Liam Neeson sagte 1994 die Rolle als Bond ab, dann erst wurde es Pierce Brosnan

Von Jürgen Fritz, Mi. 27. Okt 2021, Titelbild: Movieclips-Screenshot

Anfang 1994 gab Timothy Dalton, der beim Publikum nicht gut ankam, bekannt, dass er keinen weiteren James Bond-Film drehen werde. Ein Jahr später übernahm Pierce Brosnan die Rolle des britischen Geheimagenten, den man eigentlich schon acht Jahre zuvor als Nachfolger von Roger Moore haben wollte. Doch inzwischen war der Ire gar nicht mehr die erste Wahl. Die Produzenten hätten nun einen anderen noch lieber gehabt.

Eigentlich wollte man schon nach Roger Moore Pierce Brosnan, der war 1986 aber noch vertraglich gebunden

Bei den Dreharbeiten zu A View to a Kill (Im Angesicht des Todes), der im Mai 1985 in die Kinos kam, war Roger Moore (Jahrgang 1927), der James Bond hier zum siebten Male mimte, bereits 57 Jahre alt. Nun war endgültig klar, was sich schon bei Octopussy (1983) angedeutet hatte, dass er für die Rolle inzwischen deutlich zu alt war. Also brauchte es, wie auch jetzt nach dem endgültigen Ausstieg von Daniel Craig, der inzwischen auch bereits 53 ist, einen neuen 007-Darsteller.

Einer, auf den man schon länger ein Auge geworfen hatte, war der Ire Pierce Brosnan. Brosnan (Jahrgang 1953) war mehr als 25 Jahre jünger als Roger Moore, sah blendend aus und sollte vom Typ her sehr gut passen. Er war einer der ersten, dem man Mitte der 1980er die Rolle anbot. Es gab nur ein Problem: Pierce Brosnan war noch bei der TV-Serie Remington Steele (1982 bis 1987) unter Vertrag. Daher stand er 1985, 1986 nicht zur Verfügung und zu dem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass die TV-Serie 1987 eingestellt werden würde. Also musste man einen anderen neuen Bond suchen.

Nachdem Timothy Dalton beim Publikum nicht ankam, war Anfang 1994 klar, dass es keinen dritten Bond mit ihm geben würde

Den fand man schließlich in dem Waliser Timothy Dalton (Jahrgang 1946), mit dem man sodann einen Vertrag für drei Filme machte. Die Dreharbeiten für The Living Daylights (Der Hauch des Todes) begannen im September 1986, im Juni 1987 kam der erste Dalton-Bond dann in die Kinos. 1989 folgte der zweite James Bond-Film mit Timothy Dalton in der Titelrolle, Licence to Kill (Lizenz zum Töten) und nun war endgültig klar: Dalton, der viel besser war als es damals vielfach gesehen wurde, schlägt beim Publikum nicht ein. Der Film war an den Kinokassen zwar kein Flop, spielte die Produktionskosten locker wieder ein, aber er lockte noch weniger Zuschauer ins Kino als der letzte Roger Moore-Bond A View to a Kill (1985) und war inflationsbereinigt der am wenigsten lukrative Bond-Film der gesamten Eon-Filmreihe bis heute.

Der dritte Dalton-Bond war eigentlich schon für 1991 geplant, aber nun gab es Rechtsstreitigkeiten zwischen Eon Productions und Metro-Goldwyn-Mayer / United Artist (MGM/UA) und die Dreharbeiten wurden immer wieder verschoben. Hinzu kam, dass weder die Produzenten noch Dalton selbst sehr große Lust hatten, das gemeinsame Projekt fortzusetzen. So kam der dritte vertraglich bereits vereinbarte Film nie zustande. Im April 1994 gab Timothy Dalton schließlich bekannt, dass er keinen weiteren James-Bond-Film drehen wolle. Nun brauchte man also einen neuen Bonddarsteller.

