Von Jürgen Fritz, Di. 17. Mär 2026, Titelbild: ARTE-Screenshot
Adorno und Habermas waren maßgeblich mit schuld für eines der Grundübel, mit dem unser Niedergang begann. Sie waren die Wortführer der Frankfurter Schule, der „Kritischen Theorie“, im Werturteilsstreit der 1960er Jahren, den Adorno, der wohl große Diskriminationsprobleme hatte, „Positivismusstreit“ nannte.
Adorno hatte wohl die Gegenposition geistig gar nicht erfasst, vielleicht interessierte sie ihn auch gar nicht
Ihre Gegner, Karl Popper und Hans Albert waren aber keine Positivisten, sondern kritische Rationalisten. Den Unterschied scheint Adorno bis zu seinem Lebensende 1969 gar nicht verstanden zu haben. Hans Albert schrieb dazu 1969:
»Wie früher schon Habermas … so wird nun Adorno zum Opfer seines eigenen etwas verwaschenen Positivismus-Begriffs, und der tendenziösen … Art, unter diese Kategorie jeweils das zu subsumieren, was ihm kritikwürdig erscheint… er suggeriert dem Leser, die Identität oder zumindest die nahe Verwandtschaft … mit einem kruden Positivismus … oder mit dem logischen Positivismus der 20er oder 30er Jahre … ohne dabei die Stellung des kritischen Rationalismus ausreichend klar zu machen … Ein wesentlicher Teil seiner Argumentation erweist sich … als gegenstandslos und darüber hinaus irreführend.« (Der Positivismusstreit in der deutschen Soziologie, S. 336)
Adorno arbeitete wohl wiederholt mit rabulistischen Methoden, hier mit dem Strohmann-Trugschluss: Statt auf die Argumente und die Position der Kritischen Rationalisten einzugehen, ließ er sich ewig lang über den Positivismus aus, sei es weil er nur diesen kannte oder weil ihm das einfacher erschien. Zur Sachdebatte trug das aber gar nichts bei.
Eher gesellschaftskritische Literatur als Philosophie und Wissenschaft
Die erste Generation der Frankfurter Schule (Horkheimer, Adorno, Marcuse…) wird von analytischen Philosophen bis heute meist gar nicht als Philosophie oder Wissenschaft angesehen, sondern eher als gesellschaftskritische Literatur, eine methodologisch problematische, metaphysisch aufgeladene und empirisch unzureichende Form der Gesellschaftskritik.
Jürgen Habermas wird zugestanden, dass er den Standards analytischer Philosophie (Klarheit in Sprache und Gedankenführung, Argumentationsstrenge, Vermeidung dunkler Dialektik) deutlich näher kam und sich über die Jahrzehnte um eine Annäherung bemühte, vor allem weil er seit den 1970er Jahren konsequent analytische Werkzeuge (Sprachphilosophie, Pragmatik, Sprech-Akt-Theorie) in seine Theorie des kommunikativen Handelns integrierte, zugleich aber seine Provenienz eben nie ablegen konnte, Stichworte: verbleibender Anti-Realismus, Transzendentalreste und mangelnde empirische Erdung. Nun aber zum wichtigsten Punkt, um den es hier zentral gehen soll.
Adorno, Habermas & Co. bestimmen das Ziel der Wissenschaft neu: nicht mehr Erkenntnisgewinn, sondern Umgestaltung der Gesellschaft
Die Anhänger der Frankfurter Schule, die in der Tradition des Marxismus steht, erfand das zwar nicht, es hatte schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur Zeit von Max Weber einen ersten Werturteilsstreit gegeben, aber sie übten spätestens ab den 1960er Jahren enormen Einfluss aus und setzten letztlich durch, dass Werturteile immer mehr zunächst in die Sozialwissenschaften und in die Philosophie Einzug hielten. Später folgten viele andere Fakultäten.
Dies war insofern von besonderer Brisanz, weil nicht nur einfach Werturteile als wissenschaftlich angesehen wurden von der Frankfurter Schule, sondern das Ziel von Wissenschaft insgesamt verändert wurde. Nicht mehr Erkenntnisgewinn, also Wissenserwerb sollte das oberste Ziel von wert(urteils)freier Wissenschaft sein, sondern die Umgestaltung, die Transformation der Gesellschaft in Richtung Abbau der „Klassengesellschaft“ und Emanzipation, was natürlich auf Werturteilen basiert, warum die Gesellschaft schlecht ist („Klassengesellschaft“, mangelnde „soziale Gerechtigkeit“ etc.) und wie sie verändert werden soll.
