Bundestagsabgeordneter bezeichnet Mitbürger als „Untermensch“

Von Jürgen Fritz, Sa. 06. Jul 2019, Update: Di. 09. Jul 2019

Der Ausdruck „Untermensch“ ist ein solcher aus dem Vokabular der Nationalsozialisten. In der NS-Ideologie galten die „Arier“, besonders die germanischen Völker, als „Herrenrasse“, sprich als den übrigen überlegen. Ganz unten waren dagegen die „Untermenschen“, die nach und nach völlig entrechtet wurden. Auf Twitter hat ein Bundestagsabgeordneter der CDU einen Mitbürger mit just diesem Ausdruck belegt. Eine einmalige Entgleisung oder lässt das womöglich tief blicken, wie es in nicht wenigen Politikern der Altparteien, insbesondere der CDU aussieht? Taucht hier gar ein furchtbares Muster in neuem Gewand wieder auf?

CDU-Abgeordneter nennt Mitbürger „Untermensch“

Auf Twitter schrieb Prof. Dr. Mattias Zimmer (CDU) am 04.06.2016 wörtlich:

»der untermensch hat gesprochen. verschonen sie mich mit ihrem unflat.«

Hier der Screenshot seines Postings:

Untermensch

Ich bin vorgestern auf dieses Posting aufmerksam geworden, nachdem es jemand zitiert hatte, und war doch einigermaßen entsetzt über diese Wortwahl, habe Matthias Zimmer daraufhin sofort auf Twitter und heute morgen zusätzlich auch über seine Homepage (https://www.matthias-zimmer.de) angeschrieben, da ich nach zwei Tagen noch immer keine Antwort von ihm erhalten habe. Ich wollte von ihm wissen, wie es dazu kam, dass er zu solch einer Ausdrucksweise greifen konnte, um Mitmenschen derart zu bezeichnen.

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Matthias Zimmer, wen bezeichnen Sie hier (https://twitter.com/matthiaszimmer/status/739044633112502272 …) als „Untermenschen“ und worauf bezieht sich diese Titulierung? Was ging dem voraus?
MfG, Jürgen Fritz, JFB-Betreiber, http://juergenfritz.com

Hier meine Twitter-Anfrage vom 04.07.2019:

Twitter-Anschreiben

Sobald eine Antwort von Herrn Zimmer eingeht, werde ich diese hier selbstverständlich nachreichen.

Zum Ausdruck „Untermensch“

Der Begriff „Untermensch“ ist, wie eingangs bereits erwähnt, ein solcher aus dem Vokabular der Nationalsozialisten. Insbesondere Juden galten den Nationalsozialisten als minderwertige Menschen, die mit solchen Ausdrücken belegt wurden. In  seinem Buch Mein Kampf bezeichnete Adolf Hitler sie bereits Mitte der 1920er Jahre als „Volksverderber“ und „Reichsfeinde“. Doch das Schlimme war nicht, dass sie als minderwertig angesehen wurden, sondern dass sie entrechtet, dass sie als etwas deklariert wurden, was man im letzten Schritt beseitigen wollte.

Schon kurz nachdem die Nazis 1933 an die Macht gekommen waren, begannen sie Juden zu drangsalieren und zu verfolgen. In den Nürnberger Rassengesetzen von 1935 wurden ihnen dann auch förmlich Rechte aberkannt und sie wurden rechtlich auf eine niedere Stufe gesetzt. Ähnlich verfuhr man mit „Fremdrassigen“, „Schwarzen“, „Zigeunern“ und  als „minderwertig“ geltenden Minderheiten der deutschen Mehrheitsbevölkerung wie „Asoziale“. Sie alle wurden als „Untermenschen“ rubriziert, verfolgt und waren schließlich von „Ausmerzung“ bedroht. Millionen Menschen fielen vor allen Dingen in der ersten Hälfte der 1940er Jahren „Säuberungsaktionen“ zum Opfer, da man die Welt von solchen „Untermenschen“ befreien wollte.

Als die Wehrmacht im Sommer 1941 in die Sowjetunion einfiel, veröffentlichte der Reichsführer SS, Heinrich Himmler, eine Broschüre mit dem Titel Der Untermensch. Ziel dieser Schrift war es, die deutsche Bevölkerung zum Hass gegen die Völker der Sowjetunion aufzustacheln. Das Heft, in der jeweiligen Landessprache abgedruckt, fand sowohl in Westeuropa als auch bei den slawischen und slawischsprachigen Verbündeten Deutschlands wie Kroatien, der Slowakei und Bulgarien enormen Anklang. Die Broschüre bestärkte vor allem primitive rassistische Ressentiments. Der überwiegende Teil bestand aus Fotos, welche sowjetische Kriegsgefangene zeigten, die in entstellter Form mit fratzenhaften Gesichtern dargestellt waren.

Ähnliche Rubrizierungen von Menschen gab es auch in anderen Ländern, insbesondere in Japan. Im Zuge der japanischen Expansion in China und Südostasien während des Zweiten Weltkrieges fanden zwangsweise durchgeführte Menschenversuche sowohl an Kriegsgefangenen wie auch an Zivilisten statt. So wurden unter anderem biologische und chemische Menschenversuche mit Krankheitserregern und Kampfstoffen bekannt, beispielsweise mit Pesterregern, Pockenerregern und Kampfgasen, die man insbesondere an Chinesen durchführte. Die Versuchspersonen in den Gefangenenlagern wurden von den Japanern als maruta bezeichnet, was übersetzt so viel heißt wie: ‚Holz‘, ‚Material‘, ‚Rohstoff‘. Hier wurden also Menschen sogar zum Material, zur Sache, zum Ding degradiert.

