Steht der CSU die pure Verzweiflung schon ins Gesicht geschrieben?

Von Jürgen Fritz, Fr. 5. Okt 2018

Neun Tage noch bis zur Bayernwahl und es droht immer schlimmer zu werden für die CSU. Inzwischen liegen fünf Umfragen von fünf verschiedenen Instituten vor. Wahl-O-Matrix, das von mir gegründete und deutschlandweit führende Meta-Analyse-Tool, hat diese ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis: Die CSU wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ihr schlechtestes Ergebnis seit 68 Jahren einfahren, ja mehr noch, ihr droht ein wahres Debakel. Sie wird wohl mindestens ein Viertel ihrer Wähler verlieren, womöglich sogar fast ein Drittel.

Wahl-O-Matrix Wasserstandsmeldung gut eine Woche vor der Wahl

Unter 45 Prozent kam die CSU bei bayerischen Landtagswahlen nur dreimal, zuletzt vor zehn Jahren (2008). Damals waren es 43,4 Prozent, was für die CSU bereits ein sehr schlechtes Ergebnis war, lag sie fünf Jahre zuvor (2003) doch noch bei über 60 Prozent. Unter der 40er-Marke lag sie nur zweimal: 1950 und 1954. Vor 64 Jahren waren es 38,0 Prozent. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit wird die CSU in zwei Wochen selbst diese Marke unterschreiten.

Denn inzwischen liegen fünf aktuelle Umfragen (nicht älter als drei Wochen bezogen auf den mittleren Tag der Befragung) vor von fünf verschiedenen Instituten: Civey für Spiegel online / Augsburger Allgemeine, INSA für die Bild, GMS für Sat1 Bayern, Infratest dimap für den Bayerischen Rundfunk von gestern und Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF von heute. Wahl-O-Matrix hat alle fünf Umfragen ausgewertet und den Durchschnitt berechnet. Dies ist noch keine Wahlprognose, wie die Leute in neun Tagen abstimmen werden, sondern der aktuelle Umfragepegel, wo die Wahlberechtigten im Moment deutlich hinneigen.

  1. CSU: 33 – 36 %, Durchschnitt: 34,6 %
  2. GRÜNE: 16 – 18 %, Durchschnitt: 17,4 %
  3. AfD: 10 – 14 %, Durchschnitt: 11,8 %
  4. SPD: 11 – 13 %, Durchschnitt: 11,8 %
  5. Freie Wähler: 8,6 – 11 %, Durchschnitt: 9,9 %
  6. FDP: 5 – 6 %, Durchschnitt: 5,5 %
  7. LINKE: 3,3 – 5 %, Durchschnitt: 4,1 %
  8. Sonstige: 4 – 6,5 %, Durchschnitt: 4,9 %
2018-10-05-Wahl-O-Matrix

(c) Jürgen Fritz

CSU wird ihr Waterloo erleben, Grüne und AfD werden performen

Sollte in den nächsten neun Tagen nichts mehr Dramatisches passieren, was die Wähler in ihrer Entscheidung beeinflussen wird, so muss die CSU damit rechnen, mehr als ein Viertel, womöglich sogar fast ein Drittel ihrer Wähler zu verlieren und wird von zuletzt 47,7 Prozent vor fünf Jahren auf ca. 33 bis 36 Prozent einbrechen, mithin ein Minus von ca. 12 bis 15 Punkten einfahren. Momentan würde Wahl-O-Matrix auf ca. 34 bis 35 Prozent schätzen, wobei der Trend eher nach unten als nach oben geht.

Die Grünen liegen inzwischen klar auf Platz 2 und werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein für sie phantastisches Ergebnis einfahren. Noch niemals waren sie bei bayerischen Landtagswahlen im zweistelligen Bereich. Zuletzt waren es 8,6 Prozent, davor 9,4, was bislang ihr bestes Resultat war. Das werden sie deutlich toppen und höchstwahrscheinlich sogar über 16 Prozent erreichen können. Ob es tatsächlich sogar über 17 werden, wird man sehen müssen.