Die Wissenschaft an sich verliert ihre Unschuld, der Aktionismus zieht in die Hochschulen ein
In diesem für unsere Kultur womöglich entscheidenden Streit setzten sich Adorno, Habermas & Co. letztlich durch – mit verhängnisvollen Folgen! Denn nun war das Einfallstor in den deutschen und westlichen Hochschulen geöffnet für „Weltverbesserer“ und „Social Justice Warriors“, die unter dem Deckmantel der Wissenschaft nun ihre Ziele offiziell verfolgen konnten, und die zunächst die Sozialwissenschaften und die Philosophie, dann allmählich fast alle Fakultäten übernahmen.
Der Aktionismus zog ein in das Heiligtum der Aufklärung: in die wissenschaftlichen Hochschulen. Nicht nur einzelne Wissenschaftler, die sich der Macht andienten, das hatte es immer gegeben, sondern die Wissenschaft an sich verlor ihre Unschuld und wurde zur Dienerin der sozialen Krieger degradiert.
Es kommt zum Bruch mit ihren Studenten, die in den Linksextremismus und Linksterrorismus abgleiten
Etliche der Studenten von Adorno und Habermas glitten ab 1968 dann auch ab in den aggressiven, gewalttätigen Linksextremismus, teilweise auch den Linksterrorismus, so zum Beispiel der Studentenführer Rudi Dutschke. Davon distanzierten sich Habermas und Adorno deutlich, Habermas sprach sogar vom Linksfaschismus.
Adorno war entsetzt und wollte damit nichts zu tun haben. Ihm wurde von Studenten übel mitgespielt, die ihn öffentlich bloß stellten. „Wer nur den lieben Adorno lässt walten, der wird den Kapitalismus sein Leben lang behalten“, lautete eine ihrer Parolen. Im April 1969 stürmten Studentinnen seine Vorlesung, tanzten um ihn herum, entblößten dabei ihre Brüste und ließen Küsse und Blüten auf ihn niederregnen. Adorno ergriff beschämt und unter allgemeiner Heiterkeit mit Tränen in den Augen die Flucht.
Charakterlich fragwürdige Persönlichkeiten
Dabei war Adorno moralisch eine durchaus fragwürdige Person. Heftig kritisierte er die „spätkapitalistische Gesellschaft“. Sie sei keine emanzipierte, sondern eine geschlossene, totalitäre und unwahre Gesellschaft, in der das „Falsche“ (das bestehende Ganze) das Wahre bestimme und in der „richtiges Leben im falschen“ kaum möglich sei. Zugleich lebte der gleiche Adorno im Institut wie zuhause als intellektueller Patriarch, mit ausgebeuteter Gattin, die ihm sein Hauptwerk, die „Dialektik der Aufklärung“, zusammengeschrieben hatte, und mit wechselnden, teilweise 30 bis 35 Jahre jüngeren Geliebten und Prostituierten.
Auch Habermas war eine charakterlich fragwürdige Persönlichkeit. Viele beschrieben ihn als oft überheblich, belehrend, intolerant gegenüber abweichenden Positionen, teils herrisch.
Im Historikerstreit 1986/87 griff Habermas hoch angesehene Historiker öffentlich an. Dabei argumentierte er nicht primär fachhistorisch, sondern politisch-moralisch und „diskursethisch“: Eine liberale, postnationale Demokratie brauche eine kritische, nicht-nationalistische Erinnerungskultur. Jede Relativierung des Holocaust gefährde die Grundlage der bundesrepublikanischen Verfassungsordnung („Verfassungspatriotismus“ statt Nationalstolz). Die attackierten Fachhistoriker, die unter anderem durchaus wohlbegründet den Holocaust als Reaktion auf frühere bolschewistische Verbrechen darstellten, es bestehe ein kausaler Nexus zwischen den Verbrechen des Kommunismus und denen des Nationalsozialismus, der NS-Terror sei eine Abwehrreaktion auf die bolschewistische Bedrohung gewesen, warfen Habermas Denunziation, Zitierfehler, moralische Erpressung und Unwissenschaftlichkeit vor – Nolte sprach von „Rufmord“.
Peter Sloterdijk meinte in der Menschenpark-Debatte ab 1999, Habermas betreibe „Kritik hinter dem Rücken“, erteile Fatwas wie ein „Starnberger Ajatollah“, schicke „intellektuelle Rufmörder“ los. Er betreibe eine Art ideologischer Inquisition. Habermas habe „in seinem Leben keinen originellen Gedanken gedacht“. Er sei ein Epigone, kein wirklicher Denker.
