Ist es gut oder schlecht, Haltung zu zeigen?

Von Jürgen Fritz, Mo. 15. Jul 2019

Haltung zeigen ist a priori sicherlich nichts Schlechtes, jedoch kommt es offensichtlich auf die jeweilige konkrete Ausformung derselben an. Viele Menschen haben die Haltung: „Zuerst sich möglichst in Übereinstimmung mit der jeweiligen Mehrheit festlegen, dann Fakten und Argumente zusammentragen, welche die eigene Haltung stützen, und alles ausblenden (ignorieren), was die eigene Position widerlegt oder schwächt, notfalls jeden, der so etwas vorträgt, mundtot machen, um nicht hören zu müssen, was der andere sagt, und auch kein anderer es hören oder lesen kann.“ Wie könnte dagegen eine redliche Haltung aussehen, die jenseits des Opportunismus und der Konformität angesiedelt ist?

Gar keine Haltung haben erscheint wenig Achtung einflößend, aber viele Haltungen sind noch schlimmer als gar keine zu haben

Überlegen wir als erstes, was es überhaupt bedeutet, wenn wir sagen, jemand soll oder möchte Haltung zeigen. Haltung – so jetzt nicht die Körperhaltung gemeint ist – bedeutet: bestimmte Wert- und Moralvorstellungen zu haben, eine bestimmte Gesinnung in sich zu tragen, also eine grundsätzliche Denkweise, die seinen Handlungen, Zielsetzungen, Aussagen und Urteilen zu Grunde liegt.

Ein Mensch, der keinerlei Gesinnung, keinerlei Haltung, keinerlei Grundüberzeugungen, keinerlei feste Wert- und Moralvorstellungen hat, wäre ein völlig profilloser Mensch, womöglich ein gnadenloser Konformist, Opportunist, letztlich wohl Egoist, der nur sich selbst und seine unmittelbaren Vorteile kennt. Im ersten Schritt könnten wir also feststellen: Überhaupt irgendeine Haltung zu haben, ist grundsätzlich nicht Schlechtes, während ein Mensch ohne jede Haltung uns meist eher wenig Achtung abringt.

Doch im zweiten Schritt, wenn wir es genauer betrachten wollen, kommt es offensichtlich darauf an, um was für eine Haltung es sich handelt. Radikal muslimische Sprengstoffexperten, die nicht nur sich, sondern für ihre dogmenhafte, gegen jede Kritik immunisierte Weltanschauung zig oder hunderte andere in die Lüfte reißen, haben offensichtlich auch eine Haltung, eine sehr klare sogar, für die sie bereit sind, in den Tod zu gehen. Nationalsozialisten hatten auch eine klare Haltung, insbesondere gegenüber Juden, Kommunisten oder Russen. Auch Neue Linke haben eine klare Haltung, insbesondere gegenüber der AfD. Wie könnte nun ein positives Beispiel einer Haltung aussehen? Zum Beispiel so.

Haltung zeigen? Ja bitte!

Erstens nie die Wirklichkeit (Realität) verleugnen, schönreden, verdrehen (Realismus), denn jede moralische Integrität setzt Ehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber voraus. Sprich immer wahrhaftig sein, a) sich selbst und b) anderen gegenüber, was jeglichen religiösen und ideologischen Fundamentalismus und Dogmatismus ausschließt.

Zweitens die eigene Freiheit und die der anderen soweit wie möglich achten (Liberalismus) und mithelfen, eine möglichst liberale, eine möglichst freiheitliche Gesellschaft zu errichten, die sich aber gegen Feinde der Freiheit schützt und die sich um eine gewisse innere Homogenität im Denken und Handeln, um gemeinsamen Grundhaltungen, gemeinsame Wertvorstellungen bemüht, welche aber nicht indoktriniert und dogmatisiert, sondern vorgelebt und anerzogen, dann aber auch kritisch und offen reflektiert werden.

Drittens zugleich eine möglichst hohe, im Idealfall die höchstmögliche Moralität (Charakterbildung) anstreben, was nur durch Erziehung und Bildung (gutes Vorbild, Einübung durch Gewöhnung, Reflexion und offene Diskussion) möglich ist. Denn wir alle sind ja keine Inseln, sondern jeder ist Teil einer Gesellschaft, ohne die er gar nicht bestehen könnte, ohne die er gar nicht überlebensfähig wäre, die aber nur funktionieren kann, wenn es auch gemeinsame Grundhaltungen und gemeinschaftliche Grundüberzeugungen gibt.

Eine liberale Grundhaltung wird aber nicht ihre liberalen und sonstigen Werte, die nicht kritisiert und nicht hinterfragt werden dürfen, mit Gewalt, Einschüchterung oder Indoktrination durchsetzen, sondern mit Fakten, also wahren Aussagen über die Wirklichkeit (Realitätsbezug) und Argumenten, was logisches Denken voraussetzt, mit Gedanken. Vor allem wird sie versuchen, durch persönliches Vorleben für sich zu werben und dabei Rückgrat zeigen. Denn wie sang einst Bettina Wegner?

„Gerade, klare Menschen wären ein schönes Ziel.
Leute ohne Rückgrat haben wir schon zu viel.“

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Titelbild: Pixabay, CC0 Public Domain

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