese. Die Wahrscheinlichkeit, dass es noch einen anderen Planeten mit höher entwickelten Leben darauf gibt, ist so groß wie das Entstehen eines Airbusses-300, wenn ein Wirbelsturm über einen Schrottplatz fegt – also praktisch gleich Null. So behaupten es jedenfalls die Anhänger dieser Hypothese und sie haben gewichtige Argumente dafür.

Ich will hier nur eines dieser Argumente anführen: Ein erdähnlicher Planet müsste einen Mond haben, der dem unseren gleicht und die Rotation der Erde stabilisiert. Ist das nicht der Fall, sind die Verhältnisse der Evolution so instabil, dass sie nicht einmal bis zu den Sauriern kommt.

Wenn die “Rare-Earth-Hypothese“ (wir sind allein im All) sich als wahr erweisen sollte, könnten wir noch Hoffnung haben, dass die Apokalypse uns – wenigsten unsere Hochzivilisation – nicht vernichtet. Doch auch in diesem Fall sind wir noch lange nicht gerettet. Weshalb nicht?

Raymond Kurzweil: Alles strebt auf das Jahr 2045 zu

Dazu hat sich der US-amerikanische Autor, Erfinder, Futurist, und Director of Engineering (Leiter der technischen Entwicklung) bei Google Raymond Kurzweil Gedanken gemacht. Die technologische Singularität, die Kurzweil auf das Jahr 2045 prognostiziert, muss gelöst werden, soll der Menschheit ein dunkles Zeitalter erspart bleiben. Doch dazu später mehr.

Wir bewegen uns erst einmal im Bereich der Drake-Gleichung, die berechnet, wie viel hochzivilisierte Planeten es in unserer Galaxis gibt und ist indirekt die Kult-Gleichung der Alien-Literatur. Sie hat nur einen Nachteil: Sie besteht aus vielen Faktoren die ungenau oder nicht bekannt sind.

Gehen wir erst einmal davon aus, das Fermi-Paradoxon trifft zu und die Apokalypse-These ist seine Lösung. Ein finaler Atomkrieg vernichtet unsere Zivilisation, das wäre mit Sicherheit der Worst Case, der ungünstigste Fall. Daneben gibt es jedoch noch eine Reihe weiterer Lösungen, die jenseits einer Katastrophe – Nuklearkrieg, Pandemie, Meteoriten- oder Kometenkollaps, neue Eiszeit etc. – liegen.

Andere Lösungen des Fermi-Paradoxons

Andere Lösungen könnte es noch geben, die letztendlich darauf hinauslaufen, dass es die intelligenten Außerirdischen tatsächlich gibt, wir sie aber nicht finden können oder sie nicht gefunden werden wollen oder das ganze All doch nur eine Illusion ist. Das sind alles Lösungen, die sich hervorragend für die SF-Literatur eignen, aber allesamt Spekulationen mit geringer Wahrscheinlichkeit sind. Welche Lösung des Fermi-Paradoxons scheint aus unserer gegenwärtigen Situation der menschlichen Gesellschaft am wahrscheinlichsten zu sein?

Vielleicht diese: Die Menschheit stößt an ihre Entwicklungsgrenzen, es folgt Stillstand und dann langsame oder schnelle Rückentwicklung in eine mittelalterlich, nachhaltige Gesellschaft (Best Case). Eine wissenschaftliche Studie, die vom Goddard Space Flight Center der Nasa finanziert und die das Fachmagazin Ecological Economics journal erstmals veröffentlichte, kommt zu dem Ergebnis:

So ziemliches jedes Modell, das unsere Realität heute widerspiegelt, läuft auf einen Kollaps hinaus. Der Fall des Römischen Reiches sowie der Han-, Maurya- und Gupta-Reiche als auch viele entwickelte mesopotamische Reiche sind alle Belege dafür, dass fortschrittliche, komplexe und kreative Zivilisationen zerbrechlich und unbeständig sind.“

Die Apokalypse und die apokalyptischen Reiter

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch Jan Morris in seinen umfangreichen Studien: “Wer regiert die Welt – Warum Zivilisationen herrschen und beherrscht werden“. Den Zusammenbruch einer Zivilisation bezeichnen wir gewöhnlich als Apokalypse und die Boten, die einen solchen Zusammenbruch ankündigen, die apokalyptischen Reiter.

