Brandenburg: Hunde von AfD-Politiker (Kalbitz-Gegner) vergiftet

Von Jürgen Fritz, Do. 13. Aug 2020, Titelbild: Symbolbild, Pixabay, CC0 Creative Commons

Brandenburg an der Havel. Wer macht so etwas? Im Garten des AfD-Politikers Axel Brösicke hat jemand Giftköder ausgelegt. Drei Hunde fraßen von vergifteter Leberwurst und bekamen alle drei Probleme. Eines der Tiere überlebte die Vergiftung nicht, starb noch auf der Fahrt in die Tierklinik. Brösicke hat mit seiner Frau zwei kleine Kinder, die ebenfalls regelmäßig im Garten spielen. Er ist Sprecher der Alternativen Mitte Brandenburg und gilt als Gegner des aus der Partei ausgeschlossenen Andreas Kalbitz, dem er öffentlich Unwahrhaftigkeit vorgeworfen hatte. AfD-Politiker sind allerdings seit Jahren regelmäßig Gewaltübergriffen ausgesetzt, die fast nie aufgeklärt werden.

Drei Hunde vergiftet, einer erlag dem Gift

Schon am letzten Freitag habe sich seine Dogge Lisa übergeben, sagte Axel Brösicke gegenüber der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ). Am Abends sei sie dann ruhig  und schlapp gewesen, was ihm aber normal erschien, da sie den ganzen Tag herumgetobt habe. Das Tier sei stets kinderlieb und auch verträglich mit seinen anderen Hunden gewesen. Der AfD-Politiker, seine Frau und seine beiden Kinder besitzen noch eine Bulldogge und eine Chihuahua-Mutter mit sieben Welpen.

Am Samstagmorgen ließ Brösicke die drei ausgewachsenen Tiere nach draußen. Etwas später spuckten sowohl die Bulldogge wie auch die Chihuahua-Mutter Blut, Lisa sei dagegen ganz verschwunden. Später habe er sie aufgebläht im Unterholz gefunden. Sie starb noch auf der Fahrt zu einer Tierklinik. Die beiden anderen Hunde überlebten zum Glück.

Noch am Samstag habe Brösicke dann seinen Garten durchsucht und siehe da: Er fand ein aufgeschlitztes Leberwurststück. Diese Leberwurst würde in seiner Familie aber niemand essen. Er selbst habe keine Ahnung, wer die mit Gift vollgespritzte Wurst in seinem Garten platziert habe. Einen politischen Hintergrund könne er sich nicht vorstellen: “Viele hier wissen, dass ich kleine Kinder habe, die auch im Garten sind. Da nimmt keiner billigend eine Gefährdung für sie in Kauf”, sagte Brösicke der MAZ. Damit stellt sich die Frage:

Wer macht so etwas?

Eine Möglichkeit wäre natürlich, dass irgendein Tier- oder Hundehasser die vergiftete Wurst auslegte, einfach weil er sich am Leid von Tieren bzw. Hunden erfreut. Oder es könnte jemand gewesen sein, der privat Zoff mit Axel Brösicke, seiner Frau oder den Kindern hatte, wobei die ja noch klein sein sollen, so dass dies wenig wahrscheinlich klingt.

Die dritte Möglichkeit wäre, dass diese Tat eben doch politisch motiviert war. Dann gäbe es wiederum zwei Möglichkeiten: a) Es richtete sich gegen Brösicke, weil er in der AfD ist, oder es kam b) von innerhalb der AfD beziehungsweise einem Höcke-Kablitz-Flügel-Anhänger, weil Brösicke sich gegen den aus der Partei ausgeschlossenen mutmaßlichen Rechtsextremisten und Neonazi Andreas Kalbitz positioniert hatte.

Brösicke hatte, wie die MOZ berichtete, schon im Mai als Sprecher der Alternativen Mitte Brandenburg in einer Mitteilung erklärt, Kalbitz habe bezüglich seiner früheren Mitgliedschaften und Aktivitäten „mehrfach die Unwahrheit gesagt“ und immer nur das zugegeben, „was sich nicht mehr leugnen ließ“. Die Märkische Allgemeine Zeitung sprach sogar davon, dass Brösicke „Kalbitz für einen Lügner“ halte. In seiner Fraktion und im AfD-Kreisverband soll Brösicke laut RND für seinen Distanzierungskurs von Ex-Landesvorsitzenden Andreas Kalbitz großen Zuspruch erhalten.

Die Affäre Kalbitz

Andreas Kalbitz, der bis in 2020 hinein, der zweite Kopf des als rechtsextremistisch (verfassungsfeindlich) eingestuften Flügels war, hatte seinen AfD-Antrag 2013 online gestellt. Nachdem innerhalb der AfD gegen Kalbitz Ermittlungen angestellt wurden, ob er bei seinem Aufnahmeantrag gelogen oder zumindest unwahre Angaben gemacht hatte, war sein Aufnahmeantrag plötzlich nicht mehr auffindbar. Eine von zwei, drei Schlüsselfrage war, ob Kalbitz seine frühere Mitgliedschaft bei den Republikanern angegeben hatte. Diese wurden von 1992 bis 2007, also 15 Jahre lang, vom Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet.

