Coronavirus in Deutschland: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Originalquelle, So. 01. Mär 2020, Update: Mo. 02. Mär 2020, Titelbild: WELT-Screenshot

Immer mehr Länder melden Fälle von Menschen, die an dem Coronavirus erkrankt sind. Ist das deutsche Gesundheitssystem vorbereitet? Werden mit dem Virus Infizierte angemessen versorgt und – um eine Ausbreitung zu vermeiden – isoliert? Wichtige Fragen und Antworten zum neuartigen Virus.

In Deutschland wurden bisher nur wenige Infektionsfälle mit dem Coronavirus bestätigt, zum Stand Montag, den 02.03.2020, 15 Uhr: 157, siehe ganz unten. Die Bundesregierung informiert und beantwortet Fragen:

1. Wie können sich Bürgerinnen und Bürger vor dem Coronavirus schützen?

Das Coronavirus kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, gilt daher wie für alle Infektionskrankheiten: gute HandhygieneHusten- und Nies-Etikette sowie Abstand zu Erkrankten halten.

Eine Übertragung über importierte Lebensmittel und andere importierte Waren wie Pakete oder importiertes Spielzeug ist bisher nicht dokumentiert. Das für diese Frage zuständige Bundesinstitut  für Risikobewertung  kommt zu der Auffassung: Aufgrund der bisher ermittelten Übertragungswege und der relativ geringen Umweltstabilität von Coronaviren ist es nach derzeitigem Wissensstand unwahrscheinlich, dass importierte Waren Quelle einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus sein könnten.

2. Welche Krankheitszeichen löst das neuartige Virus aus?

Husten, Schnupfen, Halskratzen und Fieber: Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus kann – wie bei anderen Atemwegserkrankungen auch – zu diesen Krankheitszeichen führen. Einige Betroffene klagen auch über Durchfall. Bei einem Teil der Patienten scheint das Virus mit einem schwereren Verlauf einherzugehen und zu Atemproblemen und Lungenentzündung zu führen.

3. Für welche Personengruppen ist eine Infektion mit dem Virus besonders gefährlich?

Todesfälle traten bisher vor allem bei Patienten auf, die älter waren und/oder bereits zuvor an chronischen Grunderkrankungen litten. Als risikogefährdet gelten darüber hinaus Schwangere sowie Menschen mit einer geschwächten Immunabwehr – etwa nach einer schweren Erkrankung oder einer Transplantation.

Derzeit liegt der Anteil der Todesfälle, bei denen die Erkrankung mittels Labortest bestätigt wurde, bei etwa zwei Prozent. Es ist aber wahrscheinlich, dass dieser Anteil tatsächlich geringer ist, da sich die Daten nur auf Patienten beziehen, die im Krankenhaus behandelt wurden.

4. Was sollte ich tun, wenn ich den Verdacht habe, mich angesteckt zu haben?

Wer persönlichen Kontakt zu einer Person hatte, bei der das neuartige Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollte sich unverzüglich telefonisch an das Gesundheitsamt wenden  – auch wenn keine Krankheitszeichen erkennbar sind. Das zuständige Amt lässt sich über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts (RKI) finden.

Wer sich in einem vom Robert Koch-Institut ausgewiesenen Risikogebiet aufgehalten hat, sollte – auch wenn er keine Krankheitszeichen hat – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

Beim Auftreten von Krankheitszeichen der Atemwege sollten man die Husten- und Nies-Etikette sowie eine gute Handhygiene beachten und eine Arztpraxis erst nach telefonischer Voranmeldung aufsuchen.

5. Welche Vorbereitungen sind in Deutschland getroffen?

Deutschland ist gut aufgestellt, wenn es um die Behandlung von Erkrankten mit dem neuen Virus geht.

Vor allem das Netzwerk von Kompetenzzentren und Spezialkliniken in Deutschland sichert eine Versorgung auf höchstem internationalen Niveau. Deutschland verfügt über ein sehr gutes Krankheitswarn- und Meldesystem und Pandemiepläne. Die Meldepflicht zu möglichen Erkrankungsfällen sind verschärft worden.

Das Robert-Koch-Institut arbeitet eng mit verschiedenen Behörden und Einrichtungen zusammen – auf internationaler und nationaler Ebene. Es erfasst kontinuierlich die aktuelle Lage, bewertet alle Informationen, erstellt eine Risikobewertung und veröffentlicht sie auf seiner Internetseite.

