Hanau: Tobias R. erschießt mutmaßlich aus völkischen Motiven neun Menschen, dann seine Mutter und sich selbst

Von Jürgen Fritz, Do. 20. Feb 2020, Titelbild: YouTube-Screenshot

Elf Tote und mehrere Schwerverletzte hat das hessische Hanau zu beklagen. Gestern Abend gegen 22 Uhr fielen zunächst in einer Shisha-Bar, dann in einer weiteren Bar Schüsse. Dabei kamen nach derzeitigem Ermittlungsstand neun Menschen zu Tode, weitere fünf wurden verletzt. Gegen 03 Uhr stürmte das SEK dann eine Wohnung in Hanau, in welcher der mutmaßliche Täter und seine Mutter beide mit Schussverletzungen tot aufgefunden wurden. Der Polizei liegen ein Bekennerschreiben und ein Video vor, welche Hinweise auf die Motive für die Morde liefern.

Mutmaßlicher Täter erschießt zuerst neun Menschen, dann seine 72-jährige Mutter und sich selbst

Nach derzeitigem Ermittlungsstand suchte der Täter am Mittwochabend gegen 22.00 Uhr zuerst die Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt, im Westen von Hanau, auf.

Dort soll er wild um sich geschossen und dabei mehrere (fünf) Menschen tödlich verletzt haben, darunter eine Frau. Unter den Opfern sollen sich mehrere Personen mit Migrationshintergrund befinden, insbesondere kurdischstämmige. Dann soll der Täter mit einem dunklen Wagen in den weiter westlich gelegenen Stadtteil Kesselstadt gefahren sein.

Dort befindet sich im Erdgeschoss eines Wohnblocks ein Kiosk, mit der Aufschrift „24/7 Kiosk“ auf der großen Glasscheibe und auf einem Reklame-Leuchtschild steht „Arena Bar & Café“. Hier soll der Täter erneut auf Menschen geschossen haben.

Insgesamt hat der Täter nach jetzigem Stand neun Menschen erschossen und fünf weitere schwer verletzt. Bei einem der Todesopfer soll es sich um eine 35-jährige zweifache Mutter handeln, die schwanger war.

Fünf der neun Menschen, die in den Shishabars erschossen wurden, sollen türkische Staatsbürger sein und alle neun sollen einen Migrationshintergrund haben.

Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Terrorverdachts übernommen

Die Polizei war in der Nacht mit einem Großaufgebot in Hanau vor Ort, auch Hubschrauber waren im Einsatz. Zur Verstärkung rückten Beamte aus Bayern an. Die Großfahndung nach den Tätern lief über mehrere Stunden. Die Ermittlungen der Polizei führten über das mutmaßliche Fluchtfahrzeug zur Wohnung des Verdächtigen in Hanau.

Nachdem das SEK sich Zugang zur Wohnung von Tobias R. verschafft hatte, fand die Polizei dort die Leiche des mutmaßlichen Todesschützen in seiner Wohnung. Neben ihm lag seine 72 Jahre alte Mutter. Beide wiesen Schussverletzungen auf. Eine Waffe sei sichergestellt worden.

Der 43-Jährige war Sportschütze und hatte eine entsprechende Waffenbesitzkarte. Die Tatwaffe hatte er 2014 in einem Internet-Shop gekauft. Es handelt sich um eine Pistole Glock 17, 9 Millimeter Luger. Das ist derselbe Waffentyp, der 2016 bei dem rechtsextremistisch motivierten Anschlag im Münchner Olympia-Einkaufszentrum verwendet worden ist.

Der mutmaßliche Todesschütze soll noch zwei weitere Waffen besessen haben: eine Pistole vom Typ SIG Sauer, 9 Millimeter, sowie eine weitere Pistole des Typs Walther, ebenfalls 9 Millimeter. Die SIG Sauer-Pistole hat der Tatverdächtige 2014 zusammen mit der Tatwaffe legal im selben Online-Shop erworben.

Die Ermittlungen übernahm inzwischen die Bundesanwaltschaft. Sie ermittelt wegen Terrorverdachts.

In dem Bekennerschreiben ist davon die Rede, dass ganze Völker vernichtet werden müssten

Außerdem wurde ein Bekennerschreiben und ein Video aufgefunden. In dem Schreiben spricht Tobias R. (43) unter anderem davon, dass bestimmte Völker vernichtet werden müssten, deren Ausweisung aus Deutschland nicht mehr zu schaffen sei.

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen hat Tobias R. wenige Tage vor der Tat auch ein Video bei YouTube veröffentlicht. In diesem spricht er in fließendem Englisch von einer „persönlichen Botschaft an alle Amerikaner“. Der Clip, der offensichtlich in einer Privatwohnung aufgenommen wurde, war heute morgen auf YouTube noch zu sehen, siehe auch das Titelbild, und wurde schon vor einigen Tagen hochgeladen.

Darin sagt Tobias R., in den USA existierten unterirdische Militäreinrichtungen, in denen Kinder misshandelt und getötet würden. Außerdem würde man dort dem Teufel huldigen (metaphysisch-spekulatives Denken vermischt mit verschwörungsmythischem). Amerikanische Staatsbürger sollten aufwachen und gegen diese Zustände „jetzt kämpfen“. Außerdem äußert er sich negativ über Migranten aus arabischen Ländern und der Türkei.

Der Mann war, wie aus seinem 24-seitigen Bekennerschreiben hervorgeht, davon überzeugt, in allen möglichen Lebensphasen und -bereichen überwacht zu werden – von “einer Organisation, die auf Basis eines Geheimdienstes operiert, offiziell namentlich aber nicht in Erscheinung tritt” (Verfolgungswahn).

Eine „zutiefst rassistische Gesinnung“

In seinem Bekennerschreiben finden sich ferner diverse rechtsradikale und völkische, fremdenfeindliche Äußerungen finden. Es ist auch davon die Rede, dass es seiner Meinung nach nicht ausreiche, gewisse Volksgruppen auszuweisen, denn ihre Existenz sei “an sich ein grundsätzlicher Fehler”. Eine Reihe von Völkern müsse “komplett vernichtet werden”, darunter halb Asien, diverse Volksgruppen aus Nordafrika und Israel.

Tobias R., der Todesschütze von Hanau, hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine „zutiefst rassistische Gesinnung“. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank am Donnerstag in Karlsruhe.

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Quellen:

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