Brand- und Messeranschlag in Lübecker Bus

Von Jürgen Fritz, Fr. 20. Jul 2018

Heute am frühen Nachmittag, zwischen 13 und 14 Uhr. Ein vollbesetzter weißer Linienbus ist unterwegs von Lübeck ins Ostseebad Travemünde. Viele Menschen sind auf dem Weg ins Wochenende. Einige wollen möglicherweise zur Travemünder Woche, die am Abend eröffnet werden soll. Dann spielen sich im dem Bus der Linie 30 auf der Travemünder Landstraße im Stadtteil Kücknitz dramatische Szenen ab.

Zuerst versuchter Brandanschlag im Bus, dann Messerattacke auf etliche Fahrgäste

Zunächst fängt es damit an, dass der Busfahrer Peter S. auf einer Landstraße im Rückspiegel beobachtet, wie ein Mann einen Rucksack in der Mitte des Gelenkbusses abstellt, aus welchem es qualmt. Der Fahrer stoppt daraufhin kurz vor der Haltestelle Bahnhof Kücknitz den Bus, öffnet die Türen, damit die Passagiere sich in Sicherheit bringen können. Der Mann scheint ein Feuer in dem Bus legen zu wollen. Später wird nach Angaben der Ermittler der Kampfmittelräumdienst im Rucksack  Brandbeschleuniger (Spiritus) finden.

Nun läuft der Busfahrer zu dem dem Rucksack, um zu löschen. Im Rucksack sieht er eine Flasche, „vermutlich Spiritus“. Dann wird er niedergeschlagen. „Der Täter kam von hinten und hat dem Fahrer einen Fausthieb versetzt“, berichtet Augenzeuge Maikel H. (25), der mit im Bus sitzt. „Der Mann hatte eine Sonnenbrille auf und eine Winterjacke an“. Plötzlich habe er ein Messer (wahrscheinlich ein Küchenmesser mit 13 Zentimeter langer Klinge) gezogen, wahllos auf die Fahrgäste eingestochen. „Wir haben versucht, uns zu verteidigen.“ Panik sei ausgebrochen.

„Die Menschen sprangen und fielen in Panik aus dem Bus“, berichtet Zeuge Lothar H. Dann endlich können andere Mitfahrer den Angreifer überwältigen. Um 13.47 Uhr wird die Polizei alarmiert, die sehr schnell vor Ort ist.

Zehn Verletzte, davon drei schwer verletzt

Kurze Zeit später können Polizeibeamte den Mann festnehmen. Der verkohlte Rucksack bleibt im Bus zurück. Der Kampfmittelräumdienst wird gerufen, um ihn zu sichern. Polizeibeamte sperren die Straße, auf den Fußwegen patrouillieren Streifen mit Hunden, während am Bus die Spurensicherung ihre Arbeit aufnimmt. Die Umgebung der Bushaltestelle wird weiträumig abgesperrt.

Der Täter befinde sich in Polizeigewahrsam, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Lübecker Staatsanwaltschaft. Zu den Vorwürfen habe er sich bislang nicht äußern wollen. Die Staatsanwaltschaft will einen Haftbefehl wegen versuchter vorsätzlicher Brandstiftung (§ 306 StGB), Körperverletzung (§ 223 StGB) und gefährlicher Körperverletzung (§ 224 StGB) gegen den 34-Jährigen erwirken.

Nach Angaben der Polizei sollen mindestens zehn Menschen verletzt worden sein. Diese Zahl nannte die Lübecker Oberstaatsanwältin Ursula Hingst am Abend auf einer Pressekonferenz. Fünf Opfer befänden sich im Krankenhaus, drei von ihnen seien schwer verletzt.

„Es war ein Gemetzel“

Die Lübecker Nachrichten berichten, dass der Anwohner Lothar H. (87) an der Elbingstraße in Lübeck-Kücknitz gestern plötzlich laute Schreie hört. „Wie zwei Völker, die sich abschlachten.“ Dann sei er zum Helfen losgeeilt. Entsetzt läuft er zur Straße. „Dort stand ich vor blutenden Menschen, die gerade aus einem Bus kamen.“

Eine Frau erzählt: „Eines der Opfer hatte gerade seinen Platz einer älteren Frau angeboten, da stach der Täter ihn in die Brust. Es war ein Gemetzel. Nach dem Anschlag wird die Augenzeugin von der Polizei betreut.

Ein anderer Anwohner schildert das Geschehen wie folgt: „Die Passagiere sprangen aus dem Bus und schrien. Es war furchtbar.“

Lübeck-Anschlag

Welt-Screenshot

Mutmaßlicher Täter nicht in Deutschland geboren, sondern im Iran

Wie die Polizei mitteilte, soll es sich bei dem Verhafteten um einen 34-jährigen Mann mit deutschem Pass handeln, der einen Wohnsitz in Lübeck habe und schon seit Jahren in Deutschland lebe. Er soll in Kiel studiert haben. Laut Staatsanwältin Hingst sei er im Iran geboren.

Gemäß der Volkszählung von 2011 sind 99,4 Prozent der Iraner Muslime, davon geschätzt 89 bis 95 Prozent Schiiten (Zwölferschia) und ca. 4 bis 10 Prozent sunnitische Muslime.

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Titelbild: Welt-Screenshot

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