Was sind nun diese apokalyptischen Reiter? Jan Morris sieht folgende fünf am Horizont der Entwicklung unserer Zivilisation heraufziehen:

  1. Hungersnöte
  2. Epidemien
  3. Unkontrollierte Migration
  4. Politische Instabilität
  5. Klimawandel

Doch sind das wirklich alle? Betrachten wir zunächst diese fünf.

Erster apokalyptischer Reiter: Hungersnöte

Sie treten in der Folge von Naturkatastrophen und unkontrolliertem Bevölkerungswachstum auf. Eine alleinige “Hilfe für Hungernde in der Welt“ ist kontraproduktiv, wenn nicht an erster Stelle die Geburtenregelung steht. Falsch verstandene Hilfe führt nur noch weiter in dieses Dilemma und reißt bisher politisch stabile Staaten mit in den Abgrund.

In der Natur hat sich ein evolutionärer Algorithmus etabliert. Eine Population richtet die Anzahl ihrer Nachkommen nach dem Nahrungsangebot aus. Der Mensch hat diese Regel außer Kraft gesetzt. Er produziert immer mehr Nahrungsmittel und die Menschen vermehren sich stetig, als gäbe es keine Obergrenze. Das geht natürlich nur, solange der peak oil noch nicht erreicht ist. Nach bisherigen Schätzungen wird dieser aber noch vor 2045 liegen.

Inwieweit alternative Energien das kompensieren können, ist noch unklar, da viele dieser Anlagen zur Gewinnung von Solarenergie noch in ihrer Herstellung auf fossile Energieträger angewiesen sind. Der sogenannte “Solar-Brüter“, eine Solaranlage, die mit der gewonnenen Energie weitere Solaranlagen produziert (einfache Reproduktion) und sogar noch Energieüberschüsse produziert (erweiterte Reproduktion) ist nicht in Sicht.

Der erzwungene Verzicht des Menschen auf tierische Nahrung, könnte das Problem nicht lösen, da es zu politischen Instabilitäten führen würde. Nahrungsmittel sind ein Energielieferant sowohl für den Menschen als auch für die Industrie. Falls die ökologische Wende zu erneuerbaren Energien (Solarenergie im weitesten Sinne bis hin zu Biokraftstoff) gelingt und eine nachhaltige Landwirtschaft sich durchsetzt, werden wahrscheinlich Hungersnöte schon vor dem Jahr 2045 massiv auftreten. Um das zu verhindern, müsste eine kontrollierte demografische Entwicklung angestrebt werden, die aber nicht in Sicht ist.

Fazit: Im Moment ist abzusehen, dass dieser Reiter in absehbarer Zeit am Horizont auftauchen wird. Dystopische Literatur und Filme handeln oft um den Kampf um diese Ressourcen der Menschen.

Zweiter apokalyptischer Reiter: Epidemien

Wer wird in einer globalisierten Welt gewinnen, die Anpassungsfähigkeit der Krankheitserreger oder die Pharmaindustrie? Diese Entscheidungsschlacht steht noch aus. Gewinnen die Krankheitserreger, so verliert auch die Globalisierung. Eine Pandemie ist noch nicht der Untergang der Menschheit. Die Erfahrungen in der Vergangenheit haben gezeigt, dass zwar immer ein hoher Prozentsatz der Menschen betroffen sein wird, doch zu einer Auslöschung der menschlichen Population insgesamt muss es nicht kommen, wohl aber zu politischen Instabilitäten und chaotischen Zuständen.

Eine genetische Neuerfindung des Menschen könnte das Problem besser in den Griff bekommen. Davon sind wir aber noch sehr weit entfernt. Genetische Verbesserungen am Menschen sind heute aus „moralischen Gründen“ obsolet. Es ist politisch nicht möglich, wie bei den Pflanzen, die menschlichen Gene so zu verändern, dass sie mit den Krankheiten besser zurecht kommen. Die Evolution durch Selektion und Mutation ist in ihrem Tempo der menschlichen (quantitativen) Entwicklung schon lange nicht mehr angepasst und damit kämen nur genetische Neukonstruktionen in Frage, um dem Dilemma zu entgehen.

Diese Pandemien oder auch nuklearen Katastrophen, die dann in der Folge auch zu Zombies und andere Kreaturen mutieren lassen, sind in den dystopischen Werken der Literatur und Filmkunst sehr beliebt. Hier muss man natürlich auch die Computer-Games miteinbeziehen. Zombies sind entartete Menschen und diese darf man ohne ein schlechtes Gewissen abschießen. Das ist ein unheimliches Muster. In der Geschichte wurden oft fremde Völker oder andere Religionen als nicht menschlich, bösartig und ungläubig eingestuft, um sie dann ohne Skrupel überfallen und ausrotten zu können.

