So würden die Deutschen heute wählen

Von Jürgen Fritz, So. 12. Aug. 2018

46 Wochen sind seit der Bundestagswahl vergangen, mehr als zehneinhalb Monate. Im September letzten Jahres kamen CDU/CSU und SPD zusammen noch auf 53,4 Prozent, die AfD landete auf Platz 3, vor der FDP, der Linkspartei und den Grünen. Wie würden die Deutschen wählen, wenn heute Bundestagswahlen wären? Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool mit den genauesten Wahlprognosen von allen, hat es ermittelt.

Bundestagswahl 2017: Katastrophales Ergebnis für Union und SPD und dann geht Jamaika auch noch in die Hose

Die Bundestagswahl 2017 geriet sowohl für CDU und CSU als auch für die SPD zu einer wahren Katastrophe. Alle drei Regierungsparteien mussten schwerste Einbußen hinnehmen, die Union fiel um sage und schreibe 8,6 Punkte auf 32,9 Prozent – ein rabenschwarzer Tag für CDU und CSU. Und die SPD konnte nicht einmal ihr miserables Ergebnis von 2013 mit 23,0 Prozent halten, fiel nochmals auf jetzt 20,5 Prozent.

Dies bedeutete zum Einen, dass vor allem die SPD keinerlei Interesse mehr hatte, in eine weitere sogenannte GroKo – jetzt musste man wohl eher einfach nur noch von Schwarz-Rot sprechen – einzutreten. Alle Zeichen standen auf eine Jamaika-Koalition, auf die sich vor allem die völlig vermerkelte CDU und die Grünen diebisch freuten. Doch nach Wochen und Monaten der sogenannten Sondierungsgespräche kam die FDP, die wohl nichts mehr fürchtete, als in diesen Merkelsumpf hineingezogen und dann bei der nächsten Wahl wieder unter 5 Prozent zu stürzen, plötzlich und für viele völlig enttäuschend zu dem Ergebnis, dass sie mit denen irgendwie doch nicht kann. Lieber sollen andere schlecht regieren als wir, so etwa die Begründung derer, von denen eigentlich kein Mensch weiß, wofür sie stehen, ja nicht einmal wogegen sie sind, außer einem: Regierungsverantwortung zu übernehmen.

Starke Gewinne für Grüne und AfD

Nun musste also wohl oder übel doch wieder die SPD ran, die wiederum panische Angst hatte, noch weiter, jetzt sogar unter 20 Prozent fallen zu können, was ihr dann in den folgenden Monaten in der Tat auch sehr souverän gelang, wie wir gleich sehen werden. Nebenbei bemerkt, die FDP schaffte es sogar, obwohl sie nicht in dieser grauenvollen Regierung mitmacht, noch mehr ihrer Wähler zu verlieren als die Union und die SPD, nämlich mehr als jeden Fünften – die SPD ca. jeden Sechsten.

Bei der Linkspartei (ehemalige SED) können wir uns kurz fassen, denn da hat sich nicht sehr viel getan. Viel getan hat sich dagegen bei den Grünen. Diese sind in den letzten zehneinhalb Monaten von Platz 6 auf Platz 4 gestiegen, könnten ihr eher schwaches Ergebnis vom letzten Jahr um mehr als die Hälfte steigern und haben mit der FDP die Plätze getauscht, wären, Stand heute, der ganz große Gewinner, käme es jetzt zu Neuwahlen. Hier darf vermutet werden, dass die Grünen sowohl von der CDU, die nochmals deutliche Einbußen hinnehmen müsste, Wähler abziehen würde als auch von der SPD und der FDP.

Der zweite große Gewinner wäre die AfD, die ihr sehr gutes Ergebnis von 12,6 Prozent nochmals deutlich steigern könnte (um mehr als 30 Prozent) und weiterhin klar auf Platz 3 läge, ganz dich hinter der SPD, quasi in Schlagweite.

So würden die Deutschen wählen, wenn heute Bundestagswahlen wären

Fassen wir die Ergebnisse auf einen Blick zusammen. So sähe es also in etwa aus, wenn heute Bundestagswahlen wären. Wahl-O-Matrix hat dazu von allen acht Umfrageinstituten, die in den letzten drei Wochen (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) Wählerbefragungen durchführten, die jeweils neueste herangezogen – dies waren insgesamt acht, nämlich die von YouGov, GMS, Infratest dimap (ARD), Civey (Spiegel online), INSA (Bild), Emnid (Bild am Sonntag), Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) und Forsa (stern/RTL).

Auf diese Weise stützt sich die Wahl-O-Matrix-Berechnung nicht nur auf 1.000, 2.000 oder 2.500 befragte Personen, wie bei den meisten Instituten, sondern auf insgesamt über 24.300 Befragte. Außerdem wurden alle Institute auf Grund mehrjähriger Beobachtung und Analyse um ihre Verzerrungen in der Vergangenheit bereinigt. Somit kommen wir zu folgendem Ergebnis (in Klammern die Bandbreite der acht Institute und deren arithmetisches Mittel):

  1. CDU/CSU: 30 % (29 – 31 / 30,1)
  2. SPD: 17 % (17 – 18 / 17,4)
  3. AfD: 16,5 % (14 – 17 / 15,9)
  4. GRÜNE: 14 % (12 – 15 / 13,9)
  5. LINKE: 9,5 % (9 – 11 / 9,9)
  6. FDP: 8,5 % (7 – 10 / 8,5)
  7. Sonstige: 4,5 % (3 – 5,1 / 4,3)

2018-08-12

Konsequenzen für die Regierungsbildung, Gewinne und Verluste

Das heißt, CDU + CSU + SPD kämen zusammen nur noch auf 47 Prozent, die vier formalen Oppositionsparteien AfD + GRÜNE + LINKE + FDP aber auf 48,5 Prozent. Somit hätte die schwarz-rote Koalition keine Mehrheit mehr im Deutschen Bundestag. Entweder müssten die drei Parteien noch eine vierte dazu nehmen, zum Beispiel die Grünen oder die FDP, oder aber eine sogenannte Jamaika-Koalition, die auf ca. 52,5 Prozent käme, müsste es erneut versuchen, ob sie eine Regierung zusammen bekäme.

Gegenüber der Bundestagswahl am 24. September 2017 würden die Parteien damit folgende Veränderungen zeitigen:

  1. GRÜNE: + 5,1 %
  2. AfD: + 3,9 %
  3. LINKE: + 0,3 %
  4. Sonstige: – 0,5 %
  5. FDP: – 2,2 %
  6. CDU/CSU: – 2,9 %
  7. SPD: – 3,5 %

Bei Neuwahlen gäbe es also drei große Verlierer:

  • die FDP
  • die Union und
  • vor allem die SPD

und zwei große Gewinner:

  • die Grünen und
  • die AfD.

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Titelbild: YouTube-Screenshot

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