Wenn s’Annegret mal einen Witz macht und die Neuen Linken rot sehen

Von Axel Stöcker und Jürgen Fritz, Di. 05. Mär 2019

Über Trump können Sie so viele Witze reißen, wie Sie wollen. Egal wie schlecht diese sind, da wird Ihnen nie etwas passieren. Witze über Erdogan kein Problem. Söder, Orban, Putin alles prima. Männer als solche gehen überhaupt immer. Doch es gibt einige Gruppen, über die darf man niemals Scherze machen: Behinderte, Muslime, Frauen und natürlich das dritte Geschlecht. Nun hat AKK sich so schön an den neulinken Zeitgeist rangerobbt, dachte eigentlich, da wäre sie auch an Fasching auf der sicheren Seite, doch dann das. Da hat sie doch tatsächlich die Trennlinie zwischen Männern und Inter- bzw. Transsexuellen nicht deutlich genug gezogen. Wie konnte das nur passieren?

AKK der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit überführt

Kennen Sie den? Wie lauten die Regeln beim Beamtenmikado? Wer sich zuerst bewegt, hat verloren! Ta-daaa. Wolle mer se reilasse? – Derlei Späße, die auf gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit beruhen, durften in den dunklen Zeiten der Republik noch gemacht werden, jedenfalls in der fünften Jahreszeit. Damals, als man noch Negerküsse aß und seiner Verachtung für das weibliche Geschlecht dadurch Ausdruck verlieh, dass man Damen die Tür aufhielt.

Aber das ist glücklicherweise vorbei, wie auch AKK, der neue Stern am CDU-Himmel, zu spüren bekam. Da hat sie sich endlich mal zu einem halbwegs originellen Satz durchgerungen – wenn auch nur anlässlich des Karnevals – und schon hagelt es Kritik von allen Seiten. Entschuldigungen werden bereits eingefordert. Und dass erste Klagen wegen Volksverhetzung in Vorbereitung sind, darf als gesichert gelten. Auch für die Vertreterinnen des ewig unterdrückten Geschlechts gibt es keinen Rabatt mehr auf politisch inkorrekte Späße. Schließlich leben wir in einem Rechtsstaat!

AKK’s Faschingsscherz

Nun macht „s’Annegret“, wie sie in ihrer saarländischen Heimat liebevoll genannt wird, ihre besten Witze bekanntlich unfreiwillig beziehungsweise bei freudschen Offenbarungen. Gerne erinnern wir uns an ihren schönen Satz „Wir als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten…“. Doch diesmal kann sie sich mit einem Versprecher nicht herausreden. So sagte sie doch tatsächlich:

„Guckt euch doch mal die Männer von heute an! Wer war denn von euch vor kurzem mal in Berlin, da seht ihr doch die Latte-Machiatto-Fraktion, die die Toiletten für das dritte Geschlecht einrichten. Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen. Dafür – dazwischen – ist diese Toilette.“

Der aufrechte Herr Lehmann

Was soll man da sagen? Dem grünen Bundestagsabgeordneten Sven Lehmann, der 2010 bis 2018 Landesvorsitzender der Grünen NRW war und nun im Deutschen Bundestag der Sprecher der Grünen für Sozial- für Queerpolitik ist, fiel dazu am Samstag spontan folgendes ein:

„Hallo Frau Kramp-Karrenbauer, haben Sie es wirklich nötig, für einen billigen Kalauer sich auf Kosten von inter- und transsexuellen Menschen lustig zu machen? Wenn ja, dann wäre das wahnsinnig peinlich.“

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Da möchte man doch glatt erwidern: Hallo Herr Lehmann, wenn sie billige Kalauer nicht mögen und Späße über irgendwelche Gruppen nicht aushalten, sollten Sie vielleicht nicht auf die Fastnacht gehen. Wenn wir das alles streichen müssen, bleibt nämlich nicht mehr viel übrig. Das wäre in etwa so, wie wenn Sie jemandem vegane Schlachtplatte anbieten, verstehen Sie? Dann können wir die Büttenabende auch gleich in der Zigarettenpause des nächsten grünen Parteitages abhalten, bei dem es vermutlich um politisch korrekten Humor gehen wird.

Und der gute Herr Lehmann konnte sich gar nicht mehr beruhigen. Am nächsten Tag (Sonntag) schrieb er Kramp-Karrenbauer sogar einen Brief, ihre Äußerungen seien „diskriminierend und verächtlich machend“ und forderte sogar eine öffentliche Entschuldigung von AKK.

