USA: Über 51.000 Corona-Neuinfektionen an einem Tag

Von Jürgen Fritz, Do. 02. Jul 2020, Titelbild: WELT-Screenshot

Heute vor einer Woche wurden in den Vereinigten Staaten zum ersten Mal mehr als 40.000 Neuinfektionen an einem Tag registriert. Am nächsten Tag wurde dieser neue Rekordwert gleich wieder überboten mit über 47.000 New Cases. Auch in den folgenden Tagen fiel die Zahl der registrierten Neuinfektionen nicht einmal unter 40.000 pro Tag. Gestern nun wurde schon wieder einen neuer Rekordwert erreicht.

USA: mehr als 313.000 registrierte Neuinfektionen in sieben Tagen

Während ganz Europa (ohne Russland) seit langem weit unter 10.000 Neuinfizierte pro Tag zu vermelden hat, stieg diese Zahl in den USA seit einer Woche beständig auf über 40.000 pro Tag. Damit wurden die letzten sieben Tage 313.699 Neuinfektionen registriert – mehr als jemals zuvor. Gestern wurde nun mit 51.097 erstmals über 50.000 an einem Tag neue Fälle registriert.

Dabei schätzt die US-Gesundheitsbehörde CDC, dass auf einen registrierten Fall zehn unentdeckte kommen (Fall-Dunkelziffer). Sollte das auch für die letzten sieben Tage gelten, so reden wir nicht von 313.699 Neuinfizierten, sondern von 3,45 Millionen in einer Woche.

USA tägliche Neuinfektionen

Die USA zählen bereits über 130.000 Todesfälle

Gehen wir von einer eher niedrig geschätzten Letalität von 0,4 Prozent aus, so entspräche dies ca. 13.800 Todesfällen nur aus den Neuinfektionen einer Woche.

Zum Vergleich: Deutschland hat insgesamt, also in vier Monaten, bisher ca. 9.000 Covid-19-Todesfälle zu verzeichnen und es kommen kaum noch welche hinzu (in den letzten sieben Tagen ca. 60).

In den USA sind es inzwischen über 130.000 Corona-Tote und diese Zahl könnte weiter drastisch ansteigen. Darauf deutet im Moment zumindest vieles hin. Die einzige Hoffnung könnte hier sein, dass die Fall-Dunkelziffer inzwischen niedriger ist, so dass es weniger als 3,45 Millionen Neuinfizierte waren die letzten sieben Tage. Sehr viel weniger werden es aber kaum gewesen sein.

Ober aber, das wäre gleichsam die andere Hoffnung, bei den Neufinizierten handelt es sich vor allem um Unter-40-Jährige, deren Letalität deutlich geringer ist als die der Über-60-Jährigen. Dem scheint so zu sein, dass es vor allem die sogenannte Generation Y, die Jahrgänge ab 1981 sind, die sich derzeit infizieren, wie berichtet wird. Dann aber besteht die Gefahr, dass die Infizierten U40er anschließend die älteren Mitbürger anstecken, teilweise womöglich ohne überhaupt zu merken, dass sie selbst infiziert sind (asymptomatischer Verlauf).

Fast 2,8 Millionen detektierte Infizierte

Ein Bericht der Centers for Disease Control and Prevention zur Altersverteilung in den USA kam zu dem Schluss, dass schwere Verläufe, die eine Hospitalisierung oder gar eine intensivmedizinische Versorgung erfordern, zwar bei Erwachsenen jeden Alters auftreten können. Besonders betroffen seien aber Ältere. Unter-20-Jährige zeigten hingegen so gut wie keine schweren Verläufe. 20 Prozent der Hospitalisierten und 12 Prozent der intensivmedizinisch Behandelten des untersuchten Kollektivs waren dagegen zwischen 20 und 44 Jahre alt. 

Die Zahl der insgesamt detektierten Infizierten (Total Cases) stieg nun auf ca. 2,78 Millionen

USA Total Cases

Bleiben wir hier bei der Falldunkelziffer von zehn Unentdeckten auf einen Registrierten, so wären wir bei einer tatsächlichen Anzahl der Infizierten von knapp 30,6 Millionen = 9,2 Prozent der US-Bevölkerung. Das Virus hätte dann also noch fast 91 Prozent der US-Bürger als potentielle neue Opfer.

