USA vor neuer Corona-Katastrophe?

Von Jürgen Fritz, Sa. 27. Jun 2020, Titelbild: Worldometer-Screenshot

Am Donnerstag erst verbuchten die USA einen neuen Rekordwert bei den Corona-Neuinfektionen. Zum ersten Mal überhaupt wurden in den Staaten mehr als 40.000 neue Fälle in 24 Stunden registriert, mehr als in der Spitzenphase im April. Doch am Freitag wurde dieser Rekordwert gleich wieder getoppt und zwar deutlich. Gestern registrierten die USA über 47.300 Neuinfektionen. Die Zahl der aktiven Fälle steigt damit auf über 1,35 Millionen. Aber auch weltweit sahen wir gestern einen neuen Rekord mit über 194.000 detektierten Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden.

Mehr als ein Viertel aller weltweiten COVID-19-Toten sehen wir in den USA

Die USA bleiben sowohl bei der Zahl der Infizierten (Total Cases) als auch bei der Zahl der COVID-19-Todesfälle (Total Deaths) weltweit ganz vorne. Über ein Viertel der zum Stand gestern (Freitag, den 26.06.2020) weltweit fast 9,9 Millionen registrierten Fälle entfielen auf die USA mit mehr als 2,55 Millionen (25,8 Prozent aller global detektierter Fälle).

Was nun aber überrascht, ist, dass auch über ein Viertel aller Todesfälle auf die USA entfallen. Man würde ja vermuten, dass in anderen Ländern, insbesondere Südamerika, Afrika, Indien etc. viel weniger getestet wird als in den USA, dass also der tatsächliche Anteil der Infizierten deutlich geringer ist als 25,8 Prozent. Dann müsste aber auch der Anteil an den weltweiten Todesfällen deutlich geringer sein. Genau das ist aber nicht der Fall. Die USA zählten bis gestern Abend 127.640 Todesfälle von weltweit 496.079. Das entspricht 25,7 Prozent, also ebenfalls mehr als ein Viertel der globalen COVID-19-Toten.

Länder 1-10 gelistet nach Todesfälle

Die zehn Länder mit den weltweit meisten COVID-19-Todesfällen, Worldometer-Screenshot

Brasilien bei den Todesfällen, den Fallzahlen und den Neuinfektionen weltweit auf Platz zwei

Auf Platz zwei bei den Todesfällen sehen wir inzwischen klar Brasilien mit mehr als 56.100 Toten. In der Spalte New Cases (Neuinfektionen) sehen wir auch, dass genau diese beiden Länder mächtig zulegen: Brasilien um +46.907, die USA sogar um +47.341.

Für die USA, die am Donnerstag zum ersten Mal überhaupt mehr als 40.000 neue Fälle an einem Tag registrieren mussten, ist das schon am nächsten Tag gleich ein neuer Rekordwert, der nochmals weit über dem vom Donnerstag liegt (40.212).

USA neue Fälle

In Großbritannien, Italien, Frankreich, Spanien und Belgien, die auch alle sehr stark von der Corona-Pandemie betroffen waren, sehen wir dagegen schon länger kaum noch neue Fälle und kaum noch Todesfälle: in Italien gerade noch 30, in Frankreich 26 und in Beligen 5. In den USA dagegen über 660 und in Brasilien sogar über 1.000 am Freitag. Sehr viele auch in Mexiko: 736.

Besorgniserregend ist ebenfalls, dass die Zahl der weltweiten Neuinfektionen gestern  einen neuen Rekordwert erreichte mit über 194.000:

Global neue Fälle

In Deutschland gelang es uns, die Zahl der aktiven Fälle um über 90 Prozent zu reduzieren, inzwischen steigt die Zahl aber wieder

In Deutschland wurden dagegen gestern lediglich 614 neue Fälle registriert. Die Zahl der aktiven Fälle stieg bei uns seit dem 16. Juni von 6.372 auf gestern 8.273. Seit dem 6. April gelang es uns, a) den steilen Anstieg der aktiven Fälle (infiziert, aber noch nicht genesen und nicht verstorben, also diejenigen, die andere auch anstecken können) nicht nur zu stoppen, sondern b) auch von knapp 73.000 um über 90 Prozent zu senken auf unter 6.400 am 16. Juni. Seither, also seit ca. zehn Tagen steigt die Zahl der aktiven Fälle allerdings wieder leicht an. Das heißt, wenn auf der einen Seite 100 Menschen genesen, kommen auf der anderen Seite mehr als 100 Neuinfektionen dazu. Wir bewegen uns aber weiter auf sehr niedrigem Niveau:

Dt. aktive Fälle

Die USA erreichen einen neuen absoluten Höchstwert bei den aktiven Fällen von über 1,35 Millionen, 164 mal so viel wie Deutschland

Ganz anders dagegen das Bild in den USA, die ca. 3,95 mal so viele Einwohner haben wie Deutschland. Die Vereinigten Staaten unter Donald Trump schafften es niemals, ihre aktiven Fälle deutlich zu senken. Während Deutschland diese Zahl auf unter 10.000 reduzierte, gelang es den USA nicht einmal, die aktiven Fälle unter 1,1 Millionen zu senken. Ab Ende Mai stieg diese Zahl zwar nicht weiter an, aber sie fiel nicht merklich.

