Hamed Abdel-Samad: Zeigen Sie Größe, Frau Merkel, und treten Sie zurück! Sie waren und sind nicht alternativlos

Von Jürgen Fritz, Mo. 11. Jun 2018

Manche sehen in ihr eine Art Mutter Teresa, andere die Weltkanzlerin und „Führerin der freien Welt“. Gertrud Höhler bezeichnete sie schon vor Jahren in Anspielung an die Mafiafilme als Die Patin. Wieder andere vermögen in ihr nichts weiter zu sehen als eine gemeine Rechtsbrecherin und Totalversagerin im Kanzleramt, einige sogar als diejenige, die Deutschland und Europa den größten Schaden zufüge seit Adolf Hitler. Die Einschätzungen bezüglich Angela Merkel gehen weit auseinander, sehr weit. Eines steht jedoch fest: Die Rücktrittsforderungen werden immer lauter, so auch heute von Hamed Abdel-Samad.

Der Autor des Briefes

Hamed Abdel-Samad wurde am 1. Februar 1972 bei Kairo (Ägypten) als drittes von fünf Kindern eines sunnitischen Imams geboren. Als Student war er Mitglied der radikal-islamischen Muslimbruderschaft. 1995 kam er im Alter von 23 Jahren nach Deutschland. Bald darauf heiratete er eine 18 Jahre ältere „rebellische linke Lehrerin mit Hang zur Mystik“, wie er es selbst formulierte. Nicht aus Liebe, „sie hatte die Lohnsteuerklasse drei und ich den deutschen Pass vor Augen“.

Er studierte Englisch und Französisch in Kairo sowie Politik in Augsburg, später auch noch Japanisch in Japan. Abdel-Samad arbeitete als Wissenschaftler in Erfurt und Braunschweig sowie in Japan, wo er sich für Shintoismus und Buddhismus interessierte. In Japan lernte er dann seine spätere zweite Ehefrau kennen, deren Vater Däne und deren Mutter Japanerin ist. Bis 2009, er war jetzt 37, lehrte und forschte er am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Er begann eine Dissertation zu dem Thema: „Bild der Juden in ägyptischen Schulbüchern“, die er aber nicht abschloss.

2010 wurde Abdel-Samad als Teilnehmer der 2. Deutschen Islamkonferenz vom damaligen Bundesinnenminister Thomas de Maizière berufen. Seit 2011 ist er im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. 2013 war er Redner auf der 2. Kritischen Islamkonferenz. Seit 2015 ist er im Beirat der Raif Badawi Foundation for Freedom. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Abdel-Samad bekannt vor allem durch die in der ARD ausgestrahlte Satiresendung Entweder Broder, zusammen mit Henryk M. Broder (2010-2012) und durch seine Bücher, unter anderem:

  • Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland (2009)
  • Der Untergang der islamischen Welt – Eine Prognose (2010)
  • Krieg oder Frieden: Die arabische Revolution und die Zukunft des Westens (2011)
  • Der islamische Faschismus: Eine Analyse (2014)
  • Mohamed – Eine Abrechnung (2015)
  • Der Koran: Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses (2016)
  • Integration: Ein Protokoll des Scheiterns (2018)

Heute veröffentlichte Hamed Abdel-Samad nun auf seiner Facebookseite einen offenen Brief an die noch amtierende Bundeskanzlerin.

Abdel-Samads offener Brief an Merkel

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, Sie wollen nach dem Mord von Susanna die Integration mehr ernst nehmen, sagten Sie gestern bei Anne Will. Erstens: Sie hätten die Integration mehr ernst nehmen müssen, als Sie vor vielen Jahren Multikulti für gescheitert erklärt haben. Denn wenn ein Projekt scheitert, braucht man ein neues Projekt oder zumindest ein neues Konzept. Beides haben Sie nach zwölf Jahre Regierung nicht zustande gebracht. 

Zweitens hat der Mord von Susanna nichts mit mangelnder Integration zu tun, denn der Täter hätte von Anfang an keinen Anspruch gehabt, Deutschland zu betreten, und hätte nach der Ablehnung seines Antrags das Land verlassen müssen. Das gilt auch für den Fall Anis Amri und für viele der Täter der Silvesternacht in Köln und viele andere frühere und zukünftige Täter, die immer noch unter uns leben.

Es ist Zeit, dass Sie handeln, Frau Merkel. Floskeln, wie „Wir schaffen das“ oder „Wir müssen genauer hinschauen“ reichen nicht mehr aus. Die Grenzöffnung war Ihre Entscheidung, die Sie weder mit dem Parlament noch mit den Bürgern dieses Landes noch mit den europäischen Partnern ausgehandelt haben. Man kann verstehen, dass Sie damals unter Zeitdruck standen oder emotional ergriffen waren von den Bildern aus Ungarn. Aber Sie wurden nicht gewählt, um das Leid der Welt zu lindern, sondern um Schaden von Deutschland abzuwenden und um sein Nutzen zu mehren. Erklären Sie uns, wie sie dies mit der Grenzöffnung geleistet haben! 

Sie haben die Gefahren unterschätzt, die mit dieser Entscheidung verbunden waren. Die Gegner dieser Entscheidung haben Sie mit dem Satz erpresst „Das wäre nicht mein Land“. Drei Jahre sind vergangen seit Beginn der Krise, auch viel Zeit seit den Ereignissen von Köln und dem Anschlag von Berlin, und es liegen immer noch keine Konzepte vor, wie Ihre Regierung mit diesen Phänomenen umgehen kann. Sie haben sowohl die Flüchtlinge als auch die Aufnahmefähigkeit Ihrer eigenen Bevölkerung falsch eingeschätzt.

Sie haben sich auf die Einschätzung von Beratern und Studien verlassen, die die Lage nur kleinreden oder beschönigen und haben sich nie mit den Kritikern Ihrer Flüchtlingspolitik ernsthaft auseinandergesetzt. Sie und Ihre Berater sahen sich als die Guten und der Rest war Dunkeldeutschland. Einer Dame, die Ihnen von Ihrer Angst vor den Entwicklungen erzählte, sagten Sie, sie solle häufiger in die Kirche gehen und mehr Weihnachtslieder singen. Ist das alles, was ein Bürger von seiner Kanzlerin in Zeiten der Unsicherheit hören will?

Wir erwarten von Ihnen, Frau Bundeskanzlerin, klare Konzepte, damit sich das Leid von den Opfern von Berlin, Kandel, Freiburg, Wiesbaden und anderswo nicht noch einmal wiederholt, und damit sich das Land nicht weiterhin spaltet. Wenn Sie diese Konzepte nicht haben, dann zeigen Sie Größe und übergeben Sie die Verantwortung an jemanden, der es kann! Sie waren und sind nicht alternativlos!

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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