AfD steigt in Sachsen auf 24 Prozent – fast dreimal so stark wie SPD

Von Jürgen Fritz, Di. 12. Jun 2018

In den 1990er-Jahren kam die CDU in Sachsen auf Werte von 57, 58 Prozent. Doch inzwischen kommt sie sogar zusammen mit der SPD gerade noch so über 40. Zunächst verlor sie die alleinige absolute Mehrheit, dann 2014 auch die mit der FDP zusammen und jetzt ist sogar die schwarz-rote Regierung meilenweit von einer Mehrheit entfernt. Der große Gewinner ist dagegen die AfD, die immer stärker wird und jetzt schon doppelt so viele Stimmen auf sich ziehen kann wie Grüne und FDP zusammen, fast dreimal so viele wie die SPD.

Nun ist auch die schwarz-rote Mehrheit dahin

Seit der deutschen Wiedervereinigung ist die CDU in Sachsen nicht nur durchgehend die mit Abstand stärkste Partei, sie stellte seither auch ununterbrochen den Ministerpräsidenten. Von 1990 bis 2002 konnte Kurt Biedenkopf sogar eine CDU-Alleinregierung bilden. Nach Georg Milbradts Rücktritt im Mai 2008 übernahm Stanislaw Tillich das Amt des Ministerpräsidenten und setzte die bereits bestehende CDU-SPD-Koalition bis zur Landtagswahl 2009 fort. In den folgenden fünf Jahren regierte er dann in einer schwarz-gelben Koalition zusammen mit der FDP.

Doch bei der Landtagswahl am 31.08.2014 scheiterte der Juniorpartner an der Fünf-Prozent-Hürde, fiel von 10 auf 3,8 Prozent. Also musste wieder ein andere Juniorpartner für die CDU her und man griff erneut auf die SPD zurück. Nach dem schlechten Wahlergebnis der Sachsen-CDU bei der Bundestagswahl 2017, legte Tillich im Dezember 2017 sein Amt nieder und Michael Kretschmer wurde zum neuen Ministerpräsidenten gewählt.

Doch inzwischen könnte nicht nur Schwarz-Gelb keine Regierung mehr bilden, sondern auch Schwarz-Rot wäre nach aktuellem Stand dazu nicht mehr in der Lage. Kamen CDU und SPD mit 39,4 und 12,4 Prozent bei der Landtagswahl 2014 zusammen noch auf fast 52 Prozent, so kommen Sie nun zusammen gerade noch auf ca. 41 Prozent. Sowohl die CDU verliert – und zwar deutlich, nämlich 7,4 Prozent (!) – als auch die SPD, welche nicht mal ihr miserbles Ergebnis von 12,4 Prozent halten kann und nun sogar in den einstelligen Bereich absinkt – auf 9 Prozent.

AfD steigt von 9,7 auf 24 Prozent und ist jetzt doppelt so stark wie Grüne und FDP zusammen

Zulegen kann dagegen die FDP, die sich von 3,8 auf 6 Prozent zu verbessern verspricht, womit sie keine schlechten Aussichten hätte, in den nächsten Landtag wieder einzuziehen. Kaum Veränderungen sehen wir bei der Linkspartei (SED, PDS, DIE LINKE) und bei den Grünen.

Der ganz große Gewinner bei der Landtagswahl im nächsten Jahr dürfte dagegen die AfD werden. Diese würde nach aktuellem Stand von 9,7 auf 24 Prozent steigen und ist derzeit die klare Nr. 2 in Sachsen. Hier das Ganze im Überblick:

  1. CDU: 32 %
  2. AfD: 24 %
  3. LINKE: 19 %
  4. SPD: 9 %
  5. FDP: 6 %
  6. GRÜNE: 6 %
  7. Sonstige: 4 %

2018-06-12

Gewinne und Verluste

Im Vergleich zur letzten Landtagswahl am 31.08.2014 ergeben sich damit folgende Veränderungen:

  1. AfD: + 14,3 %
  2. FDP: + 2,2 %
  3. GRÜNE: + 0,3 %
  4. LINKE: + 0,1 %
  5. SPD: – 3,4 %
  6. Sonstige: – 6,1 %
  7. CDU: – 7,4 %

INSA befragte zwischen dem 4. und 11. Juni über 1.000 Personen per Telefon und per Online-Panel und wertete die Ergebnisse professionell aus.

Regierungsbildung: Schwarz-Rot-Gelb-Grün oder Schwarz-Dunkelrot oder Schwarz-Blau

Bei solch einem Ergebnis, wie aktuell von INSA ermittelt, könnte die CDU weder mit SPD noch mit der SPD und einem dritten Partner aus FDP oder Grüne eine Mehrheit bilden. Damit blieben nur drei Möglichkeiten:

  1. CDU + AfD: 56 %
  2. CDU + SPD + FDP + GRÜNE: 53 %
  3. CDU + LINKE: 51 %

Und spätestens jetzt müsste auch den Vorletzen klar werden: Die AfD verändert die gesamte Tektonik der bundesdeutschen Politik bereits fünf Jahre nach ihrer Entstehung von Grund auf.

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Titelbild: © Jürgen Fritz

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