SPD kommt auch nach Scholz-Nominierung nicht an die Grünen ran

Von Jürgen Fritz, Mi. 02. Sep 2020, Titelbild: © JFB

Am 10. August hat die SPD Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz zu ihrem Kanzlerkandidaten nominiert. Dies scheint eine gute Entscheidung zu sein. In den Umfragen konnte die SPD rasch über zwei Punkte zulegen, schloss immer mehr zu den Grünen auf. Doch dieser Mini-Aufschwung ebbt schon wieder ab.

So würden die Deutschen derzeit wählen

Betrachten wir zunächst, wie die Bundesbürger im Falle von Bundestagswahlen zur Zeit votieren würden. Angegeben ist für jede Partei der Wahl-O-Matrix-Mittelwert aller Institute,  die – bezogen auf den mittleren Tag der Befragung – in den letzten drei Wochen repräsentative Erhebungen durchführten. Dies waren insgesamt sieben. Aufgeführt ist für jede Partei der niedrigste und der höchste Wert dieser sieben einbezogenen Institute (für jedes Meinungsforschungs-Institut wurde die jeweils neueste Umfrage herangezogen) sowie fettgedruckt das arithmetische Wahl-O-Matrix-Mittel aller sieben Werte:

  1. CDU/CSU: 36 – 38 % ==> 36,8 %
  2. GRÜNE: 17 – 19 % ==> 18,2 %
  3. SPD: 16 – 17 % ==> 16,1 %
  4. AfD: 911 % ==> 10,0 %
  5. LINKE: 78 % ==> 7,6 %
  6. FDP: 56 % ==> 5,5 %
  7. Sonstige: 4,5 – 8 % ==> 5,7 %

(c) JFB

Die Erhebungen dieser Institute wurden ausgewertet

Die sieben Institute, die (bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) in den letzten drei Wochen Erhebungen durchführten, welche ausgewertet wurden, waren:

  • Allensbach, mittlerer Tag der Befragung: 11./12.08.2020, persönlich-mündliche Befragung von 1.231 nach Quotenvorgaben ausgewählten Personen
  • Infratest dimap, mittlerer Tag der Befragung: 18./19..08.2020, telefonische Befragung von 1.065 zufällig ausgewählten Personen
  • YouGov, mittlerer Tag der Befragung: 22.08.2020, internetbasierte Befragung von 1.611 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools
  • Kantar, mittlerer Tag der Befragung: 22.08.2020, telefonische Befragung von 1.597  zufällig ausgewählten Personen
  • Forschungsgruppe Wahlen, mittlerer Tag der Befragung: 26.08.2020, telefonische Befragung von 1.303 zufällig ausgewählten Personen
  • Forsa, mittlerer Tag der Befragung: 26.08.2020, telefonische Befragung von 2.502 zufällig ausgewählten Personen
  • INSA, mittlerer Tag der Befragung: 29./30.08.2020, internetbasierte Befragung von 2.068 nach Quotenvorgaben ausgewählten Mitgliedern eines Befragten-Pools

Wahl-O-Matrix, Deutschlands führendes Meta-Analyse-Tool (von JFB gegründet), hat damit eine recht breite Datenbasis von insgesamt 11.377 Befragten.

Mögliche Regierungskoalitionen: Schwarz-Grün mit Abstand am beliebtesten, aber nicht bei den Grünen-Wählern

Für eine Mehrheit der Sitze im Bundestag wären (wegen der 5,7 Prozent für sonstige Parteien, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern nicht über 50, sondern) ca. 47,2 Prozent der Stimmen notwendig. Folgende Koalitionen wären zu erwarten und kämen auf …

  • SchwarzGrün: 55,0 %
  • SchwarzRot: 52,9 %
  • SchwarzGelb: 42,3 %
  • GrünRotDunkelrot: 41,9 %
  • GrünRotGelb (Ampel): 39,8 %

