COVID-19: Erstmals seit Anfang Mai über 200 Todesfälle an einem Tag

Von Jürgen Fritz, Mi. 11. Nov 2020, Titelbild: RKI-Dashboard-Screenshot

Die Zahl der weltweiten COVID-19-Todesfälle stieg gestern erstmals auf mehr als 8.000 in 24 Stunden im Sieben-Tages-Mittel (entspricht 2,97 Millionen im Jahr). In Deutschland schoss die Zahl der COVID-19-Intensivpatienten bereits vorgestern auf einen neuen absoluten Höchststand und auch die Zahl der täglichen Todesfälle steigt massiv an. Gestern kamen erstmals seit über sechs Monaten mehr als 200 Todesfälle an einem Tag neu hinzu.

Licht am Horizont: ein gut wirksamer Impfstoff könnte schon bald kommen

Die Meldungen, dass bald schon ein Impfstoff zur Verfügung stehen soll, macht Hoffnung. Das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partnerkonzern Pfizer haben als erste Daten aus einer großen Wirksamkeitsstudie vorgelegt. Demnach soll der von ihnen entwickelte Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor COVID-19 bieten. Es seien zudem bislang keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufgetreten. Mit diesen Ergebnissen habe der Impfstoff eine „ganz wesentliche Hürde genommen“, sagte Klaus Überla, der Leiter des Virologischen Instituts an der Uniklinik Erlangen und Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Der Impfstoff habe eine „sehr hohe Wirksamkeit gezeigt“. Sie sei höher als man es etwa von Grippe-Impfstoffen kenne.

Die Studien dazu seien zwar noch nicht abgeschlossen, aber man werde in den USA die kommende Woche einen Antrag auf Zulassung stellen. Auch in Europa soll eine baldige Zulassung angestrebt werden. Gegen SARS-CoV-2, das erst seit etwa Januar 2020 bekannt ist, sind binnen kurzer Frist mindestens 214 Impfstoffprojekte angelaufen. Dabei haben mehre Unternehmen bei der Entwicklung der Covid-19-Impfstoffe ausdrücklich eine Zusammenarbeit angeboten.

Deutschland soll bis zu 100 Millionen Dosen des Impfstoffs erhalten

Biontech hat nach eigenen Angaben mit seinem US-Partner Pfizer Liefervereinbarungen mit mehreren Ländern und der EU für insgesamt 570 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs für dieses und das nächste Jahr geschlossen. Darüber hinaus gebe es Kaufoptionen für weitere 600 Millionen Dosen, teilte das Mainzer Unternehmen am Dienstag mit. Der Impfstoff werde gerecht verteilt, betonte Biontech. Derzeit rechnen die beiden Unternehmen damit, dass sie dieses Jahr etwa 50 Millionen Dosen ausliefern können und im kommenden Jahr 1,3 Milliarden. Sollte eine doppelte Impfung pro Person notwendig sein, würde das zunächst für ca. acht bis neun Prozent der Weltbevölkerung (7,8 Milliarden) reichen.

Die EU-Kommission hat eine vorläufige Vereinbarung mit den beiden Firmen über eine Lieferung von bis zu 300 Millionen Dosen getroffen. „Wir haben die Verhandlungen abgeschlossen“, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides am Dienstag. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet mit bis zu 100 Millionen Dosen des Biontech/Pfizer-Impfstoffs für Deutschland. Das würde bei einer doppelten Impfung pro Person für über 60 Prozent der Bevölkerung ausreichen. Gleichwohl muss damit gerechnet werden, dass die Verteilung des Impfstoffs an die Bevölkerung, eine organisatorische Mammutaufgabe, sich über viele Monate, eventuell über ein bis eineinhalb Jahre hinziehen könnte.

Weltweite tägliche Todesfälle erreichen neues Rekordhoch

Währenddessen verschärft sich die Lage sowohl global als auch lokal. Weltweit wurden gestern laut Worldometer im Sieben-Tages-Mittel erstmals mehr als 8.000 Todesfälle in 24 Stunden registriert (8.131, braune Linie in der Grafik), also mehr als 56.900 in den letzten sieben Tagen. Das entspräche aufs Jahr hochgerechnet 2,97 Millionen Todesfällen, bliebe es auf diesem Niveau, würde also weder steigen noch fallen.

Worldometer-Screenshot

Insgesamt wurden bislang weltweit 1,28 Millionen COVID-19-Todesfälle registriert. Fast ein Drittel (32 Prozent) davon entfallen alleine auf die USA und Brasilien.

