Jesus – ein radikaler Egalitarist?

Von Jürgen Fritz

Aus seinem Wirken entstand das Christentum, die größte aller Weltreligionen mit mehr als zwei Milliarden Anhängern. In seiner Lehre konzentrierte sich Jesus von Nazareth primär auf die Armen und Schwachen und frönte einem radikalen Egalitarismus, der sich inzwischen zu einem wahren Gleichheitsfetisch entwickelte. War der Nazarener letztlich ein Feind jeglicher Aristokratie, was Europa nun in den Untergang zu führen droht?

Palästina zur Zeit Jesu

In Teil 1 meiner Jeus-Trilogie ging es um die Frage, wer der „Prophet“ Jesus von Nazareth eigentlich war und ob es sich bei dieser Person letztlich nicht um einen jüdischen Nationalisten handelte. Hier in Teil 2 geht es um die Frage, wo seine Fixierung auf die Armen und Schwachen herrührte und ob er damit die Ideen des Sozialismus und des Anti-Imperialismus grundlegte, die Europa zu Grunde richten drohen. Denn wie sonst wäre erklärbar, dass die gesamte westliche Welt kollektiven Suizid zu begehen droht? Um das zu verstehen, müssen wir tief graben, viel tiefer als nahezu alle bisher gegraben haben.

Palästina stand vor zweitausend Jahren unter römischer Herrschaft, zuweilen direkt, zuweilen unter romtreuen oder von Rom eingesetzten Machthabern. Es war politisch vollkommen bedeutungslos, befand sich quasi im Schatten der Weltgeschichte. Hinzu kamen massive kulturelle und religiöse Einflüsse der herrschenden Mächte. Dies alles kollidierte empfindlich mit den Verheißungen an das Volk Israel, welches sich als das von dem einen und einzigen Gott (Jahwe) auserwählte ansah. Die Juden verarbeiteten diesen eklatanten Widerspruch auf unterschiedliche Weise. In der Folge von Religionskriegen und innenpolitischen Auseinandersetzungen bildeten sich verschiedene religiöse Gruppierungen heraus, die ihre je eigene Antworten auf diese Widersprüchlichkeit zwischen religiöser Lehre und erlebter Wirklichkeit zu finden versuchten.

Die Pharisäer arbeiteten an einer Erneuerung des Judentums durch die Pflege und Fortführung der eigenen Tradition. Die aristokratisch gesinnten Sadduzäer konzentrierten sich auf die wortgetreue Toraauslegung und den Tempelkult. Sie kritisierte Jesus besonders heftig. Die Essener lebten abgeschieden in der Wüste und bereiteten sich durch eine strenge religiöse Lebensführung auf die erwartete Endzeit vor. Die Zeloten wollten dagegen die Verheißungen an Israel mit politischen und militärischen Mitteln durchsetzen. Hinzu kamen messianische Erlösungsbewegungen, die auf einen jüdischen König hofften, der eine gerechte politische Herrschaft herstellen sollte und zugleich religiöse Erlösung. In dieser angespannten mentalen, politischen und religiösen Gemengelage tauchte gegen Ende des dritten Jahrzehnts unserer Zeitrechnung Jesus als charismatischer Wanderprediger auf mit seiner je eigenen Lehre.

Fixierung auf die Armen und Grundlegung sozialistischer Ideen

Jesus sah sich vor allem zu den Armen, Schwachen, Kranken und zu denen gesandt, die wegen Übertretungen verachtet wurden (Mk 2,17):

Nicht die Starken brauchen einen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.“

Damit waren unter anderem jüdische „Zöllner“ gemeint, die für die Römer Steuern eintrieben, oft dabei ihre Landsleute übervorteilten und daher gehasst und gemieden wurden. Nach Lk 19,8 lud Jesus sie zum Teilen mit den Armen ein, nach Mt 6,19-24 deutete er das Anhäufen von Besitz als Bruch des ersten Gebots. Erst mit der Besitzaufgabe für die Armen erfülle der gesetzestreue Reiche alle Zehn Gebote.

