86 bis 88 Prozent sterben nicht mit, sondern an COVID-19 plus Todesfalldunkelziffer

Von Jürgen Fritz, Do. 03. Dez. 2020, Titelbild: Symbolbild, YouTube-Screenshot

Viele würden gar nicht an, sondern nur mit Corona sterben, werden Verharmloser nicht müde zu behaupten. Manch ungeschickte Formulierung gibt den abstrusesten Fehlvorstellungen Nahrung. Dabei liegen seit vielen Monaten Belege vor, dass bei sieben von acht offiziellen COVID-19-Toten SARS-CoV-2 tatsächlich todesursächlich war + Todesfalldunkelziffer. Aktuelle Zahlen aus der Hamburger Rechtsmedizin belegen dies nochmals überdeutlich.

Ergebnis von 154 durchgeführten Obduktionen von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Pathologie

Die Deutschen Gesellschaft für Pathologie führte bereits im August unter ihren Mitgliedern eine Umfrage zu durchgeführten Obduktionen an COVID-19-Verstorbenen durch. In 68 pathologischen Instituten wurden bis dahin 154 solche Obduktionen durchgeführt.

Ergebnis: „In mehr als drei Viertel der Obduktionen konnte die COVID-19-Erkrankung als wesentli­che oder alleinige zum Tode führende Erkrankung dokumentiert werden“, berichtete der Leiter der AG Obduktion der Deutschen Gesellschaft für Pathologie Prof. Dr. med. Jo­hannes Friemann am 20. August bei einer gemeinsamen Online-Pressekonferenz des Bundesver­bandes Deutscher Pathologen, der Deutschen Gesellschaft für Pathologie und der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie.

SARS-CoV-2 befällt nicht nur die Lunge und kann mitnichten mit einem normalen Grippevirus gleichgesetzt werden

Im Statement des Bundesverbandes Deutscher Pathologen heißt es:

Durch die Klinische Obduktion wurde – wie in einschlägigen wissenschaftlichen Publikationen deutlich wird – nachgewiesen, dass SARS-CoV-2 nicht nur Schädigungen der Lungen verursacht, sondern auch andere Organsysteme betrifft und daher mitnichten mit einem normalen Grippevirus gleichgesetzt werden kann.

(Lokale) Blutgerinnungsstörungen sind dabei häufige, klinisch relevante Covid-19-assoziierte Befunde. Ein besonderes Charakteristikum bei Beteiligung der Lungen ist eine typische Schädigung der Gefäße. (…) Auch Teilnehmer dieser Umfrage haben durch Obduktionen zeigen können, dass bei schwerem Verlauf der Covid-19-Erkrankung diese in der Mehrzahl der Fälle die Todesursache ist.“

Dieses neuartige Virus kann Multiorgan-Infektionen hervorrufen

Im Statement von Prof. Dr. Gustavo Bruno Baretton (Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pathologie) heißt es:

Durch wissenschaftliche Arbeiten deutscher Universitätspathologen konnten wichtige Beiträge zum Verständnis von COVID-19 geliefert werden, die international höchste Beachtung fanden: So wurde gezeigt, dass die Trias aus 1. massiver Blutgefäßschädigung, 2. überschießender Blutgerinnung mit Verstopfung der feinsten Lungengefäße und 3. spezifischer Gefäßneubildung charakteristische und bisher unbeschriebene Veränderung der Lungenbeteiligung von COVID-19 darstellen; diese
unterscheiden sich grundlegend von vergleichbar schwer verlaufenden Lungeninfektionen durch Influenza.

Darüber hinaus wurde nachgewiesen, dass es sich bei COVID-19 nicht nur um eine lokale Infektion der Atemorgane handelt, sondern dass das Virus auch die gefäßauskleidenden Zellen (Endothelien) befällt und es auf diesem Weg zu einer Multiorgan-Infektion (Nieren, Herz, u.a.) kommen kann.“

Bei ca. einem Drittel der an COVID-19 Verstorbenen findet sich SARS-CoV-2 auch im Gehirn

Prof. Dr. Till Acker (Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Neuropathologie und Neuroanatomie) stellte in seinem Statement fest:

„Infektionen mit SARS-Cov-2 betreffen auch andere Organe als die Lunge. Es gibt bei COVID-19 Hinweise auf Infektionen des Herzens und der Niere, aber auch auf eine Beteiligung des Nervensystems. (…) Ca. 1/3 der an COVID-19 Verstorbenen zeigen einen Nachweis von SARS-CoV-2 im Gehirn. (…) Die Riechschleimhaut kann als Eintrittspforte in das Gehirn dienen.

