Ein neuer Tiefpunkt des Journalismus: Thomas Walde und das ZDF

Von Jürgen Fritz, Mo. 13. Aug. 2018

Für alle, die das Interview von Thomas Walde mit Alexander Gauland in Berlin direkt gestern Abend nicht sehen konnten oder es gesehen haben und nicht fassen können, was hier vom ZDF abgeliefert beziehungsweise betrieben wurde.

A. Einleitung von Thomas Walde

Thomas Walde: Alexander Gauland ist der mächtigste Mann seiner Partei, deren Name ich eigentlich gar nicht aussprechen möchte. Er ist aber auch, das kann man ganz nüchtern feststellen …

(Ist das eine Anspielung auf den Präsidenten der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker? Na das ist ja ein bissel hinterfotzig und gemein!)

… einer der umstrittensten Politiker in Deutschland.

(Ganz anders als die völlig unumstrittene Angela Merkel von der CDU, Martin Schulz oder Andrea Nahles von der SPD, Claudia Roth Anton Hofreiter oder Robert Habeck von den Grünen. Ob Herr Walde Frau Merkel das nächst Mal wohl auch so ankündigen wird: „Sie ist, das kann man ganz nüchtern feststellen, der vielleicht umstrittenste deutsche Regierungschef seit 1945“?).

B. Das Interview persiflierend wiedergegeben

Thomas Walde: Herr Gauland, viele Leute leiden unter der Hitze der letzten Wochen. Manche Klimaforscher sagen ja sogar, dass es auch in den kommenden Jahren immer wieder zu Hitze kommen kann im Sommer. Was wollen Sie gegen diese immer wieder, ja fast schon periodisch auftretenden Temperaturschwankungen tun, unter denen ja gerade die kleinen Leute leiden?

Alexander Gauland: Temperaturschwankungen hat es immer gegeben, dagegen kann keine Partei etwas tun. Das ist doch etwas ganz Natürliches, worauf der Mensch keinen Einfluss hat.

Thomas Walde: Aber Ihre Partei sagt ja sogar, sie wolle Schluss machen mit der Förderung von Temperaturschwankungsabschaffungsfanatikern. Das ist doch keine nachhaltige Politik!

Alexander Gauland: Diese Organisationen sind in keiner Weise zielführend, sie bewirken doch überhaupt nichts. Im Grunde ist das reiner Lobbyismus. Das wollen wir nicht auch noch mit den Steuergeldern der Bürger fördern.

Thomas Walde: Aber sie sagten doch, Ihre Partei wolle die Interessen der kleinen Leute vertreten. Gerade die kleinen Leute leiden aber besonders darunter, dass es im Sommer oft sehr heiß, im Winter dagegen bisweilen so kalt wird, dass man sogar die Heizung anmachen muss. Besonders die alten Menschen, die Kinder, die kranken Menschen. Sind diese armen Menschen der AfD völlig egal? Haben Sie denn gar kein Herz?

Alexander Gauland: Aber Herr Walde, das ist doch Unsinn. Kein Mensch kann einen vor Temperaturschwankungen schützen.

Thomas Walde: Bestimmte Klimaforscher, die dafür bezahlt werden, solche Forschungsergebnisse zu eruieren, sagen das aber mehrheitlich! Warum wollen Sie das nicht akzeptieren? Wollen Sie deren Klimaforschung einfach ignorieren?

(Für Epistemologen: Was Walde hier macht, ist, dass er das grüne Grunddogma völlig unkritisch und unreflektiert übernimmt, ähnlich wie ein Theologe das mit dem Grunddogma seiner Religion macht, und diese Annahme dann all seinen Fragen wie selbstverständlich zu Grunde legt, also eine Offenheit in der Bewertung und Erklärung der zu beobachtende Phänomen von vorneherein ausschließt, sprich das Gespräch dagegen abschottet und Gauland in diese von Walde errichtete Umzäumung mit aller Gewalt hineinzudrängen versucht.)

