Thüringen: Rot-Rot-Grün droht abgewählt zu werden

Von Jürgen Fritz, Do. 24. Okt 2019, Update: Fr. 25. Okt 2019, Titelbild: © JFB

Drei Tage vor der Thüringenwahl liegen vier aktuelle Wählerbefragungen von vier verschiedenen Instituten vor. Wahl-O-Matrix hat sie ausgewertet und zusammengefasst. Die CDU wird höchstwahrscheinlich in der siebten Thüringer Landtagswahl erstmals nicht auf Platz eins landen und Rot-Rot-Grün droht seine Mehrheit zu verlieren.

So in etwa würden die Thüringer im Moment wählen

Letzte Woche veröffentlichte die ARD eine aktuelle Umfrage von Infratest dimap, am Mittwoch dieser Woche dann der SPIEGEL eine von Civey und Donnerstag zuerst die Mediengruppe Thüringen eine von INSA, dann am späten Abend das ZDF eine neue Umfrage von Forschungsgruppe Wahlen. Infratest dimap befragte vom 14.10. (Mo.) bis 16.10.2019 (Mi.) mehr als tausend zufällig ausgewählte in Thüringen Wahlberechtigte, wem sie zu diesem Zeitpunkt ihre Stimme geben würden. Civey befragte online vom 25.09. bis 23.10.2019 mehr als 3.000 Personen, INSA per Telefon und Online-Panel vom 14.10. bis 21.10.2019 über 1.000 Wahlberechtigte und Forschungsgruppe Wahlen am 23. (Mi.) und 24.10.2019 (Do.) telefonisch insgesamt 1.177 wahlberechtigte Thüringer. Alle Umfragen waren im Gegensatz zu unqualifizierten Online-Befragungen repräsentativ.

Wahl-O-Matrix hat alle vier Umfragen ausgewertet, am Freitagmorgen upgedatet und zusammengefasst. So also sah das Stimmungsbild in Thüringen und die Wahlabsicht in den letzten Tagen und Wochen vor der Wahl aus. Angegeben ist jeweils die Range innerhalb sich jede Partei bei den vier Instituten bewegt und fettgedruckt das arithmetische Mittel (in Klammern die Veränderungen im Vergleich zur Landtagswahl 2014):

  1. LINKE: 28 – 30,2 % ==> 28,8 % (+ 0,6)
  2. CDU: 22,9 – 26 % ==> 24,2 % (– 9,3)
  3. AfD: 21 – 24 % ==> 23,0 % (+ 12,4)
  4. SPD: 8 – 9 % ==> 8,6 % (– 3,8)
  5. GRÜNE: 7 – 8 % ==> 7,3 % (+ 1,6)
  6. FDP: 4 – 5 % ==> 4,8 % (+ 2,3)
  7. Sonstige: 2 – 4 % ==> 3,3 % (– 3,8)
2019-10-25

© JFB

CDU wird wohl erstmals nicht die stärkste Partei in Thüringen

Die CDU dürfte mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit am Sonntag erstmals nicht als stärkste Kraft aus der Thüringenwahl hervorgehen. Der Vorsprung von vier bis fünf Punkten spricht dafür, dass die SED-Nachfolgerin erstmals als stärkste Partei aus einer Landtagswahl hervorgehen wird. Und das obschon sie sie kaum verbessern dürfte, wenn überhaupt, sondern deswegen, weil die CDU von 33,5 um fast 10 Punkte abstürzen wird. Dies dürfte nicht zuletzt auch damit zusammenhängen, dass der amtierende linke Ministerpräsident Bodo Ramelow in Thüringen recht beliebt ist, deutlicher beliebter als der CDU-Spitzenkandidat. Bei einer Direktwahl des Landesvaters hätte der amtierende Ministerpräsident klar die Nase vorn. Könnten die Thüringer sich zwischen Ramelow (LINKE) und Mike Mohring (CDU) entscheiden, fiele die Wahl mit 50:31 Prozent für Ramelow aus, im direkten Vergleich mit Björn Höcke (AfD) sogar mit 76:6 Prozent.

Die AfD hat aber gleichwohl sogar Chancen, mit der CDU um Platz zwei zu kämpfen und diese eventuell ebenfalls zu überholen. Dies würde das Ergebnis für die „Christdemokraten“, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als größter Verlierer aus der Wahl hervorgehen werden, noch katastrophaler machen. Umgekehrt wird die AfD als größter Sieger aus dieser Landtagswahl herausgehen und ihr Ergebnis von 2014 (10,6 Prozent) wahrscheinlich mehr als verdoppeln.

Die SPD wird ihr ihr miserables Ergebnis von vor fünf Jahren (12,4 Prozent) nochmals deutlich unterschreiten und höchstwahrscheinlich im einstelligen Bereich landen. Eventuell wird es einen engen Zweikampf um Platz vier mit den Grünen geben, die leicht zulegen dürften um ca. ein bis zwei Punkte. Ganz eng wird es erneut für die FDP. Sie könnte, wie schon in Sachsen und Brandenburg, knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, hat aber Chancen, es gerade so zu schaffen. Dazu müsste sie ihr 2014er Ergebnis (2,5 Prozent) verdoppeln.

Rot-Rot-Grün droht seine Mehrheit zu verlieren, Regierungsbildung dürfte extrem schwierig werden

Sollte die FDP erneut an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, dann könnten schon ca. 46 Prozent der gültigen Zweitstimmen für eine Mehrheit der Sitze im Landtag reichen. Gleichwohl käme Rot-Rot-Grün laut den vier aktuellen Umfragen im Moment lediglich auf ca. 44 bis 45 Prozent, CDU und AfD zusammen dagegen auf über 47 Prozent. CDU und AfD hätten also mehr Sitze im Parlament als Linkspartei, Grüne und SPD. Das heißt, Rot-Rot-Grün hätte damit keine Mehrheit mehr und könnte nicht weiterregieren.

Wenn die FDP die Fünf-Prozent-Hürde nehmen sollte, dann wären die Verhältnisse noch klarer. RGR hätten dann ca. 44 bis 45 Prozent, AfD, CDU und FDP ca. 52 Prozent. Sollte also die FDP den Einzug ins Parlament schaffen, sieht es ziemlich düster aus für Rot-Grün-Rot.

Wenn Rot-Rot-Grün keine Mehrheit mehr erhält, wird es schwer, für die derzeit regierende Linkspartei eine neue Regierung zu bilden. Mit der AfD wird sie mit Sicherheit kein Bündnis eingehen wollen, also bliebe nur die CDU. Diese hätte wahrscheinlich am liebsten eine schwarz-rot-grüne Koalition. Doch die käme nach jetzigem Stand gerade einmal auf 40 bis 41 Prozent.

Sollte die FDP die Fünfprozenthürde überwinden, könnte es gerade so für Schwarz-Rot-Grün-Gelb reichen. Ansonsten müsste sich die CDU womöglich entscheiden, ob sie a) Juniorpartner der Linkspartei unter einem Ministerpräsidenten Bodo Ramelow werden oder b) eine Koalition mit der AfD eingehen möchte mit Mike Mohring als Ministerpräsident. Wenn all das nicht zustande kommt, bliebe womöglich nur noch die Möglichkeit einer Minderheitsregierung.

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