154 bundesweite Obduktionen ergaben: in 86 Prozent der obduzierten Fälle war COVID-19 tatsächlich die Todesursache

Insgesamt kam man bei den durchgeführten Obduktionen zu folgendem Ergebnis:

  • In 82 Prozent der Fälle lag a) ein positiver Test vor, b) zudem ein charakteristischer Organbefund und konnte c) COVID-19 tatsächlich als Todesursache festgestellt werden (Kategorie 1).
  • In 8 Prozent der Fälle lag a) ein positiver Test vor, b) aber kein charakteristischer Organbefund und c) ergab die Obduktion, dass COVID-19 nicht die Todesursache war (Kategorie 2).
  • In 3 Prozent der Fälle lag a) ein negativer Test vor, aber b) ein charakteristischer Organbefund und es konnte c) COVID-19 tatsächlich als Todesursache festgestellt werden (Kategorie 3).
  • In 6 Prozent der Fälle lag a) ein negativer Test vor, b) zudem auch kein charakteristischer Organbefund und c) COVID-19 konnte tatsächlich als Todesursache ausgeschlossen werden (Kategorie 4).
  • In 1 Prozent der Fälle lag a) gar kein Test vor, weder positiv noch negativ, aber b) ein charakteristischer Organbefund und konnte c) COVID-19 tatsächlich als Todesursache festgestellt werden (Kategorie 5).

Insgesamt konnte somit in 86 Prozent (Kat. 1, 3 und 5) der Fälle COVID-19 als tatsächliche Todesursache festgestellt werden, selbst in Fällen, wenn ein negativer Test (Kat. 3) oder gar kein Test (Kat. 5) vorlag.

Soweit die Ergebnisse der Obduktionen der Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Pathologie von Ende August. Nun zu aktuellen Zahlen vom Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Das Institut für Rechtsmedizin am UKE in Hamburg hat fast 400 Leichen obduziert

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet in seinem Lagebericht vom 02.12.2020, 0:00 Uhr für Hamburg insgesamt (kumuliert) 385 COVID-19-Todesfälle. Bis zum 01.12.2020, 23:59 Uhr wurden dem RKI von Hamburg also 385 Todesfälle gemeldet.

Schauen wir nun, wie viele von diesen 385 Toten tatsächlich ursächlich an COVID-19 starben. In Hamburg haben wir nämlich eine bundesweit einmalige Besonderheit: Hier werden alle Todesfälle, die als COVID-19-Fälle registriert und an das RKI gemeldet werden, obduziert. Die Stadt Hamburg macht dazu auf ihrer Homepage folgende Angaben:

»Wie werden die Todesfälle in Hamburg ermittelt? – Hamburg hat sich für die Obduktion von Verstorbenen, die positiv auf Covid-19 getestet wurden, entschieden, um genauer zu überprüfen, ob die Verstorbenen „an“ oder „mit“ der Krankheit verstorben sind. Die mit Covid-19-Verstorbenen in Hamburg werden im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes (§ 25 IfSG) vom Institut für Rechtsmedizin (IfR) am UKE obduziert. Bei Verstorbenen wird, wie bei Lebenden auch, ein Abstrich aus dem Rachen gemacht. Außerdem entnehmen die Rechtsmediziner einen zusätzlichen Abstrich aus dem Lungengewebe. Diese Proben werden im Labor untersucht. Ist der Befund positiv, folgen virologische und organische Untersuchungen, die Aufschluss über die Todesursache geben.«

Damit haben wir hier eine nochmals deutlich größere Datenmenge zur Verfügung als bei der Studie des Deutschen Pathologenverbandes, bei der ja 154 Tote obduziert wurden. In Hamburg wurden bis zum 01.12.2020 sogar schon weit über 300, fast 400 Leichen obduziert. Was kam nun dabei heraus?

