Über 280.000 Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 an einem Tag

Von Jürgen Fritz, Do. 23. Jul 2020, Titelbild: Worldometer-Screenshot

Eine knappe viertel Million registrierte SARS-CoV-2-Neuinfektionen an einem Tag war der bisherige Rekordwert. Dieser wurde am Mittwoch erstmals übertroffen und zwar weit übertroffen: über 280.000 Infektionen wurden gestern weltweit neu registriert. Und dies war, wie die blaue Sieben-Tages-Durchschnitts-Linie im Bild zeigt, kein einmaliger Ausreißer. Nein, auch der gemittelte Wert geht weiter steil nach oben. Das heißt, jede Woche werden mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus neu detektiert als in der Woche zuvor. Besonders betroffen derzeit: die USA, Brasilien, Mexiko und Indien. Und in Florida und Texas scheint nun das große Sterben zu beginnen.

I. Zahl der täglichen Todesfälle steigt in den USA wieder an

Sowohl die USA als auch Brasilien und Indien mussten gestern laut Worldometer mehr als tausend COVID-19-Todesfälle verzeichnen. In den USA stieg die Zahl der offiziellen Todesfälle (ohne die Todesfall-Dunkelziffer, die bei um die 28 Prozent liegen dürfte und die noch oben drauf addiert werden muss) auf über 146.000 von knapp 630.000 weltweit:

  1. USA: 146.183 (deutlich steigend)
  2. Brasilien: 82.890 (stark steigend)
  3. Großbritannien: 45.501
  4. Mexiko: 40.400 (stark steigend)
  5. Italien: 35.082
  6. Frankreich: 30.172
  7. Indien: 28.890 (stark steigend)
  8. Spanien: 28.426

In den USA hat sich die Zahl der täglich neu registrierten Infektionen mit SARS-CoV-2 die letzten zwei Wochen bei ca. 60.000 bis 75.000 pro Tag eingependelt, steigt also derzeit nicht weiter, hat aber ein enorm hohes Niveau erreicht. Und was wir nun immer deutlich sehen, ist, dass nun auch die Todesfallzahlen wieder deutlicher ansteigen:

Mitte/Ende April hatten die täglichen COVID-19-Todesfälle in den USA im Sieben-Tages-Schnitt ihren Höhepunkt bei ca. 2.250 Toten pro Tag erreicht. Dann fiel dieser Wert bis Anfang Juli unter 520. Doch seither steigt er wieder an und erreicht nun erstmals wieder über 860 im Sieben-Tages-Schnitt. Die letzten zwei Tage wurden sogar fast 1.200 bzw. gestern erstmals seit dem 29. Mai sogar über 1.200 Todesfälle in 24 Stunden gemeldet.

II. In Florida und Texas scheint nun das große Sterben zu beginnen

Vor allem in Staaten wie Florida mit ca. 21,5 Millionen Bevölkerung, dem gemessen an der Bevölkerung drittgrößten Bundesstaat der USA, scheint nun das große Sterben zu beginnen:

Noch mehr aber im zweitgrößten Bundesstaat Texas, wo die Sieben-Tage-Kurve ebenfalls steil nach oben geht und gestern über 200 Todesfälle gemeldet wurden. Damit verzeichnete alleine dieser 29 Millionen US-Bundesstaat gestern mehr als dreimal so viele COVID-19-Todesfälle wie folgende Länder: Schweden, Italien, Kanada, Frankreich, Polen, Portugal, Israel, Tschechien, Niederlande, Griechenland, Spanien, Deutschland, Australien, Japan, Belgien, China, Schweiz, Dänemark, Ungarn, Finnland und Norwegen zusammen.

III. Trump empfiehlt nun plötzlich das Tragen von Masken, doch die US-Bürger trauen ihm nach seinem Schlingerkurs immer weniger

Der US-Präsident Donald Trump, der seit Monaten einen einzigen Schlingerkurs fährt – zuerst völlige Verharmlosung über Wochen, dann beherztes Reagieren, dann viel zu frühe Lockerungen und erneute Verharmlosung mit zum Teil völlig abstrusen Thesen, nun der nächste Schwenk -, reagiert nun angesichts dieser Todesfallzahlen und empfiehlt nun plötzlich das Tragen einer Mund-Nase-Schutzmaske.

