So werden die Bayern am Sonntag wählen

Von Jürgen Fritz, Fr. 12. Okt 2018

Könnten Die Grünen die neue bayerische Landesregierung anführen? Die Chancen dafür stehen gar nicht so schlecht. Denn wenn Grüne + SPD + Freie Wähler + FDP mehr Stimmen und mehr Sitze im Landtag erhalten als CSU + AfD, dann können Die Grünen versuchen, eine grün-rot-orange-gelbe Regierung zustande zu bekommen. Hier die Prognose für die Wahl am Sonntag von Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendem Meta-Analyse-Tool mit den genauesten Wahlprognosen, und einer Erläuterung, was dieses Ergebnis bedeuten würde.

Wahl-O-Matrix-Prognose

Zunächst eine Vorbemerkung. Natürlich kann kein Mensch die Zukunft exakt voraussagen. Insofern sind die folgenden Zahlen nicht so zu lesen, dass es auf die Stelle nach dem Komma ganz genau so kommen wird bei der Landtagswahl am Sonntag in Bayern. Gleichwohl hat gerade Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool, schon bei der NRW-Wahl und bei der Bundestagswahl gezeigt, wie nah es mit seinen Wahlprognosen an den tatsächlichen Ergebnissen lag. Die mittlere Abweichung betrug nämlich gerade mal 0,56 bzw. 1,09 Prozent. Dies wird auch bei der Bayernwahl das Ziel sein, die Wahlergebnisse mit einer Genauigkeit von ca. 0,5 bis 1 Prozent  vorauszusagen, maximal aber mit einer mittleren Abweichung von 1,5 bis 2 Prozent.

Hier also meine Prognose, basierend auf den letzten Umfragen von GMS, Infratest dimap, INSA, Civey sowie Forschungsgruppe Wahlen und langjährigen Beobachtungen und Analysen der verschiedenen Institute, wie genau diese in der Vergangenheit waren und welche systematischen Verzerrungen bei ihnen zu beobachten sind. So werden die Bayern am Sonntag wählen:

  1. CSU: 33,3 %
  2. GRÜNE: 17,8 %
  3. AfD: 12,5 %
  4. SPD: 11,0 %
  5. Freie Wähler: 10,3 %
  6. FDP: 5,7 %
  7. LINKE: 4,1 %
  8. Sonstige: 5,3 %

2018-10-12-Prognose

Was bedeutet ein solches Wahlergebnis?

1. Es bedeutet zunächst einmal, dass die CSU ihre absolute Mehrheit verlieren wird. Wenn wir davon ausgehen, dass Die Linke (SED) den Einzug nicht schaffen wird, dann wird es in etwa 45 bis 46 Prozent der Stimmen brauchen, um die Mehrheit der Sitze im Landtag zu erhalten, wobei es bei der bayerischen Landtagswahl noch einige Besonderheiten gibt, die ich aber hier nicht vertiefen möchte, um es nicht zu kompliziert zu machen. Von 45 bis 46 Prozent ist die CSU auf jeden Fall aber meilenweit entfernt.

2. Wenn die CSU also weiterregieren will, und das will sie unbedingt!, dann braucht sie mindestens einen Koalitionspartner – ginge bei dem Ergebnis, da die CSU die AfD als Koalitionspartner ausschließt, nur mit den Grünen – oder sogar zwei, zum Beispiel SPD und Freie Wähler / FDP oder Freie Wähler und FDP. Darüber hinaus besteht aber für die CSU sogar die Gefahr, dass sie von den Grünen ausgebootet werden könnte. Diese Gefahr liegt sicherlich weit unter 50 Prozent, ist aber durchaus real und ist derzeit die größte Angst der CSU. Dass man die absolute Mehrheit verlieren wird, damit hat man sich längst abgefunden.

3. Ein solches Wahlergebnis würde ferner bedeuten und das wäre quasi der Supergau für die CSU, dass Die Grünen eine reelle Chance haben, den neuen Ministerpräsidenten zu stellen. Denn wenn die Wahl-O-Matrix Analyse zutreffend, die Prognose realistisch ist, die Ergebnisse am Sonntag der Prognose sehr nahe kommen, dann kämen Grüne, SPD, Freie Wähler und FDP (Regenbogenkoalition) zusammen auf ca. 44,8 Prozent und CSU + AfD zusammen auf 45,8 Prozent, hätten also nur einen Punkt mehr. So genau ist die Prognose aber natürlich nicht. Wenn nur zwei der vier Parteien dieses möglichen neuen Bündnisses eine halben Prozentpunkt mehr erreichen und die CSU ein paar Zehntel weniger, dann haben wir unter Umständen eine grün-rot-orange-gelbe Mehrheit und damit eine mögliche solche Koalition unter Führung der Grünen.