Dritter apokalyptischer Reiter: Unkontrollierte Migration

Sie war in vergangenen Zeiten meist eine Folge von Asymmetrien in der Welt, die durch wirtschaftliche, kulturelle und religiöse Unterschiede entstehen. Je differenzierter die aufeinandertreffenden Bevölkerungsgruppen waren und sind, umso verheerender sind die Folgen aus den daraus entstehenden politischen und staatlichen Instabilitäten.

Es ist eine soziale Illusion, dass kulturell und religiös stark unterschiedliche Bevölkerungsgruppen friedlich zusammenleben können. Das funktioniert vielleicht in Diktaturen, in denen der Diktatur einer gesellschaftlichen Gruppe herrscht und die anderen Teile der Gesellschaft unterdrückt oder wenigstens mit Härte an Bürgerkriegen hindert. Historisch gesehen, waren solche Symbiosen meist nur von kurzer Dauer.

Was für den einzelnen Menschen gilt, trifft auch für Kulturen und Religionen zu: Sie nutzen die Faulheit, Angst und Habgier des Menschen aus (Morris-Theorem), indem sie diese evolutionären Eigenschaften zur eigenen Machtausübung instrumentalisieren. In unserer Zeit wird dieser Reiter auch als sogenannte “Migrationswaffe“ eingesetzt. Militärische Auseinandersetzungen werden, seien es zunächst auch nur Planspiele, stets bereits zu Beginn mit den auftretenden Flüchtlingsströmen durchgespielt.

In der Dystopischen Literatur spielt die Unkontrollierte Migration oft nur eine marginale Rolle. Zumindest ist mir keine Literatur bekannt, die das zur Hauptursache einer Apokalypse gemacht hätte.

Vierter apokalyptischer Reiter: Politische Instabilität

Diese entsteht aus den vorhergehenden Reitern der Apokalypse und zusätzlich aus Asymmetrien in der Gesellschaft. Bedeutend ist hier die Asymmetrie der Reichtümer. Wenn 90 Prozent der Bevölkerung nur über 10 Prozent der Reichtümer einer Gesellschaft verfügen und 10 Prozent über 90 Prozent der Vermögen verfügen, ist diese Asymmetrie unerträglich geworden. In der Folge stellen sich weitere Asymmetrien ein, zum Beispiel: 90 Prozent der Bevölkerung entscheiden sich gegen einen Kriegseinsatz des Landes, aber 90 Prozent der Parlamentarier stimmen für einen solchen.

“Volksvertretung“ wird zu einem einträglichen Geschäft, siehe als extremes Beispiel Martin Schulz. Es bedient ebenfalls das Morris-Theorem, es dient der persönlichen Habgier und Faulheit (Absicherung durch üppige Pensionen) und produziert Angst (die gewonnen Pfründe zu verlieren, deshalb politisches Taktieren und das Verschweigen der Wahrheit).

Parlamentarismus heute ist eine moderne Wiederholung des klerikal-feudalen Systems der Vergangenheit mit vielleicht einem Unterschied: die Zwangsabgaben an diesen (politischen) Neu-Adel kennen keine Grenzen. Das “moderne Raubrittertum“ mit Steuern und Zwangsabgaben hat den Vorteil, dass in dieser Gesellschaft weniger Menschen gewaltsam ums Leben kommen als vergleichsweise in den Warlord-Gesellschaften, die dem archaischen Raubrittertum noch am nächsten kommen.

In der Dystopischen Literatur sind politische Instabilitäten und darauf folgend der gesellschaftliche Zusammenbruch meist nur der kaum erwähnte Ausgangspunkt für die Romanhandlung.

Fünfter apokalyptischer Reiter: Klimawandel

Dieser Reiter ist in der menschlichen Evolution ebenfalls schon mehrfach aufgetreten. Verheerend waren vor allem einsetzende Kälteperioden, während dagegen Warmzeiten meist zu einer Blüte der Zivilisation führten. Da heute die meisten Menschen in Großstädten an der Meeresküste leben, könnte es anders als in der Vergangenheit sein. Auch eine Erwärmung würde etliche Probleme bereiten, besonders durch den Anstieg des Meeresspiegels.

