Warum niemand mit der AfD koalieren wird

Von Jürgen Fritz, So. 25. Aug 2019, Titelbild: INSA-Screenshot

Die AfD hat nicht nur kein großes Potential, sie hat vor allem 70 Prozent der Bevölkerung absolut und vollkommen gegen sich. Und das dürfte der oder zumindest ein wesentlicher Grund sein, warum keine Partei mit der AfD koalieren wird. Ihre Aufgabe, ihr Sinn, ihre Bedeutung besteht daher in etwas anderem.

70 Prozent sagen, sie würden NIEMALS die AfD wählen

Betrachten wir zunächst ihr Potential. In ihrer gesamten 6,5-jährigen Geschichte lag die AfD bundesweit kaum mehr als ein Quartal (3. Quartal 2018 bis Anfang 4. Quartal 2018) über 15 Prozent. Und selbst das nur leicht mit maximal knapp über 17 Prozent. Derzeit liegt sie bei ca. 13,5 Prozent. INSA, das oft als AfD-nah gescholten wird, taxiert sie aktuell auf 14,5 Prozent, alle anderen um bis zu 2 Punkte niedriger (Allensbach: 12,5 Prozent).

Aber selbst INSA kommt zu dem Ergebnis, dass 70 Prozent der Wähler sagen, sie würden NIEMALS die AfD wählen. Bei allen anderen Parteien sind es unter 30 Prozent, die sagen, sie würden niemals diese Partei wählen – mit Ausnahme der Linkspartei (SED), da sind es 32 Prozent. Bei den Grünen dagegen sind es zum Beispiel nur 26 Prozent, die sagen, sie würden nie die Grünen wählen. Ich denke, das zeigt eindrucksvoll die Unterschiede und die tiefgehenden Probleme.

Die AfD hat nicht nur die meisten absolut gegen sich, sondern auch das geringste Potential

Weiter: 41,5 Prozent sagen dagegen, sie wollen die Grünen wählen (24,5 Prozent) oder können es sich vorstellen (17 Prozent). Bei der AfD sind es dagegen nur 18,5 Prozent (14,5 Prozent: ich werde + 4 Prozent: ich könnte es mir vorstellen). Mehr Potential hat die AfD derzeit nicht. Bei allen anderen Instituten dürfte diese Zahl sogar noch etwas niedriger sein – um ein bis zwei Punkte. Und auch diese 18,5 Prozent wird die AfD nicht schaffen, so wie die Grünen die 41,5 Prozent nicht erreichen werden. Das wäre quasi das maximal Mögliche, wenn jeder, wirklich jeder, der sagt „könnte ich mir vorstellen“, auch tatsächlich die fragliche Partei wählen würde.

Hier die maximalen Potentiale der einzelnen Parteien:

  1. GRÜNE: 41,5 %
  2. CDU/CSU: 40,5 %
  3. SPD: 31 %
  4. FDP: 26 %
  5. LINKE: 24 %
  6. AfD: 18,5 %

2019-08-20

Deshalb wird keine Partei mit der AfD koalieren

Und das dürfte auch der oder mit ein Grund sein, warum niemand mit der AfD koalieren wird. Keine Partei. 70 Prozent der Bevölkerung beziehungsweise 82 Prozent der Nicht-AfD-Wähler würden das komplett ablehnen, weil sie die AfD hassen, verachten, verabscheuen, unmöglich finden oder was auch immer.