Derzeit hätte also sowohl Schwarz-Grün als auch Schwarz-Rot eine klare Mehrheit der Sitze im Parlament. Für Schwarz-Gelb würde es nicht reichen und für Grün-Rot-Dunkelrot noch weniger. Doch was wünschen sich die Bürger? Welche Regierungskoalition würden sie präferieren? Diese Frage stellte Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF-Politbarometer Ende August ca. 1.300 Wahlberechtigten in ganz Deutschland. Hier das Ergebnis:

  1. Schwarz-Grün (CDU/CSU + Grüne) fände ich gut: 48 %schlecht: 34 %
  2. Schwarz-Rot (CDU/CSU + SPD) fände ich gut: 35 %schlecht: 42 %
  3. eine Ampel (Grüne + SPD + FDP) fände ich gut: 32 %schlecht: 46 %
  4. Grün-Rot-Dunkelrot (Grüne + SPD + Linke) fände ich gut: 31 %schlecht: 52 %

Die Wähler haben also eine klare Präferenz: Nur Schwarz-Grün finden mehr Personen gut als schlecht. Am unbeliebtesten aber ist Grün-Rot-Dunkelrot. Dies ist die einzige Koalition, bei der sogar mehr als die Hälfte explizit sagt, dass sie das auf keinen Fall will.

Die Anhänger der Grünen plädieren aber laut RTL-/ntv-Trendbarometer nur zu 39 Prozent für eine Koalition mit der Union, während 57 Prozent Grün-Rot-Dunkelrot vorziehen würden, ganze besonders übrigens die Männer bei den Grünen-Anhängern. Das heißt, die Wähler der Grünen wollen etwas anderes als die Wähler insgesamt, nicht Schwarz-Grün, sondern Grün-Rot-Dunkelrot, also das, was die Deutschen am allerwenigsten wollen.

Olaf Scholz kommt in der Bevölkerung gut an, die SPD nicht

Mit ihrer Entscheidung, Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten zu nominieren, machte die SPD wohl genau das Richtige. Dieser kommt über alle Parteigrenzen hinweg mehrheitlich gut an. Die Anhänger aller Parteien sagen jeweils zu mindestens 50 Prozent, dass Scholz als Kanzlerkandidat für die SPD eher gut sei:

  1. SPD-Anhänger: 82 %
  2. CDU/CSU-Anhänger: 68 %
  3. Grünen-Anhänger: 56 %
  4. FDP-Anhänger: 53 %
  5. AfD-Anhänger: 50 %
  6. Linke-Anhänger: 50 %

Von allen Befragten sagten 58 Prozent, dass Scholz als Kanzlerkandidat gut sei für die SPD. Nur 25 Prozent meinten, er wäre für die SPD eher schlecht (17 Prozent sagten „weiß nicht“).

Das Problem der SPD ist also nicht ihr Spitzenkandidat, sondern die Partei selbst. Denn kaum mehr als jeder Vierte, der Scholz für einen guten Kandidaten hält, will auch die SPD wählen (im Wahl-O-Matrix-Mittel nur 16,1 Prozent). Der Mini-Aufschwung, der direkt nach der Scholz-Nominierung zu erkennen war, ebbt schon wieder ab. Die Sozis schaffen es nicht einmal, an die Grünen heranzukommen.

Dawum-Screenshot

Die Deutschen wünschen sich Biden als neuen US-Präsidenten und sind mit Merkels Arbeit ausgesprochen zufrieden

Im November wird in den USA der Präsident neu gewählt. Die Deutschen haben hier eine klare Präferenz: 86 Prozent der Befragten wünschen sich Joe Biden als nächsten US-Präsidenten. Donald Trump finden nur ganze sechs Prozent besser.

US-Präsidentschaftswahl: Wer wäre Ihnen lieber?

  • Biden: 86 %
  • Weiß nicht: 8 %
  • Trump: 6 %

Soweit die Wünsche der Deutschen. Ob Biden die Wahl aber auch tatsächlich gewinnen wird, da ist man sich hierzulande wesentlich weniger sicher als 2016. Jeder Dritte glaubt, dass Trump auch 2020 die Wahl gewinnen wird, 56 Prozent tippen auf Biden.

Und wer wird gewinnen?

