Warum Christchurch (Neuseeland) eine doppelte Katastrophe darstellt

Von Jürgen Fritz, Fr. 15. Mrz 2019, Update um 11:44 Uhr

49 Tote und 48 zum Teil schwer Verletzte, so lauten die aktuellen Nachrichten aus dem neuseeländischen Christchurch, wo heute, am Freitag, wahrscheinlich von einem ethno-nationalistischen Öko-Faschisten (Braun-Grüner) als Haupttäter Anschläge auf zwei Moscheen verübt wurden. Dieses brutale Massaker, bei dem mit automatischen Waffen auf unbewaffnete Menschen, auch Kinder geschossen wurden, die teilweise schon wehrlos am Boden lagen, stellt gleich eine doppelte Katastrophe dar: menschlich-individuell, aber auch gesellschaftlich. Denn diese schreckliche Tat wird nun von bestimmten Kreisen gnadenlos für ihre unlauteren Ziele instrumentalisiert werden, um unsere Gesellschaft noch mehr zu spalten.

I. Die Fakten

Zunächst also zu den Fakten. Was hat sich heue in Christchurch, einer Stadt mit ca. 375.000 Einwohnern an der Ostküste der Südinsel Neuseelands, die für ihr englisches Flair bekannt ist, zugetragen? Nach Augenzeugenberichten soll das Drama gegen 13.45 Uhr Ortszeit (1.45 Uhr MEZ) seinen Ausgang genommen haben. Ein bewaffneter Mann sei in eine Moschee in der Innenstadt eingedrungen. Dort hätten sich zur Mittagsstunde etwa 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt. Sodann habe der Mann mit einer automatischen Schnellfeuerwaffe um sich geschossen. Dabei hat er seine Tat mit einer Bodycam gefilmt und das 17-minütige Video live auf Facebook gestreamt. Facebook und Twitter haben die Videos inzwischen weitgehend gesperrt.

Augenzeugen zufolge soll der Mann einen Helm und eine kugelsichere Weste getragen haben. Allein in der Al Noor Moschee seien wahrscheinlich um die 40 Menschen ums Leben gekommen. Etwas später fielen dann auch noch in einer anderen Moschee, der Linwood Avenue Moschee Schüsse. Dort sollen sieben Menschen gestorben sein, drei weitere seien vor dem Gebäude tödlich getroffen worden. Laut einem Zeugen sollen mindestens 50 Schüsse sehr schnell hintereinander angefeuert worden sein, aber es könnten auch Hunderte gewesen sein.

Die Polizei habe inzwischen vier Personen festgenommen. Außerdem habe sie mehrere Sprengkörper entdeckt, die an den von der Polizei gestoppten Fahrzeugen der Verdächtigen befestigt gewesen waren. Diese seien von der Armee entschärft worden. Der Haupttäter sei von der Polizei inzwischen als Branton Tarrant identifiziert worden sein, ein 28-jähriger extremistischer Australier, der von Politik und Massenmedien als „Rechtsextremist“ ausgegeben wird. Dieser habe vor der Tat ein „rechtsextremes Manifest“ online publiziert. Dies könnte aber ein gezielte Fehlrubrizierung sein, wie Dushan Wegner aufzeigt. Tatsächlich handelt es sich wohl eher um einen »ethno-nationalistischen Öko-Faschisten«, der eine »natürliche Ordnung« bewahren möchte, also quasi eine Mischung aus einem Braunen und einem Grünen, ein Braun-Grüner.

Dushan Wegner, der Tarrants Manifest studiert hat, kommt zu dem Urteil: „Der Autor des Phrasen-Manifests will die westliche Gesellschaft spalten. Er sagt quasi: »Nehmt diesen Bullshit und schlagt damit aufeinander ein, damit vollendet ihr meine Tat!« – Es ist zu befürchten, dass seine Mathematik aufgeht.“

Nach Angaben der neuseeländischen Premierministerin, Jacinda Ardern (siehe Titelbild), soll Brenton Tarrant mindestens zwei Komplizen gehabt haben. Die vierte festegenommene Person stehe wahrscheinlich nicht mit den Anschlägen in Verbindung. Ardern, eine Sozialdemokratin, hat den Anschlag in einer TV-Ansprache aufs Schärfste verurteilt. In ihrer Stellungnahme sprach sie von einem der „dunkelsten Tage“ in der Geschichte ihres Landes. Es handle sich um eine Gewalttat, wie es sie noch nie gegeben habe. Für solch ein Verbrechen gebe es „keinen Platz in Neuseeland“. Von den Festgenommenen habe aber niemand auf einer Beobachtungsliste gestanden, fügte die Premierministerin hinzu.