Der sozialistische Umverteilungsgedanke, ständig von oben nach unten umzuverteilen, geht also direkt auf den jüdischen Wanderprediger zurück. Dieser ergriff eindeutig Partei für die Armen. Ihnen galt sein Hauptaugenmerk, wenn nicht sogar seine ausschließliche Aufmerksamkeit. Auch das heutige antiimperialistische Denken der Linken dürfte genau hier seine tiefere Grundlage finden. Denken Sie an das Schlüsselwerk der neuen Linken Die Verdammten dieser Erde von Frantz Fanon. Oder denken Sie an Jean-Jacques Rousseaus Menschenbild und seine Verklärung des „edlen Wilden“. Das Grundmotiv ist hier immer das gleiche: Die Verherrlichung der Niederen, der Gepeinigten, der zu kurz Gekommenen, die implizit oder explizit als die moralisch Besseren dargestellt werden, was empirischen Befunden eigentlich widerspricht.

Denn tatsächlich ist es eher so, dass Intellekt, Erfolg, Reichtum und Moralität positiv miteinander korrelieren und umgekehrt niederer Intellekt, Erfolglosigkeit, Armut und geringere Moralität. Denken Sie nur daran, wie es in deutschen oder europäischen Unterschichten zugeht (schauen Sie mal eine Stunde Nachmittagsfernsehen). Oder schauen Sie sich die arabisch-islamische und afrikanische Welt an, was Intellekt, Bildung, Armut, Kriminalität und moralische Standards anbelangt.

Die Seligpreisungen – Umwertung der Werte

Dem stellt Jesus in den Seligpreisungen der Bergpredigt folgendes entgegen:

„[…] Selig seid ihr Armen; denn das Reich Gottes ist euer. Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr jetzt weint; denn ihr werdet lachen. […] Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr habt euren Trost schon gehabt. Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht! Denn ihr werdet weinen und klagen. […]“ (Lukas 6,20-26). „So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten“ (Matthäus 19,30).

Was wir hier sehen, ist – ähnlich wie bei Mohammed – eine Umwertung der Werte, von denen vor allem die Armen, Kranken und Schwachen profitieren. Diese Menschen waren die ersten und wichtigsten Adressaten Jesu. Denn diesen gab der Nazarener damit Hoffnung auf Belohnung im Jenseits und spendete damit unendlich viel Trost. Wer, wenn selbst davon betroffen, könnte dieser Verheißung widerstehen?

Sozialhistorische Untersuchungen erklären dies aus den damaligen Lebensumständen: Juden litten unter Ausbeutung, steuerlichen Abgaben für Rom und den Tempel, täglicher römischer Militärgewalt, Schuldversklavung, Hunger, Epidemien und sozialer Entwurzelung. Was die Sozialisten und Anti-Imperialisten dann später machen werden, ist einfach diese Belohnung, diese Umwertung der Werte vorzuziehen. Wenn das das Ideal darstellt, wenn es das ist, worauf alles hinausläuft, worauf alles zulaufen soll, weil es das einzig Richtige ist, warum dann nicht sofort mit der Realisierung und Umsetzung beginnen?

Das Ideal, sich ganz und ausschließlich auf die Armen zu konzentrieren, wurde von Jesus gesetzt. Geändert wurde nur der Weg, dieses Ideal, welches ja gar nicht falsch sein kann, wenn es doch direkt vom einen und einzigen Gott kommt, zu erreichen. Daher fühlen sich die Sozialisten, die zwar nicht mehr an diesen Juden- oder Christengott glauben, die Morallehre des Nazareners aber ganz tief verinnerlicht haben bis in die innersten Fasern ihrer Seele, auch gerechtfertigt, alles zu tun, um das durchzusetzen. Alles! Denn sie tun es ja für das Gute, so meinen sie.