Nach Schindlers Liste war Niam Leeson die erste Wahl, der sagte aber aus Liebe zu seiner zukünftigen Frau ab

In Probeaufnahmen testete man verschiedene Schauspieler. In Frage kamen unter anderem Mel Gibson, Hugh Grant und Ralph Fiennes. Aber die Produzenten hatten einen Favoriten: Liam Neeson. Der damals 41-jährige Nordire (Jahrgang 1952) war schon einige Jahre im Filmgeschäft, hatte etliche größere Nebenrollen in sehr erfolgreichen Produktionen gespielt, etwa in Die Bounty (1984) neben Mel Gibson und Anthony Hopkins, in Mission (1986) neben Jeremy Irons und Robert De Niro, in High Spirits (1988) neben Peter O’Toole und in Ehemänner und Ehefrauen (1992) von und mit Woody Allen. Seinen ganz großen Durchbruch hatte er dann aber 1993 in Steven Spielbergs Schindlers Liste.

Für die Rolle des Oskar Schindler, der im Dritten Reich rund 1200 Juden durch die Anstellung in seiner Fabrik das Leben rettete erntete Neeson nicht nur großes Lob von den Kritikern, er wurde für seine Darstellung zugleich für den Oscar, den Golden Globe sowie den BAFTA Award jeweils in der Kategorie Bester Hauptdarsteller nominiert. Ab diesem Film spielte Neeson in der Top-Liga. Und nun wurden auch die Bond-Produzenten auf den Nordiren aufmerksam. Er war nun ihre erste Wahl.

„Das Telefon klingelte einmal, zweimal, immer wieder.” Die 007-Macher wollten ihn. Der ein Jahr jüngere Ire Pierce Brosnan (Jahrgang 1953), der den Agenten dann ab 1995 verkörperte, war also zu der Zeit nicht mehr die erste Wahl. Doch Neeson sagte ab, weil seine Partnerin Natasha Richardson ihm sagte: „Wirst du Bond, dann heiraten wir bestimmt nie.“

In den frühen 1980er Jahren war Neeson der Lebensgefährte der großen Schauspielerin Helen Mirren, die er bei den Dreharbeiten zu Excalibur (1981) kennengelernt hatte. 1993 lernte er dann bei der Wiederaufführung von Anna Christie auf dem Broadway Natasha Richardson, die Tochter der großen britischen Schauspielerin Vanessa Redgrave und des Regisseurs Tony Richardson, kennen. In dem Film Nell (1994) standen die beiden dann gemeinsam vor der Kamera. Neeson entschied sich, die 007-Rolle nicht anzunehmen, und heiratete Natasha 1994.

Pierce Brosnan wird der neue Bond, Neeson wird mit vielen anderen Filmen zum Weltstar und findet sein privates Glück mit Natasha Richardson, erleidet dann aber seinen größten Verlust

Nun griffen die Produzenten auf ihren früheren Favoriten Pierce Brosnan zurück, den sie eigentlich schon acht Jahre zuvor haben wollten, der damals aber nicht aus seinem Remington Steele-Vertrag raus kam. Im Juni 1994 wurde Pierce Brosnan offiziell als neuer James Bond vorgestellt. Man machte mit ihm einen Vertrag über drei Filme. Im Jahr darauf, ab Januar 1995, begannen dann die Dreharbeiten zu GoldenEye, dem ersten Bond-Film mit Pierce Brosnan, der im November 1995 Uraufführung haben sollte.

Liam Neeson machte in den folgenden Jahren und Jahrzehnten weiter Karriere als gefeierter Darsteller in etlichen Filmen, wie Rob Roy (1995), Les Misérables (1998), Star Wars: Episode I (1999) und Episode II (2002), Tatsächlich Liebe (2003), Kinsey – Die Wahrheit über Sex (2004), Königreich der Himmel (2005), Batman Begins (2005), 96 Hours (2008), 72 Stunden – The Next Three Days (2010), Unknown Identity (2011), The Grey – Unter Wölfen (2012), 96 Hours – Taken 3 (2014) und viele weitere.

Vor allem aber fand Neeson sein privates Glück mit seiner Frau Natasha. Die beiden bekamen während ihrer Ehe zwei gemeinsame Kinder, zwei Söhne. Der eine wurde ebenfalls Schauspieler. Im März 2009 starb Natasha, Liams große Liebe, im Alter von nur 45 Jahren, zwei nach Tage einem Ski-Unfall an einer Blutung zwischen Hirn und Schädel. Neeson hat anschließend nie wieder geheiratet.

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