Über 450.000 Corona-Tote weltweit: Diese Länder sind am schwersten betroffen

Von Jürgen Fritz, Do. 18. Jun 2020, Titelbild: Worldometer-Screenshot

Bei Deutschlands größtem Schlachtbetrieb, dem Fleischverarbeiter Tönnies, wurden gerade mehr als 650 neue Corona-Infektionen registriert. Das Gesundheitsamt stellte 7.000 Personen unter Quarantäne. Der Schlachtbetrieb muss die Arbeit am Standort Rheda-Wiedenbrück vorerst einstellen und im Kreis Gütersloh werden ab heute alle Schulen und Kitas bis zum Start der Sommerferien geschlossen, nachdem sie gerade erst vor drei Tagen geöffnet wurden. Derzeit gibt es in Deutschland zwar nur etwa 7.650 aktive Corona-Fälle und offiziell (ohne Dunkelziffer) nur knapp 9.000 Covid-19-Tote, gleichwohl ist SARS-CoV-2 weiter virulent. Wie sieht es aber weltweit aus? Hier ein Überblick.

8,4 Millionen Infektionen wurden bisher detektiert: ganz vorne stehen die USA und Brasilien

Weltweit sind laut Worldometer zum Stand 17.06.2020 ca. 8,4 Millionen Fälle von Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 registriert. Diese entfallen vor allem auf folgende Länder:

  1. USA: über 2.234.000 = 26,6 %
  2. Brasilien: über 960.000 = 11,4 %
  3. Russland: über 553.000 = 6,6 %
  4. Indien: über 367.000 = 4,4 %
  5. Großbritannien: über 299.000 = 3,6 %

In der Graphik sieht das wie folgt aus, wobei hier teilweise bereits Zahlen vom Morgen des 18.06.2020 mit eingearbeitet sind:

Distribution of cases

Bei diesen Fallzahlen müssen wir aber bedenken, dass die Dunkelziffern, also die Zahl der mit SARS-CoV-2 Infizierten, aber nicht Registrierten, von Land zu Land sehr unterschiedlich sind, je nachdem wie umfangreich getestet wird. So wurden beispielsweise in Island von einer Million Menschen bereits über 190.000 getestet (> 19 %), in Frankreich aber nur 21.000 (2,1 %).

Zahl der Neuninfektionen erreicht bei Johns Hopkins University einen neuen Rekordwert

Die Johns Hopkins University (JHU), deren Zahlen leicht abweichen von Worldometer, welches neben JHU noch andere Quellen heranzieht, verzeichnen für den 17.06.2020 sogar einen neuen Rekord bei den weltweit neu registrierten SARS-CoV-2-Infektionen mit ca. 176.000:

Die Zahl der Neuinfektionen beträgt bei Worldometer für gestern, den 17.06.2020, dagegen ca. 142.000. Je nachdem, wann Meldungen registriert werden, kann es bei den Tagesmeldungen immer zu anderen Einordnungen kommen. Der Eine ordnet den Fall XYZ am Dienstag ein, der Andere am Mittwoch, der Dritte am Donnerstag, je nachdem, wann ihm die Meldung vorliegt. Die 142.000 Neuinfektionen vom 17.06.2020 bei Worldometer verteilen sich dabei wie folgt vor allem auf diese Länder:

  1. Brasilien: ca. 31.500
  2. USA: ca. 26.100
  3. Indien: ca. 13.100
  4. Russland: ca. 7.800
  5. Pakistan: ca. 5.800

Die USA, Brasilien und Großbritannien verzeichnen absolut die meisten Todesfälle

Wichtiger als die Fallzahlen der detektierten Infektionen sind aber letztlich die Todesfallzahlen. Hier dürften auch die Dunkelziffern deutlich geringer sein. Zum Stand von gestern betrug die Zahl der COVID-19-Toten laut Worldometer 450.452 (siehe Titelbild). In absoluten Zahlen verzeichnen dabei diese Länder bis jetzt die meisten COVID-19-Toten:

  1. USA: ca. 120.000 = 26,6 %
  2. Brasilien: ca. 46.700 = 10,4 %
  3. Großbritannien: ca. 42.150 = 9,4 %
  4. Italien: ca. 34.450 = 7,6 %
  5. Frankreich: ca. 29.600 = 6,6 %
  6. Spanien: 27.100 = 6,0 %
  7. Mexiko: 18.300 = 4,1 %
  8. Indien: ca. 12.300 = 2,7 %
  9. Belgien: ca. 9.700 = 2,1 %
  10. Iran: ca. 9.200 = 2,0 %
  11. Deutschland: ca. 8.900 = 2,0 %

Aussagekräftiger als die absoluten Zahlen sind aber natürlich die Todesfallzahlen pro Einwohner. Dass das kleine Belgien mit knapp 11,6 Millionen Einwohnern weniger COVID-19-Tote zu verzeichnen hat als Indien mit fast 1,38 Milliarden Menschen, also 119 mal so vielen Einwohnern, ist nicht sehr aussagekräftig.