Die Ursachen der historischen Änderungen des Klimas waren auf Grund der fehlenden Industrie nicht “menschengemacht“. Dass die Abholzung von ganzen Landstrichen in der Vergangenheit lokale Klimaveränderungen gebracht hat, ist sicher nicht von der Hand zu weisen, für globale Veränderungen waren diese Eingriffe aber marginal.

Die Ursachen der großen Klimaveränderungen (Eiszeit-Warmzeit) sind in erster Linie in den Veränderungen der Erdbahnparameter, also astronomisch, bedingt. Eine Eiszeit tritt immer dann auf, wenn die Sommersonnen-Einstrahlung in hohen nördlichen Breiten kleiner wird (kühle Sommer). Ein schneller Klimawandel wird mit hoher Wahrscheinlichkeit durch Änderungen der Sonnenaktivität ausgelöst.

„Klimawandel“ wird heute weitgehend instrumentalisiert, um politische Absichten und Ideologien gegen Widerstände durchzusetzen. “Alles für das Wohl der Menschheit“ zu tun, kommt als Totschlagargument daher und eröffnet ein breites Tor in eine moralische Diktatur. Das kann insofern auch zu beabsichtigten politischen Instabilitäten führen, die dann eine Veränderung der Gesellschaft leichter möglich machen.

Dystopische Literatur und Filme diese Genres nehmen oft Anleihen beim Klimawandel und der in Folge auftretenden ökologischen Zerstörung der Erde.

Aus den Erfahrungen der Gegenwart sollte vielleicht noch ein sechster Reiter hinzukommen, die religiöse Wandlung, die Rückkehr des Religiösen.

Sechster apokalyptischer Reiter: religiöse Wandlung

Die zunehmende Komplexität der Welt übersteigt die Vorstellungskraft der meisten Menschen und verunsichert sie. Der Sinn ihres Lebens scheint verloren gegangen zu sein. Immer mehr Menschen suchen Halt in archaisch, religiösen Riten, Gebeten und Meditationen.

Begünstigend für eine religiöse Wandlung kommt noch hinzu, dass Religionen, die nicht selten nach Ausbreitung der eigenen Weltanschauung streben, meist gegen eine Geburtenplanung sind und sich demzufolge fundamentalistische Religionen auch über eine höhere Geburtenrate ausbreiten (Gebärmutter-Dschihad). Die bisher geltenden Regeln der Selektion in der natürlichen Evolution werden aufgehoben und durch religiöse Selektion ersetzt.

Das Ziel dieser Wandlung ist immer, mehr oder weniger offensichtlich, ein gottgefälliges Leben in einem Gottesstaat. Begünstigt werden hier patriarchale Gesellschaftsverhältnisse, insbesondere die viel- und früh-gebärende Frau, da diese wiederum der Ausbreitung der eigenen religiösen Weltanschauung dient.

Zu all dem Übel kommt noch hinzu, dass es mehrere Gottesauffassungen und Religionen gibt, die ein latentes Gewalt- und Vernichtungspotenzial in sich tragen.  Eine gottgefällige Gesellschaft wird keine galaktische Zivilisation anstreben, zumindest ist mir keine Religion bekannt, die darin den Sinn ihrer Gottesanbetung sähe.

Die hart erkämpfte Emanzipation gegen theokratische Gesellschaften in Mitteleuropa wird durch eine Migration atavistisch-archaischer Religionen in Frage gestellt. Eine Erkenntnis aus der Vergangenheit ist aber: Eine höher entwickelte Zivilisation schafft oder begünstigt zugleich die Kräfte ihrer eigenen Zerstörung.

Gelegentlich werden in der Dystopischen Literatur nach der Apokalypse erneut religiöse Strukturen eingeführt mit dem Ziel, den Zusammenhalt der Überlebenden zu sichern.

Die offene Zukunft

Wir kennen die Zukunft nicht, unsere Vorstellungen davon sind nur mehr oder weniger wahrscheinlich. Gehen wir davon aus, es steht uns keine Apokalypse, vermeldet durch die Apokalyptischen Reiter, bevor. Dann brauchen wir uns nur noch Gedanken darüber zu machen, was nach der Technologischen Singularität folgt, die von Raymond Kurzweil ebenfalls auf das Jahr 2045 prognostiziert wurde. Haben wir dieses Problem gelöst, dann bricht ein Utopisches Zeitalter an.

