Christchurch am Tag danach: das übliche Schwarzer-Peter-Spiel

Von Jürgen Fritz, Sa. 16. Mrz 2019

Zig Tote, zig Verletzte. Fast hundert Menschen wurden von einem einzigen Mann mit einer automatischen Schusswaffe förmlich niedergemäht. 49 sind bereits tot, 48 mussten zum Teil schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert werden. Politiker und Journalisten der Massenmedien geben nun ihre üblichen Phrasen von sich. Und alle sind bemüht, den schwarzen Peter ihrem jeweils größten politischen Feind rüberzuschieben. Wird irgendetwas aus diesem schrecklichen Verbrechen gelernt? Vermutlich nicht. Denn dazu fehlt es auf allen Seiten an kritischer Selbstreflexion. Für die wenigen, die dazu fähig sind, ein paar Zeilen.

Politisch rechts und links

Die einen behaupten nun, der Attentäter von Christchurch wäre ein „Rechtsextremist“ und sonst gar nichts. Die anderen bestehen darauf, er wäre ein „linker Ökofaschist“, mit rechts hätte das gar nichts zu tun . Das Böse wird je nach eigener Position immer der Gegenseite zugeschoben. Beide Urteile sind wohl nicht völlig falsch, aber auch nicht richtig und beide Seiten sind kaum fähig, die eigene Position kritisch zu überdenken.

Zunächst sind die Begriffe „politisch links“ und „politisch rechts“ ohnehin extrem grob und damit meist viel zu ungenau, eigentlich kaum noch brauchbar. Sie taugen wenig, um heute die politische Position von jemand halbwegs genau zu verorten und zu verstehen. Zum anderen enthält das Weltbild von Branton Tarrant sowohl rechte als auch linke und grüne, ökologische Elemente.

Das zentrale Kriterium für die Abgrenzung links-rechts ist das der Gleichheit oder Ungleichheit der Menschen. Rechte meinen, dass Menschen von Natur aus verschieden seien und rechtfertigen damit eine Hierarchie der Gesellschaft, früher König, Klerus, Adel, Bürger, Bauern und Unterschicht (Knechte etc). Ein Rechter könnte zum Beispiel, wie Aristoteles und viele andere auch, Sklaverei gutheißen, indem er sagt, die Menschen seien nun mal von Natur so unterschiedlich, dass manche quasi zum Sklaven geboren sind. Zu anderem wären sie gar nicht fähig und alles andere würde sie überfordern.

Was nicht heißen muss, dass man sie schlecht behandelt. Aristoteles behandelte seine Sklaven sicherlich sehr gut und gerecht und in der Antike haben nahezu alle Völker und Kulturen Sklaven gehalten. Aber ein Sklave war eben, egal wie gut er behandelt wurde, letztlich nur Eigentum seines Herrn, ein Ding, eine Ware, die auch entsprechend öffentlich gehandelt werden konnte. Die Sklaverei wurde abgeschafft von Linken, von linken Weißen, um genau zu sein, meist Christen, die am Gleichheitsideal orientiert waren. Weshalb schafften sie die Sklaverei als Institution weltweit ab?

Der Linke und sein Gleichheitsfetisch

Ein Linker will alle Unterschiede abbauen. Sklaverei könnte er niemals befürworten, aber auch keine sonstigen starren Hierarchien in der Gesellschaft. Er hat immer ein Herz für die Schwachen und Machtlosen, was ihn zunächst mal sympathisch macht. Alle sollen mindestens gleichberechtigt sein. Vielen Linken reicht aber auch das längst nicht mehr. Neue Linke wollen die Freiheit massiv einschränken, um die natürlichen Unterschiede, welche sie als „strukturelle Gewalt“ und „Unterdrückung“ ansehen, abzubauen. Die Reihenfolge bei „Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“ hat sich bei ihnen quasi verdreht in „Gleichheit – Brüderlichkeit – und auch ein bisschen Freiheit“.

Aus Gleichberechtigung ist bei den Neuen Linken Gleichstellung geworden, so zum Beispiel Frauenquoten. Frauen und die Menschen der Dritten Welt sollen nicht nur gleichberechtigt sein, sondern immer bevorzugt, immer privilegiert werden, um sie quasi von unten nach oben zu holen, also Ungleichheit abzubauen. Neue Linke wollen inzwischen nicht mehr Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit, was sie dann gerne als „soziale Gerechtigkeit“ zu verkaufen suchen. Oder wie wollen gar eine Umdrehung der Verhältnisse – „die Letzten werden die Ersten sein“ (vgl. Lukas 6, 20-26) -, wer früher unten war, soll fortan oben sein. Man müsse quasi dem Einzelnen gegenüber oft ungerecht sein, um auf einer höheren Ebene „soziale Gerechtigkeit“ herzustellen, so die neulinke Denke.

