Strafanzeige erstattet: Legte Djokovic einen gefälschten PCR-Test vor?

Von Jürgen Fritz, Di. 01. Feb 2022, Titelbild: BBC-Screenshot

Seit Wochen gibt es Hinweise, dass ein PCR-Test, den Novak Djokovic in Australien vorlegte, um trotz fehlender COVID-19-Impfung ins Land einreisen zu können, gefälscht war. Laut serbischen Medien wurde deswegen nun Strafanzeige gegen unbekannt erstattet. Sollten die Strafermittlungsbehörden dem nachgehen, könnte das auch für Djokovic mehr als unangenehm werden.

Ein von Anfang an höchst dubioser Vorgang

Der Noch-Weltranglistenerste Novak Djokovic reiste Anfang Januar mit einer sehr fragwürdigen Ausnahmegenehmigung in Australien ein, obschon er nicht gegen COVID-19 geimpft ist und Australien eigentlich nur geimpfte Ausländer einreisen lässt. Der Serbe behauptete, er wäre am 16. Dezember positiv getestet worden und am 22. Dezember 2021 negativ, gelte somit als genesen und könne daher die von Tennis Australia angekurbelte Ausnahmegenehmigung in Anspruch nehmen.

Diese Behauptungen wirkten nie so recht glaubwürdig, da Djokovic sowohl am 16. als auch am 17. Dezember öffentlich auftrat und sich keineswegs in Isolation begab, wie dies auch in Serbien vorgeschrieben ist, wo Nole sich zu der Zeit aufhielt. Am 17.12. hatte er sogar Kontakt mit mehreren Kindern.

Selbst am 18. Dezember war er nicht in Isolation, sondern nahm einen Pressetermin mit der französischen L’Equipe wahr, bei dem er dem Journalisten und Fotografen nichts von seiner angeblichen Infektion sagte.

Über Weihnachten wurde er ebenfalls in der Öffentlichkeit gesehen, als er zum Beispiel mit einem Jungen auf der Straße Tennis spielte. Und an Silvester war er dann auf Marbella, Spanien – was er im Übrigen bei seinem Visumsantrag verschwieg und dort Falschangaben machte – wieder mit Kindern in Kontakt.

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Djokovic am 16.12.2021 in Serbien, 9 News Australia-Screenshot

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Am 17.12.2021 in seiner Tennisakademie in Belgrad, Serbien, 9 News Australia-Screenshot

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Am 18.12.2021 beim Interview und Fotoshooting mit L’Equipe

Djokovic an Weihnachten in Belgrad-2

An Weihnachten in Belgrad beim Tennisspiel auf der Straße mit einem Fan, 9 News Australia-Screenshot

Silvester in Spanien

An Silvester in Marbella, Andalusien, Spanien, 9 News Australia-Screenhot

Silvester in Spanien 2

An Silvester in Marbella, Andalusien, Spanien, 9 News Australia-Screenhot

Der Verdacht der Fälschung

Der Verdacht lag von Anfang an nahe, dass dieser positive PCR-Test vom 16.12.2021 gefälscht war. Denn er passte zeitlich haargenau. Die Frist, eine Bestätigung vorzulegen, dass man sich vor mindestens 14 Tagen mit SARS-CoV-2 infiziert hatte und genesen sei, wurde von der Turnierleitung der Australian Open und Tennis Australia (Craig Tiley steht beiden vor) extra für Djokovic und nur für ihn vom 10. Dezember auf den 30. Dezember verlängert (Lex Djokovic). Und siehe da, genau 14 Tage vorher stellte sich die Infektion ein, was seltsamerweise allerdings erst Wochen später bekannt wurde, so dass die 14 Tages-Frist genau eingehalten werden konnte.

Novak's deadline

9 News Australia-Screenshot

Novak's Positivtest

9 News Australia-Screenshot

Zerforschung hatte zusammen mit dem SPIEGEL bereits am 11. Januar darüber berichtet, dass hier einige Ungereimtheiten bestehen bezüglich der beiden PCR-Tests, die Djokovic vorlegte. Zerforschung titelte Die zeitreisenden PCR-Tests des Novak Đoković und der SPIEGEL New Inconsistencies in the Novak Djoković Case – Were the Results of a Positive PCR Test Manipulated?.