Die Utopische Literatur lässt sich beschreiben nach dem Motto: “So schön kann die Welt von morgen sein!“

Die technologische Singularität

Warum wird die Zeit um das Jahr 2045 für die Menschheit eine tiefe Krise oder instabil sein? Singularitäten sind im mathematisch-physikalischen Sinn unendlich kleine Gebiete, in denen das bisherige Verständnis des Modells versagt. In der Astronomie sind Schwarze Löcher Singularitäten der Allgemeinen Relativitätstheorie. In der Technologie ist eine Singularität dann erreicht, wenn sich die Technologie mit scheinbar unendlicher Geschwindigkeit erweitert, wenn unser menschliches Verständnis für die Technologie nicht mehr ausreicht.

Spötter behaupten, Letzteres treffe heute schon für die Mehrheit der Menschen zu. Wir können zeitlich gesehen nicht hinter eine Singularität schauen, da wir nicht wissen, was dort passiert. Wir können aber die Bedingungen formulieren, die für eine Technologische Singularität zutreffen werden. Das Erreichen dieser Singularität wird als notwendig erachtet, damit die Zivilisation sich weiterentwickeln kann. Zielrichtung ist: der Post- oder Transhumanismus. Schafft die Zivilisation diesen kritischen Zeitpunkt nicht, droht auch hier eine Entwicklung in ein finsteres Zeitalter. Was wird jenseits der technischen Singularität sein?

Von der Dystopie zur Utopie

Die utopische Literatur lebt von der Zeit nach der Singularität: Herrschaft der Roboter, der designte Mensch, Besiedlung des Weltraumes … Woran kann man nun erkennen, wann dieser Zeitpunkt erreicht sein wird? Hier gibt es mehrere Anzeichen:

  1. Es gelingt die Schaffung einer künstlichen Intelligenz, welche die menschliche bei weitem übertrifft.
  2. Die biologische Evolution wird überwunden und die genetische Neuerfindung und genetische Entwicklung des Menschen beginnt.
  3. Die Nanotechnologie ermöglicht ihre eigene, vom Menschen kontrollierte Evolution.
  4. Das Mensch-Computer-Maschine-Wesen wird Realität.
  5. Der Menschheit steht eine neue Energiequelle zur Verfügung: Kernfusion?

All diese Entwicklungen haben im Hintergrund mehr oder weniger noch das Ziel, die Unsterblichkeit des Menschen auf die eine oder andere Art zu erreichen. Damit stößt die technologische Singularität auf ihren erbittertsten Gegner: die archaischen Religionen, welche die Unsterblichkeit im Paradies oder wo auch immer, für sich reklamieren.

Können wir all diese apokalyptischen Reiter abwehren und die technologische Singularität hinter uns lassen, so öffnet sich womöglich eine Tor für: die schönste aller Welten dieses Universums.

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Zum Autor: Michael Nitsche hat zunächst eine naturwissenschaftliche Ausbildung an der TU Ilmenau absolviert, promovierte in Physik (Wellenoptik), arbeitete später im Forschungszentrum von Carl Zeiss Jena, um dann zur Uni Jena zu wechseln mit dem Ziel: Habilitation. Irgendwann begann er das DDR-System mehr und mehr zu durchschauen, begann Schopenhauer, Nietzsche, Fromm etc. zu lesen. Er fing an zu schreiben und betätigte sich gesellschaftskritisch. Am Literaturinstitut Leipzig studierte er dann extern Literatur. Seine Systemkritik brachte ihm und auch seiner Frau zwei Jahre Berufsverbot ein. Mit zwei kleinen Kindern mussten sie nun vom Verkauf des Familienerbes leben. 1987 entschied die DDR-Führung dann, dass sie innerhalb von 14 Tagen ausreisen müssen. Spätere Einsicht in die Stasi-Akte, zeigte ihnen, dass bereits ein Strafverfahren gegen sie eingeleitet war und sie schon auf einer Internierungsliste standen. Michael Nitsches Abschlussarbeit Romananfang wurde auch von der Stasi begutachtet. Diese kam zu dem Ergebnis: Die politisch-ideologischen und weltanschaulich-philosophischen Grundaussagen des Textes sind von einer eindeutigen Gegnerschaft zum realen Sozialismus bestimmt.“ Das Schlimme für Michael Nitsche ist, so sagt er, dass er nun wieder mitansehen muss, wie eine sozialistische Diktatur entsteht, und wie viele, vor allem junge Leute, erneut auf die linke Propaganda hereinfallen.

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Titelbild: YouTube-Screenshot aus dem Film Lucy

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