Alexander Gauland: Nochmals Herr Walde, keine Partei kann die Temperaturen steuern. Wir behaupten im Gegensatz zu anderen nicht, dass wir das könnten. Wenn Sie so wollen, sind wir hier einfach ehrlicher. Im übrigen ist kein anderes Land bereit, dieses Irrsinn, der in Deutschland gemacht wird, mitzumachen.

Thomas Walde: Also gut. Lassen wir das. Ein anderes Thema, das viele, gerade auch kleine Leute beschäftigt. Die Menschen werden älter, viele sogar jedes Jahr um ein Jahr. Was wollen Sie dagegen tun? Auch da hat die AfD bisher ein Konzept vorgelegt. Warum können Sie auch hier nichts vorweisen?

Alexander Gauland: Das stimmt ja nicht. Aus dem Älterwerden der Menschen folgen gesellschaftliche Probleme, die aber nicht so leicht zu lösen sind. Wir werden das auf einem eigenen Renten-Parteitag nächstes Jahr diskutieren und beschließen.

Thomas Walde: Bislang, um das für unsere Zuschauer festzuhalten, hat die AfD also noch kein abgeschlossenes Rentenkonzept. Ich wiederhole: Die AfD hat auch hier kein Konzept. Und nochmals: Die AfD hat noch kein Konzept, während andere Parteien solche Konzepte haben.

(Dieses Problem wird seit mindestens 20 bis 25 Jahren diskutiert und ist nicht lösbar. Die Massenaltersarmut ist längst unvermeidlich. Weshalb habe ich hier detailliert erläutert. Es geht nur noch um die Frage, ob wir das Problem zum Beispiel durch Massenimmigration Kulturfremder und durch ständige Überweisungen ins Ausland und die Übernahme von Bürgschaften sogar noch verschärfen und verschlimmern.)

Thomas Walde: Das heißt also, bei der nächsten Landtagswahl wissen Ihre Wähler noch gar nicht, was Sie dagegen tun wollen, dass die Leute älter werden?

Alexander Gauland: Bei Landtagswahlen geht es doch gar nicht um Rentenpolitik.

Thomas Walde: Sie haben also kein abgeschlossenes Rentenkonzept. Liebe Zuschauer, nochmals: Die AfD hat kein Rentenkonzept. Und der Eine in Ihrer Partei sagt dies und der andere sagt das. Ja was denn nun, Herr Gauland?

Alexander Gauland: Ich sagte doch gerade, dass es in dieser Frage unterschiedliche Auffassungen gibt innerhalb unserer Partei und dass wir das ausdiskutieren und dann beschließen werden.

Thomas Walde: Also haben Sie da gar keine Alternative für Deutschland?

Alexander Gauland: Doch, nach dem nächsten Parteitag werden wir die haben.

Thomas Walde: Aber jetzt haben Sie noch keine. Liebe Zuschauer, nochmals: Die AfD hat noch kein abschließendes Rentenkonzept. So, jetzt aber zum nächsten Thema: Digitalisierung. Haben Sie da eine Digitalisierungsstrategie, die Sie haargenau erläutern können?

Alexander Gauland: Nein, das kann ich nicht. Klar ist, dass viele Arbeitsplätze wegfallen werden durch die Digitalisierung.

Thomas Walde: Aber was ist denn mit dem kleinen Mann? Der braucht doch unbedingt eine Digitalisierungsstrategie, wenn er morgens zur Arbeit geht!

Alexander Gauland: Herr Walde, das sind doch nur Phrasen. Digitalisierungsstrategie, was soll das denn sein? Worum es tatsächlich geht, ist doch folgendes: Wie kann man die Auswirkungen von technischen Veränderungen so verträglich machen, dass eben nicht massenweise Arbeitsplätze verloren gehen? Das muss man ganz konkret in jedem Einzelfall betrachten. „Digitalisierungsstrategie“ ist eine Erfindung der FDP, über die dauernd geredet wird. Aber immer wenn ich jemanden frage, was genau das sein soll, kann es mir keiner sagen.

Thomas Walde: Sie sagen, Sie wissen nicht, was das ist.