Habermas und andere attackieren als nächstes den klassischen Wahrheitsbegriff
Aber zurück zu unserem eigentlichen Thema, dem, womit Adorno, Habermas und die Frankfurter Schule den größten Schaden anrichteten, indem sie das Ziel der Wissenschaft neu bestimmten: Wissenschaft solle nicht mehr möglichst neutral, wertfrei und objektiv versuchen, zu erkennen, was ist, Tatsachen beschreiben und erklären oder sogar vorhersagen, sondern Aufgabe von Wissenschaft sei die Kritik der bestehenden Verhältnisse. Emanzipation (Befreiung) des Menschen und Transformation der Gesellschaft.
Hinzu kam, dass Habermas (wie auch einige andere) ab den 1970er Jahren den klassischen Wahrheitsbegriff attackierte. Traditionell verstand man unter Wahrheit, dass ein Satz genau dann wahr ist, wenn er etwas über die Realität aussagt, was sich in der Realität auch tatsächlich so verhält, wie es beschrieben wird (meist Korrespondenztheorie genannt). Habermas, der nicht zwischen Wahrheitsdefinition (Was bedeutet das Wort „Wahrheit“?) und Wahrheitskriterium (Wie stellt man fest, ob eine Aussage wahr ist?) differenzierte (mangelnde Diskrimination), definierte um 1973 Wahrheit wie folgt um:
Eine Aussage „p“ ist wahr, wenn sie unter idealen Bedingungen (in einer idealen Sprechsituation, einem herrschaftsfreien Diskurs) einen zwanglosen Konsens aller Betroffenen erzielen könnte. Wahrheit ist also die Konsensfähigkeit unter Bedingungen herrschaftsfreier Kommunikation.
Abkoppelung von der Realität und Leugnung von kollektiven Irrtümern
Die Realität kam in dieser Wahrheitsdefinition überhaupt nicht mehr vor. Das hatte fatale Folgen. Die Menschen koppelten sich immer mehr von der Realität ab. Als Wahrheitsdefinition ist dies also völlig ungeeignet. Hinzu kommt, dass ein Konsens bei manchen Themen de facto oft nicht gefunden wird, so dass gar nicht klar wird, was denn jetzt wahr sein soll. Die Formulierung „erzielen könnte“ sollte dem Rechnung tragen, aber woher will man wissen, welcher Konsens in einer idealen Sprechsituation gefunden werden könnte, wenn es diese meist nicht gibt. Also auch als Wahrheitskriterium war diese Beschreibung untauglich.
Aber die Probleme dieser Konzeption gehen noch tiefer. Vor dreitausend Jahren wären die Menschen in einer idealen, herrschaftsfreien Sprechsituation zu dem Konsens gekommen, dass die Erde die Form einer Scheibe habe. Die Aussage, die Erde habe die Form einer Kugel, sei laut Habermas damals falsch gewesen. 700, 800 Jahre später wäre man im antiken Griechenland zu dem Konsens gekommen, die Erde habe die Form einer Kugel. Die gleiche Aussage wäre nun wahr gewesen und zwar nicht deswegen, weil die Erde in Wirklichkeit tatsächlich näherungsweise kugelförmig sei, sondern weil man sich darauf in einem herrschaftsfreien Diskurs geeinigt hätte. In der Habermas-Konzeption wechseln also nicht nur Ansichten über das Sein der Dinge, sondern die Wahrheit selbst wechselt. Die Idee eines kollektiven Irrtums scheint in der geistigen Welt Habermas‘ gar nicht vorzukommen. Sollte die Erde eines Tages vollkommen vom Islam beherrscht werden, so würde man wohl zu dem Konsens kommen, a) dass Allah tatsächlich existiert, b) dass Mohammed sein (entscheidender) Prophet war und c) dass der Koran das Originalwort Allahs sei, ferner dass d) alle anderen Religionen und Weltanschauung Irrlehren seien. Einige Jahrhunderte später wären man dann womöglich einig, dass e) es niemals andere Religionen gegeben habe. Auch das alles wäre nach Habermas wahr.