Daher kann keine Partei, auch nicht die CDU, die CSU oder die FDP, mit der AfD koalieren. Wer mit der AfD zusammen eine Regierung bilden würde, wäre bei all diesen Menschen (zig Millionen, 70 Prozent der Bevölkerung!) unten durch. Viele CDU-, CSU-oder FDP-Wähler, so müssen diese Parteien befürchten, würden dann denken: „Bei der CDU/CSU/FDP kann man nie wissen, ob die nicht dann mit der AfD koalieren wird, wenn es nicht anders geht. Die AfD will ich aber  auf keinen Fall! Dann wähle ich lieber nicht die CDU/CSU/FDP, sonst kriege ich am Ende noch die AfD.“ Das heißt, eine Zusammenarbeit mit der AfD würde für jede Partei Sympathie-, Ansehens- und Stimmverluste bedeuten und nach sich ziehen

Bei allen anderen Parteien sieht das völlig anders aus, sogar bei der Linkspartei (SED). Selbst da ist es nicht einmal ein Drittel, welche die LINKE völlig ablehnt, bei allen anderen ca. ein Viertel, bei der SPD sogar nur 22 Prozent. Vergleichen Sie das mal mit den 70 Prozent AfD-Ablehnern.

Die tiefere Ursache ist also wie fast immer im Volk zu suchen, welches natürlich maßgeblich von den M-Medien, den Hochschulen, Schulen, Kirchen etc. gelenkt wird respektive sehr stark beeinflusst und manipuliert, ohne es zu merken. Wie dies abläuft, darüber wurde hier auf JFB in einer ganze Artikel-Reihe dezidiert beschrieben, zum Beispiel hier: Wie die Massen manipuliert und gelenkt werden.

Die Bedeutung der AfD

Der Sinn einer möglichst starken AfD ist also in etwas anderem zu suchen. Die AfD bildet ein wichtiges Korrektiv zu den anderen sechs Parteien respektive fünf Fraktionen. Sie kann die anderen unter Druck setzen, dass diese etwas oder mehr tun, zum Beispiel im Bereich innere Sicherheit oder beim Thema Grenzsicherung, Familienpolitik, Europa- oder Energiepolitik usw. usf. Oder wie Sandra Kristin Meier es formuliert:

»Wie wirkt die AfD? Ihre Ideen, ihre Forderungen, ihre Programmatik materialisieren sich über die Öffnung bzw. Erweiterung der Diskursräume im Denken, Fühlen und Handeln der anderen. Die AfD setzt die Agenda, die anderen führen es aus. Das heißt, die AfD sitzt schon jetzt in ihrer wesentlichen gesellschaftlichen Funktion als Kontroll- und Aufpass-Zerberus mit am Regierungstisch (fundamental-oppositioneller Ansatz). 

Bereits 12,6 Prozent haben die starre Parteitektonik der Alt-BRD ins Tanzen gebracht. Spaltungstendenzen in der Union, eine neue Vorsitzende (Merkel musste nach über 19 Jahren als CDU-Vorsitzende zurücktreten! – JFB) und Streit bei den Linken. Die SPD in Auflösung begriffen. Selbst in Teilen der Lügenpresse zeigen sich sporadisch Wahrheitseinsprengsel.

Die bevorstehenden Wahlen im Osten lösen durch den medialen Begleitwirbel neue Dynamiken aus. Wenn die AfD stärkste Kraft würde, wäre dies ein gutes Signal. Die AfD wirkt als Brecheisen, als Hebel, als Korrektiv. Ergo: 15-20 Prozent bundesweit reichen aus, damit die AfD in ihre gesellschaftliche Funktion eintritt. Es braucht keine 50 Prozent.«

Die Bedingung der Möglichkeit von Demokratie

Daher kann es also trotz all der Schwächen, die die AfD an den Tag legt, und trotz der Fragwürdigkeit insbesondere des Flügels sinnvoll sein, die AfD so stark wie möglich zu machen. Unser Land braucht dieses Korrektiv. Ein anderes wirkmächtiges solches gibt es derzeit nicht. Und es kommt noch ein weiterer, noch grundlegenderer Aspekt hinzu, den Boris Blaha wie folgt umschrieibt:

Die AfD ist der Fuß in der Tür, um sie offen zu halten für den Diskurs, für die Diskussion als Grundvoraussetzung der liberalen Demokratie. Die AfD ist (derzeit sogar eine unabdingbare) Bedingung der Möglichkeit von Politik.

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