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Lehmanns Brief an AKK

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Linkspartei (SED) und SPD springen den grünen Sittenwächtern sofort zur Seite

Aber der ehrenwerte Herr Lehmann von den Grünen war nicht der Einzige, der zum Angriff auf AKK blies. Er bekam für sein Posting, in welchem er seinen Brief einstellte, nicht nur tausende Likes, auch andere Politiker bliesen sofort in das gleiche Horn, so der Kultursenator der Linkspartei (SED) Klaus Lederer:

„Ja, es ist wirklich ein Trauerspiel. Die Vorsitzende der größten Bundestagspartei findet es lustig, auf Stammtischniveau am Karneval Menschen zu denunzieren, die nicht der geltenden Machonorm entsprechen. Ein Jammer.“

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Für den Fraktionsvorsitzenden der Linksapartei (SED) Dietmar Bartsch ist der AKK’s Witz gleichsam der endgültige Beweis, dass dies Frau auf keinen Fall Kanzlerin werden darf.

Bartsch

Und der Regierende Bürgermeister von Berlin Michael Müller (SPD) legte am Sonntag sogleich nach:

„Ein Karnevalsgag kann gut oder schlecht sein, komisch oder eher mäßig – aber auch hinter Humor steht immer eine Haltung. Es ist ebenso irritierend wie bedauerlich, dass AKK offenbar in Diskriminierungsfragen eine dem Amt und der Funktion angemessene Haltung fehlt.“

Michael Müller

Und der grüne Herr Lehmann legt heute auch nochmal nach. AKK habe „Minderheiten verspottet“ und dass die BILD unsere Demokratie in Gefahr sieht, wenn niemand mehr frei sprechen und lachen darf, worüber er möchte, bezeichnet er als „eine groteske Sicht“.

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Natürlich darf auch unsere Hyperintellektuelle Sawsan Chebli (SPD) nicht fehlen, die heute feststellt, dass eines auf keinen Fall passieren dürfe: dass „Minderheiten aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe, sexueller Orientierung einer Mehrheit schutzlos ausgeliefert“ sind.

Chebli

Helau und Alaaf!

Worum es bei dem Ganzen eigentlich geht, dürfte klar sein. Die Neue Linken – Grüne, SPD-ler und SED-ler – demonstrieren, wie sehr sie auf ihre absolute Diskurshoheit pochen und das in sämtlichen Lebensbereichen, auch im Bereich Humor. Worüber gelacht werden darf und worüber nicht, worüber Scherze statthaft sind und was hier tabu ist, bestimmen die Neuen Linke und sonst niemand! Die definieren die Gruppen, die aufs Korn genommen werden dürfen und diejenigen, welche sankrosankt sind. Diese Lektion werden sie nun auch „dem Annegret“ beibringen, die ja wie Merkel so schrecklich gerne mit den Grünen regieren würde. Wer dort dann in Wahrheit Koch und wer Kellner sein wird, wird sich dann zeigen.

Aber davon abgesehen und ganz im Ernst: Sind wir eigentlich die einzigen, die AKKs mäßigen Schenkelklopfer anders verstanden haben? Wir verstehen ihn als Spitze gegen „die Männer“, die hier als Sitzpinkler und Unentschlossene verspottet werden. Das scheint auch aus dem Kontext der Rede klar hervorzugehen, denn das Thema „Männer“ zieht sich durch die gesamte AKK-Rede. Auch direkt nach dem „skandalösen Zitat“ heißt es:

„Und Männer überhaupt! Jeden Tag davon träumen, die Weltherrschaft zu übernehmen, aber sich bei jedem Schnupfen mit Wick Medi Night zum Sterben ins Bett legen. Das sind die Männer, die wir heute haben.“

Man wird uns entgegenhalten, dass die skandalisierungsfähigste Interpretation immer auch die richtige sein muss. Aber wir bleiben bei unserer Meinung: Wer hier verspottet wird, das sind heterosexuelle Männer, die gelegentlich auch im Sitzen …

Moment! Wir müssen Schluss machen und unseren Anwalt anrufen. Wir müssen unbedingt wissen, was bei einer Klage wegen Volksverhetzung für uns rausspringen könnte. Helau, Alaaf und glückselige Fasnet!

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Zum Interviewer: Axel Stöcker, Jg. 1967, hat Mathematik und Chemie studiert und ist Gymnasiallehrer. Auf seinem Blog, die-grossen-fragen.com, arbeitet er sich an den großen Fragen zwischen Naturwissenschaft und Philosophie ab. Doch auch politische Verwerfungen stacheln ihn gelegentlich zu Kommentaren an.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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