Das Ideal des Egalitarismus und die inneren Widersprüche der Lehre

John Dominic Crossan zufolge verbreitete die Jesusbewegung durch „kostenloses Heilen und gemeinsames Essen“, ohne sesshaft zu werden, einen radikalen Egalitarismus, in welchem absolute politische und soziale Gleichheit angestrebt wird. Denken Sie hier an die ständigen Forderungen gleicher Lebensverhältnisse in ganz Deutschland, in der ganzen EU, langfristig in der ganzen Welt als Ideal der Egalitaristen, das sich zu einem regelrechten Gleichheitsfetisch entwickelt hat. Individueller Besitz und Eigentum, die gerade erst Hochkulturen entstehen lassen, werden in solchen Gruppen oder Gesellschaften nur noch als nachrangige Werte angesehen. Und hier sehen wir erneut die Nähe zum späteren Sozialismus, der ebenfalls radikal Partei ergreift für die Armen und Schwachen.

Hier tun sich natürlich auch schwere innere Widersprüche in der ganzen Jesu-Lehre auf. Wenn der eine und einzige Gott, der allmächtige Schöpfer, selbst ein Anhänger des Ideals der Gleichheit ist, warum hat er die Menschen dann so ungleich geschaffen in Bezug auf Gesundheit, Kraft, Intelligenz, Fleiß, Schönheit, Attraktivität und all der Tugenden? Warum gibt er ihnen so Unterschiedliches an Talenten und sonstigem mit und verlangt dann, dass seine Geschöpfe Tag für Tag die Ungleichheit, die er selbst geschaffen hat, wie Sisyphos versuchen sollen abzubauen, was ihnen doch niemals gelingen kann.

Dieses Konstrukt, diese Welterklärung ergibt überhaupt keinen Sinn, soll aber auch von den Anhängern nicht unbedingt kritisch auf ihre Plausibilität und Richtigkeit hinterfragt werden (Kritikimmunisierung durch die Behauptung der Göttlichkeit Jesu). Der eine und einzige Gott und sein einziger Sohn, der selbst als göttlich dargestellt wird, werden ja gerade jeder Kritik enthoben, ja diese wird später regelrecht sanktioniert bis hin zur Todesstrafe. Der Sinn des Konstruktes selbst ist wohl auch ein anderer, nicht der einer wahren Beschreibung der Realität, sondern vielmehr die Implementierung einer Lehre, die Trost zu geben verspricht, um so die natürliche Ungleichheit, die wir ja meist irgendwie als ungerecht empfinden – warum sind andere von Natur aus besser weggekommen als ich?! -, eher aushalten zu können. Trost vor allen Dingen für die Notleidenden. War Jesus daher letztlich ein Linker?

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Lesen Sie in Teil 3: Jesus – ein Linker, der Europa eine schwere Bürde auferlegte?

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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19 Antworten auf „Jesus – ein radikaler Egalitarist?

  1. Surgeon100

    Es gibt keinen Widerspruch in der Lehre, keinen !
    Widerspruch gibt es nur bei denen, die versuchen geistige Wahrheiten rein rational zu verstehen und zu erfassen.
    Gott wird aber nie von der Ratio alleine erfasst,
    die Wahrheit Gottes ist immer geistig, aber nie esoterisch.
    Es existiert auch eine Gleichheit nur am Ausgangspunkt, und am Prinzip, danach und sonst aber nicht mehr.
    Am Ende werden der Behinderte, der Schlaue, der Reiche, der Arme und alle gewogen alleine nach dem, was sie aus ihrem Inneren gemacht haben nach ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten !

    Und da werden ganz Arme und Ausgestoßene glanzvoll auferstehen, und viele andere Große jämmerlich abgeurteilt werden.

    Es gelten 2 Grundsätze:

    1. Das Reich Gottes steht nicht in Worten, sondern in Kraft (Zitat).

    2. Was ihr einem meiner Geringsten getan ! habt, das habt ihr mir getan, und was ihr einem meiner Geringsten NICHT getan habt, habt ihr auch mir NICHT getan.

    Also Tun ! nicht reden, erkennen und dann tun !

    Reich oder arm haben keine Bedeutung.
    Siehe folgendes Beispiel:

    Es geht eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, denn ein Reicher in den Himmel !

    Also ! Die Christen haben NULL Ahnung was das bedeutet !
    Ein Kamel geht NIE durch ein Nadelöhr, also geht NIE ein Reicher in den Himmel ??

