Coronakrise: Krankenschwester mit dramatischem Appell

Von Jürgen Fritz, Fr. 29. Jan 2021, Titelbild: Symbolbild, SWR-Screenshot aus Die Lebensretter

Die Sieben-Tage-Inzidenz fällt endlich unter hundert, bewegt sich zumindest in die richtige Richtung. In den letzten 46 Wochen sind in Deutschland aber bereits mehr als 56.000 Menschen an COVID-19 gestorben. Eine Krankenschwester sendete nun einen Brief an The European, in welchem sie die tägliche Überlastung in der Klinik schildert und klipp und klar sagt, was sie von den Coronaverharmlosern und Problemleugnern hält und was diese in ihr auslösen.

„Ich kann nicht mehr, bin so unendlich müde und enttäuscht, weil uns die Politik nicht hilft“

Der Alltag in der Klinik sei hart, berichtet die Krankenschwester aus ihrem Alltag: „Wir arbeiten seit dem Beginn der Pandemie im Dauerstress. Ich kann nicht mehr, bin so unendlich müde, kraftlos und verzagt„, schreibt sie. Müde wegen des Arbeitspensums, das einfach überfordere, weil kaum oder zu wenig Personal vorhanden sei. Und sie zeigt sich enttäuscht. Enttäuscht weil uns die Politik nicht hilft. Ich habe Angst, dass wir den vielen Patienten, die um ihr Leben kämpfen nicht mehr gerecht werden. Aber ich muss mir selbst eingestehen, dass meine Kräfte schwinden. Die Situation scheint ausweglos und kein Hahn kräht mehr nach uns“, schreibt die Frau in einem dramatischen Appell.

„Wir arbeiten durchweg, haben kaum Pausen, essen erst am Nachmittag unser Frühstück, schlafen wenig.“ Den Tod könne sie kaum mehr ins Auge blicken, das machte sie inzwischen krank. „Doch wir müssen funktionieren, weil es sonst kein anderer tut. Nach uns fragt keiner, ob wir noch können, wie lange wir den Stress noch aushalten.“ Gern würde auch sie ins Home-Office gehen, wünschte sich etwas mehr Ruhe. „Ich selbst habe Asthma und muss dennoch eine Maske tragen. Das belastet“, schreibt sie weiter.

Noch schlimmer sind diejenigen, die Corona nicht ernst nehmen

Was aber noch schwerer wiege, seien all die Menschen, die Corona nicht ernst nehmen, die weder Abstand halten noch sich an die Corona-Regeln halten, denen „eigentlich alles egal ist und die damit auch uns gefährden, weil die Zahl der Kranken dann über uns zusammenschlägt. Was ist denn so schlimm daran, eine Maske zu tragen, einfach so, um die anderen zu schützen?“, fragt sie.

Was sie besonders nerve seien die ständigen Diskussionen um Corona, die Corona-Leugner und alle, „die nicht kapieren, wie ernst die Lage ist. Die mit ihrem Unwissen sich über Menschen lustig machen, die sich an die Vorschriften halten, die keine Ahnung von Medizin haben und so andere gefährden.“

All das würden diese Leute letztlich deswegen machen, „weil sie ausgemachte Egoisten sind, die an sich denken, denen das Leben anderer egal ist“, bringt sie es letztlich auf den Punkt. Diese Leute hätten alle noch nicht kapiert, dass COVID-19 keine normale Grippe sei, dass die Krankheitsverläufe bei COVID-19 „viel komplizierter sind, dass die Schädigungen an Organen so schwer sind, dass die Betroffenen ihr ganzes Leben darunter leiden“.

„Nur in der Gemeinschaft können wir diese schwere Krise überstehen“

All das mache sie einfach wütend. Und sie könne das so nicht akzeptieren, weil es einfach inakzeptabel sei: „Ich kann es nicht entschuldigen“, schreibt sie. Immer noch werde in den Geschäften zu wenig Abstand gehalten. Immer noch führen manche als Touristen in den Skiurlaub. Immer noch würden die AHA-Regeln missachtet, der Mund-Nasen-Schutz als etwas erachtet, was mach nicht brauche.

Doch all das sei „verkehrt und hilft in der derzeitigen Lage wenig“. Es sei kontraproduktiv und schade auch unserer Gesellschaft, die eigentlich auf Vertrauen und Mitmenschlichkeit ausgerichtet sein sollte. Immer wieder werde sie sogar dafür angegriffen, dass sie sich an alle Regeln halte, „aber ich will mich nicht ständig rechtfertigen“.

Ihren Brief beendet sie mit den Worten: „Und an alle, die aus Risikogebieten heraus von einem Bundesland ins nächste fahren: Ihr braucht Euch nicht zu wundern, wenn die Zahlen weiter dramatisch steigen, wenn sich die Deutschlandkarte immer weiter und tiefer in rot einfärbt. Daher appelliere ich an Euch alle: Haltet zusammen, übt Verzicht, helft einander. Nur in der Gemeinschaft können wir diese schwere Krise überstehen.“

JFB sagt: Danke, Danke, Danke!

JFB sagt vielen Dank an diese Krankenschwester, für all das, was sie seit einem Jahr für unsere Gemeinschaft leistet und für diese Zeilen, denen JFB sich voll und ganz anschließt. Und ein weiterer Dank geht an alle Kollegen der Briefeschreiberin, an alle Pflegekräfte in unseren Kliniken, Alten- und Pflegeheimen, an die mobilen Dienste und an alle Ärzte, die seit einem Jahr gegen diese Pandemie ankämpfen und jeden Tag Leben und Gesundheit ihrer Mitmenschen retten oder sich schlicht um die Erkrankten kümmern.

Ebenso ein herzlicher Dank an alle Wissenschaftler, die sich bemühen, dieses heimtückische Virus so gut und so schnell als möglich zu erforschen, die uns informieren und aufklären und die Impfmittel entwickelt haben und weiter entwickeln beziehungsweise verbessern, um uns alle besser zu schützen. Und ein herzliches Dankeschön auch an alle Politiker und die Menschen in unseren Behörden, die sich besonders bemühen, Erkrankten zu helfen und das Virus von den anderen fernzuhalten. Dankeschön an alle!

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Der Brief kann im Original hier nachgelesen werden: The European.

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