Der AfD-Bundesvorstand hatte auf Antrag des ersten Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Jörg Meuthen die Mitgliedschaft von Kalbitz Mitte Mai für nichtig erklärt. Als Gründe wurden genannt: Erstes das Verschweigen der Mitgliedschaft in der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ, eine Art Hitlerjugend unter neuem Namen). Diese Mitgliedschaft bestreitet Kalbitz bis heute, obschon es eine Liste sogar mit Mitglieds-Nr. für die Familie Kalbitz gibt. Er dagegen behauptet immer wieder, er sei da irgendwie auf dieser Liste gelandet, ohne je in die HDJ eingetreten zu sein.

Der zweite Grund für die Nichtigkeitserklärung und den späteren Parteiausschluss über das AfD-Schiedsgericht war eben die Nichtangabe seiner Mitgliedschaft bei den Republikanern 1993/1994. Auf die Frage, ob er die Mitgliedschaft bei den Republikanern bei seiner Aufnahme in die AfD angegeben habe, sagte Kalbitz im Mai: „Das wird sich im Zuge des Verfahrens klären“, wich also der Frage zunächst aus.

Für die Mitgliedschaft bei den Republikanern liege nach Auffassung von Kalbitz kein Verstoß gegen die Satzung vor, weil die Republikaner nicht als rechtsextrem eingestuft worden seien und nicht auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD gestanden hätten. Er habe „diese Mitgliedschaft bei den Republikanern immer angeführt“, so dann seine Behauptung.

Axel Brösicke: Kalbitz habe „mehrfach die Unwahrheit gesagt“ und immer nur das zugegeben, „was sich nicht mehr leugnen ließ“

Der frühere Brandenburger AfD-Landesgeschäftsführer Klaus Riedelsdorf sagte dagegen auf Anfrage: Andreas Kalbitz hat mir gegenüber bestritten, bei den Republikanern gewesen zu sein.“ Dies datierte er auf Ende 2014 oder Anfang 2015. Wenig später habe Kalbitz dann aber die Mitgliedschaft plötzlich doch eingeräumt und gesagt, er habe es „vergessen“.

Laut ZEIT ONLINE habe Kalbitz auch im Bewerbungsprofil für die Kandidaten der Landtagswahl 2014 in Brandenburg seine Mitgliedschaft bei den Republikanern nicht angegeben. Axel Brösicke hat, wie erwähnt, als Sprecher der Alternativen Mitte Brandenburg in einer Mitteilung erklärt, Kalbitz habe bezüglich seiner früheren Mitgliedschaften und Aktivitäten „mehrfach die Unwahrheit gesagt“ und immer nur das zugegeben, „was sich nicht mehr leugnen ließ“.

Ob hier ein Zusammenhang besteht zur Vergiftung der Hunde, kann natürlich nicht gesagt werden. Die bleibt vollkommen im Bereich der Spekulation. Dies wäre aber, sollte dem Anschlag tatsächlich doch eine politische Motivation zu Grunde liegen, neben dem Hass, zum Beispiel eines Neuen Linken (Neomarxisten) oder Antifa-Anhänger etc., auf die AfD insgesamt eine zweite Möglichkeit für ein politisches Motiv.

Fest steht, dass Kalbitz neben Neben Björn der wichtigste Vertreter des formal aufgelösten des sogenannten „Flügels“ der Partei war, der vom Verfassungsschutz als rechtsextreme Strömung eingestuft wurde, und dass Kalbitz aus der Partei ausgeschlossen wurde, was seit Monaten zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der AfD führte, die zum Zerreißen der gesamten Partei führen könnten. Das wiederum dürfte einiges an heftigen Emotionen auslösen.

Gewalt gegen AfD-Politiker: jeder Zehnte SPD-Anhänger hat dafür Verständnis, jeder sechste Student und jeder fünfte Immigrant

Fest steht aber auch, dass von linksextremistischer Seite regelmäßig Gewaltübergriffe und Drohungen an AfD-Politiker erfolgen – und diese fast nie aufgeklärt werden.

Bereits Anfang 2019 sagten

  • 6,5 Prozent der Unions- und der Linken-Anhänger dass sie „Verständnis für Gewalt gegen AfD-Politiker“ hätten.
  • Bei Grünen-Anhänger waren es sogar 7 und
  • bei SPD-Anhängern 9,9 Prozent.
  • Bei Studenten war es sogar fast jeder sechste (15,8 Prozent) und
  • fast jeder Fünfte bei Personen mit Migrationshintergrund (18,5 Prozent).

P.S.

Es soll nochmals betont werden, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht klar ist, wie diese Tat motiviert war, ob irgendein politisches Motiv mit hineinspielte. Es kann natürlich genauso gut sein, dass es ein reiner Hunde- oder Tierhasser war oder auch schlicht ein Verrückter. Es wäre aber gut, wenn die Polizei diesen Fall aufklären und hier Klarheit verschaffen könnte.

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