AfD verliert in Brandenburg fast ein Viertel ihrer Anhänger

Von Jürgen Fritz, Fr. 28. Feb 2020, Titelbild: phoenix-Screenshot

Im September fanden in Brandenburg Landtagswahlen statt, die mit einem großen Triumph für die AfD endeten, welche ihr Ergebnis fast verdoppeln konnte auf 23,5 Prozent und hinter der SPD auf Platz zwei landete. Doch nicht mal sechs Monate später zeigt sich auch in Brandenburg, was wir letzten Sonntag bei der Hamburgwahl sahen und was wir auch im Bundestrend sehen: Die AfD scheint ihren Höhepunkt überschritten zu haben. Ja mehr noch, in Brandenburg verliert sie aktuell sogar fast ein Viertel ihrer Anhänger, fällt von 23,5 auf 18 Prozent. Doch auch die SPD muss deutlich Federn lassen und verliert mehr als vier Punkte. Die CDU aber fällt nun sogar auf Platz fünf zurück, auf 14 Prozent, ihr schlechtestes Ergebnis seit der Wiedergründung Brandenburgs 1990.

So hatte Brandenburg am 1. September 2019 gewählt

Über 1,28 Millionen Brandenburger hatten am 01.09.2020 ihren Landtag neu gewählt. Auf Platz eins landete die SPD mit 26,2 Prozent (– 5,7), auf Platz zwei die AfD mit 23,5 Prozent (+ 11,3), auf drei die CDU mit enttäuschenden 15,6 Prozent (– 7,4), auf vier Die Grünen mit 10,8 Prozent (+ 4,6), auf fünf Die Linke mit sehr enttäuschenden 10,7 % (– 7,8), die mit fast acht Punkten die höchsten Verluste von allen zu verzeichnen hatte.

Den Einzug in den Landtag schafften eben noch so auf Platz sechs die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler BVB/FW, die mit 5,0 Prozent (+ 2,4) gerade noch die magische Fünf-Prozent-Hürde übersprangen, während die FDP auf Platz sieben mit 4,1 Prozent (+ 2,6) trotz deutlicher Zugewinne nicht über diese Hürde kam. Ebenso etliche andere Parteien (Sonstige), die zusammen auf 4,1 (+– 0) Prozent kamen.

Hier das September-Ergebnis nochmals im Überblick (in Klammern die Veränderungen gegenüber der Landtagswahl 2014):

  1. SPD: 26,2 % (– 5,7)
  2. AfD: 23,5 % (+ 11,3)
  3. CDU: 15,6 % (– 7,4)
  4. GRÜNE: 10,8 % (+ 4,6)
  5. LINKE: 10,7 % (– 7,8)
  6. BVB/FW: 5,0 % (+ 2,4)
  7. FDP: 4,1 % (+ 2,6)
  8. Sonstige: 4,1 % (+– 0)

Die SPD bildete keine rot-rot-grüne, sondern eine rot-schwarz-grüne Landesregierung

Damit war also klar, dass sechs Parteien und Fraktionen in den Brandenburgischen Landtag einziehen werden und die insgesamt 88 Sitze verteilten sich dabei wie folgt:

Sitzverteilung-2019-2024 (2)

Für eine Mehrheit im Landtag waren also mindestens 45 der 88 Sitze notwendig und Rot-Dunkelrot, das bis 2019 regiert hatte, war abgewählt. Die SPD hätte nun zusammen mit der Linkspartei und den Grünen eine rot-rot-grüne Regierung bilden können, doch man entschied sich anders, nämlich für Rot-Schwarz-Grün, das auf 50 der 88 Sitze kommt. Die Koalitionsverhandlungen endeten am 25. Oktober 2019 mit der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages und am 20. November 2019 wählte der Brandenburger Landtag Dietmar Woidke zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten, der dann das rot-schwarz-grüne Kabinett Woidke III bildete.

So würde Brandenburg im Moment wählen

Dieses Kabinett war nun also drei Monate im Amt, als Forsa im Auftrag der Märkischen Allgemeine vom 20. bis zum 25. Februar 2020 insgesamt 1.001 Brandenburger befragte, wen sie nun Ende Februar 2020 wählen würden. Hier die Ergebnisse:

  1. SPD: 22 % (– 4,2)
  2. AfD: 18 % (– 5,5)
  3. GRÜNE: 15 % (+ 4,2)
  4. LINKE: 15 % (+ 4,3)
  5. CDU: 14 % (– 1,6)
  6. BVB/FW: 7 % (+ 2,0)
  7. FDP: 3 % (– 1,1)
  8. Sonstige: 6 % (+ 1,9)

2020-02-26-Forsa

CDU fällt auf niedrigsten Wert seit der Wiedergründung Brandenburgs 1990

Damit sehen wir in nur gut fünfeinhalb Monaten signifikante Veränderungen in der Wählergunst:

  1. LINKE: + 4,3 %
  2. GRÜNE: + 4,2 %
  3. BVB/FW: + 2,0 %
  4. Sonstige: + 1,9 %
  5. FDP: – 1,1 %
  6. CDU: – 1,6 %
  7. SPD: – 4,2 %
  8. AfD: – 5,5 %

Die Linkspartei und Die Grünen können also sehr deutlich zulegen, die Brandenburger Vereinigte Bürgerbewegungen/Freie Wähler und die Kleinparteien zusammen können auch Gewinne verzeichnen. Die FDP fällt wie auch im Bundestrend von ihren ohnehin schon sehr mageren 4,1 auf jetzt ca. 3 Prozent. Auch die CDU kann nicht einmal ihr miserables Ergebnis vom September halten und liegt jetzt mit ca. 14 Prozent bloß noch auf Platz fünf! Dies ist der schlechteste CDU-Wert seit der Wiedergründung Brandenburgs 1990.

AfD verliert fast jeden vierten Anhänger

Aber auch die zwei stärksten Parteien, die SPD und die AfD verzeichnen Verluste und zwar drastische. Die SPD verliert jeden sechsten bis siebten, die AfD sogar fast jeden vierten Wähler innerhalb von nicht einmal sechs Monaten.

Damit zeigt sich hier bezüglich der AfD der gleiche Trend wie auch bundesweit und wie in der Hamburgwahl am letzten Sonntag, als sie weniger Stimmen erhielt als 2015 und das obwohl über eine halbe Million mehr Stimmen abgegeben wurden als vor fünf Jahren (ca. 100.000 Personen, jeder hatte 5 Stimmen). Die AfD fiel damit von ohnehin schon sehr schwachen 6,1 auf 5,3 Prozent.

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