Die AfD wird sich mit der SPD einen Zweikampf um Platz 3 liefern. Im Moment sieht es so aus, dass die AfD hier die Nase knapp vorne hat. Die Unterschiede sind hier allerdings so gering, dass sich das noch ändern kann. Aktuell würde Wahl-O-Matrix vermuten, dass es der AfD gelingen wird, sich noch ein wenig weiter abzusetzen und die SPD hinter sich zu lassen. Auf jeden Fall wird die AfD erstmals in den bayerischen und damit in den 15. der 16 Landtage einziehen und das mit einem zweistelligen Ergebnis, wahrscheinlich um die 12 Prozent, wenn es die nächsten neun Tage optimal laufen sollte, vielleicht auch 13 bis 14 Prozent.

Die SPD wird noch stärker einbrechen als die CSU, für FDP wird es eng und für Die Linke fast unmöglich

Die SPD wird ein ähnliches Waterloo erleben wie die CSU. Zuletzt (2013) lag sie bei 20,6 Prozent, fünf Jahre davor (2008) bei 18,6 Prozent. Das war ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten. In ihren Glanzzeiten lag sie in Bayern bei über 30, manchmal sogar über 35 Prozent. Jetzt liegt sie noch bei ca. einem Drittel davon. Viel mehr als 12 Prozent werden es kaum werden. Sollte die nächsten neun Tage auch noch schlecht laufen, dann könnte die SPD sogar auf um die 11 Prozent abstürzen, würde im Vergleich zu 2013 mithin fast die Hälfte ihrer Wähler verlieren.

Die Freien Wähler dürften ein ähnliches Ergebnis erzielen wie die letzten beide Male: 9 Prozent (2013) bzw. 10,2 Prozent (2008). Für die FDP könnte es dagegen sehr eng werden, ob sie die Fünf-Prozent-Marke schaffen wird. Momentan sieht es so aus, dass sie den Einzug schaffen wird. Irgendwelche Patzer in den nächsten Tagen, dann könnte die magische Marke aber schnell unterschritten werden.

Die Linke hat dagegen nur geringe Chancen, den Einzug ins Maximilianeum zu schaffen. Über 4 Prozent wird die Luft in Bayern enorm dünn für die SED-Nachfolger. Keines der fünf Instituten sieht sie derzeit über 4,5 Prozent, Civey sogar nur bei 3,3.

Regierungsbildung

Die CSU wird auf jeden Fall anders als elf der letzten zwölf Legislaturperioden mindestens einen Partner benötigen, um eine Mehrheit im Landtag zu erhalten. Wenn wir davon ausgehen, dass die FDP den Einzug knapp schaffen wird, Die Linke aber nicht, dann werden um die 45 bis 46 Prozent der Gesamtstimmen notwendig sein, um die Mehrheit der Sitze im Maximilianeum zusammenzubekommen.

Für CSU + FDP wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit also auch nicht reichen. Selbst für CSU + Freie Wähler könnte die Mehrheit verfehlt werden, nach aktuellem Stand würde es nicht reichen für Schwarz-Orange. Mit der SPD oder der AfD würde es nach aktuellem Stand wahrscheinlich reichen, mit den Grünen zusammen auf jeden Fall. Sollte die CSU noch weiter abrutschen auf unter 34 Prozent, so kann der Fall eintreten, dass auch die SPD als Koalitonspartner nicht mehr reicht. Wenn die CSU die AfD kategorisch ausschließt, wovon auszugehen ist, dann bliebe nur ein Dreierbündnis zum Beispiel mit Freie Wähler und FDP oder eine Koalition mit den Grünen.

Wer also CSU wählt, kann mitunter Die Grünen mitbekommen. Und Katharina Schulze, die Spitzenkandidatin der Grünen, könnte dann womöglich nicht nur Ministerin, sondern auch stellvertretende Ministerpräsidentin werden, was nicht wenige als Horrorszenario empfinden dürften.

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Titelbild: YouTube-Screenshot von Markus Söder (CSU), dem bayerischen Ministerpräsidenten

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