    Nur war das Nadelöhr ein Tor in der Stadtmauer Jerusalems, wo jeder rein konnte, nur war es so klein, dass man sich auf dem Esel oder Pferd tief beugen mußte !

    Also ! Wer die richtige innere Einstellung hat, den verdirbt weder Macht noch Geld !

    Nur wenige haben das Christentum geistig erfasst, denn dazu braucht es eine göttliche Seele.
    Ich preise hier ausdrücklich meinen Vater im Himmel,
    denn er hat diese Welt erschaffen, er kennt jede Wissenschaft, er weiß jeden Spatz dem eine Feder ausfällt.
    er kennt die Gedanken aller ! Menschen,
    er weiß die Zukunft, jedes Detail, er kennt die Biologie, alles !
    Und er ist keine Einbildung, und keine Suggestion und kein Glaube.

    Aber es gilt eins: den Großen und Weisen dieser Welt hat er es verborgen, den Ehrlichen und Unmündigen hat er es offenbart.
    Und seine Gerechtigkeit ist größer als alle Welten zusammen. Auch sein Gericht.

    Aber ich weiß, hier lesen und schreiben auch Antichristen, die gerne schon mal sogar die Polizei gegen Aussagen und Wahrheiten einschalten wollen.
    Der Teufel selbst ist oft genug direkt sichtbar, vor allem, wenn er direkt mit der Wahrheit angegriffen wird !

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    1. gis1855blog

      Winderbar ausgeführt. Danke.
      Aus Jürgen Fritz Ausführungen lassen sich ausschließlich blindwütiger Hass auf christliche wie auch allgemeine Glaubenswerke herauslesen.
      Was immer der Grund dafür ist, seine Aussage sind unstimmig und weit hergeholt.
      Jesus lehrte mit seinen Werken und Nachlass die Menschen sich für ihr eigenes und andere Menschen Verantwortung zu übernehmen.
      Dabei soll sich jeder jedoch ganz besonders auf den Nachsatz seiner Bergpredigtaussage „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst“ besinnen.
      Also seiner Verantwortung für sein tun bewusst zu sein.
      Das ist die Grundaussage seiner Botschaften, welche man ja auch schon om alten Testament vorfindet “ Gehet hin in alle Welt und macht Euch die Erde untertan, weißt ja auch schon auf die persönliche Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst, doch auch, soweit möglich für Mitmensch, Natur und Umwelt hin.
      Immer daran denkend, das Tragfähigkeitsprinzip zu beachten!

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  2. Klaus Prehn

    So sehe ich und auch sehr viele Freunde und Bekannte es. Man kann es durchaus so deuten wie von Ihnen verfasst, ohne einer Religion oder religiösen Gemeinschaften etwas abzuringen…!

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  3. Bloggich

    Wäre er ein Linker hätte er nicht barmherzig agiert und geholfen, wo Hilfe nötig war und die reichere Kaste bekriegt, Gleichgesinnte mobilisiert, die sog. Reichen zu vernichten.

    Das tat er nicht. Er hat nicht gleichgemacht, er linderte Not wo möglich. Vernichtete oder versuchte Vernichtung aber nicht gleichzeitig.

    Der Vergleich ihn als Linken sehen zu wollen hinkt. Ich sehe eher Parallelen zum Buddhismus

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    1. Chrisamar

      Aus christlicher Sicht sind Buddhisten „Teufelsanbeter“ und auch ich teile diese Ansicht. Tatsächlich ist die christliche Lehre das Gegenstück zum bis heute existierenden Kastenwesen. Die Essenz der christlichen Lehre ist, dass sich niemand für Armut schämen muss und das geistige Armut ein bedauernswerter Zustand ist.
      Mit freundlichem Gruß!

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      1. Klaus Prehn

        Nee, es ist tatsächlich so, es wurde von Menschen niedergeschrieben, von Menschen mit eigenen Interessen!? Von Menschen eben, von Menschen mit Stärken und Schwächen eben, wie sie es gab und immer geben wird, auch eben Menschen mit pervertiertem Gedankengut> So war es,ist es und so wird es bleiben!

