Wüste oder Blume? Imad Karim schreibt Sahra Wagenknecht

Ein Gastbeitrag von Imad Karim, So. 12. Aug 2018

„Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“, sagte Wolf Biermann einmal. Es ist nicht leicht, sich vom eigenen zementierten Weltbild zu verabschieden. Dies kostet viel Kraft. Imad Karim berichtet von einer unfassbar ernüchternden Begegnung mit einer „gut integrierten“ Immigrantin, lädt Sahra Wagenknecht zu einem gemeinsamen Spaziergang ein und erläutert, wo der Name „Sahra“ herkommt und was er bedeutet.

Ihre größten Feinde sind Ihre Parteigenossen

Liebe Sahra Wagenknecht, Sie hoffen, AfD-Wähler zurückzuholen, und ich hoffe, der AfD gelingt es weiterhin, viele Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft zu erreichen, den Intoleranten den Zugang zur Partei weiterhin zu unterbinden und den demokratischen Kern innerhalb dieser jungen Kollektive zu stärken. Dann wird es vielleicht der AfD gelingen, Sie, eine großartige Frau und Vordenkerin, in die AfD zu holen.

Sie sind keine klassische Patriotin, sondern und vielleicht weil Sie diesen iranischen “Migrationshintergrund” haben, eine Werte-Patriotin. Ich darf vermuten, dass Ihnen ihr Patriotismus und Ihre Liebe zu diesem Land, aufgrund des eigenen idealisierten linken Weltbildes noch nicht bewusst sind. Sie sind noch unter 50 und damit noch jung aber nicht jung genug, um lange zu warten.

Jedesmal, wenn ich einen Bericht über den Parteitag der Linke sehe oder lese, sage ich mir, Sahras größte politische Feinde sind ihre Genossen, ihre Parteigenossen. Ich war auch Jahrzehnte lang Kommunist, hatte auch als junger Kommunist die Waffe getragen und somit zur Zerstörung des Libanon beigetragen.

Ich werde heute in Deutschland für meine Kritik am Islam diffamiert und juristisch verfolgt

Es ist nicht leicht, sich vom eigenen zementierten Weltbild zu verabschieden. Dies kostet viel Kraft, Ballast abzulegen und neue Wege zu wagen und es ist angenehm devot, von der selbst auferlegten Ideologie geknechtet zu werden, Frau Wagenknecht! Sie sagen oft, aber leider nicht oft genug, tolle Dinge, wie hier – ich zitiere aus dem Artikel der Welt:

“Es sei ‚zynisch‘, junge Leute mit einem Numerus Clausus vom Studium abzuhalten und ‚dann die qualifizierten Fachkräfte aus armen Ländern zu holen‘. Hauptgrund des Arbeitskräftemangels sei ein unterfinanziertes Bildungssystem.”

Da muss ich Ihnen Recht geben und vor allem, wenn Sie das Abiturniveau in jenen Ländern, aus denen richtige und falsche Ärzte kommen, mit dem hiesigen Abiturniveau vergleichen, werden Sie feststellen , dass es dem deutschen “Hauptschulabschluss plus” gleicht.

Ich, der in Ihrem Land seit 41 Jahren lebe, der dem Islam und allen virtuellen Götter abgeschworen hat, werde heute in Ihrem Land für meine Islamkritik diffamiert und juristisch verfolgt. Ich sehe, wie sich das Räderwerk der Inquisition mir immer näher und näher kommt. Ich schreie, aber kein Ton will raus – aus Angst!

Frau Wagenknecht, ich habe großen Respekt vor Ihnen! Ich lade Sie gerne ein, mit mir, mit oder ohne Kamera einen Spaziergang entlang einer Ihrer Lieblingsflüsse Deutschlands zu unternehmen, um mich mit Ihnen auszutauschen und vielleicht Ihnen aus dem Nähkasten zu erzählen, was sich in Deutschland tatsächlich abspielt, Ihnen auch zu zeigen, wie sehr diese menschenverachtende Deutschland- und Deutschenfeindlichekeit unter vielen Schein-Integrierten verbreitet ist.