Infektionsgeschehen verlagerte sich vom Nordosten in den Süden

Dabei hat sich das Geschehen inzwischen von der Nordostküste, besonders betroffen war der Bundesstaat New York, nun vor allem in die Südstaaten Florida, Kalifornien, Texas und Arizona verlagert:

USA besonders betroffene Staaten

Der US-Vizepräsident Mike Pence, der gleichzeitig auch die Corona-Taskforce der Regierung leitet, sagte Wahlkampfveranstaltungen in Arizona und Florida bereits ab. An den Reisen in die beiden Staaten im Süden sowie nach Texas will er diese Woche aber festhalten, um die dortigen Gouverneure zu treffen. Ihnen wird von Kritikern vorgeworfen, die Corona-Beschränkungen zu früh gelockert und damit die Ausbreitung des Virus befördert zu haben.

Ähnlich wie in Deutschland sind auch in den USA Fleischfabriken ein Herd für Infektionen. In Missouri wurden 371 Angestellte eines Hühnerverarbeitungsbetriebs von Tyson Foods positiv auf das Virus getestet.

Ursachen für die zahlreichen Neuinfektionen

Als Gründe für diese negative Entwicklung werden verschiedene Faktoren genannt:

1. Zum einen gebe es keine einheitliche Vorgehensweise unter den Bundesstaaten, so dass jeder Gouverneur seinen eigenen Kurs festlege.

2. Zudem sei die Zeit des Lockdowns nicht ausreichend genutzt worden, um die Rückkehr zur Normalität vorzubereiten. Zwar gebe es inzwischen Möglichkeiten zur Kontaktverfolgung, Überwachung und auch mehr Tests. Aber selbst Staaten mit ehrgeizeigen Zielen hätten Schwierigkeiten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln. In Massachusetts etwa meldeten nur etwa 60 Prozent der Betroffenen ihre Infektion auch tatsächlich beim Gesundheitsamt.

3. Der US-Gesundheitsminister Alex Azar sieht einen Grund für die Verschlechterung auch darin, dass viele Infektionen unentdeckt blieben. Die Mehrheit der positiv getesteten Personen sei jünger als 35 Jahre und zeige keine Symptome, sagte er dem Sender NBC. Dies mache es für Gesundheitsbehörden schwierig, die Ausbrüche in den Griff zu bekommen.

4. Außerdem sollen mehrere Bundesstaaten voreilig die Beschränkungen aufgehoben haben. Das Weiße Haus hatte als unverbindliche Richtlinie herausgegeben, dass die Staaten hierfür entweder die Zahl der Infizierten oder der Prozentsatz an positiven Testergebnissen rückläufig sein müsste. Dies war offensichtlich nicht in allen Bundesstaaten der Fall.

Apple muss Läden wieder schließen

In Kalifornien hat Gouverneur Gavin Newsom bereits in Teilen des US-Bundesstaats eine erneute Schließung von Bars angeordnet. Der Erlass gilt für sieben Bezirke, darunter auch die Millionenmetropole Los Angeles. Zudem wird den Behörden in acht weiteren Bezirken, darunter auch Sacramento und Santa Barbara, eine Schließung nahegelegt. Die Behörden in Kalifornien meldeten gestern fast 6.500 bestätigte Neuinfektionen. Auch in Florida und Texas wurden Bars geschlossen.

Gesundheitsminister Azar spricht von einer sehr ernsten Situation und warnt davor, dass die Zeit, die für Gegenmaßnahmen bleibe, verstreichen könnte. Er appellierte an die Bevölkerung, Abstand zu anderen Personen zu halten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Apple musste inzwischen wieder Läden schließen. Betroffen seien mehr als zwei Dutzend Geschäfte in sieben Bundesstaaten, teilte der iPhone-Hersteller gestern mit. Insgesamt sind damit in den USA derzeit 77 von insgesamt ca. 270 Apple-Stores (28,5 Prozent) geschlossen. Im März hatte Apple wegen der Pandemie sämtliche Geschäfte dicht gemacht. 