Und nun sehen wir seit Anfang/Mitte Juni sogar einen deutlichen Anstieg der im Moment Infektiösen auf über 1,35 Millionen. Das sind 164 mal so viele wie in Deutschland, bei nur 3,95 mal so vielen Einwohnern. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl Deutschlands im Verhältnis 41,5 mal so viele aktive Fälle wie wir sie im Moment haben:

USA - aktive Fälle

Hauptbetroffen in den USA: nicht mehr New York, sondern die südlichen Staaten

Nachdem lange Zeit der US-Bundesstaat New York im Norden der Ostküste am schwersten betroffen war von der Pandemie, hat sich das Bild inzwischen verschoben. Während in New York gestern nur 933 neue Fälle registriert wurden waren es vor allem in den südlichen Staaten mehrere Tausende:

  1. Florida: 8.942
  2. Kalifornien: 5.619
  3. Texas: 5.614
  4. Arizona: 3.428

Die Zahl der Infizierten in Wahrheit wahrscheinlich elfmal so hoch

Während der US-Präsident wie meist mit simplen, oft falschen Erklärung aufwartet, die neuen Rekordzahlen würden nur daran liegen, weil man so viel testen würde (siehe die Eingangsbemerkung, dass die Fallzahlen von 25,8 Prozent der globalen Infektionen nahezu exakt mit dem Anteil an den Todesfällen von 25,7 Prozent korrespondiert), widerspricht ihm auch die Gesundheitsbehörde CDC (Centers for Disease Control and Prevention) und warnt: Für jeden registrierten Fall habe es in Wahrheit wahrscheinlich zehn weitere gegeben (Dunkelziffer). Die tatsächliche Zahl der Infizierten wäre somit ca. elfmal so hoch:

CDC-Schätzung

Den USA drohen schon in den nächsten Wochen weitere 60.000 Todesfälle, in den nächsten Monaten noch viel mehr

Wenn wir das auf die Zahl der aktiven Fälle übertragen, so wären es nicht über 1,35 Millionen, sondern fast 15 Millionen aktive Fälle.

Selbst wenn nur 0,4 Prozent von diesen im Moment 15 Millionen aktiven Fälle so schwer an COVID-19 erkranken, dass sie daran erliegen, so reden wir von weiteren 60.000 Todesfällen, die zu den bisherigen 127.640 dazukommen, zusammen somit ca. 188.000 Todesfälle alleine aus den schon Verstorbenen und den jetzt bereits Infizierten.

Hinzu kommen all die Toten, die sich aus den zukünftigen Ansteckungen ergeben werden. Wenn wir weiter davon ausgehen, dass in Wahrheit etwa elfmal so viele infiziert sind oder bereits infiziert waren wie registriert, so wären das statt 2,55 Millionen (siehe Tabelle ganz oben) ca. 28 Millionen von ca. 331 Millionen Einwohner. 91 bis 92 Prozent wären also noch gar nicht infiziert und doch hätte man dann bereits fast 200.000 Todesfälle zu verzeichnen (188.000).

Hauptproblem in den USA: die Generation Y, die 21- bis 39-Jährigen

Diese neue Infektionswelle schockt die USA. Der Top-Virologe des Weißen Hauses Dr. Anthony Fauci (79) sagte nun auch, wer hauptsächlich verantwortlich ist für die neue Rekord-Verbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2: die unter 40-Jährigen:

„Die überwiegende Mehrheit der Menschen, die sich jetzt infizieren, sind junge Leute. Es sind genau diejenigen, die wir in den Zeitungsartikeln sehen. Diejenigen, die jetzt in Massen rausgehen, um sich zu amüsieren“,

sagte der international höchste angesehene Forscher. Der Experte mahnte Amerikas Millennials (Generation Y: zwischen 1981 und 1999 geboren):

„Die Sache, die sie wirklich begreifen müssen: Wenn sie dies tun, sind sie Teil eines größeren Prozesses. Denn wenn sie sich infizieren, werden sie wahrscheinlich andere anstecken.“

Die Millenials oder Generation Y sind die Nachfolgegeneration der Boomers (bis 1965) und der Generation X (1966 bis 1980).

Auch der Direktor der Gesundheitsbehörde CDC Robert Redfield warnte derweil vor den Konsequenzen der neuen Infektionswelle unter den „Millennials“. Sie würden nicht nur sich selbst, sondern vor allem auch ihre Eltern, Großeltern und andere ältere Amerikaner in Gefahr bringen: „Es ist wirklich wichtig, dass sich diese Gruppe zu den Sicherheitspraktiken verpflichtet, um die gefährdeten Personen zu schützen“, sagte er über soziale Distanzierung und Gesichtsbedeckung.

Auch Vizepräsident Mike Pence (61) zeigte sich nun ungewohnt besorgt und machte die Menschen unter 40 Jahren verantwortlich. „Wenn es heute eine Botschaft gibt, dann dass die jüngeren Amerikaner einen großen Teil der neuen Fälle ausmachen“, so der US-Vizepräsident.

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