„Gut integrierte“ Immigrantin: „Ich empfinde nichts bis Abneigung für Deutschland“

Eine dieser Begegnungen war vor einer Woche. Am Samstag, den 4. August, hat mich ein Freund namens Dieter Werner Schleier in Mannheim besucht. In einem schattigen Biergarten bestellten wir unser Essen. Eine junge gut aussehende, modern, sportlich gekleidete junge dynamische Frau mit fast freiem Bauchnabel, bediente uns selbstbewusst und sehr freundlich. Ich erfuhr dass sie bzw. ihre Eltern aus Algerien stammen, dass sie in Deutschland geboren ist und von Geburt an den deutschen Pass, also die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. Ich fragte sie – und das gesamte Gespräch lief auf Deutsch, so dass mein Freund Dieter alles still mit verfolgen konnte -, was Deutschland für sie bedeutet und ob sie sich als Deutsche fühlt.

Sie antwortete, Sie empfinde nichts bis Abneigung für Deutschland. Ich fragte sie, warum und ob sie in Algerien so frei herumlaufen könnte, ohne sexuell belästigt zu werden. Sie antwortete, immer wenn sie in Algerien zu Besuch bei Verwandten sei, werde sie sexuell belästigt, egal ob sie mit Jeans oder mit Abaya, also mit dem islamischen Verhüllungskleid herumlaufe.

Sie wisse auch, dass sie in Algerien niemals eine erfolgreiche Physiotherapeutin – ihr Hauptberuf unter der Woche – geworden wäre. Dennoch bedeute Deutschland nichts für sie. Sie sei auch nach Algerien gegangen und habe dort einen Algerier geheiratet und nach Deutschland geholt. Deutsche Männer seien für sie nie in Frage gekommen.

Ich fragte erstaunt bis schockiert: Wieso nicht? Sie erwiderte, sie sei eine Muslima und ihre Eltern sagten ihr, eine Muslima dürfe sich zu einem Land, in dem die Mehrheit aus Christen und Ungläubigen bestehe, niemals bekennen.

Wüste oder Blume?

Von solchen schrecklichen und dehumanisierten Begegnungen könnte ich Ihnen viel berichten und wir könnten beide durch irgendeine deutsche Stadt gehen und Erfahrungen sammeln. Dieser Rassismus gegenüber Deutschland kann und darf von keinem Humanisten toleriert werden, und Sie sind eine Humanistin, Frau Wagenknecht!

Denken Sie darüber nach und entsinnen Sie sich auf das, was Wolf Biermann einmal sagte: „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“. Die Entscheidung liegt selbstverständlich bei Ihnen.

Der Name “Sahra” kommt übrigens aus dem Persischen und dem Arabischen und er hat je nach Schreibweise zwei unterschiedliche Bedeutungen. Sahra صحراء (mit emphatischem S) bedeutet „Wüste“. Sahra زهراء (mit stimmhaftem S, das zu Z neigt) bedeutet „Blume“. Deutschland als Wüste oder als Blumenbeet? Sie können die Zukunft dieses großartigen Landes, Ihres großartigen Landes, vor der Versteinzeitlichung und der Verwüstung retten. Wüste oder Blume?

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Zum Autor: Imad Karim, 1958 in Beirut geboren, nahm dort 1975 im Schatten des ausbrechenden libanesischen Bürgerkrieges sein Studium an der Akademie der Schönen Künste auf, das er 1977 in Deutschland fortsetzte. 1987 Magisterabschluss in Sozialwissenschaft (Politologie). Nach Beendigung des libanesischen Bürgerkrieges 1991 Rückkehr in seine Heimat, wo er den Film „Die verlogenen Mythen meines Krieges“ drehte. Seit 1992 freier Fernsehjournalist, Filmautor und Regisseur. Seine Filme wurden im WDR, hr, BR, MDR, ORB, SR, SWR, NDR, 3Sat, Phoenix und im ersten ARD-Programm ausgestrahlt und mehrmals wiederholt, erreichten mithin Millionen Zuschauer. Imad Karim gehörte jahrelang verschiedenen Filmjuries an und ist selber Träger verschiedener Fernsehpreise. Seit 2001 arbeitet er als freier Fernsehautor für deutsche und internationale Medien­. Hier geht es zu seiner beeindruckenden Homepage.

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Anmerkung: Überschrift, Einleitung, Hervorhebungen und Zwischenüberschriften von Jürgen Fritz

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Titelbild: (c) Imad Karim-Portrait sowie YouTube-Screenshot von Sahra Wagenknecht

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