Ich selbst konnte auf einem Video sehen, wie der Haupttäter immer wieder gezielt auf Personen schoss, die wehrlos am Boden lagen. Dann lud er nach und schoss weiter auf die Menschen ein. Ich vermute, dass der Anschlag tatsächlich gezielt auf Muslime oder Ausländer gerichtet war.

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens, von den ca. 4,8 Millionen Einwohnern kaum mehr als 50.000. Bei der letzten Volkszählung waren es 1,2 Prozent, viele davon Einwanderer aus Pakistan oder Bangladesch. Relativ viele, nämlich 42 Prozent gaben an, keiner Religion anzugehören. Größte Religionsgruppe in Neuseeland ist das Christentum mit ca. 49 Prozent.

II. Warum dies einer doppelten Katastrophe gleichkommt

Dieser furchtbare und unglaublich brutale Anschlag – der Täter schoss gezielt auf wehrlos am Boden liegende Menschen, auch Kinder, er wollte töten! – schadet natürlich zuallererst den Opfern, den Menschen, die von diesem schrecklichen Schicksal heimgesucht wurden, einfach nur, wie immer bei solchen Taten, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren und einem solch hemmungslosen Irren in die Hände fielen.

Der Anschlag schadet aber auch der fundierten, gerechtfertigten Islamkritik und den berechtigten Forderungen nach nationaler und kultureller Identität. Von bestimmten Kreisen wird dieses schreckliche Verbrechen jetzt instrumentalisiert werden, um für ihre One-World-Vision Propaganda zu treiben und gegen Grenzsicherungen, gegen die AfD (die ersten Irren schreiben auf Twitter bereits direkt unter diese Ereignisse „#noAfD“) und gegen jede nationale und kulturelle Identität zu hetzen. Von solch wahnsinnigen Tätern, die nichts als Schaden anrichten, sowohl auf der persönlichen, auf der menschlichen Ebene, als auch auf der gesellschaftlichen, kann man sich gar nicht weit genug distanzieren.

Und in diesem Zusammenhang möchte ich nochmals an den Wiener Appell erinnern. Die Mitte der Gesellschaft – und damit meine ich nicht die (breite) Masse, denn die steht längst nicht mehr in der Mitte, sondern inhaltlich, sachlich die Mitte – darf weder den einen Spinnern, Irren, Wahnsinnigen und Extremisten das Feld überlassen noch den anderen und auch nicht den dritten solchen. Kritik an jeglichem Totalitarismus, sei es a) ein islamischer, b) ein kommunistisch-internationalsozialistischer oder c) ein nationalsozialistischer, rechtsradikaler, ist wichtig und notwendig. Das aber auf inhaltliche, auf sachliche, auf argumentativer Art durch Aufklärung und Disput, nicht durch Gewalt, Verbrechen, Unterdrückung und Terror.

Bitte distanzieren Sie sich alle so weit überhaupt nur möglich von solchen Anschlägen, von solcher Gewalt und Unmenschlichkeit. Und bitte bleiben Sie aber kritisch und ehrlich, mutig und couragiert in der Beurteilung der islamischen Weltanschauung. Das Eine ist etwas völlig anderes als das Andere. Das Eine ist nicht nur illegitim, es ist abscheulich. Das Andere aber ist legitim und notwendig.

In dieser Stunde sollte aber unsere allererste Sorge natürlich den Opfern dieses schrecklichen Anschlags gelten. Mögen keine weiteren Personen ihren Verletzungen erliegen und mögen sie alle wieder gesund werden. Ich wünsche den Angehörigen der Toten viel Kraft und dass sie die bestmögliche Unterstützung erhalten. Gewalt gegen wehrlose Menschen, die einem nichts getan haben, kann niemals der richtige Weg sein.

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Titelbild: Jacinda Ardern, die neuseeländische Premierministerin und Parteivorsitzende der  New Zealand Labour Party, einer demokratisch-sozialistischen Partei, wohl vergleichbar der SPD

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