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  4. Pingback: Jesus, der Trostspender für die Notleidenden – Leserbriefe

  5. greypanter

    Eine sehr eigenwillige Bibelinterpretation! Ein kritischer Bibelleser wird einwenden, dass die vier Evangelisten höchst wahrscheinlich eine euphorisch verklärte Darstellung vom Leben ihres großen Vorbilds Jesus verfasst haben. Trotzdem ist die Darstellung der historischen Umgebung, in welcher Jesus wirkte, sehr interessant. Die Beweggründe, aus denen die Forderung einer Umverteilung erhoben wird, dürften allerdings weitaus profaner sein, als in obigem Beitrag angenommen: Die christlichen Lehrmeister versuchen durch Verheißung ewiger Glückseligkeit nach dem Tod an fremdes Eigentum zu gelangen, der Sozialismus und der Islam mit nackter Gewalt. Meistens fließt ein unverhältnismäßig großer Anteil der vereinnahmten Güter in die Taschen der Moralprediger und im Übrigen kommt es zu einer allgemeinen Verarmung. Auch die von unserem Staat verhängte Steuerlast kann großenteils als fragwürdige Umverteilung durch Gewaltanwendung betrachtet werden. Ob christliche oder sozialistische Motive dahinter stecken spielt beim Ergebnis der Umverteilung keine Rolle. So wurde der sozialistische Raffzahn Martin Schulz zum Millionär und zur Kirchensteuer wäre einiges anzumerken.

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  6. Benjamin Goldstein

    Der eigentliche Problem für das Abendland ergab sich kurz nach Jesu Tod. Jesus hatte ein sehr laxes Verhältnis zum jüdischen Gesetz. Seine Nachfolger glaubten, dass Gesetz sei erfüllt wenn man Jesu, dem König der Juden (Messiah), nachfolge. Paulus erklärte, dass diese Nachfolge im Glauben bestehe. Und hier liegt der springende Punkt, die Ursünde der westlichen Zivilisation: Musste man vorher nur sein Verhalten an die Umgebung passen, lag nun das Gewicht auf das Denken. Das Christentum sorgte also nicht für weniger, sondern für mehr Strenge. Andersdenkende wurden zu Häretikern und heute zu „Hetzern“.

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    1. Klaus Prehn

      So ist es…! Auch für Maschinen und Mensch gilt:“ Das Problem ist fast immer der Mensch, nicht die Technik“.

      In allen Fragen und Bereichen ist es so…! Die Religion ist aussen vor.

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    2. Jürgen Fritz

      Die Religion ist doch gerade das Produkt des Menschen, ist ein Teil von ihm, was mit seiner inneren Struktur zusammenhängt. Der große Anthropologe Helmut Plessner sprach ja bekanntlich von der exzentrische Positionalität des Menschen, die, so könnte man sagen, ihn zwangsläufig zur Religion treibt.

      Oder anders, einfacher ausgedrückt: Der Mensch kommt in einem bestimmten Stadium seiner geistigen Entwicklung zwangsläufig auf die Religion, weil er a) genug Phantasie besitzt, um diese zu ersinnen oder sich vorzustellen – das kann kein Tier! -, und weil er b) innerlich so fragil ist, dass er des Trostes bedarf, um das, was er dank seines dem Tier weit überlegenen Verstandes zu erkennen vermag, zugleich aber nicht genug Vernunft besitzt, um souverän mit diesen Erkenntnissen umzugehen.

      Der Mensch ist quasi einerseits – gemessen am einfach dahinlebenden Tier – zu viel, andererseits gemessen an dem, was es alles zu erkennen gäbe, und gemessen an all den Widersprüchen zu wenig. Um dies auszuhalten, bedürfen viele Menschen der Religion, um nicht der Depression anheim zu fallen.

      Auf einer höheren Stufe kann die Religion überwunden werden und – wie Sloterdijk es formulierte – als fehlgedeutete Kontemplation, als fehlgedeutete meditative Übung, als misslungene Spiritualität verstanden werden.