McDonald’s stoppt weitere Wiedereröffnungen

Auch McDonald’s hat die Wiedereröffnung seiner Restaurants in den USA angesichts der fortschreitenden Verbreitung des Coronavirus in verschiedenen Bundesstaaten unterbrochen. Die McDonald’s-Betreiber haben im Mai mit einem eingeschränkten Angebot in etwa 2.200 der 14.000 US-Restaurants (16 Prozent) den Betrieb wieder aufgenommen. Sie sollen jetzt weitermachen können, sofern dies mit den örtlichen Regeln vereinbar ist, heißt es. Weitere Wiedereröffnungen wurden angesichts verschärfter Abstandsregeln vor dem Feiertagswochenende am 4. Juli jedoch gestoppt.

Immer mehr Bundesstaaten, Städte und Kreise schränken die Pläne zur Wiedereröffnung von Bars und Restaurants angesichts des Anstiegs der Virusfälle ein. Am Mittwoch ordnete Kalifornien an, dass in 19 Countys mindestens drei Wochen lang keine Restaurants und Freizeiteinrichtungen ihre Räumlichkeiten mehr öffnen dürfen, da die Fallzahlen in den bevölkerungsreichsten Gebieten rapide angezogen haben.

Demokraten fordern eine landesweite Maskenpflicht

Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses Nancy Pelosi sagte dem Sender ABC, eine solche Anordnung sei überfällig. Die Regierung müsse die Bedrohung durch die Pandemie endlich ernst nehmen. In einzelnen US-Bundesstaaten gibt es bereits eine Maskenpflicht. Zudem rät die US-Gesundheitsbehörde CDC den Menschen das Tragen in der Öffentlichkeit – es ist aber keine Pflicht.

Die Demokraten stoßen sich auch daran, dass US-Präsident Trump bei öffentlichen Auftritten meist auf einen Mund-Nasen-Schutz verzichtet und somit kein gutes Vorbild abgebe. Azar verteidigt dies damit, dass Trump regelmäßig getestet werde und für ihn deshalb andere Maßstäbe gelten würden.

US-Regierung kauft fast die komplette Drei-Monats-Produktion von Remdesivir auf

Unterdessen hat die US-Regierung sich einen Großteil der anvisierten Produktion der nächsten drei Monate des Corona-Mittels Remdesivir gesichert. Ein entsprechende Vereinbarung mit dem Biotech-Unternehmen Gilead Sciences sieht laut US-Gesundheitsministerium den Erwerb von Wirkstoff-Dosen für mehr als 500.000 Behandlungen vor. Das entspreche 100 Prozent der geplanten Produktionsmenge für Juli sowie jeweils 90 Prozent für August und September. Dabei verhandelt auch die EU mit dem Unternehmen über Remdesivir, dessen Zulasung in der EU unmittelbar bevorsteht.

Eine internationale Studie mit mehr als 1.000 Teilnehmern hatte Ende April gezeigt, dass Remdesivir bei Covid-19-Patienten die Zeit bis zu einer Genesung im Schnitt um vier Tage verkürzen kann: von 15 auf 11 Tage. Die Sterblichkeit ging in der Untersuchung geringfügig zurück, was statistisch jedoch nicht signifikant war. Das Mittel war eigentlich zur Behandlung von Ebola entwickelt worden.

Das US-Biotech-Unternehmen Gilead Sciences hat diese Woche den Preis für den Wirkstoff Remdesivir für den US-Markt festgelegt. Eine fünftägige Behandlung mit Remdesivir werde bei Bestellung durch die US-Regierung 2.340 Dollar (etwa 2.000 Euro) pro Patient kosten, schrieb Gilead-Chef Daniel O’Day am Montag in einem offenen Brief. Für private Krankenversicherungen sei der Preis etwa ein Drittel höher.

Für den Rest der Welt bleibt damit nach der Großorder der US-Regierung nur noch sechs bis sieben Prozent der Dreimonatsproduktion des Corona-Mittels übrig.

WELT: USA verlieren Kampf gegen Corona

Infektionszahlen steigen rasant – Trump redet Lage klein:

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