Ergebnis: Über 88 Prozent starben nicht mit, sondern tatsächlich todesursächlich an COVID-19

Heute, am 03.12.2020 macht die Stadt Hamburg folgende konkrete Angaben:

»Corona: Zahlen für Hamburg – Todesfälle in Hamburg: 340 – Anzahl Personen, bei denen nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin die COVID-19-Infektion als todesursächlich festgestellt wurde. (Stand: 01.12.20)«

Es kann sein, dass das Obuktionsergebnis der 385 offiziellen COVID-19-Toten zum 01.12.2020, 23:59 Uhr noch nicht bei allen vorlag. Fest steht aber, in 340 Fällen kam das Institut für Rechtsmedizin im UKE zu dem Ergebnis, dass die Menschen an COVID-19 starben. Sollten noch nicht von allen 385 das Obduktionsergebnis vorgelegen haben am 01.12.2020, so könnte sich die Zahl von 340 also sogar noch erhöhen. Nehmen wir an, sie erhöht sich nicht, dann bedeutet dies, dass von den 385 bei RKI-registrierten 340 von 385 = 88,3 Prozent tatsächlich an COVID-19 gestorben sind, was durch Obduktion nachgewiesen wurde.

Diese Zahl könnte sich, wie gesagt, noch ein wenig erhöhen, falls am 01.12.2020 noch nicht von allen offiziellen COVID-19-Toten in Hamburg das Obduktionsergebnis vorlag.

Hinzu kommt die Todesfalldunkelziffer

Richtig ist also, dass es Fälle gibt, die als COVID-19-Tote erfasst werden, obschon sie nicht todesursächlich an der Infektion mit SARS-CoV-2 starben. Falsch ist aber, dass dies sehr viele seien, wie systematische Corona-Verharmloser nicht müde werden zu behaupten, obschon dies seit vielen Monaten widerlegt ist. Es sind laut der Deutschen Gesellschaft für Pathologie nur ca. 14 von 100, die fälschlich erfasst werden, nicht etwa die Hälfte oder sogar die große Mehrheit. Nach den noch deutlich umfangreicheren Obduktionen des Instituts für Rechtsmedizin am UKE in Hamburg sind es sogar nur 11 bis 12 von 100, die falsch erfasst werden. Es kommt aber noch ein anderer Faktor hinzu.

In den meisten Bundesländern werden nämlich bei Verstorbenen nur selten nachträgliche Tests auf SARS-CoV-2 vorgenommen. In die Statistik fließen hauptsächlich Fälle ein, bei denen eine Covid-19-Infektion bereits vor dem Tod bekannt war. Das heißt, wenn jemand sich tatsächlich mit SARS-CoV-2 infizierte, dann an COVID-19 erkrankte und daran starb, bis dahin aber nie ein Test durchgeführt wurde, so werden diese Menschen einfach beerdigt, ohne dass sie je in einer COVID-19-Statistik auftauchen. Der RKI-Präsident Professor Dr. Lothar Wieler sagte daher schon im April, er halte die Todesfallzahlen in Deutschland nicht für über- sondern für unterschätzt. Nicht jeder Gestorbene sei zuvor getestet worden, so Wieler. „Ich gehe davon aus, dass wir mehr Tote haben als offiziell gezählt werden.“

Zahl der tatsächlichen Todesfälle liegt im Schnitt von 35 untersuchten Ländern bei 29 bis 30 Prozent über den offiziellen Zahlen

Keine typischen Covid-19-Symptome und ein deutlich verkürzter Sterbeprozess, so beschrieb zum Beispiel die betreibende Diakonie den Ausbruch in einem Altenheim in Wolfsburg. Bei älteren Menschen seien die Verläufe häufig atypisch, weil die Menschen andere Erkrankungen mitbrächten, hatte kürzlich Guido Michels erklärt, Chefarzt am Sankt-Antonius Hospital in Eschweiler und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin.

Die New York Times kam in einer Auswertung von Ende November, dass die Übersterblichkeit (Exzessmortalität) in 35 untersuchten Ländern nicht niedriger und auch nicht gleich hoch ist wie die offiziellen COVID-19-Todesfallzahlen, sondern sogar um ca. 29 bis 30 Prozent höher (412.000 mehr als 1,4 Millionen) als die offiziellen Zahlen. Die Todesfalldunkelziffer differiert natürlich von Land zu Land, in Deutschland mag sie deutlich geringer sein als 30 Prozent. Vieles deutet aber darauf hin, dass auch bei uns tatsächlich nicht weniger Menschen an den Folgen der Infektion mit SARS-CoV-2 sterben als offiziell registriert, sondern mehr.

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