Christian Lindner will unbedingt an Merkel festhalten

Von Jürgen Fritz, Di. 26. Jun 2018

Einige meinten, Christian Lindner hätte die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende bei den Jamaika-Verhandlungen vor einigen Monaten stürzen wollen. Doch diese dürften sich nun eines Besseren belehrt sehen. In einem Gespräch in der Berliner Microsoftzentrale Unter den Linden sprach Lindner mit dem Verleger Wolfram Weimer und warnte wie schon auf der Pressekonferenz vor drei Tagen vor einem Sturz der Bundesregierung. An einer Jagd auf Frau Merkel werde sich die FDP nicht beteiligen.

„Wir brauchen eine europäische Lösung“

Er haben schon Kritikpunkte in der Sache an der Migrationspolitik der Regierung, sagte FDP-Chef Christian Lindner im Gespräch mit Wolfram Weimer, dem Gründer der Weimer Media Group, die unter anderem das Debattenmagazin The European, und die Börse am Sonntag herausgibt.

„Klar ist, dass eine Wende in der Einwanderungs- und Asylpolitik überfällig ist. Deutschland kann nicht länger die Hauptlast tragen. Wir brauchen die europäische Lösung, von der Frau Merkel seit Jahren spricht. Gemeinsames Asylrecht, schlanke Verfahren, Kontrolle der EU-Außengrenzen.“

Allerdings führe der offene Machtkampf innerhalb der Union dazu, dass Merkel jetzt in europäischen Verhandlungen geschwächt, ja erpressbar geworden sei. Damit drohten teure Kompromisse. Dies lehnt Lindner ab. Er warnt vor einem Sturz der Bundesregierung. „Deutschland sollte sich jetzt keine irrationale Regierungskrise leisten“, denn: die außenpolitische Lage sei viel zu Ernst, als dass man die Stabilität Deutschlands leichtfertig aufs Spiel setzen sollte.

„An der Jagd auf Frau Merkel beteiligen wir uns nicht.“

Lindner meine, „Jagdfieber“ bei manchen Merkelgegnern zu registrieren. Der Erneuerungswunsch in der Union sei zwar „angestaut und groß“. Doch für die FDP gelte:

„An der Jagd auf Frau Merkel beteiligen wir uns nicht.“

Die Art und Weise wie die Kanzlerin innerhalb ihrer eigenen Union zur „Hassfigur“ gemacht werde, erschrecke ihn geradezu. Auch im Bundestag spüre man eine Zersetzung der politischen Kultur. Das Hohngelächter der AfD mache Schule und zerstöre „den ritterlichen Respekt“ in der politischen Debatte.

Gegen Neuwahlen, bei denen die FDP allerdings heftige Einbußen zu befürchten hätte, wahrscheinlich jeden fünften Wähler verlieren würde, wenn nicht mehr, fürchte die FDP angeblich aber nicht:

„Wir wären aus dem Stand für eine Neuwahl bereit, Wahlkampf macht mir sogar richtig Spaß. Aber im Interesse des Landes wäre es wirklich besser, wenn die Regierung doch noch auf einen Nenner käme.”

Deutschland braucht jetzt eine stabile Regierung, Deutschland braucht Angela Merkel

Lindner erinnerte an den Handelskonflikt mit den USA, an den Brexit und die autoritären Tendenzen Russland sowie „die Verwandlung der Türkei in eine islamistische Despotie“. In dieser Lage brauche Deutschland dringend eine stabile Regierung. Lindner warnte vor „spielerischer Selbstzerstörung“.

Und diese stabile Regierung sieht der FDP-Chef offensichtlich am besten unter Angela Merkel verwirklicht. Wer hätte das gedacht?

Kurzum, der FDP-Chef will, dass Deutschland weiterhin von Schwarz-Rot regiert wird. Wie war das nochmal: „Besser gar nicht regieren, als falsch zu regieren“? Irgendwie hört sich das ein bisschen an wie: Wir wollen auf jeden Fall nicht regieren und möchten uns darauf beschränken, hin und wieder ein klein wenig Kritik an Merkel und Schwarz-Rot zu üben. Aber bitte nicht zu viel! Das fände die FDP nämlich nicht so gut.

Frage: Wie kann man über so wenig politischen Instinkt und so wenig Weitblick verfügen und gleichwohl Parteivorsitzender einer der sechs größten Parteien Deutschlands werden?

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Hier geht es zum Bericht auf The European über das Gespräch zwischen Weimer und Lindner.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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