USA und Brasilien verzeichnen die meisten Todesfälle, Belgien und Peru die meisten pro Einwohner

Absolut die meisten COVID-19-Todesfälle verzeichnen zum Stand 10.11.2020 (auf hundert gerundet):

  1. USA: 245.800
  2. Brasilien: 162.800
  3. Indien: 127.600
  4. Mexiko: 95.200
  5. Großbritannien: 49.800

Die meisten COVID-19-Todesfälle pro eine Million Einwohner registrieren die folgenden Länder (aufgenommen sind nur solche, die mindestens eine Million Einwohner haben):

  1. Belgien: 1.139
  2. Peru: 1.056
  3. Spanien: 850
  4. Brasilien: 764
  5. Chile: 762
  6. Argentinien: 754
  7. Bolivien: 750
  8. USA: 741
  9. Mexiko: 736
  10. Großbritannien: 732

Wie absurd die gelegentlich aufgestellte Behauptung ist, die Letalität (Sterblichkeit bei den Infizierten) sei nur bei etwa 0,1 Prozent, erkennt man schon daran, dass die Mortalität (Sterblichkeit bezogen nicht nur auf die Infizierten, sondern auf die Gesamtbevölkerung) in Belgien und Peru bereits bei über 0,1 Prozent liegt. Und sicherlich sind noch längst nicht einmal annähernd alle Belgier und Peruaner mit SARS-CoV-2 infiziert.

Weltweit sind im Schnitt bisher 164,5 Menschen pro eine Million an COVID-19 gestorben, in Deutschland 142, weniger als ein Fünftel so viele wie in Großbritannien oder in den USA. Kommen wir damit zur Entwicklung in Deutschland.

Deutschland: Aktuell mehr COVID-19-Patienten in Intensivbehandlung als je zuvor

Bereits am Montag, den 09.11.2020, wurde laut der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin bei den COVID-19-Patienten in Intensivbehandlung ein neuer Höchstwert erreicht. Erstmals stieg diese Zahl auf über 3.000, nämlich auf 3.005, siehe Grafik. Am Dienstag stieg sie weiter auf 3.059 (+54) und heute, am Mittwoch, auf 3.127 (+68).

Zahl der täglichen Todesfälle erreicht den höchsten Stand seit Anfang Mai

Wenn die Zahl der Infektionen der Älteren und folglich die Zahl der COVID-19-Patienten in Intensivbehandlung so drastisch ansteigen, dann steigen mit Zeitverzögerung auch die Todesfälle drastisch an. Gestern wurden erstmals seit Anfang Mai mehr als 200 Todesfälle in 24 Stunden registriert, siehe auch das Titelbild. Im Sieben-Tages-Mittel sind es zum Stand gestern laut Worldometer 139 pro Tag, also 7 x 139 = 973 Todesfälle in den letzten sieben Tagen.

Insgesamt sind inzwischen ca. 11.800 Menschen in Deutschland an COVID-19 verstorben. Mehr als 86 Prozent der statistisch als COVID-19-Todesfälle Erfassten sterben direkt an Covid-19, wie eine Studie des Deutschen Pathologenverbandes schon vor Monaten feststellte. Hinzu kommen die Toten, die tatsächlich an COVID-19 starben, die aber in keiner Statistik auftauchen, weil sie entweder zuhause oder in einem Alten- oder Pflegeheim starben, ohne je auf SARS-CoV-2 getestet worden zu sein, so dass sie auch nie auf einem Obduktionstisch landen, sondern einfach beerdigt werden, ohne statistisch erfasst zu werden.

Dabei gilt: Die Menschen, die letzte Woche an COVID-19 gestorben sind, haben sich meist drei bis sechs Wochen zuvor infiziert. Wir blicken mit all diesen Zahlen, ganz besonders den Todesfallzahlen, immer in das Infektionsgeschehen von vor einigen Wochen, das seine Auswirkungen erst mit dieser Verzögerung zeigt, so dass wir wie Prometheus voraus- und nicht wie Epimetheus hinterherdenken müssen. Ein vorausschauender Autofahrer bremst ja auch nicht erst, wenn der Abstand zum Vordermann nur noch wenige Meter beträgt oder wenn die Fahrzeuge sich gar schon berühren („Es gibt doch noch genug freie Krankenhausbetten“). Umso mehr gilt dies für einen Lokführer eines riesig langen und schweren Zuges, der umso mehr vorausdenken und voraushandeln muss.

Die Jungen haben das Virus vor Wochen schon in die Bevölkerung getragen, jetzt erkranken und sterben vor allem die Alten

Mit der neuen Corona-Heatmap des RKI lässt sich sehr gut ablesen: Die zweite Welle nahm ihren Ausgang bei den Jungen (vor allem 20- bis 29-Jährige), ab etwa Woche 33. Inzwischen, seit etwa Woche 41 bis 43 sind vor allem auch wieder die besonders gefährdeten Hochbetagten betroffen.

RKI-Screenshot

Genau das war vorauszusehen und wurde vorausgesagt, dass das Virus dann irgendwann von den Jungen auf die Alten überspringt, wenn es dermaßen virulent ist in der Bevölkerung. Nun ist es eingetroffen. Daher schießen nun die Intensivbehandlungen und Todesfälle so sehr nach oben.

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