  • Biden: 56 %
  • Trump: 33 %
  • Weiß nicht: 13 %

Mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die Deutschen in den letzten Wochen und Monaten ausgesprochen zufrieden. Sie erreicht hier wie vor der Flüchtlingskrise ab September 2015 wieder absolute Spitzenwerte. Nur 14 Prozent sind Ende August der Auffassung, sie mache ihre Arbeit schlecht. 82 Prozent finden, sie mache ihren Job gut:

ZDF-Screenshot

Mehr als drei von vier wünschen sich eine stärkere Kontrolle bei der Einhaltung der Coronaschutzmaßnahmen

Die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen halten …

  • 60 % für gerade richtig
  • 28 % meinen, sie müssten härter ausfallen und
  • nur 10 % halten diese für übertrieben.

Wie die Erhebung von Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag des ZDF ergab, stehen vor dem Hintergrund steigender Corona-Fallzahlen für viele die staatlichen Maßnahmen zum Schutz vor der Ausbreitung des Virus im Fokus.

Dabei sprechen sich 77 Prozent der Befragten für eine stärkere Kontrolle bei der Einhaltung der Corona-Maßnahmen aus, nur 21 Prozent dagegen (der Rest auf 100 Prozent antwortete „weiß nicht“). Die Anhänger aller Parteien sind mehrheitlich für eine stärkere Kontrolle mit einer Ausnahme: Bei der AfD sind es „nur“ 48 Prozent ihrer Anhänger. Bei allen anderen außer der Linkspartei sind es sogar stets mehr als drei Viertel der jeweiligen Wähler, die sich stärkere Kontrollen wünschen:

  1. SPD-Anhänger: 86 %
  2. CDU/CSU-Anhänger: 84 %
  3. Grünen-Anhänger: 82 %
  4. FDP-Anhänger: 78 %
  5. Linke-Anhänger: 65 %
  6. AfD-Anhänger: 48 %

Vor allem wünschen sich die Bürger stärkere Begrenzungen bei öffentlichen Veranstaltungen:

Ja: 79 %Nein: 18 %

Und auch stärkere Begrenzungen bei privaten Feiern:

Ja: 70 %Nein: 27 %

Eine Maskenpflicht bei der Arbeit findet dagegen keine mehrheitliche Zustimmung:

Ja: 42 %Nein: 48 %

und noch weniger eine Maskenpflicht in der Schule:

Ja: 37 %Nein: 58 %

60 bis 70 Prozent der Bürger wünschen sich eine bundeseinheitliche Regelung der Corona-Maßnahmen

61 Prozent sind dafür, dass die Regelungen bei den Corona-Maßnahmen komplett bundesweit einheitlich festgelegt werden. Nur 37 Prozent finden es gut, dass Bundesländer, Kreise und Städte jeweils eigene Regelungen treffen können. Diese Einschätzung teilen die Anhänger aller Parteien. Sowohl im Osten ist man mehrheitlich (56 Prozent) für eine einheitliche Regelung als auch im Westen, hier sogar noch stärker (63 Prozent).

  • Lieber bundesweit einheitlich: 61 %
  • Regional unterschiedliche Regelungen finde ich gut: 37 %

Civey kommt sogar auf einen Wert von rund 70 Prozent bei der Frage, ob die Bundesländer einheitliche Corona-Schutzmaßnahmen haben sollten, während nur knapp 27 Prozent der Befragten dagegen sind:

bundeseinheitliche Corona-Regeln-2020-08-26

*

Aktive Unterstützung: Jürgen Fritz Blog (JFB) ist vollkommen unabhängig und kostenfrei (keine Bezahlschranke). Es kostet allerdings Geld, Zeit und viel Arbeit, Artikel auf diesem Niveau regelmäßig und dauerhaft anbieten zu können. Wenn Sie meine Arbeit entsprechend würdigen wollen, so können Sie dies tun per klassischer Überweisung auf:

Jürgen Fritz, IBAN: DE44 5001 0060 0170 9226 04, BIC: PBNKDEFF, Verwendungszweck: JFB. Oder über PayPal – 3 EUR – 5 EUR – 10 EUR – 20 EUR – 50 EUR – 100 EUR