Spielt es eine Rolle, ob man CSU oder AfD wählt, wenn man eine grüne Ministerpräsidentin verhindern will?

Nein, das spielt keine Rolle. Wenn Grün-Rot-Orange-Gelb auf ca. 46 Prozent oder mehr kommen, dann werden sie mehr haben als CSU und AfD zusammen, stellen somit die Mehrheit im Parlament. Also können Die Grünen, sofern sie die Freien Wähler und die FDP auf ihre Seite ziehen können, eine Regierung bilden. Dass die SPD mit den Grünen koalieren will, dürfte ohnehin klar sein. Der springende Punkt wären dann die Freien Wähler und die FDP. Die Freien Wähler kann ich nicht genau einschätzen, würde ihnen aber so ein Vierer-Bündnis zutrauen. Der FDP kann man ohnehin niemals vertrauen. Diese Regenbogen-Koalition ist also nicht sehr wahrscheinlich, aber möglich, sie ist zu befürchten. Davor hat die CSU die größte Angst.

Wie sich die restlichen Prozente dann auf CSU und AfD verteilen, wenn das mögliche Viererbündnis eine Mehrheit hat, spielt keine Rolle. Selbst wenn es die AfD gar nicht gäbe, die CSU alle deren Stimmen bekäme und ca. 45 Prozent erhielte, der Viererpakt aber 46 Prozent, könnte dieser die CSU ausbooten und diese wäre dagegen machtlos.

Wenn umgekehrt die mögliche Regenbogenkoalition keine Mehrheit hat, CSU + AfD also stärker sind, wovon ich eher ausgehe, dann spielt die Verteilung der Stimmen des schwarz-blauen Blocks ebenfalls keine Rolle. Angenommen die CSU fiele sogar auf 30 Prozent, die Wähler, die diese 3,3 Prozentpunkte Differenz ausmachen, wandern aber alle zur AfD ab, so käme diese auf ca. 15,8 Prozent. Damit hätte man zusammen wiederum 45,8 Prozent und die mögliche Regenbogenkoalition bliebe bei 44,8 Prozent, weil ja bei diesem nichts dazu kommt, wenn die Wähler von der CSU zur AfD abwandern. Die Grünen könnte somit keine eigene Regierung bilden.

Gefährlich sind für die CSU – bezogen auf die Stellung des Ministerpräsidenten und die Führung der neuen Regierung – also nur die Wähler, die zu den Grünen, der SPD, den Freien Wählern oder der FDP, sprich zur möglichen Regenbogenkoalition, abwandern. 

Was bewirkt eine starke AfD?

Söder wird auf keinen Fall mit der AfD koalieren, egal wie stark diese werden sollte. Selbst wenn sie auf 14 oder 15 Prozent käme, die CSU auf über 33, man also eine klare Mehrheit hätte, wird er lieber mit den Grünen koalieren oder mit den Freien Wähler plus FDP, für mich die wahrscheinlichste Option. Zur Not kann er auch noch die SPD irgendwie mit ins Boot holen. Eine starke AfD im Parlament wird also auf keinen Fall bewirken, dass die AfD die nächsten Jahre schon mitregieren wird in Bayern, dergestalt dass sie Landesminister stellt. Eine starke AfD kann aber bewirken, dass die neue Regierung eine andere Politik machen muss. Weshalb? Aus Angst, dass sonst noch mehr Wähler vor allem von der CSU zur AfD abwandern werden.

Man könnte also sagen, die AfD wird aus der Opposition heraus quasi indirekt mitregieren, indem sie Themen setzt und permanent Druck ausübt vor allem auf die CSU, aber auch auf FDP, Freie Wähler und SPD, so dass diese sich bei einzelnen Themen, zum Beispiel bei der inneren Sicherheit, der Massenzuwanderung, der Familien- und Bildungspolitik  bewegen müssen und AfD-Themen übernehmen werden, wahrscheinlich sogar Inhalte und nur die Überschriften ändern.

Kurz: Je stärker die AfD, desto mehr wird sich die Politik in den nächsten Jahren verändern, je schwächer die AfD, desto mehr werden CSU, FDP und SPD denken: „Dann können wir ja weitermachen wie bisher“, wenn die Wähler kaum dagegen opponieren.

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Titelbild: (c) Jürgen Fritz

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