Erst ein viertel Jahrhundert später sieht Habermas ein, dass sein Wahrheitsbegriff völlig ungeeignet ist
Irgendwann merkte Habermas dann selbst, dass sein Wahrheitsbegriff nichts taugte, weil insbesondere der Realitätsbezug vollkommen fehlte. Immerhin dieser eine Punkt wurde ihm bewusst. Das zu erkennen, brauchte er aber ein viertel Jahrhundert. Erst Mitte/Ende der 1990er Jahre („Wahrheit und Rechtfertigung“, 1999), als er bereits knapp 70 war, legte er dann einen neuen Wahrheitsbegriff vor, der wenigstens den Realitätsbezug mit aufgriff, wenngleich er noch immer an seiner Konsensidee festzuhalten versuchte.
Aber auch hier war der Schaden bereits angerichtet. Ein viertel Jahrhundert lang, wurde von Habermas und all seinen Anhängern mit einem völlig inadäquaten Wahrheitsbegriff operiert, was, so meine These, die postmoderne Tendenz weiter verstärkte, sich immer mehr von der Realität abzukoppeln. Und sein neuer Wahrheitsbegriff war zwar weniger schlecht, weil er zumindest einen schwerwiegenden Mangel behoben hatte, aber er war noch immer voller Mängel.
Immer mehr vor allem postmoderne (antimoderne) Strömungen übernehmen das neue Ziel der Wissenschaft: die Gesellschaft umformen
Mit anderen Wahrheitsbegriffen und der Abkehr vom klassischen Wissenschaftsziel, Erkenntnisgewinn, operierten später auch etliche andere Strömungen. Der zweite Werturteilsstreit („Positivismusstreit“) begann 1961.
- Ende 1961 erschien die politische Kampfschrift „Die Verdammten dieser Erde“ des französischen Psychiaters und Vordenker der Entkolonialisierung Frantz Fanon.
- 1962 veröffentliche der US-amerikanische Physiker, Wissenschaftsphilosoph und Wissenschaftshistoriker Thomas S. Kuhn sein berühmtes Werk The Structure of Scientific Revolutions (Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen). Darin argumentierte Kuhn, den Wissensbegriff relativierend, dass die Wissenschaft nicht durch eine lineare Ansammlung neuen Wissens voranschreite, sondern periodischen Revolutionen unterliege, sogenannten Paradigmenwechsel, in denen sich die Art der wissenschaftlichen Untersuchung innerhalb eines bestimmten Bereichs abrupt verändere.
- Ab Mitte/Ende der 1960er Jahre begann in Frankreich das Wirken von Michel Foucault und seiner Diskursanalyse. Foucault wird oft dem Poststrukturalismus zugerechnet.
- Kurz darauf, ab 1967 betrat ebenfalls in Frankreich Jacques Derrida, der Begründer und Hauptvertreter der Dekonstruktion die Bühne der Öffentlichkeit.
- „Orientalism“ von Edward W. Said ist dann 1978 quasi das Gründungsdokument des modernen Postkolonialismus.
- Um 1990 entwickelt sich die Queer Theory als Kritik an „essentialistischen Identitätspolitiken“ („wir sind einfach so geboren“) und will Normen radikal dekonstruieren.
- Ab den 1990er entwickelt dann vor allem die US-Amerikanerin Judith Butler in der Tradition des Poststrukturalismus und der Queer-Theorie die Gender Studies. Butler vertritt einen völlig radikalen Ansatz: Es gebe kein vorgängiges, natürliches biologisches Geschlecht, das unabhängig von Kultur existiere. Das Geschlecht sei genauso diskursiv konstruiert wie Gender, die Geschlechtsidentität, also wie sich jemand fühlt. Beide, die Geschlechtsidentität und das Geschlecht, gender and sex, würden entstehen durch „wiederholte performative Akte“, wären also ein reines Konstrukt. Diese Ideologie erinnert ein wenig an Voodoo-Zauber, wo durch eine Art magische Sprechakte die Realität verändert werden soll. Näheres dazu hat die Philosophin Dr. Claudia Simone Dorchain hier ausführlich untersucht und dargelegt. All das widerspricht natürlich vollkommen den echten Wissenschaften, insbesondere der Biologie, siehe hier und hier.
Unsere Hochschulen wurden zu Brutstätten von sozialen Kriegern und die fluteten dann fast alle Schlüsselpositionen in der Gesellschaft
Was alle diese zumeist postmodernen Strömungen, die heute die meisten westlichen Hochschulen dominieren, eint, ist, dass sie das Postulat übernommen haben, dass klassische werturteilsfreie Wissenschaft, die nicht auf Umgestaltung der Gesellschaft, sondern auf Erkenntnisgewinn und Wissenserwerb abzielt, nicht sinnvoll, gar nicht möglich oder „naiv“ wäre. Der Aktionismus wurde im Laufe der Jahrzehnte immer schlimmer. Immer mehr pseudowissenschaftliche Lehrstühle, Fakultäten und Hochschulen bildeten immer weniger echte Wissenschaftler, dafür immer mehr Social Justice Warriors aus.