6. Wie groß ist die Gefahr, sich in Deutschland mit dem Coronavirus anzustecken?

Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung hierzulande durch die neue Atemwegserkrankung aus China ist aktuell gering bis mäßig. So lautet die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts, der zentralen Behörde in Deutschland für Krankheitsüberwachung und -prävention.

Mit einem Import von weiteren Fällen nach Deutschland muss gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen, Infektionsketten, lokale Infektionsgeschehen und Ausbrüche sind in Deutschland möglich.

In Deutschland sind bislang nur wenige bestätigte Infektionsfälle mit dem neuen Coronavirus aufgetreten. Es gab ein Infektionsgeschehen im Zusammenhang mit einer Firma in Bayern und einzelne Fälle bei deutschen Staatsbürgern, die Anfang Februar 2020 aus Wuhan ausgeflogen worden waren. Mittlerweile sind weitere Erkrankungsfälle auch aus anderen Bundesländern bekannt. Fast alle Patienten aus dem Infektionscluster in Bayern wurden inzwischen genesen aus dem Krankenhaus entlassen. Im Falle der Rückkehrer aus besonders betroffenen Infektionsgebieten erfolgte die Anordnung der Quarantäne durch die jeweiligen Gesundheitsämter – das betrifft sowohl die häusliche Quarantäne als auch die zentrale Unterbringung.

7. Welche Auswirkung haben die Infektionsfälle des Coronavirus in Italien auf Deutschland?

Mit den Infektionsfällen in Italien sei die Corona-Epidemie als Epidemie zwar in Europa angekommen, „ich bin jedoch fest davon überzeugt, dass wir bestmöglich vorbereitet sind“, erklärt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn vor der Presse. Das deutsche Gesundheitswesen sei eines der besten der Welt. „Ärzte und Pflegekräfte und alle anderen, die im Gesundheitswesen tätig sind, bewältigen jedes Jahr Grippewellen, die das Gesundheitswesen zumindest vor vergleichbare Herausforderungen stellen“, so der Gesundheitsminister.

Die italienische Regierung habe entschlossen und schnell gehandelt, um die eigene Bevölkerung und auch die Bevölkerung in Europa zu schützen. Dafür sei er der italienischen Regierung und allen vor Ort Beteiligten sehr, sehr dankbar, bekräftigte Spahn.

8. In Italien sind ganze Orte abgeriegelt worden. Ist das auch in Deutschland möglich?

Das ist bislang keine Überlegung der Bundesregierung. Bisher wurden die wenigen Infizierten in Deutschland isoliert und behandelt. Ihre Kontaktpersonen wurden engmaschig in häuslicher Quarantäne betreut. Dieses Vorgehen bleibt weiterhin das Ziel der Bundesregierung.

Das Infektionsschutzgesetz sieht verschiedene Möglichkeiten vor, um ein Infektionsgeschehen zu begrenzen. Zwischen der Absage von Großveranstaltungen, der Schließung von Einrichtungen wie Schulen oder Kitas „bis hin zum Abriegeln ganzer Städte“ gebe es jedoch zahlreiche Zwischenstufen, erläuterte Gesundheitsminister Spahn. Entschieden werden müsse im Einzelfall. Vorrangig sei jedoch, angemessen und verhältnismäßig zu reagieren.

9. Könnte Deutschland die Grenzen zu Nachbarländern schließen?

Grenzschließungen und ähnliche Maßnahmen gehören im Moment nicht zu den Überlegungen der Bundesregierung.

Grundsätzlich ist eine Wiedereinführung von sogenannten Binnengrenzkontrollen nach den Vorschriften des Schengener Grenzkodex möglich. Dieser Grenzkodex setzt allerdings eine ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Ordnung oder die öffentliche Sicherheit voraus. Grenzkontrollen sind dabei zunächst für die Dauer von 30 Tagen möglich – oder auch für die vorhersehbare Dauer der ernsthaften Bedrohung, wenn diese den Zeitraum von 30 Tagen überschreitet.

Es gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit: Eine vorübergehende Wiedereinführung von Grenzkontrollen darf in Umfang und Dauer nicht über das Maß hinausgehen, das zur Bewältigung einer ernsthaften Bedrohung unbedingt erforderlich ist.