Zerforschung schrieb: „In Zusammenarbeit mit dem SPIEGEL haben wir uns die Gerichtsdokumente auch einmal angeschaut und versucht, die technischen Zusammenhänge nachzuvollziehen.“ PCR-Testergebnisse würden in Serbien über ein staatliches Testergebnisregister verwaltet. Nach dem Test bekomme man ein Testzertifikat mit einem QR-Code. Wenn man diesen scanne, komme man zur Website des Testregisters und könne den Test so validieren. Mit Hilfe der Testergebnisseite lasse sich aber nicht überprüfen, wann jemand getestet wurde. Aber Zerforschung hat sich dann die URL etwas genauer angesehen und stellte fest: In dieser steht ein Code, der mit einem Unix-Timestamp beginnt. Die Technik-Forscher schreiben dann weiter:

„Unix-Timestamps sind ein Standard, um Zeitpunkte zu repräsentieren. Dabei werden die Sekunden seit dem 1.1.1970 um Mitternacht hochgezählt. Der aktuelle Zeitpunkt ist damit: 1641903476, also etwa 1,6 Milliarden Sekunden seit Beginn der ‚Unix-Zeitrechnung‘. Und dieser Timestamp aus dem Zertifikat (1640187792) lässt sich auch zu einem Menschen-lesbaren Zeitpunkt umrechnen; beim negativen Test vom 22. Dezember stimmen Timestamp und Datum im Testzertifikat überein.“

Bei Dokovics positivem PCR-Test, der laut Gerichtsdokument angeblich am 16. Dezember ausgewertet sein soll, sei der Timestamp (1640524880) aber gar nicht vom 16. Dezember, sondern vom 26. Dezember. Die Test-ID des positiven Tests (7371999) vom 16.12. sei größer als die des negativen Tests vom 22. Dezember (7320919). Der angeblich früher durchgeführte Test wurde also später ins System eingetragen.

In einem Update schrieb Zerforschung dann:

„Auf HackerNews wurden die Timestamps erklärt: Diese werden neu generiert, wenn man das PDF mit dem Ergebnis herunterlädt. Das erklärt die Ungereimtheiten bei den Timestamps – allerdings nicht die bei den Test-IDs – denn diese bleiben gleich. Und auch in diesen gibt es Ungereimtheiten. Die Test-IDs sind aufsteigend, somit sollte das Ergebnis vom 16.12. eine niedrigere Nummer haben als das vom 22.12. Allerdings ist es genau umgekehrt.

Kurzum, es liegt der Verdacht nahe, dass hier etwas gedreht wurde, dass Djokovic, wenn überhaupt, wohl eher am 26. Dezember positiv getestet wurde und nicht am 16. Dezember. Dies würde auch erklären, warum er am 16.12.2021, am 17.12.2021, am 18.12.2021 und an Weihnachten öffentlich unterwegs und keineswegs in Isolation war. Eine Infektion am 26. Dezember plus 14 Tage Isolation bzw. Zeit bis zur Genesung hätte aber nicht gereicht, um die verlängerte Frist zur Einreichung des Antrags auf eine Ausnahmegenehmigung bis zum 30. Dezember (Lex Djokovic) einzuhalten. Es gibt also massive Hinweise, dass hier etwas gefälscht und verdreht wurde. Die Frage ist jetzt: Von wem?

Strafanzeige gegen unbekannt erstattet

Die letzten Tage haben nun die beiden serbischen Medienportale Kurir und Novosti berichtet, dass im Zusammenhang mit Djokovic eine Strafanzeige gegen unbekannt erstattet worden sei. Der Grund: der PCR-Test, den Djokovic in Australien vorgelegt hat. Dieser soll gefälscht gewesen sein.

Es gibt zwar noch keine offizielle Bestätigung, aber der ehemalige serbische Bildungsminister Milovan Suvakov arbeitet inzwischen als Wissenschaftler in den USA und hat die Dokumente genau analysiert. Er kommt zu dem Schluss, dass mit dem Testergebnis etwas nicht stimmen kann. Laut den Medienberichten soll Suvakovs Auswertung als Grundlage für die Strafanzeige dienen.

Die Strafanzeige richtet sich dabei nicht gegen Novak Djokovic, sondern gegen unbekannt. Sollten hier aber Ermittlungen der Strafverfolgungsbehörden aufgenommen werden und sich der Verdacht bestätigen, so könnte es leicht passieren, dass auch Djokovic ins Visier der Ermittlungen gerät.

BBC kommt zum gleichen Ergebnis

Auch die britische BBC recherchierte inzwischen in diesem Zusammenhang, siehe auch hier: Novak Djokovic: Doubts over timing of Covid test. Und auch die BBC kommt wie Zerforschung, wie der SPIEGEL, wie Milovan Suvakov zu dem Ergebnis, dass die Seriennummer von Djokovics angeblichem positiven Test vom 16. Dezember zu PCR-Untersuchungen passe, die tatsächlich zwischen dem 25. und 28. Dezember durchgeführt wurden.

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Dass Djokovic gar nichts davon mitbekam, dass er um den 26. Dezember herum positiv getestet wurde, ist dabei schwer vorstellbar. Außerdem behauptete er ja wiederholt, er habe die Nachricht von dem positiven PCR-Test am Abend des 16. oder 17. Dezember bekommen. Sollte aber nachgewiesen werden können, dass der positive Test zwischen dem 25. und dem 28. Dezember durchgeführt wurde, wäre Djokovic eindeutig der Lüge überführt. Und dann läge es auf der Hand, dass auch gegen ihn ermittelt werden müsste.

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