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  7. Jule

    „Wer ohne Schuld – der werfe den ersten Stein „ !
    Mehr brauchte ich nicht um zu verstehen was dieser – unbestritten außergewöhnliche Mensch – wollte.
    Ich habe mich vielfältig und vielseitig mit diesem Jesus „ Christus „ beschäftigt, wohl weil ich als bekennende Agnostikerin offener bin als Atheisten …
    Und genau daraus – so offensichtlich gegenüberstehenden Sichten – haben die diversen Ideologien …
    ( Religionen ) ihr Geschäftsmodell … entwickelt.
    Ab „Anno 0“ … der Zeitenwende dieses „ Revoluzers „ Jesus – KEINER wollte die SCHULD auf sich laden und „seine Hände in Unschuld“ waschen …
    Ab da jedoch begann eine Entwicklung die bis ins Heute heftigste … … „ Verwerfungen „ hervorbrachte.

    Sehen wir gen Israel Anno 2018 :
    „Der Tag des Bodens“ …
    Muslime wollen zurück auf den Boden ihrer Ahnen – die jedoch weit später kamen als die Ur jüdische Bevölkerung zuvor …

    War das „Christentum „ nur eine Zwischenstation ?
    Vergleichen wir das AT mit dem Koran – und stellen das NT gegenüber.

    Was sich bei intensiver Sicht … zeigt ist Hass/Rache/Prüfung … gegen – bedingungslose … Nächsten- Liebe.
    Nu liebe ich meinen Bruder, meine Schwester – und käme nie nicht auf die Idee Ihnen wegen eines „ verkehrten“ Rauches … das Leben zu nehmen … im Glauben dadurch … anstelle … meinen Rauch in „gewünschte“ Richtung zu bringen …

    Genau genommen hat „Gott“ den Rauch Kains NIE – anstelle des Rauchs Abels … aufsteigen lassen. Im Gegenteil … bekam Kain das „Kains-Mal“ für den Brudermord …
    Und auch Abels Entscheidung nicht schlicht NEIN, diese Frucht esse ich nicht … hätte gereicht um unfassbar viel UNHEIL zu verhindern.

    Aber … es wurde nun mal anders entscheiden … bzw. „Geschichten“ … geschrieben.
    Von MENSCHEN ! Mit eigenen Interessen …
    Weit weg … jedwedem schaffendem, klugen, Ressourcen fair verteilenden SCHÖPFER-GEIST.

    Aber an diesem irrsinnigen (!) Komplex … mittlerweile so gut wie undurchdringlich … haben sich schon viele Menschen den Kopf zerbrochen … – sind in der Verzweiflung versunken … – haben aufgegeben …

    „Am Ende bleibt- was immer blieb … „ :

    Werden, Sein, Vergehen … Ob Triskele … – oder Trinität …

    Wiederkehr ?

    In Hölle – oder Himmel … … gehorcht, seid BRAV … – wenn ihr auf „ Wolke 7“ das – versprochene – Paradies erLEBEN möchtet … …

    Geht’s eigentlich noch perverser, gemeiner … … ?

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  8. Jule

    Und genau da finde ich eine Antwort auf einen Artikel „ Europa – eine Jugend ohne Religion“ ( Contra Magazin).

    Zwang, Druck entwickelt immer – dem Naturgesetz nach – Gegenwehr.

    Jeder Gärtner … kennt das – im Grunde einfache … Prinzip. Was oben abgeschlagen wird wächst unten in gleichen Maß nach … der Gärtner … muß zwangsläufig die Wurzel … vernichten .,.
    Und wenn nix … mehr hilft … wird die Chemie-Keule eingesetzt … – nix BIO … …

    Das Starke setzt sich durch, das Schwache ( kranke, geschwächte … ) verliert.

    Dieses NATURGESETZ ist unüberwindbar.
    Verlieren werden die – gezielt – „Abgehängten „ wie auch die Gutgläubigen … und auch – gerade – jene die sich dem Traum eines besseren Lebens – von Schleppern ( Menschenhändlern ) ins Ungewisse … befördert – im „Nirvana“ landen …

    Allüberall nur UNHEIL … und jeder behauptet der „Andere“ habe den ersten Stein geworfen …

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