Im Extremfall wollen sie sogar einfach nur das, was manche sich aufgebaut haben, zerstören, siehe die Anarchisten und die Antifa, um dann eben so Ungleichheit abzubauen. Oder, noch extremer, die Gruppen, die früher angeblich alle anderen unterdrückt haben, insbesondere weiße Männer, das neue große Feindbild der Neuen Linken, sollen jetzt im Gegenzug selbst unterdrückt werden, um so das früher zugefügte Unrecht wieder auszugleichen durch ein neues Unrecht, indem quasi die Waage durch das Auflegen von Ungerechtigkeitssteinen auf der anderen Seite auf diese Weise wieder ins Gleichgewicht gebracht wird, obschon das heute ja nicht die gleichen Männer sind, die früher Unrecht begingen, aber quasi ihre Nachfahren, denen die Erbsünde der Väter und Großväter anhaftet, einfach weil sie auch weiß und weil sie auch Männer sind. Neue Linke denken tatsächlich so. Sie teilen die Menschen in solche Gruppen ein und ordnen nicht dem einzelnen Menschen, sondern den Gruppen Schuld und Verbrechen zu. Sie sind also, wenn man so will, astreine Rassisten.

Der Linke leidet mithin unter der natürlichen und gesellschaftlichen Ungleichheit, negiert die natürliche sogar und will möglichst viele Unterschiede abtragen. Der Rechte, der hier quasi realistischer ist, anerkannt natürliche und oft auch gesellschaftliche Ungleichheiten, zumal wenn er selbst davon profitiert, will diese manchmal aber auch noch verstärken und die, die unten sind, unten halten, was zu Ungerechtigkeiten und zu großen Spannungen in der Gesellschaft führen kann, im Extremfall zu Revolutionen oder Aufständen, zumal wenn sich oben in der Hierarchie Leute einnisten, bei denen in keiner Weise einsehbar ist, was die dort zu suchen haben.

Branton Tarrants Weltbild ist nicht eindeutig zuzuordnen, es enthält Elemente aus verschiedenen politischen Strömungen

Nun zur Motivation von Branton Tarrant, dem Attentäter von Chirstchurch. Dieser sieht eine ganz große Bedrohung: den Untergang der weißen Europäer, nicht nur in Europa, sondern weltweit, auch in den USA, Australien, Neuseeland. Und zwar bedingt vor allem durch die faktisch tatsächlich gegebenen extrem unterschiedlichen Geburtenraten seit vielen Jahrzehnten, was übrigens durchaus keine Spinnerei ist. Insofern ist er sicherlich kein Linker, der an die Gleichheit (Gleichwertigkeit) aller Menschen und Kulturen glaubt. Er will quasi die eigene Kultur und Rasse schützen. Das ist eindeutig politisch rechts.

Dass etwas von Hierarchien innerhalb der Gesellschaft bei ihm vorkommt – das zweite Kriterium von politisch rechts – kann ich bisher nicht erkennen, auch nicht dass die eine Rasse oder Ethnie oder Nation über andere herrschen sollte. So ganz ist er also kein klassischer Rechter. Zugleich schwärmt er von China, einer kommunistischen Diktatur, ist also offensichtlich sehr empfänglich für linksextreme Ideen. Und Branton Tarrant hat starke Anklänge an die grüne Öko-Bewegung, will das Bestehende und die Natur bewahren.

Sein Weltbild enthält also Elemente aus mindestens drei Richtungen. Und sämtliche unkritischen Geister werden sich jetzt immer genau das bei ihm rauspicken, womit sie ihrem größten politischen Feind den schwarzen Peter hinschieben können. Das eigentliche Problem, ob und wie nämlich eine liberale, europäische Gesellschaft mit dem orientalischen, ganz und gar nicht liberalen Islam kompatibel sein kann und was zu tun ist, wenn nicht, wird kaum diskutiert werden.

Die Frage, die zu stellen wäre, ist die nach dem politischen Weitblick und der politischen Verantwortung

„Wir können nicht mehr Ausländer verdauen, das gibt Mord und Totschlag“, hatte Helmut Schmidt 1981 auf einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gesagt. Damals gab es in Deutschland knapp 4,6 Millionen Ausländer (knapp 7 Prozent). 2017 waren es bereits über 10,6 Millionen (über 12,8 Prozent) und der Anteil steigt immer weiter. Rechnet man die Personen mit Migrationshintergrund hinzu, die über einen deutschen Pass verfügen, dann waren es 2017 bereits 19,3 Millionen (über 23,3 Prozent) Migrationshintergründler, also schon fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung in Deutschland, und auch dieser Anteil steigt, bedingt durch weitere Zuwanderung und noch mehr bedingt durch viel höhere Geburtenraten der Immigranten, immer weiter an.

Wer nun meint, man könnte zig oder gar hunderte Millionen Menschen aus völlig fremden Kulturkreisen, die von der europäischen Moderne nichts kennen außer Smartphones, die mit Liberalismus, Rede- und Religionsfreiheit, inklusive der Freiheit von Religion, mit wissenschaftlichem Denken, Aufklärung, Emanzipation, mit Gleichberechtigung der Geschlechter, mit Trennung von Staat und Religion überhaupt nichts anfangen können, einfach mal so nach Europa, Nordamerika, Australien und Neuseeland umverpflanzen und das würde keine Abwehrkräfte und keine riesigen Reibungen zwischen den Alteingesessenen und den Eingewanderten heraufbeschwören, bei dem stellt sich die Frage, ob er in der Führung der Geschäfte der Gesellschaft nicht völlig deplatziert ist.

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Titelbild: Screenshot aus dem selbstgedrehten Video von Branton Tarrant

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