  • „Wir haben es völlig unter Kontrolle. Es ist eine Person, die aus China kommt. Wir haben es unter Kontrolle. Es wird alles gut werden.“ Trump am 22. Januar in einem Interview des TV-Senders CNBC
  • „Nun, das Virus, von dem wir sprechen – viele Leute denken, dass es im April mit der Hitze verschwindet – wenn die Hitze eintritt. Normalerweise verschwindet das Virus im April. Aber wir sind in guter Verfassung. Wir haben zwölf Fälle – elf Fälle, und viele von ihnen sind jetzt in guter Verfassung.“ – Trump am 10. Februar im Weißen Haus
  • „Das Virus wird keine Chance gegen uns haben!“ Trump am 11. März, als in den USA bereits 1.215 Corona-Infizierte registriert wurden und sein Berater aus der Anti-Corona-Taskforce, der Immunologe Anthony Fauci, klargestellt hatte: „Die Dinge werden noch schlimmer werden. Unter dem Strich wird es noch schlimmer werden.“
  • „Ich habe immer gewusst, das ist eine echte – das ist eine echte – das ist eine Pandemie. Ich hatte das Gefühl, dass es eine Pandemie war, lange bevor es Pandemie genannt wurde. Man brauchte sich nur andere Länder anzusehen. … Nein, ich habe es immer als sehr ernst angesehen.“ Trump am 16. März auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus
  • „Wir verlieren jährlich Tausende von Menschen durch die Grippe. Wir legen das Land nie still. Wir verlieren viel mehr als das durch Autounfälle. Wir haben die Autofirmen nicht angerufen und gesagt: ‚Hört auf, Autos herzustellen. Wir wollen keine Autos mehr.‘  Wir müssen wieder an die Arbeit gehen.“ –Trump am 24. März in einem Fox-News-Interview über eine baldige Rückkehr des Landes in den Normalmodus wegen der wirtschaftlichen Probleme.
  • „Durch die Opfer, die wir in den nächsten vier Wochen bringen, werden unzählige amerikanische Leben gerettet. Wir werden viele amerikanische Leben retten.“ – Trump, in einer Einsatzgruppenbesprechung am 2. April
  • „Wir denken, dass sich einige der Staaten vor dem Stichtag 1. Mai tatsächlich öffnen können. Und ich denke, dass dies in der Tat eine sehr aufregende Zeit sein wird.“ – Trump am 15. April, in einem Briefing der Task Force, eine Ankündigung über neue Richtlinien für Staaten, die damit beginnen, die Anforderungen an die soziale Distanzierung aufzuheben. Trump sagte, es seien mindestens 20 Staaten „in extrem guter Verfassung“.
  • Usw. usf.

Doch dieser nun dritte Schwenk des Präsidenten dürfte weniger einer späten Einsicht geschuldet sein als vielmehr den desaströsen Umfragewerten. So trauen derzeit nur noch ca. 40 Prozent der US-Bürger eher Trump als Biden zu, mit der Corona-Krise fertig zu werden gegenüber 55 Prozent, die dies eher Biden zutrauen.

IV. Biden liegt inzwischen auch in allgemeinen Umfragen über 15 Punkte vor Trump

Ganz ähnlich sieht es in allgemeinen Umfragen aus. Auch hier liegt Trump nur noch minimal über 40 Prozent allgemeine Zustimmung, Biden dagegen bei fast 56 Prozent:

Trumps völliges Versagen in der Coronakrise könnte ihn also die Präsidentschaft kosten. darauf deutet derzeit zumindest sehr viel hin. Aber natürlich sind es noch mehr als drei Monate bis zu den Präsidentschaftswahlen und niemand weiß, was in dieser Zeit noch geschehen wird, ob es Trump gelingen kann, das Blatt doch noch zu wenden. Fakt ist, dass die Corona-Pandemie schwer zusetzt, da er niemals ein Rezept dagegen gefunden hat und zu keinem Zeitpunkt eine stringente Linie erkennen ließ, wie er mit dieser riesigen Herausforderung, die schon jetzt mehr als 146.000 US-Bürger das Leben gekostet hat, umgehen will.

V. Zur Situation in den USA

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