Diese übernahmen dann Schlüsselpositionen in den Massenmedien (Print, TV, Hörfunk), in den sozialistischen Parteien, in den Gewerkschaften, in unseren Staatsanwaltschaften und Gerichten, in den Schulen, in den „Nicht-Regierungs-Organisationen“ (NGO), die nicht selten von der Regierung respektive der Staatsgewalt finanziert werden, inzwischen sogar in den christlichen Kirchen und zum Teil auch in den Unionsparteien sowie der FDP.
Dazu Peter Sloterdijk:
»… so bleibt es doch eine Tatsache, daß der Breitenerfolg der Frankfurter Schule auf der Ebene diffuser Mentalitätsprägungen nach wie vor beachtlich ist. Man könnte sogar behaupten, daß der ganze linksliberale Block, das mentale Mittelfeld der deutschen Medienlandschaft, aus ihren vagen Adepten besteht, das heißt aus Leuten, die für sich den Vorzug in Anspruch nehmen wollen, kritischer zu sein als der affirmative Rest. Für diese überwältigende Mehrheit ist es charakteristisch, daß sie sich als eine bedrohte Minderheit ausgibt – weswegen sie ihre Hegemonie gern im Stil von Widerstand gegen eine Übermacht ausübt.« (Peter Sloterdijk: Die Sonne und der Tod. Dialogische Untersuchungen. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 2001, S. 62 f.)
Das Grundprinzip ist seit Marx immer das gleiche: Es werden Sündenböcke in der eigenen Gesellschaft konstruiert, die dann bekämpft werden
Inzwischen sind die westlichen Gesellschaften fast vollständig in der Hand dieser linksradikalen Ideologien, die alle irgendwie zwar recht unterschiedlich, aber letztlich doch auf den Marxismus rekurrieren und immer irgendwelche Feindbilder in der eigenen Gesellschaft konstruieren, die als Sündenböcke fungieren für das ganze Elend dieser Welt und die daher mit aller Macht bekämpft werden müssen.
Und diese linksradikalen Ideologien wenden sich inzwischen meist ganz extrem gegen die griechisch-römische, jüdische-christliche abendländische Kultur, gegen den freiheitlich-demokratischen, marktwirtschaftlichen Westen, gegen den westlichen „Kapitalismus“, „Kolonialismus“ und „Imperialismus“, der als der große Unterdrücker aller Elenden dieser Welt angesehen wird, dessen Reichtum auf der Ausbeutung dieser resultiere.
Adorno, Habermas & Co. waren für das erste falsch Abbiegen maßgeblich mit verantwortlich
Mit solchen Vorstellungen werden Millionen Studenten in nahezu allen westlichen „wissenschaftlichen“ Hochschulen systematisch indoktriniert und weniger zu echten Wissenschaftlern, sondern immer mehr primär zu Kriegern der „Sozialen Gerechtigkeit“ und des gegen das Abendland gerichteten „Antikolonialismus“ herangezogen. Mit all den Folgen die wir seit langem gegenwärtigen.
Adorno und Habermas kam in dieser gigantischen Fehlentwicklung, die, falls wir die Kurve nicht bekommen sollten, zum Untergang unserer jahrtausendealten, einmaligen Kultur führen wird, eine nicht unbedeutende Rolle zu. Adorno zog sich von der Entwicklung schon 1968 zurück und er starb dann 1969, bekam dann von der weiteren Entwicklung nichts mehr mit. Habermas, der 1968 schon das Abdriften seiner Studenten in den Linksextremismus und Linksterrorismus entschieden abgelehnt hatte („Linksfaschisten“), lehnte später etliche Fehlentwicklungen der postmodernen Denkrichtungen ebenfalls ganz entschieden ab (Zauberlehrling, dem die Geister, die er heraufbeschworen hatte, entwichen) aber er war zusammen mit Adorno und der Frankfurter Schule, der „Kritischen Theorie“, einer derjenigen, wahrscheinlich sogar der wichtigste von diesen, die für das erste falsche Abbiegen maßgeblich mitverantwortlich waren. Genau damit begann das Elend.
Abschließender Hinweis
Wie sich das Ganze in den letzten zehn Jahren weiter entwickelte, siehe hier: Kulturkampf 2.0: Die große Neuausrichtung.
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