(Das sagte Gauland nicht. Er sagte, dass es die anderen, die ständig davon reden, nicht wissen und nicht erklären können, wenn man sie danach fragt.)

Aber wie sollen denn die Leute morgens ihren Computer anmachen, wenn sie keine Digitalisierungsstrategie haben? Auch da hat die AfD also keinerlei Alternative für Deutschland.

Alexander Gauland: Ich glaube …

Thomas Walde: Huch, was ist denn da? Da sind ja Zuschauer die rufen ‚Buuuhhh! Gauland ist ein Schande für Potsdam!‘. Kann die Kamera das schnell mal in Großaufnahme zeigen und den Ton voll aufdrehen? Haben Sie die bestellt, Herr Gauland? – Wir müssen das unseren Zuschauern erklären. Da rufen Menschen rein, die sich für Gauland schämen. Ach, wir machen einfach weiter. Sie kommen doch damit klar, Herr Gauland, dass die während des Gesprächs dauernd rein rufen, oder? (An die Regie: Das auf keinen Fall rausschneiden! In Großaufnahme zeigen und möglichst lange drauf bleiben. Die Drei sollen nochmal rufen! Und die Kamera nochmal drauf bitte!)

ZDF-Interview

ZDF_Screenshot

Also nochmal die Frage: Sie haben im Bereich der Digitalisierung keinerlei Alternative für Deutschland?

Alexander Gauland (inzwischen sichtlich genervt, lustlos und durch die Zwischenrufe abgelenkt und unkonzentiert ): Nein, ich habe keine Digitalisierungsstrategie.

Thomas Walde: Nächstes Thema: Wie wollen Sie Menschen vor steigenden Mieten schützen?

Alexander Gauland: Die AfD ist für stärkeren Wohnungsbau, vor allem für sozial Schwächere. Das ist erstmal Sache des Bundes und nicht der Kommunen.

Thomas Walde: Wenn ich das mal ankucke, Temperaturschwankungen, natürlicher Alterungsprozess, Computer, kann es sein, Herr Gauland, dass Sie mit diesen Zukunftsthemen überfordert sind und daher immer zurück wollen in die Vergangenheit? Sind Sie nicht Jahrgang 1941?

Alexander Gauland: Nein, wir sind damit überhaupt nicht überfordert. Wir sind nur nicht bereit, die Kurzschlusshandlungen der anderen mitzumachen, sondern wollen nachhaltige, vernünftige Politik machen. Und die Themen, die unsere Partei groß gemacht haben, die aus unserer Sicht auch die viel wichtigeren sind, sind doch ganz andere, insbesondere die völlig verfehlte Euro- und Einwanderungspolitik.

Thomas Walde: Dafür haben wir jetzt keine Zeit mehr. Ich fasse unser Gespräch für unsere Zuschauer jetzt mal zusammen, Herr Gauland. Gegen die Temperaturschwankungen, dass es im Sommer zum Beispiel oft viel heißer ist als im Winter, haben Sie keinerlei Rezept. Dagegen, dass die Menschen älter werden, viele sogar jedes Jahr um ein Jahr, haben Sie auch kein Rezept. Dass es inzwischen Computer gibt und viele Leute, die auch dauernd benutzen, Stichwort: Digitalisierung, dafür haben Sie auch keine Lösung. Und das sind ja die drei ganz großen Themen unserer Zeit, nicht wahr? Kurzum, die AfD hat überhaupt nichts drauf. Und in der nächsten Woche treffe ich die Vorsitzende der SPD, Andrea Nahles.

C. Mein Kommentar zu dem Ganzen

Lieber Herr Walde, drei kurze Fragen an Sie:

  1. Haben Sie ein genaues Konzept, wie man ein Farce im Fernsehen inszeniert?
  2. Wissen Sie, was der Unterschied ist zwischen einer Person mit Witz und einer Witzfigur?
  3. Haben Sie ein genaues Konzept, wie man sich als Journalist selbst zu einer solchen machen kann?

D. Das tatsächliche Interview im Original

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Titelbild: ZDF-Screenshot

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