Uwe Tellkamp: Kultur und Werte – Kultur ist Mittlerin und Stifterin von Identität

Von Uwe Tellkamp, Fr. 30. Aug 2019, Titelbild: Tichys Einblick-YouTube-Screenshot

Ein Volk, das seine eigene Kultur nicht achtet, weil es Verblendeten folgt, die glauben, es brauche oder gebe keine Kultur, schon gar keine “eigene” – ein Volk, das solche Ideologen gewähren lässt, wird sich nicht erhalten, sagt Uwe Tellkamp und zeigt auf, inwiefern wir der Kultur bedürfen, schon allein um uns zu verständigen, aber auch um zu erfahren, wer wir selbst sind und wer wir nicht sind.

Kultur ist Mittlerin

Sobald wir beginnen, uns über die Welt zu verständigen, müssen wir uns der Sprache bedienen. Sprache besteht aus Zeichen für die Dinge und Vorgänge. Sagen wir “Schnee”, meinen wir womöglich nicht dasselbe wie ein Japaner oder ein Sozialarbeiter im Görlitzer Park. Wir musizieren, um Gefühle auszudrücken, wir sehen Bilder an, um uns ein Bild von der Welt zu machen. Wir verständigen uns mit Hilfe der Kultur. Sitten und Bräuche gehören dazu. Wir verständigen uns darüber, was das Leben sei und wie es zu führen, gar zu meistern wäre.

Kultur ist Stifterin von Identität

Wer wir sind oder nicht, erfahren wir über Kultur, vor allem über Geschichten, die in geronnener Form vom Leben sprechen. Geschichten aber werden Geschichte. Geschichte wird zur Herkunft. Herkunft aber bildet den Boden für Gegenwart und Zukunft. Wird Kultur nicht mehr für wichtig erachtet oder über die natürlich und immer vorhandenen verwandelnden Einflüsse hinaus gewaltsam verändert, mit Hilfe einer Ideologie beispielsweise, wird sich die Gesellschaft radikalisieren.

Identitätsfragen, die man durch die gewaltsame Kulturveränderung zurückdrängen wollte, werden verstärkt zurückkehren. Grenzen, die man aufzulösen gedachte, werden sich neu errichten. Die Gesellschaft wird gespalten, und wie meist in gespaltenen Gesellschaften wird der Unfrieden zunehmen.

Selbsterhaltung respektive Selbstzerstörung

Ein Volk, das seine eigene Kultur nicht achtet, weil es Verblendeten folgt, die glauben, es brauche oder gebe keine Kultur, schon gar keine “eigene” – ein Volk, das solche Ideologen gewähren lässt, wird sich nicht erhalten.

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Dieser Text erschien zuerst auf der Seite der Vereinigung der Freien Medien. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung dieser. Teaser und Zwischenüberschriften durch JFB.

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Zum Autor: Uwe Tellkamp wurde 1968 in Dresden geboren. Nach seinem Wehrdienst in der NVA verliert er wegen »politischer Unzuverlässigkeit« seinen Medizinstudienplatz, wird 1989 im Zuge der Wende inhaftiert und setzt danach sein Studium in Leipzig, New York und Dresden fort. Nach seinem akademischen Abschluss arbeitete er als Arzt in einer unfallchirurgischen Klinik in Dresden. Derzeit lebt er als Schriftsteller in Dresden. Für seinen Roman Der Turm erhielt er 2008 den Deutschen Buchpreis.

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