Diese Länder haben bisher die meisten Todesfälle pro Einwohner

Betrachten wir also die Todesfälle pro eine Million Einwohner, wobei nur die Staaten berücksichtigt werden, die  mindestens eine Million Einwohner haben, also keine Kleinstaaten wie San Marino mit einer Bevölkerung von knapp 34.000 oder Andorra mit 77.000 Menschen. Weltweit wurden bisher ca. 58 Todesfälle pro eine Million Menschen registriert. Diese Länder liegen weit über diesem Wert:

  1. Belgien*: 835 (zählt auch Verdachtsfälle ohne Test mit)
  2. Großbritannien: 621
  3. Spanien: 580
  4. Italien: 570
  5. Schweden: 499
  6. Frankreich: 453
  7. USA: 362
  8. Niederlande: 355
  9. Irland: 346
  10. Ecuador: 227
  11. Schweiz: 226
  12. Brasilien:  220
  13. Peru: 220
  14. Kanada: 219
  15. Chile: 189
  16. Portugal: 149
  17. Mexiko: 142
  18. Iran: 109
  19. Panama: 109
  20. Deutschland: 107

*Belgien zählt bei den COVID-19-Toten anders als die meisten anderen Länder auch Verdachtsfälle mit, bei denen kein SARS-CoV-Test durchgeführt wurde. Dadurch dürfte die Todesfalldunkelziffer hier sehr viel niedriger sein als in den meisten anderen Ländern, wo wir davon ausgehen müssen, dass auf 100 offizielle COVID-19-Todesfälle nochmals mindestens 20 bis 80, teilweise noch mehr aufaddiert werden müssen, um die Zahl der tatsächlichen Corona-Toten zu erhalten.

Recht glimpflich davongekommen sind bisher

Wir sind in Deutschland mit nur 107 Todesfällen pro einer Million Einwohner, also einer pro ca. 9.380 Einwohner bisher sehr glimpflich davon gekommen im Vergleich zu Ländern wie Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden oder Frankreich, die im Verhältnis zur Einwohnerzahl vier- bis sechsmal so viele Todesfälle zu verzeichnen hatten. Noch glimpflicher kamen andere Länder bisher davon, wie:

25. Österreich: 76
29. Finnland: 59
35. Russland: 51
37. Norwegen: 45

Über 88 Prozent der offiziellen Corona-Toten starben nicht ‚mit‘, sondern ‚an‘ COVID-19 + Dunkelziffer (Tote, die nie getestet wurden)

Und zu der Frage, die immer wieder aufgeworfen wir, ob die Menschen mit oder an SARS-CoV-2 sterben: Das Robert Koch-Institut, welches alle Todesfälle, die einen positiven COVID-19-Test hatten, als Corona-Tote zählt, meldet heute für Hamburg 259 Todesfälle. Die Freie und Hansestadt Hamburg hat sich dagegen entschieden, die Corona-Toten alle zu obduzieren:

Hamburg hat sich für die Obduktion von Verstorbenen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, entschieden, um genauer zu überprüfen, ob die Verstorbenen ‚an‘ oder ‚mit‘ der Krankheit verstorben sind. Die mit Covid-19-Verstorbenen in Hamburg werden im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (§ 25 IfSG) vom Institut für Rechtsmedizin (IfR) am UKE obduziert. Bei Verstorbenen wird, wie bei Lebenden auch, ein Abstrich aus dem Rachen gemacht. Außerdem entnehmen die Rechtsmediziner einen zusätzlichen Abstrich aus dem Lungengewebe. Diese Proben werden im Labor untersucht. Ist der Befund positiv, folgen virologische und organische Untersuchungen, die Aufschluss über die Todesursache geben.“

Hamburg beziffert die „Anzahl Personen, bei denen nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin die COVID-19-Infektion als todesursächlich festgestellt wurde“ aktuell (Stand: 18.06.2020) mit 229.

229 von 259 entspricht 88,4 Prozent. Das heißt, über 88 Prozent derjenigen, die das Robert Koch-Institut als Corona-Tote in Hamburg führt, starben laut der Hamburger Rechtsmedizin tatsächlich nicht mit, sondern an COVID-19.

Hinzu kommen diejenigen, die ebenfalls an SARS-CoV-2 und der von diesem hervorgerufenen Krankheit starben, aber nie auf das Virus getestet wurden, insbesondere in Pflege- und Altenheimen oder auch zuhause, und die folglich nie auf dem Obduktionstisch der Rechtsmedizin am UKE landeten (Dunkelziffer).

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