10. Wie groß ist das Ansteckungsrisiko in anderen Ländern?

Der von China ausgehende Ausbruch des Coronavirus hat mittlerweile weltweite Auswirkungen. Dabei ist China nach wie vor am stärksten betroffen. Inzwischen treten aber auch in vielen anderen Ländern Infektionsfälle auf, so wie in Italien.

Vor Reisen in betroffene Länder wird empfohlen, die Internetseite des Auswärtigen Amts aufzusuchen. Dort finden sich  Reise- und Sicherheitshinweise zu allen Ländern. Diese werden laufend aktualisiert – auch zum Thema gesundheitliche Risiken. Derzeit warnt das Auswärtige Amt vor Reisen in die besonders vom Virus betroffene chinesische Provinz Hubei und rät von nicht notwendigen Reisen in andere Gebiete Chinas ab. Informationen darüber, welche Rechte Urlauber haben, die ihre Reise nicht antreten oder abbrechen wollen, finden Sie auf den Seiten der Verbraucherzentrale und des Europäischen Informationszentrums Deutschland.

Auf globaler Ebene  – so die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts – handelt es sich um eine sich sehr dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation. Die Schwere der neuen Atemwegserkrankung lässt sich gegenwärtig noch nicht beurteilen, da nicht genügend Daten vorliegen.

11. Was müssen Reisende beachten, die aus Coronavirus-Risikogebieten zurückkommen?

Wer mit dem Flugzeug nach Deutschland zurückkommt und während des Fluges an Krankheitsanzeichen wie Fieber, Husten oder Atemnot leidet, sollte die Flugbesatzung informieren. Falls solche Anzeichen am Flughafen auftreten, bitte das Flughafenpersonal aufsuchen.

Wer engen Kontakt mit Menschen hatte, bei denen das neuartige Virus im Labor nachgewiesen wurde, oder wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, sollte Kontakte zu anderen Personen vermeiden. Diejenigen sollten sich unverzüglich mit dem zuständigen Gesundheitsamt in Verbindung setzen. Die Kontaktdaten kann man zum Beispiel über eine Datenbank des Robert Koch-Instituts (RKI) abfragen. Zusammen kann dann geklärt werden, was zu tun ist.

Wer medizinische Hilfe benötigt, sollte telefonisch Kontakt mit einer Arztpraxis aufnehmen. Wichtig dabei der Hinweis, dass man in einem Corona-Risikogebiet gewesen war oder Kontakt mit Menschen aus einem Corona-Risikogebiet hatte. Für Ärztinnen und Ärzte stellt das Robert Koch-Institut im Internet Informationen für die Fachöffentlichkeit bereit.

12. Wo finde ich aktuelle und zuverlässige Informationen zum Geschehen rund um das Coronavirus?

Das Bundesgesundheitsministerium aktualisiert fortlaufend auf seiner Internetseite die Informationen zum Coronavirus. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat auf ihrer Internetseite Antworten auf häufig gestellte Fragen zum neuartigen Coronavirus bereitgestellt.

Das Robert Koch-Institut als zuständiges Bundesinstitut für den Umgang mit Infektionskrankheiten hat ein Lagezentrum eingerichtet. Auf seiner Internetseite ist ein umfassendes Info-Paket zum neuartigen Coronavirus zu finden. Daten und Fakten zur Verbreitung und Epidemiologie, zur Diagnostik, Prävention und Bekämpfung richten sich an eine interessierte Öffentlichkeit und an medizinisches Personal.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) informiert auf ihren Internetseiten ebenfalls über das neuartige Coronavirus.

13. Fallzahlen in Deutschland

Das Robert Koch Institut informiert: In Deutschland wurden bislang, Stand: 02.03.2020, 15:00 Uhr,  157 Fälle einer SARS-CoV-2-Infektion bestätigt. Nach dem Infektionscluster bei einer Firma in Bayern (14 Fälle) und einzelnen Fällen bei den deutschen Staatsbürgern, die Anfang Februar 2020 aus Wuhan ausgeflogen worden waren, sind seit dem 25.2.2020 Erkrankungsfälle in mehreren Bundesländern bekannt geworden.

(Stand: 02.03.2020, 15:00 Uhr)

  • Nordrhein-Westfalen: 90
  • Bayern: 26
  • Baden-Württemberg: 20
  • Hessen: 10
  • Hamburg: 2
  • Rheinland-Pfalz: 2
  • Schleswig-Hostein: 2
  • Repatriierte: 2
  • Berlin: 1
  • Bremen: 1
  • Niedersachsen: 1

Insgesamt: 157

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