Hat das Höcke-Interview der AfD bundesweit geschadet?

Von Jürgen Fritz, So. 22. Sep 2019, Titelbild: ZDF-Screeenshot

Offenbar seien die Wähler der AfD gegen zweierlei immun: gegen immer wiederkehrende Ausfälle und Selbstbeschädigungen der Mandatsträger und gegen die Verwünschungen und Verfluchungen durch konkurrierende Parteien, meinte Alexander Kissler jüngst im Cicero. Das mag nicht ganz verkehrt sein. Sicherlich gibt es einen Teil von AfD-Anhängern, der im Grunde für gar nichts mehr erreichbar ist, der sich quasi nach außen hin geistig völlig abgekapselt hat. Es gibt allerdings Indizien, dass dies nicht für alle AfD-Wähler gilt.

AfD sinkt nach dem Höcke-Interview im ZDF bundesweit in allen drei Umfragen, die danach durchgeführt wurden

Schauen wir uns die drei jüngsten Umfrageergebnisse an, von denen zwei vollständig nach dem vom ZDF am Sonntag, den 15.09.2019 ausgestrahlten Höcke-Interview durchgeführt wurden (Infratest dimap für die ARD und Forsa für RTL/n-tv) und eines zumindest zum Teil danach (Emnid für die Bild am Sonntag), dann fällt eines überdeutlich auf: Die AfD sinkt um einen ganzen Punkt – und das bei allen drei Instituten.

Bei Emnid, Befragung vom 12.09. (Do.) bis 18.09. (Mi.), fällt die AfD von 15 auf 14 Prozent. Bei Infratest dimap, Befragung vom 17.09. (Di.) bis 18.09. (Mi.), fällt sie ebenfalls von 15 auf 14 Prozent. Und bei Forsa, Befragung vom 16.09. (Mo.) bis 20.09. (Fr.), fällt sie von 14 auf 13 Prozent. Drei Institute, drei Erhebungen, dreimal sinkt die AfD, dreimal um einen ganzen Prozentpunkt. Dabei entspricht ein Punkt fast 500.000 Wählern.

Wenn wir nun die Wahl-O-Matrix-Mittelwerte sowie die Dawum-Mittelwerte betrachten, so schlägt sich dies bereits auch hier nieder, obwohl hier die Erhebungen von acht Instituten mit eingerechnet sind zum überwiegenden Teil von solchen, die vor dem letzten Sonntagabend durchgeführt wurden. Insgesamt taxieren sieben von acht Institute die AfD aktuell zwischen 12 und 14 Prozent, nur INSA sah die AfD zuletzt bei 16 Prozent, wobei diese Befragung zum Großteil vor dem Höcke-Interview stattfand. Hier dürfte interessant werden, ob INSA die 16 Prozent morgen wird bestätigen können oder ob die AfD auch hier fallen wird.

Im Wahl-O-Matrix-Mittelwert fällt die AfD seit letztem Sonntag von 14,1 auf 13,7 Prozent

Hier für jede Partei die jeweilige Range bei den acht Instituten und jeweils der arithmetische Mittelwert (in Klammern die Veränderung zur Vorwoche):

  1. CDU/CSU: 26,5 – 29 % ==> 27,6 % (+0,3)
  2. GRÜNE: 21 – 24 % ==> 22,4 %
  3. SPD: 13,5 – 16 % ==> 14,8 % (– 0,1)
  4. AfD: 12 – 16 % ==> 13,7 % (– 0,4)
  5. LINKE: 7 – 8 % ==> 7,7 % (+0,3)
  6. FDP: 6 – 8 % ==> 7,2 % (+0,1)
  7. Sonstige: 5 – 8 % ==> 6,6 % (– 0,2)

2019-09-22

Auch im Dawum-Mittelwert fällt die AfD diese Woche

Dawum kommt zu fast identischen Ergebnissen (teilweise 0,1 Prozent Abweichung, da Dawum die Umfragen nicht einheitlich gewichtet):

2019-09-22

Überprüfung des Zusammenhangs

Ob hier tatsächlich ein Zusammenhang besteht zwischen dem im ZDF ausgestrahlten Höcke-Interview und den bundesweit fallenden AfD-Werten wäre übrigens unter Umständen überprüfbar, indem ARD, ZDF, RTL, Sat1, Pro7 etc. Herrn Höcke gerade vor der Thüringenwahl, wo er ja als Spitzenkandidat der AfD antritt, öfters zu Interviews einladen. Wenn Höcke und die AfD glauben, dass ihnen das nicht schadet, sondern sogar nutzt, wenn Höcke im TV zu sehen ist, dann wird er solche Einladungen ja ohne jede Frage liebend gerne annehmen.

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