Was ist das für ein Mensch, der so etwas mehr als 70 Jahre nach der NS-Schreckensherrschaft sagt?

Um all diese Dinge dürfte Matthias Zimmer wissen. Der Mann ist nämlich kein Dummer. Er studierte Politikwissenschaft, Neuere Geschichte und Völkerrecht in Trier, an der Indiana University of Pennsylvania und an der LMU München, wurde 1991 zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitierte sich 2006. 2013 wurde ihm sogar auf Vorschlag der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln die Bezeichnung Honorarprofessor verliehen. Ich habe mir einige Bundestagsreden von ihm angehört. Diese sind wirklich gut. Ich halte den Mann für einen klugen Kopf, was seine sprachliche und gedankliche Entgleisung natürlich umso schlimmer macht.

Roger Willemsen, der für sein Buch Das Hohe Haus: Ein Jahr im Parlament zwölf Monate lang die Debatten im Deutschen Bundestag beobachtete kam offenbar zu einem ähnlichen Eindruck. Willemsen hielt die von Matthias Zimmer 2013 bei der Vorstellung des Schlussberichts der Enquete-Kommission Wachstum, Wohlstand, Lebensqualität gehaltene Rede für die beste von allen: „Es ging um die Grenzen des Wachstums. Eine fast philosophische Rede im Bundestag, ein Glanzstück.“ Zugleich schien aber auch Willemsen schon vor sechs Jahren noch etwas anderes aufgefallen zu sein, quasi die dunkle Seite dieses Mannes (oder der Partei?). In einem Interview sagte der 2016 verstorbene Publizist, TV-Moderator und Filmemacher, ihm sei bewusst, dass er „da eine durchaus multiple Person lobe, denn derselbe Zimmer hat auch ein paar der hässlichsten Sachen gesagt.“

Taucht hier ein furchtbares Muster in neuem Gewand wieder auf?

Insgesamt stellt sich aber vor allen Dingen eine Frage: Ist dies ein Einzelfall oder zeigt sich hier ein Muster, welches sich nicht nur bei der CDU und natürlich bei der sogenannten „Antifa“, sondern vor allen Dingen mindestens genauso bei der SPD, den Grünen und der SED-Nachfolgepartei Die Linke zeigt, dass Mitmenschen und Mitbürger vollkommen herabgewürdigt, ja sogar zu „Untermenschen“ herabgestuft oder gänzlich entmenschlicht werden?

In diesem Zusammenhang sei an den furchtbaren Satz des damaligen sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich, ebenfalls „Christlich Demokratische Union“, erinnert, der im Februar 2016 über die Bewohner eines Dorfes, die einen Bus von kulturfremden Immigranten blockiert hatten, sagte: „Das sind keine Menschen, das sind Verbrecher!“Und wir erinnern uns an die Bemerkungen des früheren CDU-Generalsekretärs und jetzigen Staatssekretär im Verteidigungsministerium Peter Tauber, der erst kürzlich davon sprach, den „Feinden der Freiheit“ ihre Bürger- und Menschenrechte (!) entziehen zu wollen und dann hinterher schickte: „Die politische Rechte kann man nicht integrieren und einbinden“. Wohlgemerkt: „die politische Rechte“, nicht „verfassungsfeindliche Extremisten (links und) rechts“.

Alle wachsamen Bürger und Beobachter des Zeitgeschehens sind hier aufgefordert, ihr Augenmerk darauf zu lenken, ob hier ein furchtbares Muster – die Entmenschlichung und völlige Entrechtung von Mitbürgern – in neuem Gewand wiederkehrt. Lassen Sie uns alle zusammen wachsam sein.

Update vom 09.07.2019

Eine Antwort auf meine Frage, wen Herr Zimmer hier als „Untermensch“ bezeichnete, worauf sich das bezog und was dem vorausging liegt noch immer nicht vor. Dafür liegen diverse Hinweise von Lesern vor, dass dieser „feine Herr“ schon des öfteren durch sehr seltsame Verhaltensweisen auffällig geworden ist, um es sehr vorsichtig zu formulieren. Insbesondere der Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel berichtete bereits 2016, dass Herr Zimmer versucht habe, einen Mitbürger massiv einzuschüchtern, indem er andeutete, seinen Arbeitgeber zu informieren, welche Einstellungen er habe. Wörtlich soll Zimmer geschrieben haben:

„Ja, dann werde ich ihren Arbeitgeber mal fragen, ob das denn betriebstypisch ist was Sie da absondern.“

Kurz darauf habe er öffentlich geschrieben:

„Eine Frage zur FB-Etikette: Wenn jemand in seinem Profil seinen Arbeitgeber angegeben hat und dann in Kommentaren gegen Ausländer hetzt: Ist er dann eine reine Privatperson oder muss sich sein Arbeitgeber diese Kommentare zurechnen lassen?“

Auf die Anfrage von Rechtsanwalt Steinhöfel „Darf ein Abgeordneter des Deutschen Bundestages Bürger auf diese Art öffentlich einzuschüchtern versuchen?“, scheint ebenfalls keine Antwort erfolgt zu sein. Auch hier scheint, sofern Herr Steinhöfel es nicht versäumte, die Antwort zu ergänzen, der CDU-Abgeordnete des Deutschen Bundestages vorgezogen zu haben, sich in Schweigen zu hüllen, wenn er gestellt wird.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Matthias Zimmer

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