Ein kaputtgerührter Brei, der zum Himmel über Europa stinkt

Ein Gastbeitrag von Joseph Emich Rasch, Di. 24. Jul 2018

Die eklatanten Konflikte in diesem zaudernden Deutschland kommen erst noch, konstatiert Joseph Emich Rasch. Über Europa ziehen aber auch schon drohende Sturmwolken auf und der böse Clown Trump mimt schon mal den apokalyptischen Reiter.

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Es sieht alles andere als gut aus. In mehr und mehr europäischen Regierungen wuchert der Spaltpilz im ächzenden Gebälk. Siehe Berlin, die Regenten, mit und ohne mehr oder weniger demokratischer Legitimation, halten sich beim Stelldichein im weingeschwängerten Brüssel-Kreis, aber gerne auch anderswo, lieber gegenseitig die Ohren zu, statt ganz einfach die sich auftürmende Arbeit zu tun – und streiten sich vorzugsweise um des Kaisers Bart, statt ihn ohne langes Klagen abzuschneiden.

Auf diesem morschen Narrenschiff – oder ist es doch eine hoffnungslos überlaufene Markthalle der verblassenden Eitelkeiten? – quillt bereits eitriger Schaum aus den Winkeln und in den Fässern vermodert der Stoff, aus dem dereinst die Wohlstandsträume waren. Der Fisch stinkt bekanntlich vom Kopfe her. Und wie! Man riecht es sogar schon in den stillen Straßen der teueren Wohlfühlquartiere.

Ein schwankender Jean-Claude Juncker – aus welchen Gründen auch immer – ist da nur eine symbolistisch gelittene Gestalt aus einer Phantasmagorie, die von Helmut Kohl und seinen stets getreuen Kofferträgern geschaffen worden war. Doch die normative Kraft des Faktischen, in persona die jeweiligen EZB-Lenker und ihr Euro, hat früh dafür gesorgt, dass phantasievoll kreierte Alternativen in einem Europa der Partner, der Freunde und – natürlich auch – der europäischen Cousinen und Cousins gar nicht erst erblühen konnten.

Das Ende der Schonzeit ist gekommen

Das Haus Europa wollte und konnte jedoch niemals ein Schlafsaal für alle sein; höchstens ein Großraumbüro. Weitere „Berührungspunkte“, vor allem viele kulturelle Gemeinsamkeiten, waren aber doch nie ausgeschlossen, ja sogar erwünscht und innovativ. Doch die erschlossenen Freiräume im gemeinsamen „Haus“ wurden immer wieder schnell bürokratisch verbarrikadiert, ökonomisch verkleistert oder ganz einfach pathetisch zu Tode gejubelt.

Eine gewisse Identität konnte  sich da bei den heranwachsenden Generationen im über die  Jahrhunderte kulturell ohnehin stets verbundenen Mitteleuropa politisch nur ansatzweise entwickeln. Ganz zu schweigen von der Unmöglichkeit, ein tieferes Vertrauen in „europäische“ Institutionen zu verspüren.

Nun aber stellen die immer noch dilettierenden Zauderer von Berlin, Paris, London und Brüssel erschüttert fest, welche eklatanten Fehler sie nicht nur begangen, sondern auch nicht behoben haben. Donald Trump, das große böse Kind mit einem Hang zum instinktsicheren Schuss aus der Hüfte, sorgt nun mit seinen soziopathischen Ausfällen dafür, dass sich das Chaos ersten stürmischen Höhepunkten nähert. Der Zoll-Terror vor allem gegen die deutsche Automobilindustrie spricht eine deutliche Sprache. Das Ende der einfältig verbrieften Schonzeit von Europäern ist also gekommen. In mancher Causa ist bereits längst nichts mehr zu schonen.

Nichts bleibt schön

Indes gratuliert der chronisch beleidigte Despot Erdogan dem gleichfalls beleidigten Untertan mit deutschem Pass, Özil, weil dieser trotzig-motzig, aber natürlich ferngesteuert – denn er selbst wäre zu solchen Verbalattacken intellektuell gar nicht fähig – dem DFB das Nationaltrikot vor die Füße geworfen hat. Das hätte er besser, und vor allem freiwillig, gleich nach dem  unsäglichen Wahlkampf-Bückling für „seinen“ Präsidenten aus Ankara tun sollen. Dann wäre vielleicht noch eine Spur von Glaubwürdigkeit zu erkennen gewesen. Zehn Wochen nach dem „osmanischen Händedruck“ in London bleibt für derlei Presse-Verlautbarungen mit Seitenhieben nur Gelächter. Dass sich auch der DFB mit seinem unschlüssigen Vorstand Grindel, wie in fast allen anderen Fällen in diesem unseligen Gebräu aus Interessen- und Parteipolemik, nicht mit Ruhm bekleckert hat, muss nicht großartig unterstrichen werden.

Das ist nur ein entlarvendes Exempel dafür, dass es mit der so oft beschworenen, nicht selten geradezu herbeigebeteten Integration von Nicht-Europäern nicht weit her ist, nicht weit her sein kann – und nicht sein wird. Und Multi-Kulti, dieses scheinheilige Gehopse aus der Frankfurter Szene in den 70-er Jahren, ist nur noch ein kaputtgerührter Brei, der zum Himmel über Europa stinkt.

Nichts bleibt schön – selbst nicht das Erfundene. Auf den Straßen dieses Landes wird das in doch absehbarer Zeit zu spüren sein. Die Protagonisten der noch wortführenden Merkelismus-Gesellschaft und ihre weitgehend loyalen Systemmedien wollen das natürlich nicht wahrhaben. Nur in der zunehmend widerspenstigen Partei von Seehofer sowie seinen angefeindeten Mitstreitern Söder, Dobrindt und Blume scheint sich eine Ahnung breit zu machen. Geisterhaft getrieben von der AfD, die nun mal nicht abzuschütteln zu sein scheint, gerät sie jedoch langsam unter die Räder, wenn sie nicht bald selbst in die Speichen greift.

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Zum Autor: Joseph Emich Rasch, Jahrgang 1953, Linguist, Dramaturg und Kolumnist, schrieb und inszenierte diverse Theaterstücke sowie zahlreiche Satire-Programme. Im vergangenen Jahrzehnt wandte er sich vermehrt der Analytischen Philosophie zu. Er ist Lehrbeauftragter und Dozent für Kommunikation, Rhetorik und Dialektik.

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Titelbild: Pixabay, CC0 Creative Commons

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