Europawahl: So würden die Deutschen heute wählen

Von Jürgen Fritz, Sa. 23. Feb 2019

Noch drei Monate bis zur wichtigen Wahl des Europäischen Parlamentes. Vom 23. bis 26. Mai 2019 sind fast 400 Millionen EU-Bürger von jetzt nur noch 27 Staaten aufgerufen, das einzige direkt demokratische gewählte Organ der Europäischen Union zu wählen. Nach dem EU-Austritt Großbritanniens verringert sich die Zahl der Abgeordneten von 751 auf 705. Deutschland wird 96, also ein knappes Siebtel davon stellen. Und so würden die Deutschen heute wählen.

Die bisher bekannten Spitzenkandidaten

Vom 23. bis 26. Mai 2019 wird in Europa zum neunten Mal das EU-Parlament gewählt. Die Bundesregierung hat als Wahltermin für die Europawahl in Deutschland den Sonntag, 26. Mai 2019, bestimmt. Anders als bei der Bundestagswahl wird jeder Wähler nur eine Stimme haben. Mit dieser Stimme kann er den Listenvorschlag einer Partei oder einer politischen Vereinigung ankreuzen, keine Direktkandidaten.

Wie schon 2014, als die Parteien im Europäischen Parlament erstmals Spitzenkandidaten aufstellten, werden sie das auch dieses Jahr wieder tun. Der Spitzenkandidat der stärksten Partei soll dann Präsident der Europäischen Kommission werden – das höchste Amt der EU, vergleichbar mit dem Bundeskanzler auf nationaler Ebene. Präsident der Europäischen Kommission ist derzeit Jean-Claude Juncker. Dies sind die bisher bekannten Spitzenkandidaten:

  • Manfred Weber (EVP, Christdemokraten, Konservative)
  • Frans Timmermans (SPE, Sozialisten, Sozialdemokraten)
  • Jan Zahradil (AKRE, Konservative, Reformer, EU-Skeptiker)
  • Ska Keller und Bas Eickhout (EGP, Grüne)

Die Christdemokraten (EVP) stellen mit Manfred Weber einen Deutschen auf, der die besten Chancen haben dürfte, neuer Präsident der Europäischen Kommission zu werden. Weber ist CSU-Mitglied. Für die Sozialisten/Sozialdemokraten (SPE) kandidiert der Niederländer Frans Timmermans, der als extrem Soros-nah gilt. Die Konservativen, EU-Skeptiker (AKRE) stellen mit Jan Zahradil einen Tschechen auf. Die Grünen (EGP) schicken das Duo Ska Keller (Deutschland) und Bas Eickhout (Niederlande) ins Rennen.

 

(Manfred Weber, Frans Timmermans, Jan Zahradil, Ska Keller und Bas Eickhout, YouTube-Screenshots)

So würden die Deutschen heute wählen

In Deutschland werden sich insgesamt 13 Parteien zur Wahl stellen. Anders als bei der Bundestagswahl wird keine Sperrklausel (Fünfprozenthürde) greifen. Wirklich relevant werden aber nur sechs Fraktionen bzw. sieben Parteien sein. Diese erzielten bei der letzten Europawahl im Jahr 2014 folgende Ergebnisse:

  1. CDU/CSU: 35,3 %
  2. SPD: 27,3 %
  3. GRÜNE: 10,7 %
  4. LINKE: 7,4 %
  5. AfD: 7,1 %
  6. FDP: 3,4 %
  7. Sonstige: 8,9 % (jede einzelne bei max. 1,5 %)

Inzwischen liegen zwei aktuelle Umfragen aus Mitte/Ende Februar vor, eine von Infratest dimap für die ARD (1.503 telefonisch Befragte im Zeitraum 11. bis 13.02.) und eine von Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF (1.226 telefonisch Befragte im Zeitraum 19. bis 21.02.). Wenn wir den Mittelwert von beiden Umfragen zu Grunde legen, kommen wir aktuell auf folgende Ergebnisse. So in etwa würden die Deutschen im Moment wählen:

  1. CDU/CSU: (33 % + 33 %) : 2 = 33 %
  2. GRÜNE: (19 % + 19 %) : 2 = 19 %
  3. SPD: (18 % + 18 %) : 2 = 18 %
  4. AfD: (10 % + 10 %) : 2 = 10 %
  5. LINKE: (6 % + 8 %) : 2 = 7 %
  6. FDP: (7 % + 6 %) : 2 = 6,5 %
  7. Sonstige: (7 % + 6 %) : 2 = 6,5 %

2019-02-23

Gewinne und Verluste

Gegenüber der EU-Wahl 2014 würden wir bei diesem Ergebnis folgende Veränderungen sehen:

  1. GRÜNE: + 8,3 %
  2. FDP: + 3,1 %
  3. AfD: + 2,9 %
  4. LINKE: – 0,4 %
  5. CDU/CSU: – 2,3 %
  6. Sonstige: – 2,4 %
  7. SPD: – 9,3 %

Ganz große Verluste drohen offensichtlich der SPD, die momentan fast 10 Punkte verlieren würde. Auch die Union müsste mit Verlusten rechnen, während die AfD und die FDP sicherlich Gewinne erzielen werden, vor allem aber die Grünen, die deutlich dazu gewinnen dürften.

AfD im klaren Abwärtstrend

Vergleichen wir nun die Februar-Ergebnisse von Infratest dimap und Forschungsgruppe Wahlen mit den Oktoberzahlen von INSA, dann können wir in den letzten vier Monaten folgende Trends erkennen:

CDU/CSU sind ca. sechs Punkte geklettert von 27 auf 33 Prozent. Auch die SPD ist, wenngleich erst die letzten Wochen, leicht im Aufwind, stieg von 16 auf 18 Prozent. Die Grünen können ihr Hoch von 20 Prozent nicht ganz halten, fallen minimal um einen Punkt auf 19. Die AfD befindet sich im klarsten Abwärtstrend von allen, fiel in den letzten vier Monaten von 16 auf 10 Prozent. (Im Bundestagswahltrend steht sie etwas höher. Dort fiel sie seit Oktober von gut 17 auf ca. 12,9 Prozent.) Auch Die Linke und die FPD befinden sich Abwärtstrend, aber nur leicht. Jene fallen von 10 auf 8 Prozent, diese von 8 auf 6,5. Hier das Ganze grafisch dargestellt (siehe dawum.de):

Europawahl-2019-02-22

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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